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Türkei: Inflation steigt wieder – staatlich getriebener Anstieg! Erdogan drängt Notenbank

Wie heute offiziell bekanntgegeben wurde, ist die Inflation in der Türkei im Juli wieder angestiegen, und zwar von 15,72% im Juni auf 16,65% im Juli. Seit Oktober 2018 gab es einen fast konstant anhaltenden Abwärtstrend in der Inflationsrate der Türkei. In der Spitze lag der Wert im Oktober noch bei 25,24%.

Türkei Inflation 2018 und 2019

Türkische Lira nach Inflationsdaten

Die türkische Lira hat nach Bekanntgabe der heutigen Inflationsdaten wie so oft in den letzten Wochen reagiert. Nämlich merkwürdig. Ein Anstieg in der Inflation hätte eigentlich eine fallende Lira bringen müssen, aber nein. Sie steigt sogar ein wenig an. USD vs Türkische Lira fällt nämlich von 5,58 auf 5,56. Seit Mai fiel das Währungspaar von 6,20 auf jetzt 5.56. Eine eigentlich unerklärliche Aufwertung für die türkische Lira! Denn vor kurzem hatte die Zentralbank ja erst den Leitzins für die Türkei „mal eben“ um 4,25 Prozentpunkte gesenkt. Auch das konnte der Lira nichts anhaben. Ein böser Schelm, wer hier Interventionen der türkischen Zentralbank vermutet, um die Lira zu stützen. Im „Großen Bild“ ist für die türkische Lira das Problem, dass sie seit Jahren enorm abwertete. Zwar ist sie von ihrem Tief aus August 2018 wieder weit entfernt. Aber Man schaue auf den folgenden Chart von USD vs Türkische Lira seit dem Jahr 2010. Der Kurs lag 2011 noch bei 1,60, und jetzt halt bei 5,56. Das ist immer noch eine wahnsinnig hohe Abwertung!

USD vs Türkische Lira seit 2010

Türkei mit „hausgemachter Inflation“

Der aktuelle Anstieg der Inflation kann als „hausgemacht“ bezeichnet werden. Denn Ende Juni waren staatliche Steuerermäßigungen für Autokäufer ausgelaufen. Dazu zählte unter anderem eine Luxussteuer auf Neuwagen. Durch das Auslaufen der Ermäßigungen sind die Verkaufspreise im Juni natürlich wieder gestiegen. Hinzu kommt auch, dass die türkische Behörde zur Regulierung des Energiemarktes im Juni entschieden hatte die Strompreise für die Türkei um fast 15% anzuheben. Denn die Energiepreise seien stark gestiegen.

Erdogan drängt weiter

Huch? Steigende Preise? Eigentlich greift Präsident Erdogan doch gerne als regulierender Faktor ein. Steigende Preise darf es nicht geben, und die Inflation könne man mit sinkenden Zinsen bekämpfen, so seine Meinung… dass es eigentlich genau andersrum läuft… geschenkt. Gestern forderte Erdogan die Zentralbank dazu auf die Zinsen noch weiter zu senken. Ob und wie lange bleibt der Kurs der türkischen Lira derart ruhig? Wir wissen es nicht. Man kann sich in den letzten Wochen eh nur wundern, dass sie nicht abwertet! Zinsen dramatisch stark gesenkt, Zentralbankchef mal eben gefeuert. Und die Lira fällt nicht, sondern steigt sogar.

Und die türkische Wirtschaft? Dass es den Unternehmen bei der auf lange Sicht gesehen immer noch enorm schwachen Lira nicht gut geht, zeigt folgende zahl. Laut türkischer Bankenaufsicht gibt es jüngst 4,46% Schrottkredite in der Türkei. Die „Deniz Bank“ errechnet anhand dieser Zahl eine Steigerung von 84,8% gegenüber dem Vorjahr. Das zeigt eine alles andere als gesunde Entwicklung in der Türkei.

Zentralbank mit aktueller Verkündung

Die türkische Zentralbank hat sich heute (rein zufällig parallel zu den Inflationsdaten?) zu Wort gemeldet. Zur „Unterstützung der Finanzstabilität“ in der Türkei wurden die Mindestreservesätze für Deviseneinlagen/Partizipationsfonds um 100 Basispunkte für alle Laufzeitklassen erhöht, und der Vergütungssatz für auf US-Dollar lautende Mindestreserven, Reserveoptionen und freie Reserven bei der Zentralbank wurden um 100 Basispunkte gesenkt, und auf 1 Prozent festgelegt. Infolge dieser Maßnahmen werden laut Zentralbank rund 2,1 Milliarden US-Dollar Devisenliquidität aus dem Markt genommen.



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