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TV-Tipp: Hans-Werner Sinn und der „Schwarze Juni“

Hans-Werner Sinn im Interview über das, was unter einer eskalierenden EZB in der Eurozone abläuft!

Redaktion

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FMW-Redaktion

Der „Großökonom“ Deutschlands, Hans-Werner Sinn, ist bekanntlich nicht unumstritten. Aber selbst wer kein Fan des ehemaligen ifo-Chefs ist, dürfte in seinem neuen Buch „Der schwarze Juni“ manch Anregung finden, und einen breiten Daten-Fundus allemal (mit dem „schwarzen Juni“ meint Sinn den Brexit einerseits, sowie die OMT-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das unbegrenzte Haftungsrisisken für Deutschland bringt).

Gestern war Sinn Gast bei Peter Voß in 3sat – und wer das nicht gesehen hat, kann das hier noch einmal nachholen. Wir finden das sehenswert – unter anderem deshalb, weil Sinn hier zeigt, was abläuft in der Eurozone unter der Ägide einer eskalierenden EZB!

Das Interview in der 3sat Mediathek sehen Sie hier..

hans-werner-sinn
Der ehemalige ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Foto: Romy Bonitz, ifo Institut / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

18 Kommentare

18 Comments

  1. Avatar

    GN

    21. November 2016 16:10 at 16:10

    …..für Pfrof. Unsinn verlange ich Schmerzensgeld…….:-(

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      21. November 2016 16:19 at 16:19

      @GN, oder Sie verstehen das als Erweiterung ihrer doch sehr ideologisch definierten Geld-Theorie! Ich habe ja durchaus Sympathie für die Österreichische Schule, aber mehr für ihre Diagnose der Probleme der derzeitig ökonomischen Mainstream-Theorie, als für ihre Lösungsgansätze. Und die von Ihnen, @GN, immer wieder angeprangerte Geldschöpfung aus dem Nichts durch Banken ist nicht das eigentliche Problem!

      • Avatar

        GN

        21. November 2016 17:26 at 17:26

        Lieber Markus Fugmann, was soll denn bitte sonst das Problem sein, alsdie ausufernde Geldschöpfung und die damit 1:1 verbundene Ausweitung der Verschuldung????

        Ideologie predigen Leute wie Sinn und nicht ich…….VG

        • Avatar

          GN

          21. November 2016 18:59 at 18:59

          ….ich schicke Ihnen mal einen Link zu einer sehr interessanten Stellungnahme, daraus können Sie entnehmen, daß ich mit meiner Meinung doch nicht ganz alleine bin. Die Meinungsträger sind allesamt keine lächerlichen Verschwörungstheoretiker oder lobby-finanzierte Mietmäuler. Dazu gehört z. B. kein geringerer als derschweizer Prof. Binswanger, vielleicht besser bekannt, als der Doktorvater von Josef Ackermannn….VG

          https://www.freitag.de/autoren/kov-kreditopferverein/irrlehren-der-wirtschaftswissenschaften

          • Markus Fugmann

            Markus Fugmann

            21. November 2016 19:11 at 19:11

            @GN, dass Sie damit nicht alleine sind, ist mir ja schon klar! Und natürlich ist die Geldschöpfung aus dem Nichts nicht unproblematisch, vor allem deshalb, weil sie eskalieren kann (aber nicht zwangsläufig muß). Das Problem der Geldschöpfung aus dem Nichts entsteht doch dann, wenn das Geld (oder die Geldmenge) schneller wächst als die Wirtschaft. Nun haben wir in Deutschland ja schon Jahrzehnte die Geldschöpfung aus dem Nichts der Banken, und doch gibt es in Deutschland keine extreme Verschuldung etwa im Privatsektor oder Unternehmenssektor, die von den Banken ja kreditiert werden. Und auch lange keine Inflation, fast schon eher das Gegenteil (was doch eigentlich der Fall sein müßte, wenn Sie recht haben mit den fatalen Folgewirkungen der Geldschöpfung aus dem Nichts, oder?). Theoretisch wird das aus dem Nichts geschaffene Geld, das eine Bank schafft, wenn sie einen Kredit ausgibt ja, durch dessen Rückzahlung wieder neutralisiert (mit Ausnahme der von den Banken dadurch vereinnahmten Zinsen als Risikoprämie für die Gefahr des Ausfalls eines Kredits; aber den zahlt der Gläubiger, mithin wird das Geld durch den Zins nicht mehr, es wechselt nur den Besitzer)..

          • Avatar

            GN

            21. November 2016 19:16 at 19:16

          • Markus Fugmann

            Markus Fugmann

            21. November 2016 19:47 at 19:47

            und noch etwas: das aus dem Nichts geschöpfte und verliehene Geld ist ja bilanziell wirksam bei der kreditgebenden Bank: kann der Kredit nicht mehr bedient werden durch den Gläubiger, muß die Bank das aus dem Nichts geschöpfte Geld in der Bilanz negativ verbuchen, siehe italienische Banken und faule Kredite..

          • Avatar

            GN

            21. November 2016 19:50 at 19:50

            @Markus Fugmann,

            Die Probleme, die wir heute haben, haben wir doch eindeutig erst durch die explodierende Geldschöpfung nach 1971 bekommen. Die damit gewachsene Geldmenge hat sich völlig vom Wachstum der Realwirtschaft entfernt. Die überschüssige Geldmenge floß in die Finanzmärkte und erzeugte dort riesige Spekulationsblasen. Der Gipfel dieser Geldpolitik, von dem der normale Bürger vorsätzlich im unklaren gehalten wird („die Bank verleiht das Geld der Sparer), fand sich dann in der Finanzkrise 2008/2009, die bis zum heutigen Tage ungelöst ist.

            Personen, wie der von Ihnen so geschätzte Prof. Sinn, tragen in keinster Weise zur Aufklärung der Bürger bei. Er erzählt uns bis zum heutigen Tage nur das, was der von ihm vertretenen Klientel nutzt.

            Andere Wissenschaftler, wie z. B. Prof. Jospeh Huber, Prof. Richard Werner u. A. , schenkt man vorsätzlich kein Gehör, damit „Grims-Märchenstunde der Geldtheorie“ nur ja nicht in Zweifel gezogen werden.

            Ich würde mir doch sehr wünschen, wenn Sie sich, als doch eher alternativer Finanzblog, den ich sehr schätze, auch einmal anderen Wissenschaftlern zuwenden würden….VG

          • Markus Fugmann

            Markus Fugmann

            21. November 2016 19:53 at 19:53

            @GN, sehr gerne; nur haben wir hier Hans-Werner Sinn zur Darstellung gebracht, weil er sehr prägnant und treffend das Dilemma der Eurozone beschreibt. Und das Dilemma der Eurozone hat mehr mit politischen Mechanismen und den Aktionen der EZB zu tun, als mit der Geldschöpfung der Geschäftsbanken aus dem Nichts…

          • Avatar

            GN

            21. November 2016 20:36 at 20:36

            …..ich möchte noch diesen hochinteressanten Vortrag von Prof. Richard Werner empfehlen, der sich mit der Volkswirtschaftslehre und den durch diese verbreiteten Mythen auseinandersetzt……absolut sehens-hörenswert!!!

            https://youtu.be/X6-FItgst4Y

      • Avatar

        joah

        21. November 2016 18:29 at 18:29

        »[…]immer wieder angeprangerte Geldschöpfung aus dem Nichts durch Banken ist nicht das eigentliche Problem!«

        Dies führt aber durch Verlockungseffekte dennoch zu Konsequenzen, welche meines Erachtens nach ebenfalls als entsprechende Reaktionen in den Vordergrund treten. Der darin nicht enthaltenen Zins gibt der Systematik dann den Rest, bei welchem die menschliche Psychologie letztendlich sperrt.
        Gegendarstellung erwünscht, vielleicht kann ich meinen Wissenshorizont ja noch erweitern. Wie wäre es mit der Antwort als Artikel?

    • Avatar

      Michael

      21. November 2016 22:29 at 22:29

      Was der Mann sagt, hat doch Hand und Fuß.
      Was Sie sagen, ist Sinn-los und fern jeder Diskussionsgrundlage, auch wenn ich wegen dieser Ansicht wieder als Pharisäer eingestuft werde.

  2. Avatar

    Mulinski

    21. November 2016 17:45 at 17:45

    Sinn müsste Finanzminster sein.

  3. Avatar

    gerd

    21. November 2016 17:50 at 17:50

    Großartiger Tipp!
    Alleine schon für diesen wertvollen Hinweis auf das Video, hat es sich gelohnt, FMW zu lesen.

    Bei dem langweiligen Finanzmarktgeschehen derzeit, sollte jeder mal das Video nebenbei anhören. Selbst wenn man evtl. vieles schon selber weiß, oder meint, es zu wissen.

    (Bis vor einigen Jahren war mir Prof. Sinn auch ein klein wenig suspekt. Aber ich musste meine Meinung ändern)

  4. Avatar

    asyoulike

    21. November 2016 18:03 at 18:03

    Moin, moin,

    im Westen nichts Neues. So einfach. Für mich auf den Punkt gebracht, die BRD muss zahlen, in welcher Form auch immer. Da ich das Interview nur ca. 20 Minuten mit anhören konnte, habe ich das Video beendet, mehr verträgt man nicht, weil es m.E. alles so stimmt, wie von Prof. Sinn erläutert.

    Die anderen EU-Länder machen Schulden, um an der Regierung zu bleiben. Dafür kommen in der BRD neue Steuern und Abgaben nach der Bundestagswahl.

    Interessant die Darstellung des Zuwanderungsanreizes ins BRD-Sozialsystem. Das dass so einfach ist, ist schon überraschend. Das Prof. Sinn das aber so offen sagt bzw. sagen darf ist schon erstaunlich.

    Fazit: Das „Spiel“ scheint m.E. bis zum totalen Zusammenbruch des Papiergeldsystems zu gehen und niemand wird die Schuld haben.

    Was bleibt, ist die Frage, wie man als Otto-Normalverbraucher das kleine eigene „Vermögen“ (die Aktiva) in „Sicherheit“ vor den Fiskus bringt? Vielleicht sind es Krügerrand und Co., sind es Aktien, ist es Grund und Boden? Also es bleibt spannend.

    • Avatar

      joah

      21. November 2016 18:21 at 18:21

      »[…] und niemand wird die Schuld haben.«

      Doch: man wird dem/der kleinen Mann/Frau die Schuld zu schieben – üben Sie schon mal Ihr Gelächter dazu, wenn es dann kommt.

    • Avatar

      Petkov

      21. November 2016 21:16 at 21:16

      Guten Abend, Sie wissen sicherlich selber, dass man Grund und Boden am schwierigsten vom Fiskus verstecken kann… Außer Ihr Grundstück ist in Griechenland, da gibt es kein Kataster. Für mich sind Immobilien die leichteste Möglichkeit für die Geimeinden, an Geld zu kommen – indem sie den Hebesatz für die Grundsteuer erhöhen. Aktuell weiß ich von mehreren Gemeinden mit großen und besonders teueren Flüchtlingszelten, die trotz Rekordsteuereinnahmen die Grundsteuer über den Hebesatz um bis zu 20% erhöht haben. Infrastrukturprojekte, Sanierungen etc. gibt es keine. Man hatte einfach den Bedarf gesehen, nach billigem Ermessen die Steuer zu erhöhen und zwar zu einem Zeitpunkt, wo eine Senkung noch nie angebrachter war. Ich fürchte, unter „Sicherheit“ werden die meisten von uns wohl was anderes verstehen.
      Viele Grüße

  5. Avatar

    Lars

    21. November 2016 23:34 at 23:34

    Erst einmal vorab: In dem Videobeitrag finden sich zwei interessante Bärte ;)
    Und über jedem ein interessanter und scharfer Verstand.
    Einer davon, der des Herrn Sinn, früher ein Linker, jetzt zu einem sog. bösen ökonomischen Rechten mutiert, seit es Begriffe wie „Ultra-Liberale“ gibt, obwohl er seine grundsätzliche Einstellung nicht verändert hat, sondern nur so wahrgenommen wird.
    Herr Sinn sagt doch im Kern nur aus, dass Europa von den Südstaaten auf Kosten der Nordstaaten ausgesaugt wird. Das dürfte doch Konsens sein?
    Er tritt für ein Europa ein, dass Win-Win-Situationen bevorzugt, in dem also alle etwas davon haben, wofür EURO-Europa auch geschaffen wurde. Wem das nicht gefällt, bietet er die Chance, aus einem Vertrag auszusteigen.
    Griechen, Italiener, Südfranzosen, Spanier, wer von denen kennt einen Winter? Wer muss dort schon Häuser bauen, Heizungen installieren, die 6 bis 9 Monate der Kälte und Feuchtigkeit trotzen? Dolce Vita allenthalben.
    Südeuropäer haben eine Stimmenmehrheit von 41% in Europa, wenn die großen Briten den königlichen Schwanz eingezogen haben.
    Hätten wir uns je mit diesen Luschi-Europäern einlassen sollen?

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Ernst Wolff über das globale Finanzsystem – Geld und Demokratie

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Spätestens die Wirtschaftskrise 2007/2008 ließ an der Seriosität des globalen Finanzsystems zweifeln. Wer seine Zweifel allerdings durch Sachkenntnis untermauern möchte, bekommt schnell ein Problem: Er trifft auf ein Dickicht aus komplizierten und oft widersprüchlichen Informationen, die noch dazu in einer für Laien unverständlichen Fachsprache gehalten sind. Kein Wunder also, dass der Versuch, das Finanzsystem zu verstehen, häufig schon in der Anfangsphase scheitert. Genau hier setzt Ernst Wolff an. Im Folgenden ein Ausschnitt auf der Einleitung meines neuen Buches (hier zu kaufen).

Die zwei großen Fehleinschätzungen unserer Zeit

Es gibt in unserer Gesellschaft zwei Ansichten, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen geteilt und von fast niemandem angezweifelt werden. Sie betreffen zum einen die politischen Strukturen, unter denen wir leben, und zum anderen die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität, auf der diese politischen Strukturen basieren. Zusammen bilden beide so etwas wie eine von der breiten Allgemeinheit stillschweigend akzeptierte Übereinkunft. Ansicht Nr. 1 lautet: Bei uns regiert das Volk. Ansicht Nr. 2 lautet: Das Finanzsystem ist nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft, den man nicht unbedingt verstehen muss.

Geht man diesen Ansichten auf den Grund, dann stellt man allerdings fest, dass sie nicht etwa auf intellektueller Einsicht oder auf Erfahrungswerten basieren, sondern den Menschen zunächst von Elternhaus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Universitäten mit auf den Weg gegeben und später ein Leben lang von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingetrichtert werden – mit dem Ergebnis, dass ihr Wahrheitsgehalt kaum jemals in Frage gestellt wird.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass sich hinter diesen Ansichten ganz handfeste Interessen verbergen, deren Durchsetzung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung nützt. Im Grunde handelt es sich also um zwei vorsätzlich herbeigeführte Fehleinschätzungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Sie tragen nämlich entscheidend dazu bei, die bestehende Ordnung und ihre Machtstrukturen zu festigen und verhindern so, dass die Menschen diese Strukturen durchschauen – mit der Folge, dass sie dadurch unfähig werden, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.

Sehen wir uns beide Fehleinschätzungen deshalb etwas genauer an:

Fehleinschätzung Nr. 1: „Bei uns regiert das Volk“. In einem Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs hängt ein Schild mit der Aufschrift „400 Meter von hier regiert das Volk“. Der Hinweis gilt dem südlich vom Bahnhof gelegenen Reichstagsgebäude, Sitz des deutschen Parlaments, und soll dem Betrachter ganz offensichtlich eine uns allen bekannte Botschaft vermitteln:

Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem wir als Volk das Sagen haben. Und da das Volk zu groß ist, um als Ganzes regieren zu können, übergeben wir diese Aufgabe an sogenannte Volksvertreter. Die bestimmen wir, indem wir sie alle vier Jahre wählen. Sollten sie nicht so handeln, wie wir das von ihnen erwarten, dann können wir sie nach dem Ablauf ihrer Amtszeit wieder abwählen und durch andere ersetzen.

Diese Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden uns von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben und im Verlaufe unseres Lebens durch eine Reihe weiterer Informationen ergänzt und untermauert. So erfahren wir unter anderem: Unsere Wahlen sind frei, gleich, geheim, allgemein und unmittelbar und werden auf der Grundlage einer Verfassung abgehalten, die unsere Würde für unantastbar erklärt und uns körperliche Unversehrtheit garantiert. Wir sind vor dem Gesetz alle gleich und haben das Recht, unsere
Meinung zu äußern und uns mit anderen zum Zwecke gemeinsamer Meinungsäußerung zu versammeln.

Die Formulierungen erwecken in uns den Eindruck, dass es sich bei der parlamentarischen Demokratie um ein zu unser aller Gunsten entwickeltes System handelt, das den Einzelnen schützt, dem Gemeinwohl dient und dessen oberstes Ziel darin besteht, den Willen
der Mehrheit der Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Doch ist das tatsächlich so? Wollen wir alle, dass immer weniger Menschen immer größere Vermögen anhäufen, während der Lebensstandard der Masse bestenfalls stagniert, in vielen Fällen sogar sinkt? Dass der Niedriglohnsektor explodiert, dass Arbeits- und Obdachlosigkeit um sich greifen? Dass von Jahr zu Jahr mehr Geld für Rüstung und den Ausbau von Sicherheitsapparaten ausgegeben wird, während am Bildungs- und Gesundheitswesen immer drastischer gespart wird? Sind wir dafür, dass die Umwelt zunehmend zerstört wird? Dass in unserem Namen Kriegseinsätze unterstützt werden? Dass Persönlichkeitsrechte abgebaut und wir alle immer stärker überwacht werden?

Wendet man sich direkt an die Menschen und fragt sie, was sie von dieser Entwicklung halten, dann fällt die Antwort eindeutig aus: Die meisten sind damit nicht einverstanden, viele lehnen sie sogar rundheraus ab. Wie aber kann das sein? Wie kommt es, dass zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was in ihrem Namen und auf Grund ihrer offensichtlich frei getroffenen Wahlentscheidung umgesetzt wird, ein solch krasses Missverhältnis besteht – in einer Gesellschaft, deren Verfassung doch besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht?

Wir lassen uns täuschen

Die Antwort auf diese Frage lautet: Wir lassen uns täuschen. Wir akzeptieren die wohlklingenden Formulierungen unserer Verfassung, die auf dem Gleichheitsgrundsatz basieren, und schließen daraus, dass wir alle nicht nur gleiche Rechte genießen und gleich behandelt werden, sondern dass wir alle gleich sind. Das aber stimmt nicht. In einer vom Geld beherrschten Gesellschaft wie der unseren können die Menschen auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse gar nicht gleich sein. Wer über viel Geld und großen Besitz verfügt, ist nämlich nicht nur wohlhabender, sondern kann sich auf Grund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit über diejenigen, die weniger besitzen, erheben, sie von sich abhängig machen und sie im Extremfall sogar vollends beherrschen. Die Vermögensverhältnisse entscheiden also nicht nur darüber, wer reich und wer arm ist, sondern vor allem darüber, wer in welchem Ausmaß Macht ausüben kann und welche gesellschaftlichen Hierarchien sich im Lauf der Zeit bilden.

Diese Aufspaltung der Gesellschaft hat schon lange vor der Einführung des Parlamentarismus und sogar schon lange vor der Einführung des Geldes begonnen. Ihre Anfänge gehen auf die Tauschwirtschaft zurück. Sie ist die Grundlage, auf der sich ein Zustand entwickeln konnte, der die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit prägt: die soziale Ungleichheit. Sie hat es den Menschen, die mehr Besitz angehäuft und damit mehr Macht erlangt haben als andere, ermöglicht, Strukturen zu schaffen, die ihren privilegierten Status festigen, die sie einmal erworbene Privilegien auf Dauer beibehalten und diese sogar auf nachfolgende Generationen übertragen lassen.

Im ausgehenden Mittelalter sind die Besitzer großer Vermögen noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich das Geldsystem und damit den Blutkreislauf der Gesellschaft unterworfen, indem sie Banken gegründet und sich so das Recht der Geldschöpfung angeeignet haben. Später, nach der Gründung der Nationalstaaten, haben die von ihnen beherrschten Banken sich dieses Recht auf der Grundlage nationaler Währungen mit den Zentralbanken geteilt und damit als „Finanzwesen“ einen ganz eigenen Wirtschaftszweig geschaffen, der mit der Zeit immer einflussreicher wurde. Da dem Rest der Bevölkerung nicht entging, dass auf diese Weise einige Wenige zusehends reicher und mächtiger wurden, hat sich immer stärkerer Widerstand gegen diese Entwicklung gebildet. Als mit der Industrialisierung dann Schulen eingeführt, der Analphabetismus nach und nach überwunden und das allgemeine Bildungsniveau immer weiter angehoben wurde, nahm dieser Widerstand für die Privilegierten zunehmend bedrohlichere Formen an, sodass sie sich gezwungen sahen, Zugeständnisse zu machen.

Ein historisches Zugeständnis

Das historisch wichtigste Zugeständnis – und die zugleich geschickteste Täuschung der Öffentlichkeit – war die Einführung des Parlamentarismus. Indem die Gleichheit der Menschen in einer von Ungleichheit geprägten Welt zum Verfassungsgrundsatz erhoben wurde, entstand mit der parlamentarischen Demokratie eine Fassade, hinter der sich die tatsächlichen Machtstrukturen nicht nur hervorragend verbergen, sondern ungehindert weiter ausbauen ließen. Das Prinzip dieser Täuschung ist im Grunde recht einfach: Man unterschlägt einen fundamental bedeutsamen Mechanismus, der die gesellschaftliche Realität seit Jahrhunderten prägt, und übertüncht ihn mit hochtrabenden Worten. So gibt es bis heute weltweit keine einzige parlamentarische Demokratie, in deren Verfassung die Bedeutung des Geldes für die Entstehung von Machtstrukturen erwähnt oder in der das Prinzip der Geldschöpfung auch nur angesprochen wird. Dafür aber wird in den meisten Verfassungen, verbrämt mit blumigen Formulierungen über die soziale Verpflichtung von Eigentum, der Schutz desselben garantiert – und zwar ohne jede Begrenzung nach oben.

Auf diese Weise ist eine Herrschaftsform entstanden, die sich vordergründig auf den Willen der Mehrheit des Volkes stützt, die aber tatsächlich einer Minderheit nützt und die es darüber hinaus geschafft hat, die soziale Ungleichheit in krassem Widerspruch zum offiziell beteuerten Gleichheitsgrundsatz zu einem akzeptierten und gesetzlich geschützten Dauerzustand werden zu lassen.

Ernst Wolff über das Finanzsystem und die Politik
Der Buchautor Ernst Wolff

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Das sind die Informationsquellen der Profis – Werbung

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gelegentlich werde ich als Börsenanalyst oder Vermögensberater gefragt, woher ich meine Informationen beziehe? Oder anders gefragt: Wie recherchiert ein Profi eine Aktie? Zunächst möchte ich mein Berufsbild etwas entmystifizieren. Auch Profis kochen nur mit Wasser und stützen ihre Entscheidungen wesentlich auf öffentlich zugängliche Informationen. Am Anfang steht also immer die Lektüre des Geschäftsberichts und die harte Analyse der Geschäftszahlen.

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US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

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Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



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