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US-Handelsbilanzdefizit auf Rekordhoch – auf in den Konsumrausch

Hafen von Seattle

Am 26. Januar hatten wir das US-Handelsbilanzdefizit für den Warenhandel besprochen. Es erreichte im Dezember mit 100,9 Milliarden Dollar ein Rekordhoch! Es wurden in diesem einen Monat Waren im Wert von 157,3 Milliarden Dollar aus den USA ausgeführt. Aber die Importe beliefen sich auf 258,3 Milliarden Dollar. Also flossen im Dezember netto 100,9 Milliarden Dollar aus den USA ab, um im Ausland die Lieferanten dieser Importüberschüsse zu bezahlen. Heute nun wurden vom US Bureau of Economic Analysis die Daten für das US-Handelsbilanzdefizit für Waren und Dienstleistungen veröffentlicht, also quasi die Gesamtbilanz für den US-Außenhandel. Das Defizit beläuft sich „nur“ auf 80,7 Milliarden Dollar im Dezember. Es fällt kleiner aus, weil die Außenhandelsbilanz der USA bei Dienstleistungen besser ausfällt als beim Warenhandel (Thema Dienstleistungsgesellschaft und Deindustrialisierung).

Aber auch dieses US-Handelsbilanzdefizit für Waren und Dienstleistungen von „nur“ 80,7 Milliarden Dollar im Dezember stellt ein Rekordhoch dar. Gut, im September waren wir bei -80,8 Milliarden Dollar, aber wir hängen de facto direkt auf diesem Rekordniveau beim Defizit. Im folgenden Chart sehen wir den Verlauf des Defizits in den letzten 25 Jahren. Im Zuge der Regierungs-Schecks während der Coronakrise und der folgenden wirtschaftlichen Erholung sind die Amerikaner wieder volle Kraft Richtung Konsum gelaufen – und die meisten Konsumgüter werden importiert.

Wie das US-Handelsbilanzdefizit zustande kommt? Die Ausfuhren im Dezember beliefen sich auf 228,1 Milliarden Dollar (+3,4 Milliarden Dollar gegenüber November). Die Einfuhren stiegen aber noch stärker um 4,8 auf 308,9 Milliarden Dollar. Der Anstieg des Defizits bei Waren und Dienstleistungen im Dezember spiegelt einen Anstieg des Defizits bei Waren um 3,2 Milliarden Dollar auf 101,4 Milliarden Dollar und einen Anstieg des Überschusses bei Dienstleistungen um 1,8 Milliarden Dollar auf 20,7 Milliarden Dollar wider. Für das Gesamtjahr 2021 stieg das US-Handelsbilanzdefizit für Waren und Dienstleistungen um 182,4 Milliarden Dollar oder 27,0 Prozent gegenüber 2020. Die Exporte stiegen um 394,1 Milliarden Dollar oder 18,5 Prozent. Die Importe stiegen um 576,5 Milliarden Dollar oder 20,5 Prozent!

Dass der wieder angefachte Konsumrausch der Amerikaner das US-Handelsbilanzdefizit in die Höhe treibt, verdeutlicht eine Zahl aus der heutigen Statistik. Nur von November auf Dezember 2021 stiegen die Importe von Konsumgütern um 5,2 Milliarden Dollar – das ist auch die Höhe des gesamten Anstiegs der Warenimporte! Auch ist es kein Geheimnis, dass China die Werkbank der amerikanischen Konsumenten ist. So stieg logischerweise auch das Warenhandelsdefizit der USA gegenüber China von November auf Dezember um satte 6 Milliarden Dollar auf 34,1 Milliarden Dollar.


source: tradingeconomics.com

Grafik zeigt US-Handelsbilanzdefizit seit Dezember 2019
Grafik zeigt das US-Handelsbilanzdefizit für Waren und Dienstleistungen seit Dezember 2019.



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