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US-Immobilienmarkt – das Haus fungiert als Geldautomat

Hannes Zipfel

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am

US-Immobilienmarkt - typisches Haus

Für Amerikaner ist das Eigenheim mehr als nur ein zu Hause. Über spezielle Kreditlinien kann das im Haus gebundene Eigenkapital wie ein Überziehungsdarlehen zum Shoppen genutzt werden. Doch die Abkühlung am US-Immobilienmarkt limitiert diese Art des Schuldenmachens.

US-Immobilienmarkt kühlt sich deutlich ab

Die heute veröffentlichten Daten zur Preisentwicklung am US-Immobilienmarkt zeigen eine ausgeprägte Schwäche. Bereits seit Juli 2018 bildet sich die Preisdynamik zurück. Der vom Nobelpreisträger Prof. Robert James Shiller mitentwickelte S&P Case/Shiller Home-Price-Index, der die Wertentwicklung in den 20 größten Städten der USA misst, hat sich im Oktober den 15. Monat in Folge verlangsamt. Gegenüber dem Vorjahr hat sich der Anstieg auf nur noch 2 Prozent zurückgebildet. Im Sommer letzten Jahres stiegen die Hauspreise noch mit einer Jahresrate von 6,7 Prozent.

Case Shiller Index zeigt Entwicklung am US-Immobilienmarkt

Der Yale-Professor Shiller weist zudem darauf hin, dass die Preise bereinigt um die Inflation „bereits sehr flach laufen“. Shiller weiter: „Ich wäre überhaupt nicht überrascht, wenn die Immobilienpreise in naher Zukunft sogar sinken“.

HELOCs und CORs

Problematisch wäre ein Sinken der Preise am US Immobilienmarkt für die bei amerikanischen Eigenheimbesitzern gängigen Kreditformen, bei denen das im Haus gebundene Eigenkapital zinsgünstig beliehen werden kann. Bei den sogenannten HELOCs (Home Equity Lines of Credit) handelt es sich um unbefristete Kreditlinien, die den Hausbesitzern von Banken zur freien Verfügung bereitgestellt werden. Diese Kreditlinien können über eine Kreditkarte für beliebige Zwecke ausgeschöpft werden. Damit wird das Haus quasi zum Geldautomaten.

Eine zweite Form der Beleihung des Eigenheimes für den Konsum oder für das Ablösen teurerer Kredite sind die Cash Out Refis (CORs). Dabei wird das Eigenkapital der Immobilie in Form eines Laufzeitdarlehens dem Haus entnommen und in Raten zuzüglich Zinsen über einen längeren Zeitraum von bis zu 30 Jahren getilgt.

Beide für den US-Konsumenten relevante und vor allem relativ zinsgünstige Kreditquellen reagieren sehr sensibel auf Veränderungen der Hauspreise. Denn so leicht es auch ist, über HELOCs und CORs Geld zu beschaffen, so unmöglich ist es für die meisten Eigenheimbesitzer in den USA, negatives Eigenkapital in ihrer Immobilie im Falle von Hauspreisrückgängen wieder aufzufüllen. Umso wichtiger ist auch für den US Immobilienmarkt, dass die Zinsen weiter sinken. Zum einen, um den sich deutlich abschwächenden Hauspreistrend in den USA zu stabilisieren und zum anderen, um die Kosten für diese speziellen Immobilienkreditformen weiter zu abzusenken.

Zinssätze

Fazit

In den USA ist so manches anders als in Europa. Vor allem bei der Verschuldung sind die Amerikaner deutlich kreativer und die Geschäftsmodelle risikofreudiger. Das gilt für echte Kreditkarten ebenso wie für Immobiliendarlehen verschiedenster Ausgestaltung. Solange die Preise am US-Immobilienmarkt als Sicherheit für die HELOCs und CORs stark stiegen, stand den Eigenheimbesitzern eine im Vergleich zu Kreditkartenschulden sehr günstige zusätzliche Kreditquelle zur Verfügung. Doch mit dem Abflauen der Preisdynamik am US Immobilienmarkt, die real, also nach Abzug der Teuerungsrate, bereits nahezu zum Stillstand gekommen ist, beginnt nun auch diese Kreditquelle zu versiegen. Ein weiterer Grund für die US-Notenbank, voll auf das geldpolitische Gaspedal zu treten, sofern sie eine Rezession in den USA verhindern möchte.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Torsten

    30. Oktober 2019 05:59 at 05:59

    Shopping und Social Media, zwei große Seuchen des 21.Jahrhunderts neben Serien und Online-Spielen.
    Wer das ertragen will muss kiffen, chillen, relaxen und sich am besten von echter Arbeit fernhalten und im Billigflug um die Welt reisen.

    Achtung Satire!

  2. Avatar

    sabine

    30. Oktober 2019 08:17 at 08:17

    Bei mir ging vor 1 Jahr mal 4 Tage lang der Home-PC nicht. Und Laptop war auch keiner da. Das weiß ich heut noch, das war ein anderes Leben.
    Nicht, daß ich mal unterwegs länger kein Internet oder PC hab. Aber zuhause? Das ist „anders“! (Hab kein TV.)

  3. Avatar

    sabine

    30. Oktober 2019 09:35 at 09:35

    Und welcher Unterschied zum Leben in Venezuela, dem erdölreichsten Land der Welt.
    https://www.faz.net/aktuell/fotografie/fischer-in-venezuela-16438154.html

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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