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Verbriefungen wie vor der Finanzkrise? Risiko wegzaubern? So soll das angeblich funktionieren

Redaktion

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Sie kennen den Mechanismus, weswegen die Finanzkrise über die US-Volkswirtschaft einbrach, ohne dass die breite Masse der Öffentlichkeit es so richtig merkte? Das Risiko der Kreditausfälle war bis zur Unkenntlichkeit verteilt, nochmal verteilt, umverteilt, neu aufgeteilt, nochmal verteilt, und dann nochmal kräftig gemixt worden. Am Ende blickte niemand mehr so richtig durch, wo systemische Risiken überhaupt vorhanden waren für den Fall, dass Kredite in großem Umfang nicht zurückgezahlt werden können.

Zum Erschrecken aller Marktteilnehmer musste man dann feststellen, dass durch gründliche Streuung die Risiken überall vorhanden waren. Das Vehikel für diese Streuung von Risiken waren die sogenannten Verbriefungen. Einzelne Immobilienkredite wurden zu gigantischen Forderungspaketen oft in dreistelliger Millionenhöhe zusammen geschnürt – diese konnten dann zwischen Banken in Sekundenschnelle per Telefon hin und her gehandelt werden.

Finanzkrise soll sich natürlich nicht wiederholen

So ein Debakel sollte sich niemals wiederholen. Das haben sich „nun aber wirklich“ alle geschworen, Banken, Fonds, Politiker, wirklich alle. Ein Berliner Startup namens Crosslend glaubt aber im Stande zu sein genau den selben Mechanismus wieder aufleben lassen zu können. Diesmal aber soll es keine Probleme geben – alles soll sicher und transparent zugehen, wie man es aktuell auch der WELT erzählt hat. Crosslend sammelt einzelne Kredite von Banken und verkauft sie verbrieft als Paket weiter an Investoren.

Laut Crosslend habe man damals (in den USA bis zur Finanzkrise) Kredite in einen Topf geworfen, und Investoren hätten blind Teile des Ausfallrisikos übernommen. Die eigenen Pakete heute seien transparenter, so Crosslend. Der Investor bekomme alle relevanten Daten jedes einzelnen Kredits im Paket und könne deshalb das Risiko exakt einschätzen. Das hört sich alles total super an, auf den ersten Blick.

Das Risiko muss irgendwo verbleiben

Unserer Meinung nach wird das Grundproblem ignoriert. So hip, modern, innovativ und transparent man sich auch gibt. Risiko kann man nicht wegzaubern. Wenn die abgebende Bank das Risiko nicht mehr hat, hat zwangsläufig irgendwer anders das Risiko. Und wie ein Schaubild von Crosslend gut zeigt: Auf der Verkäuferseite der einzelnen Kredite stehen Banken. Crosslend verpackt (verbrieft) diese Kredite dann zu großen Gesamtpaketen. Diese Pakete verkauft Crosslend dann unter anderem wieder an Banken. Das war wie gesagt das Hauptproblem in den USA vor zehn Jahren.

Banken hatten zwar viele ihrer Kredite verbrieft und verkauft, und hatten somit Risiken abgestoßen. Aber gleichzeitig hatten die Handelsabteilungen dieser Banken andere Pakete anderer Banken als Investment in die Bankbücher aufgenommen. So zirkulierte das Risiko durch die Bankbilanzen, und niemand wollte das Gesamtbild sehen, bis es zu spät war. In einem relativ kleinen und vom Volumen her überschaubaren Rahmen kann so eine Plattform wie Crosslend im Fall aller Fälle wohl keinen systemischen Schaden anrichten. Aber würde man ihr Modell ganz groß aufziehen, hätte man am Ende das selbe Problem wie vor zehn Jahren in den USA. Risiken überall hin verteilt, und auf den ersten Blick kann es niemand so richtig erfassen.

Zu den Eigentümern, die das Wachstum von Crosslend anschieben, gehört übrigens auch die weltweit größte Terminbörse CME. Auch investiert haben unter anderem die Investoren Northzone, Lakestar LP und Atlantic Labs. Crosslend ist ein gebundener Vermittler, und hängt somit lizenztechnisch gegenüber der BaFin ab von seinem Haftungsgeber, der „Fintech Group Bank“. Laut Crosslend-Webseite habe man derzeit ein Volumen von 2,3 Milliarden Euro im Angebot. Noch vor Deutschland mit 25% der Herkunft von Krediten stehen an Nummer 1 die Niederlande mit 35%. Man erinnere sich. In den Niederlanden ist die Immobilien-Verschuldung deutlich höher als in Deutschland, und faule Kredite gab es dort auch deutlich mehr als in Deutschland. Also gibt es dort eventuell noch großen Bedarf Probleme woanders hin zu verschieben? Grundlegend wollen wir Crosslend´s Geschäftsidee nicht verteufeln. Aber Risiko wegzaubern kann man damit nicht. Risiko muss immer irgendwo verbleiben.

Finanzkrise - alles startet mit der Kreditvergabe
Beispielbild einer Bankberatung. Es hat natürlich keine direkte Verbindung zu Crosslend. Foto: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Savestrax

    27. Juni 2018 08:17 at 08:17

    Zum einen ist die Transparenz natürlich zu begrüßen. Die investierenden Banken haben so zumindest die Möglichkeit, die Risiken zu preisen. Das ist ja auch ihre Pflicht. Allerdings ist das natürlich wieder ein immenser Aufwand. Und so wird man wieder was finden, das ganze etwas allgemeiner zu betrachten.
    Ich sehe einen wichtigen Vorteil. Banken können ihr Kreditportfolio besser strukturieren und bei Veränderungen anpassen. Hier ist man dann nicht mehr alleine vom eigenen Kunden abhängig.

  2. Avatar

    tm

    27. Juni 2018 08:24 at 08:24

    Dass Kredite tranchiert und/oder gehandelt werden, geschieht tagtäglich. Das ist an sich erstmal nichts besonderes.

    Die Ausfallquoten europäischer Verbriefungen waren extrem gering. Die Verbriefungen alleine können die Krise 2008/09 also nicht erklären.

    In den Niederlanden ist die Immobilienverschuldung höher, weil Hypothekenzinsen steuerlich absetzbar sind. Damit macht es wenig Sinn, einen Kredit laufend zu tilgen. Stattdessen belieht man also lieber die Immobilie hoch und tilgt nicht, stellt der Bank aber gleichzeitig ein Sparkonto, ein Kapital-LV oder dergleichen als Sicherheit zur Verfügung und spart darin verpflichtend über die Laufzeit des Kredites ein, so dass damit am Ende der Kreditlaufzeit getilgt wird.

  3. Avatar

    Marcus

    27. Juni 2018 13:20 at 13:20

    Verbriefung bleibt Verbriefung daran ändert auch ein billiges Start-Up Unternehmen nichts. Crossland gibt also eine Vermittlerplattform und hilft tatkräftig mit die Verbriefungen (ABS) in die Bankbilanzen zu bringen, so das im Fall des Falles wieder das gesamte System angesteckt wird. Das mag ja sein das in Europa konservativer finanziert wird, deshalb bedeutet das aber nicht automatisch geringes bis fast kein Ausfallrisiko. Die Regulatoren und Investoren sollen endlich die rosa Brille abnehmen !

    Und warum sollten Banken also ein Interesse haben die „guten Kredite“ zu verbriefen ? Ich als Bank würde versuchen denen erstmal den Schrott anzudrehen wo der Zahlungsausfall absehbar ist.

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    Thorsten

    28. Juni 2018 16:28 at 16:28

    Schade, ein wirklich schlecht recherchierter Artikel. Kenne ich von Euch anders und @Marcus, danke für Deine Meinung, aber dass auch Du nicht durch Sachkenntnis glänzt und alternativ durch Aufgeregtheit kompensierst ist kaum hilfreich.

    Wie man im Original-Artikel in der Welt lesen kann, wird ja gerade versucht, über Schaffung von Transparenz Fehler zu vermeiden, die in der Vergangenheit gemacht wurden. Ob das gelingt, wird davon abhängen sein, wie das umgesetzt wird. Aber das kann von uns hier wohl keiner beurteilen. Die grundsätzliche Idee ist jedenfalls sehr gut.

    Man sollte auch nicht vergessen, dass hinter jedem abgelehnten Kredit eine Privatperson oder ein Unternehmen steht, dessen Vorhaben nicht finanziert wird. Das hat realwirtschaftliche Auswirkungen, Auswirkungen auf Arbeitsplätze. Ob uns das nun gefällt oder nicht: Die Banken sind das Blutsystem der Wirtschaft. Ohne funktionierende Kreditvergabe keine Wirtschaft. Und wenn die Banken zu volle Bilanzen haben, ist die Lösung, dass Banken untereinander Kredite irgendwie handeln müssen eigentlich klar. Wie @tm schon sagt: Das ist nichts neues. Nur das Format scheint ein anderes zu sein -> begrüßenswert.

    Ich drücke den Damen und Herren von Crosslend jedenfalls die Daumen, denn wenn die Ihre Sache gut machen, hilft das Europa. Schade, dass das hier zerredet wird, bevor sich jemand die Mühe gemacht hat, es im Detail zu verstehen. Spricht nicht für dieses Medium.

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

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