Folgen Sie uns

Anleihen

Vor der Fed: US-Anleiherenditen erreichen kritisches Niveau – wichtig für weltweite Kredit-Bedingungen!

Der derzeit wichtigste Markt ist die 10-jährige US-Staatsanleihe – die Entwicklung der Renditen hat weitreichende Folgen für die Kreditbedingungen auf der ganzen Welt! Aktuell stehen wir bei der Rendite an einem extrem wichtigen Punkt..

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

In zwei Tagen steht das Ergebnis der Fed-Sitzung an, und die von den Fed Fund Futures eingepreiste Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbank die Zinsen anhebt, liegt bei – 100%!

Im Vorfeld der Sitzung der Fed steigen die Renditen für US-Staatsanleihen weiter an – die 10-jährige US-Anleihe, die Benchmark für den weltweiten Anleihemarkt steigt dabei erstmals seit Oktober 2014 wieder über die Marke von 2,5%. Damit steigt die Rendite seit drei Handelstagen an – was weltweit Kredite verteuert! Heute wird das amerikanische Finanzministerium Emission 3-jähriger und vor allem 10-jähriger Anleihen durchführen, morgen steht die Emission einer 30-jährigen Anleihe an – das wird ein wichtiger Lackmust-Test für den Anleihemarkt, aber indirekt auch für den Aktienmarkt!

Diese 2,5%-Rendite bei der 10-jährigen Anleihe ist vor allem psychologisch eine wichtige Marke – sollte die Rendite darüber steigen, wäre der Weg frei bis zur 3%-Marke. Schon jetzt liegt die Rendite der 10-jährigen US-Anleihe über der Dividendenrendite des S&P500 – je höher also die Renditen steigen bei den US-Anleihen, umso potentiell attraktiver werden wieder Investments in Anleihen statt in Aktien!

Der Anstieg der US-Anleihen zieht weltweit die Renditen nach oben, wobei sich die Zinskurve versteilt, so etwa bei der Renditedifferenz der 2-jährigen und der 30-jährigen deutschen Anleihen, die heute so groß ist wie seit dem Jahr 2014 nicht mehr (was für Banken gut ist aufgrund der „Fristentransformation“).

us10-jaehrige12-12
(10-jährige US-Anleihe, März-Kontrakt)

Sollte die Fed die Zinsen das zweite Mal seit dem Jahr 2006 anheben, wird entscheidend sein, wie sie die weiteren Aussichten für die Zinsentwicklung sieht (die „dot plots“). Jedenfalls gab es seit der Finanzkrise 670 Leitzinssenkungen durch die globalen Notenbanken, dagegen nur eine Handvoll Zinsanhebungen. Die Fed hat also wegweisende Funktion und könnt den Trend zu immer niedrigeren Zinsen damit umdrehen. Damit würden die Zeiten des billigen Geldes enden – ein Faktor, der auch für die Aktienmärkte wichtig ist!

Daten der CFTC zeigen, dass die Short-Positionierung am Future-Markt bei der 10-jährigen Anleihe aktuell so hoch ist wie seit fast zwei Jahren nicht mehr – man erwartet also weiter steigende Renditen. Die Bank of Amerika geht nach einer aktuellen Einschätzung von heute davon aus, dass die Renditen für die 10-jährige auf 3% steigen werde.

Neben den steigenden Inflationserwartungen – heute besonders durch den steigenden Ölpreis – ist es die Erwartung, dass Trump eine Billionen in die Infrastruktur investieren wird, die die Renditen nach oben bringen. Ob Trump dieses Vorhaben aber wird umsetzen können, ist noch völlig offen: seine eigene Partei, die Republikaner, haben sich immwer wieder gegen ausufernde Schulden ausgesprochen und waren unter Obama sogar dazu bereit, staatliche Institutionen lahm zu legen im Kampf um die Schulden-Obergrenze. Sollten sie nun dem Vorhaben des designierten Präsidenten zustimmen, würden sie ihre Glaubwürdigkeit auf´s Spiel setzten, ein jedenfalls heikles Unterfangen!

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Zinsangst

    12. Dezember 2016 14:19 at 14:19

    Kreditkosten steigen, Benzinkosten steigen, KV-Kosten steigen – traumhaftes Umfeld für den US-Konsum, der nach wie vor 2/3 zum US-BIP beiträgt. Bin gespannt auf die US-Makrodaten fürs vierte Quartal und ff.Ob die mit der Stimmungseuphorie ansatzweise mithalten können? Wird spannend!

  2. Avatar

    Steven

    12. Dezember 2016 14:44 at 14:44

    Haha Zinsen steigen auf 3% …dann mal alle raus aus gold und silber!

    Crash mit Ansage …ach ja ..nur noch warten bis Trump lange genug im Amt ist ,um ihm die schuld zugeben

    • Avatar

      ubsb55

      12. Dezember 2016 18:18 at 18:18

      Steven, keine Ahnung, was du mit deinem Post sagen willst.

  3. Avatar

    Mr. Jones

    12. Dezember 2016 15:27 at 15:27

    Ich denke dass der Dow Jones heute noch die 20.000er Marke bricht und morgen sogar noch bis 20.230 hoch zieht, der Mittwoch wird spannend und zeigen ob er sich halten kann bis zum Verfallstag. Falls eine Zinsanhebung doch kommt, ist eine starke Korrektur abzusehen.

    • Avatar

      Michael

      12. Dezember 2016 21:49 at 21:49

      Heute noch die 20.000er Marke?
      Reden Sie vom Dow Jones (USA30), oder habe ich etwas verpasst?
      Gibt es für US-Bullen irgendwelche Grenzen oder nur noch Lift-Off à la NASA?

  4. Avatar

    Bademeister

    12. Dezember 2016 17:00 at 17:00

    Die Zinsanhebung kommt höchstwahrscheinlich, jedoch wird sich zeigen, ob die FED nur eine Alibi-Zinsanhebung macht und alles weitere offen lässt, oder gleichzeitig einen umfangreicheren Zinsfahrplan (so wie vor einem Jahr) spielen will.
    Diese kommende Zinserhöhung ist ja in den Märkten eingepreist, die Pressekonferenz danach jedoch nicht.
    Yellen wird vermutlich zu den aktuellen Geschehnissen in USA Stellung nehmen (müssen), und ev. vor den überhitzten Anleihe- und Aktienmärkten warnen.
    Die Dame wird’s am Mittwoch nicht leicht haben, die hohen Erwartungen der Marktteilnehmer vollends zu erfüllen.

    • Avatar

      Michael

      12. Dezember 2016 21:59 at 21:59

      Es ist nicht die Aufgabe von Frau Yellen, die Erwartungen der Marktteilnehmer zu erfüllen. Und auch nicht die politisch pubertären Eskapaden eines rüpelhaften Präsidenten ins spe.
      Genauso wenig, wie es die Aufgabe eines EZB-Präsidenten wäre, Europa in zwei ungleiche Hälften zu teilen…

  5. Avatar

    back2life

    12. Dezember 2016 17:14 at 17:14

    DOW und SP500 werden auch nach dem FED steigen einfach eine klare Bestätigung dass alles gut läuft und bestens ist. Trump + Zinsanhebung würde den DOW auf 25000 schleudern und SP500 auf 2300, dazu die Weihnachtsrally in der letzten Dezember Woche wo es noch ein bißchen nach oben gehen kann.

    • Avatar

      back2life

      12. Dezember 2016 17:15 at 17:15

      ups 20500 nicht 25000:)

      • Avatar

        Wolfgang Koch

        12. Dezember 2016 20:12 at 20:12

        Nein,doch,ohh!Louis de Funés in Reinkultur!Weder 20500 noch 25000!Ihr solltet Euch an 4stellige Dow&Dax-Stände gewöhnen!Ende der Durchsage!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Coronakrise: Größter Schuldenanstieg – aber Zinsen rutschen in Euroland

Wir erleben in der Eurozone gerade wegen der Coronakrise den größten Schuldenanstieg der Geschichte. Gleichzeitig sinken die Zinssätze. Die Vergemeinschaftung von Schulden hat begonnen

Avatar

Veröffentlicht

am

Wir erleben in der Eurozone gerade wegen der Coronakrise den größten Schuldenanstieg in seiner Geschichte. Jegliche fiskalische Zurückhaltung weicht angesichts einer pandemischen Bedrohung der Volkswirtschaften. Gleichzeitig sinken die Zinssätze in den Mitgliedstaaten in atemberaubender Geschwindigkeit in Richtung der deutschen Bunds. Der letzte Auslöser war der große Wiederaufbaufonds, den die Gemeinschaft trotz des Widerstandes der sparsamen Fünf – Dänemark, Schweden, die Niederlande, Finnland und Österreich – beschlossen hat. Wittern die Märkte angesichts der Coronakrise eine Vergemeinschaftung der Schulden?

Coronakrise: Die Einführung des Euro und die Zinsen

Die Einführung der Gemeinschaftswährung am 1. Januar 1999 brachte für einige der elf Teilnehmerstaaten zunächst eine gewaltige Erleichterung bei der Bewältigung der Staatsschulden. Im Jahr 2000 musste man für italienische Langläufer kaum mehr bezahlen, als für die deutschen „Bunds: in etwa 5,5 Prozent. Etwa sechs Jahre zuvor lag der Zinssatz für die 10-Jährigen bei fast 14 Prozent. Waren da nicht noch die so genannten Maastricht-Verträge mit den Konvergenzkriterien für eine Aufnahme, die eine Höhe der Staatsverschuldung von max. 60 Prozent und eine Neuverschuldung von höchstens drei Prozent erlaubten? Doch wenn selbst das Vorbild Deutschland diese über mehrere Jahre nicht erfüllen konnte, wie dann Disziplin einfordern von den anderen Staaten?

Kurzum: Die Zinserleichterungen wurden erfreut mitgenommen, die Schuldenstände jedoch nicht zurückgeführt. In der Staatsschuldenkrise nach 2011 weiteten sich die Spreads aus, Griechenland stand am Rande des Bankrotts, bis man sich mit Umschuldungsprogrammen und Schuldenerlass zur Rettung Griechenlands und damit auch der Eurozone durchrang. Denn auch die Zinsaufschläge von Italien, Spanien, Portugal und teilweise auch die von Frankreich waren in die Höhe gesprungen.

Bis die Europäische Zentralbank, in Gestalt ihres Chefs, Mario Draghi in Aktion trat, der die mittlerweile mehrfach kopierten und psychologisch entscheidenden Worte sprach: „Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.” Die Folgen sind bekannt: Zinssenkungen auf null, massive Anleihekäufe bis zur erlaubten Obergrenze von 33 Prozent pro Staat und ein für nicht möglich gehaltener Verfall der Zinslandschaft, der in der Coronakrise gerade seinen Höhepunkt feiert.

Die Pandemie, PEPP und der Wiederaufbaufonds

Das Jahr 2020 wird nicht nur wegen des globalen Vormarschs eines Virus in die Geschichte eingehen als das Jahr der Coronakrise. In einer weltweiten Allianz einigten sich Staaten und Notenbanken zu bisher noch nie gesehenen und einmalig hohen Rettungsprogrammen. In Europa lautet der Name für das große Ankaufprogramm für Staatsanleihen und privater Schulden PEPP – Pandemic Emergency Purchase Programme – zunächst in Höhe von 750 Milliarden Euro, welches am 2. Juni nochmals um 600 Milliarden Euro aufgestockt wurde. Da es ausgerechnet die hoch verschuldeten südlichen Länder durch die Pandemie besonders hart getroffen hat – Italiens und Spaniens Bruttoinlandsprodukt sanken im zweiten Quartal um 13 beziehungsweise 18,5 Prozent – musste man noch einmal nachlegen, um einen Zinsanstieg für diese Länder zu verhindern. Der von Frankreich initiierte und hart umkämpfte Wiederaufbaufonds war der nächste Schritt, ein spezielles Konstrukt gemeinsamer Anleihen in Höhe von zunächst 750 Milliarden Euro.

Die Zinsen in der Eurozone – Limes gegen null

Der viel umkämpfte Wiederaufbaufonds hat eindeutig das Ziel gerade den Staaten zu helfen, die einerseits hoch verschuldet aber andererseits besonders schwer betroffen von der Coronakrise in Not geraten sind. Durch die Emission gemeinsamer Anleihen werden Schulden finanziert, die die EU aufnimmt und für die alle Mitglieder gemeinsam geradestehen. Zweifellos ist das der Einstieg in eine Vergemeinschaftung von Schulden im Euro-Raum. Investoren jubelten, speziell auch aus dem Ausland, weil man sich jetzt sicher ist, dass man die Eurozone unter allen Umständen beisammen halten will, auch wenn man früher beschlossenen Festlegungenzuwider handelt. Die Folge ist ein Absturz der Zinsen in Tiefen, die nichts mehr mit der Bepreisung von Risiko zu tun haben.

Es wurde in letzter Zeit schon öfters berichtet, wie tief die Zinsen für länger laufende Anleihen im Süden gefallen sind, zum Beispiel in Italien mit 0,78 Prozent für die 10-Jährigen – die also inzwischen genauso hoch stehen, wie die bisher sicherste Staatsanleihe der Welt, die 10-jährige US-Treasury. Aber es geht noch extremer: Für griechische Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten werden schon Minuszinsen bezahlt, in Italien akzeptieren Sparer schon vier Jahre Laufzeit mit Zinsen nahe null, in Spanien und Portugal muss man für eine positive Rendite schon Langläufer mit acht Jahren Laufzeit wählen. Dabei stellt sich die Frage: Ist ganz Europa durch die Notenbankpolitik in der Coronakrise auf dem Weg zu Nullzinsen, also zur Schuldenaufnahme zum Nulltarif? Wenn man sich eine Übersicht betrachtet, die die Zinsdifferenz auflistet, die europäische Staaten zu den abnorm niedrigen deutschen 10-jährigen Bund (circa minus 0,60 Prozent) zahlen müssen, so kann man nur zu dieser Schlussfolgerung gelangen.

Zinsaufschläge zu deutschen Langläufern, in Prozent:

Niederlande plus 0,11
Österreich plus 0,17
Belgien plus 0,25
Slowakei plus 0,26
Frankreich plus 0,29
Irland plus 0,37
Portugal plus 0,78
Spanien plus 0,80
Zypern plus 1,00
Italien plus 1,34
Griechenland plus 1,45

Nochmal, die Vergleichsbasis ist nicht null, sondern deutlich darunter.

Fazit

Die Politik der Notenbanken in der Coronakrise hat eine Situation geschaffen, in die wohl niemand jemals geraten wollte. „Point of no return?“ Staatsfinanzierung durch die Notenbanken?

Ist diese Entwicklung nicht auch der Einstieg in eine gemeinsame europäische Schuldenunion? Vermutlich ja, denn die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, zugleich Ex-Finanzminsterin von Frankreich, hat gerade erst in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Monde“ den Gedanken geäußert, man müsse über ein dauerhaftes konjunkturelles Stützungsinstrument nachdenken. Der Fonds in Höhe von 750 Milliarden Euro solle erhalten bleiben – damit er immer wieder verwendet werden kann, wenn außergewöhnliche Umstände eintreten. Wer soll eigentlich die auslaufenden und zu ersetzenden Anleihen von Italien und Griechenland kaufen, Staaten, die demnächst mit 200 beziehungsweise 160 Prozent zum BIP verschuldet sind, deren Staatsanleihen aber bereits fast keine Rendite mehr abwerfen?

Wie wird man dieses Programm wohl abkürzen?

 

Die Coronakrise lässt die Schulden explodieren, aber die Zinsen fallen

weiterlesen

Anleihen

Woher die aktuelle Euro-Stärke kommt – ein Analyst gibt Hinweise

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Das Euro-Symbol

Der Euro steigt seit genau zwei Tagen gegen den US-Dollar spürbar an von 1,1700 auf aktuell 1,1865. Dafür könnte es einen interessanten Grund geben. Man schaue auf den gestrigen Tag. Quasi unbemerkt von der breiten medialen Öffentlichkeit hat die EU ihre erste eigene Anleihetranche am freien Anleihemarkt platziert. Laut Berichten (siehe beispielsweise Bondguide) sei die Attraktivität dieses Angebots an EU-Anleihen schwer zu übersehen gewesen. Denn Moody’s habe die EU-Anleihen mit „Aaa“ bewertet. Und der Emissionspreis sei so festgesetzt worden, dass die Emission vom Markt gut aufgenommen wurde. Eine Nachfrage von 233 Milliarden Euro traf auf gerade mal 17 Milliarden Euro Angebot! Das zeigt, wie groß die Nachfrage der Institutionellen nach den Anleihen der EU war. Und wo soll da noch das Risiko sein, wenn Brüssel selbst die Anleihen ausgibt, und nicht ein Einzelstaat?

EU-Anleihen als Grund für aktuell steigenden Euro?

Eben dieser Drang in ein neues Anleihevehikel, nämlich eine zentrale Emission von EU-Anleihen, könnte bei den großen global agierenden Investoren (Fonds, Versicherungen, Pensionskassen etc) einen verstärkten Drang in den Euro verursachen. Der Deutsche Bank-Analyst George Saravelos hat ganz aktuell einige sehr interessante Aussagen zum Euro veröffentlicht mit der Headline „Someone likes Europe“, also übersetzt „Irgendwer mag Europa“. Über das große Auftragsbuch im Vorfeld der Emission sei ausführlich berichtet worden, aber weniger über die große Nachfrage seitens der Notenbanken, so seine Aussage. Nahezu 40 Prozent der gestrigen zehnjährigen Emission der EU wurden laut George Saravelos von den Notenbanken aufgenommen, was fast doppelt so viel sei wie die durchschnittliche Inanspruchnahme bei früheren europäischen Emissionen.

Warum das wichtig sei? Erstens seien Notenbanken in der Regel nicht abgesicherte Investoren, so dass eine starke Nachfrage von dieser Seite nach den neuen EU-Anleihen eine direkte Nachfrage für den Euro gegenüber dem US-Dollar bedeute, so George Saravelos. Zweitens sei die hohe Nachfrage von Notenbanken für diese neuen EU-Anleihen ein Vertrauensvotum für den Euro als Reservewährung, insbesondere in einer Zeit, in der die dominierende Rolle des Dollars in Frage gestellt werde.

Aber George Saravelos sagt auch, dass dieses aktuelle Ereignis nicht als alleiniger Grund für die aktuelle Euro-Stärke gesehen werden soll. Es solle auch in den Kontext größerer struktureller Verschiebungen gestellt werden. Es gehe um einen extrem starken negativen Policy-Mix für den US-Dollar. Die großes US-Haushaltsdefizite, eine sehr lockere Geldpolitik der Fed und sich verschlechternde Außenhandelskonten der USA. Schon vor den Wahlen in den USA verschlechtern sich diese Trends, so George Saravelos. Schauen wir an dieser Stelle mal auf den Chart. Er zeigt Euro gegen US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage. Ist das neue „Aufnahmevehikel“ der EU (meine Wortkreation) für internationale Investorengelder aktuell ein zusätzlicher Impuls, der den Euro-Anstieg befeuert? Gut möglich.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro gegen US-Dollar

weiterlesen

Anleihen

Anleihen und Zinsen – eine weltweite Vernichtung der Anlegergelder

Avatar

Veröffentlicht

am

Für viele Großanleger gibt es seit Jahrzehnten eigentlich nur zwei große Anlageklassen – Anleihen oder Aktien: Um das Anlagekapital langfristig zu vermehren, oder um regelmäßig Zinsen oder Dividenden einzunehmen, wie es zum Beispiel Pensionsfonds tun, um die Kunden im Alter zu versorgen. Und gerade dieser ehemals so sichere und zuverlässliche Renditebringer ist durch die Interventionen der Notenbanken geradezu marginalisiert worden. Dabei müssen viele Institutionelle wie Versicherungen sogar ihren Hauptanteil der Finanzanlagen in Anleihen positionieren. Dort geschieht derzeit weiterhin viel Absurdes mit weitreichenden Konsequenzen.

Anleihen: Lage an den Rentenmärkten wird immer skurriler

In Europa schütteln viele Ökonomen nur noch den Kopf über die Kapitalmarktzinsen, speziell im Bereich der Staatsanleihen.

Zinsen um die ein Prozent für Langläufer in hoch verschuldeten Ländern, wie Griechenland oder Italien, liegen auf Höhe mit den amerikanischen Pendants. Einem Land (USA), welches trotz der eminent hohen aktuellen Verschuldung in seiner 244-jährigen Geschichte noch nie einen Staatsbankrott erleben musste und welches noch einen absoluten Ausnahmestatus innehat, da der US-Dollar als Weltreservewährung einen Sonderbonus genießt.

Aber auch für die am längsten laufenden Anleihen der Staaten im Zentrum Europas – Österreich, Schweiz und Deutschland – müssen für die 30- oder 50-jährigen Staatsanleihen fast keine Zinsen mehr gezahlt werden.

Die ultimative Begründung für die derzeitige Ausnahmestellung der Aktienmärkte

Diese wird von einer Erhebung durch die US-Großbank JPMorgan geliefert:

Weltweit gibt es für 17 Billionen Dollar an Anleihen keine oder sogar Minuszinsen
Berücksichtigt man die jeweiligen Inflationsraten, so beträgt die Summe der Anleihen, die eine negative Realrendite abwerfen 32 Billionen Dollar, oder 76 Prozent aller Staatsanleihen von Industrieländern
Woher sollen die vielen Kapitalsammelstellen, die auf Einnahmen angewiesen sind, eine Rendite erwirtschaften?

Fazit

Die Zinslandschaft in großen Teilen der Welt ist fast schon als brutal zu bezeichnen – für die Halter der Papiere.

Man kann täglich hundert Indikatoren heranziehen, um die Überbewertung der Aktienmärkte zu begründen. Vom Shiller-KGV, dem Buffett-Indikator, historischen Vergleichen zur Bewertung von Aktien zur Gesamtwirtschaft und vieles mehr. Aber wir haben auch eine historisch einmalige Situation. Wenn allein die drei großen Notenbanken (Fed, EZB, BoJ) in ihren Bilanzen schon über 20 Billionen Dollar stehen haben, die zum großen Teil von Käufen von Anleihen herrühren, kann es das Regulativ Anleihemarkt zu Aktienmarkt in alter Form nicht mehr geben.

Anders ausgedrückt: Was juckt ein KGV der Aktienmärkte von 20 bis 30, wenn selbst die großen Anleihemärkte ein mindestens dreistelliges aufweisen?

Und noch sieht es nicht nach einer Wende aus – weder bei den Käufen von Anleihen, noch bei den Kapitalmarktzinsen. Die Kapitalsammelstellen stehen täglich vor dem Problem, einerseits neue Gelder anlegen zu müssen, andererseits ihren Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Dies ist für mich der Hauptgrund dafür, warum die Aktienmärkte einfach nicht größer korrigieren wollen. „There is no alternative!“ (TINA).

Zwar gab es den brutalen Einbruch wegen Corona im Februar/März, aber damals musste jeder Aktieninvestor mit dem Schlimmsten rechnen und seither hat die „Zerstörung“ der Zinsmärkte erst so richtig Fahrt aufgenommen. Wie könnte dieser Zustand sich zumindest etwas ändern? Schon öfters erwähnt: Ein substanzieller Anstieg der Inflation, der zu einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen führt – nicht zu einem Anstieg der Leitzinsen.

Werden neue Schuldenprogramne 2021 bei einer Erholung der Wirtschaft dazu führen? Wenn es zumindest wieder etwas positive Realzinsen gibt? Wir werden es sehen, zunächst an den Zins-Charts.

Die absurde Entwicklung bei Anleihen - oder warum die Aktienmärkte so hoch stehen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen