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Technologielücke zu Tesla ist noch groß VW und Mercedes: Elektroauto-Ambitionen erhalten Dämpfer

VW und Mercedes: Elektroauto-Ambitionen erhalten Dämpfer

Die Elektroauto-Ambitionen von deutschen Herstellern wie VW und Mercedes sind groß. Beispielsweise investieren die drei Autohersteller Mercedes, BMW und VW mehr als 100 Milliarden Euro in den Aufbau einer völlig neuen Infrastruktur für die Herstellung von Elektroautos. Doch das Bestreben der deutschen Autoindustrie, Tesla die Krone der Elektroautos zu entreißen, hat diese Woche durch Stolpersteine für Volkswagen und Mercedes-Benz einen Dämpfer erhalten. Vor allem die Probleme beim Trinity-Projekt könnten die Ambitionen von Volkswagen zurückwerfen. Das Projekt sollte eigentlich der große Wurf von VW werden.

Entwicklungen sind ein Warnsignal für die EV-Branche

Wie Bloomberg aktuell meldet, plant VW, das Schlüsselprojekt Trinity um mindestens zwei Jahre nach hinten zu verschieben, nachdem Softwarefehler aufgetreten sind, so eine Person, die mit der Situation vertraut ist. Dies stellt die ehrgeizige 52 Milliarden Euro teure Markteinführung von Elektrofahrzeugen infrage, die als die größte der Branche angepriesen wird. Ebenfalls in dieser Woche senkte Mercedes die Preise für sein Flaggschiff EQS EV in China um etwa 33.000 Dollar, nachdem man den Markt falsch eingeschätzt hatte. Die Aktien fielen zwischenzeitlich um bis zu 7,2 %.

Die Entwicklungen sind ein Warnsignal für die Branche, die mit ehrgeizigen Zeitplänen noch nie dagewesene Mittel in den Übergang von der fossilen Automobilität zur Elektromobilität investiert. Während Autohersteller auf der ganzen Welt mit der Abkehr von Verbrennungsmotoren zu kämpfen haben, steht für die deutschen Hersteller, die daran gewöhnt sind, mit Spitzentechnologie und luxuriösen Ausstattungen einen hohen Preis zu erzielen, am meisten auf dem Spiel.

„Die deutschen Autohersteller haben kühne Elektrifizierungsziele angekündigt und behaupten, sie seien führend bei der Umstellung, aber sie liefern noch nicht“, sagt Michael Dean von Bloomberg Intelligence. „Sie haben noch einen langen Weg vor sich“.

Autohersteller Tesla an der Spitze - Mercedes und VW mit weniger Elektroautos

Wie die Deutschen im Vergleich zu den weltgrößten Elektroherstellern abschneiden

Nach jahrelangen gescheiterten Versuchen, Tesla zu verdrängen, und angesichts chinesischer Emporkömmlinge, die ihren eigenen Vorstoß vorbereiten, haben die deutschen Autohersteller einen anderen Gang eingelegt, um das Rennen um die Elektroautos zu gewinnen, und sich von schrittweisen Änderungen an ihren Autos mit Verbrennungsmotor, die seit Jahrzehnten dominieren, verabschiedet.

BMW, Mercedes und VW investieren mehr als 100 Milliarden Euro in den Aufbau einer völlig neuen Infrastruktur mit Montageplattformen, Batteriewerken und Software, um eine neue Generation von Elektroautos zu entwickeln. Die Hoffnung ist, dass diese die Reichweite erhöhen und digitale Angebote schaffen, die neue Einnahmequellen erschließen und die technische Konkurrenz ausschließen.

„Aus der Hardware-Perspektive würde ich nicht daran zweifeln, dass sie hervorragende Autos bauen können“, sagte Axel Schmidt, globaler Leiter der Automobilabteilung bei der Unternehmensberatung Accenture. „Aber kann eine 120 Jahre alte Hardware-Manufaktur die Komplexität und Qualität, die für die Software benötigt wird, bewältigen? Ich bin mir da nicht so sicher.“

Die Entwicklungen dieser Woche zeigen, dass VW die Strategien des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess, der im September nach einer Reihe von Rückschlägen durch Porsche-Chef Oliver Blume ersetzt wurde, neu bewertet. Für Mercedes sind die Probleme mit seinem Spitzenmodell in China eine heikle Entwicklung, da das Unternehmen plant, bis 2030 möglichst nur noch elektrisch zu fahren.

VW: Es hängt vieles vom Trinity-Projekt ab

Auch bei VW könnten die Folgen weitreichend sein. Sollte sich die Verschiebung des Trinity-Batterieauto-Projekts über das ursprüngliche Jahr 2026 hinaus bestätigen, könnte der Autobauer auch seine Pläne für eine 2 Milliarden Euro teure Fabrik in Deutschland aufgeben. Das würde auch bedeuten, dass die Marke VW eine Chance verliert, die Technologielücke zu Tesla zu schließen, insbesondere beim autonomen Fahren.

Die Verzögerung des Trinity-Projekts ist auf die gut dokumentierten Probleme der Software-Entwicklungseinheit von Volkswagen, Cariad, zurückzuführen. Die Tochtergesellschaft wurde von Störungen und Missmanagement heimgesucht, die bereits die Veröffentlichung des Audi Artemis – die Luxusantwort des Unternehmens auf Tesla – um drei Jahre auf 2027 verschoben haben.

„Blume ist eindeutig dabei, die gesamte batterieelektrische Fahrzeug- und Softwarestrategie neu zu bewerten, und daher wäre 2026 der früheste Zeitpunkt, an dem VW Tesla herausfordern könnte – unter dem Vorbehalt weiterer Plattform- und Softwareverzögerungen“, sagte Dean, der im Juni sagte, der Autobauer sei gut aufgestellt, um dieses Ziel bereits 2024 zu erreichen.

Bei einer Verzögerung von Trinity könnte Volkswagen gezwungen sein, mehr in seine MEB-Plattform (Modulare E-Antriebs-Baukasten) zu investieren, die die Grundlage für seine ID-Elektroauto-Baureihe bildet. Diese Fahrzeuge wurden von Softwareproblemen heimgesucht, darunter plötzliches Bremsen durch ein fehlerhaftes Verkehrserkennungssystem und das Versagen der Fahrzeuganzeigen.

Cariad wird sich nun auf die Fertigstellung einer neuen Software-Architektur für die Premium-Modelle von Porsche und Audi konzentrieren und eine markenübergreifende Plattform zurückstellen, die das Trinity-Projekt unterstützen und Selbstfahrfähigkeiten liefern sollte.

„Es sieht so aus, als ob die Deutschen in letzter Zeit ein wenig über sich selbst stolpern“, sagte Matthias Schmidt, ein in Berlin ansässiger Analyst der Autoindustrie. „Der ihnen innewohnende Perfektionismus könnte ihr eigener schlimmster Feind sein und könnte sie in der schnelllebigen EV-Umgebung ausbremsen.“

FMW/Bloomberg



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2 Kommentare

  1. Der Artikel ist etwas durch die rosa Teslabrille geschrieben.

    Mercedes wird vom Autor für clickbaits verwendet und es kommen keine substanziellen Kritikpunkte. plump könnte man bei Tesla mit Visiononly auch von einer Irrfahrt sprechen. Lidar hat durchaus seine Berechtigung.

    Beim Thema VW gebe ich dem Auto größtenteils Recht. Das Problem ist nicht die Technik das Problem ist das System VW selbst. VW hat sich die Software von den Zulieferern bisher sehr preiswert machen lassen. Jetzt bei Wegfall wichtiger Komponenten wollte man von heute auf morgen in den Bereich quereinsteigen. Die Manager wechsel im Cariad Verbund sind extrem. Von Problemen darf man nicht sprechen, es sind ja nur Herausforderungen. Ja so wird das in der Tat nichts….

  2. Ich als Laie frage mich : muss denn alles mit Software geregelt werden und automatisch gehen ? Fährt das Auzto ohne Software nicht ? War das beim Verbrenner notwendig ? oder warum hatte man es dort nicht gemacht. Was ich bei meinem jetzigen Verbrenner alles an Elektronik drin habe, ich sage Schnickschnack dazu, brauche ich im Grunde nicht. Wären die Autos nach hinten nicht so unübersichtlich, könnte man sich die Kamera sparen, Scheibenwischer und Licht das automatisch angeht. Als wenn es so schlimm wäre bei Bedarf einen Schalter zu bedienen. Die Bedienung des Radios mit dem Wählknopf ist gegenüber der analogen Bedienung umständlich.
    Autonomes fahren ? was soll ich damit ? Ich würde nicht lesend im Auto sitzen sondern trotzdem aufpassen und auch selber fahren wollen. Oder kann ich dann nach einer ausgiebigen Feier auch noch Auto fahren ? o.k. das wäre ein Vorteil, oder ich sag der neuen Freundin : wir gehen heute Abend weg ich schick dir mein Auto vorbei das holt dich ab.
    Momentan fehlt mir das Verständnis warum der Tausch zwischen von Verbrenner zum E-Motor so viele Hürden hat. Es wird doch nur der Antrieb verändert. Als wenn das Auto nicht mit E-Motor sondern mit Software fährt. Bereits nach 1900 gab es eine Rivalität zwischen Elektroantrieb und Verbrenner und das ging alles ohne Software. Verbrenner hat dann gewonnen, aber nicht weil beim E-Auto die Software versagte.
    Dabei ist doch der E-Antrieb technisch einfacher wie der Verbrenner Motor.

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