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Warum Dax & Co den US-Indizes hinterher hinken: Amerikaner verkaufen

FMW-Redaktion

Aufmerksamen Beobachtern dürfte nicht entgangen sein, dass etwa der Dax (wie auch andere europäische Indizes) hinter den US-Märkten hinterher hinken: während der S&P500, den der Dax meist 1:1 nachbildet, gestern wieder einmal ein neues Jahreshoch markiert hat, fehlen dem Dax ca. 400 für ein solches Jahreshoch. Und während der S&P500 in 2016 um 3,3% gestiegen ist, liegt der breit gefächerte Stoxx Europe 600 in diesem Zeitraum 5,8% im Minus. Eine derart große Lücke gab es zuletzt im Jahr 2013, die Unterschiede sowohl bei den Bewertungen als auch bei der Schwankungsbreite (Volatilität) liegen nahe historischer Hochs.

Warum? Mit einem Wort: es sind vorwiegend amerikanische Investoren, die Gelder aus Europa abziehen, abgeschreckt durch die Unsicherheit im Vorfeld der Abstimmung über den Brexit. So sind nach Angaben der Bank of America Merill Lynch seit Jahresbeginn 36 Milliarden Dollar aus Fonds abgeflossen, die europäische Aktie abbilden – ein Drittel der Zuflüsse aus dem Jahr 2015. Dabei sind seit 17 Wochen in Folge Gelder abgeflossen, und man kann vermuten, dass dieser Abfluß auch zum Teil erklärt, warum die US-Indizes gut performen: das Kapital wurde aus Europa abgezogen und in den amerikanischen Aktienmarkt transferiert. Daher sind europäische Aktien derzeit volatiler (beim Stoxx Europe 600 bei 23), während die Vola beim S&P (VIX) bei nur 14 liegt.

Dabei sind nun die Bewertungen im S&P500 nicht mehr wirklich günstig: so handeln europäische Aktien mit einem durchschnittlichen Buchwert von 1,7, Aktien aus dem S&P dagegen mit einem Buchwert von 2,8. Das KGV europäischer Aktien liegt durchschnittlich bei eher moderaten 15,1, Aktien aus dem S&P haben ein durchschnittliches KGV von 16,9. US-Aktien sind also teurer und weniger volatil, weil offenkundig die Amerikaner die angelsächsische Mentalität eher einschätzen können und daher die Wahrscheinlichkeit eines Brexit deutlich höher veranschlagen als Kontinentaleuropäer (siehe dazu den Artikel „Dax-Stimmung: Hauptsache drin..“).

Ökonomisch ist diese Underperformance der europäischen Aktien jedenfalls eher nicht zu rechtfertigen: die Fundamentaldaten aus der Eurozone sind nicht super, aber eben recht konstant ordentlich, während in den USA manches auf einen baldigen Abschwung, vielleicht sogar auf eine Rezession hindeutet.

Käme es zu einem Brexit, dürfte die Differenz noch größer werden. Sollten die Briten jedoch in der EU bleiben, haben europäische Aktien viel Aufholpotential



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