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Warum die EZB über eigene Konten für Bürger nachdenkt

Hannes Zipfel

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am

Der EZB Tower in Frankfurt

Die Notenbanken holen zum Gegenschlag gegen Kryptowährungen aus und sinnieren darüber, eigene Konten für Bürger anzubieten. So auch die EZB.

Die EZB hat verstanden, dass Gefahr im Verzug ist

Seitdem sich digitale Kryptowährungen einer immer größeren Beliebtheit erfreuen, beobachten die Geldpolitiker in den Zentralbanken die neue digitale Währungskonkurrenz mit Argusaugen. Da die Bitcoins, Litecoins, Moneros und Ethereums dieser Welt bisher im Zahlungsverkehr jedoch kaum eine Rolle spielten und hauptsächlich als relativ diskretes Zahlungsmittel im Darknet sowie als Spekulationsobjekte oder digitales Spar-Gold verwendet wurden, befanden sich die neuen Zahlungsmittel weitgehend unter dem Radar der Zentralbanker.

Zwar haben sich diverse Ökonomen aus den Fiat-Geld-Zentralen schon mit dem Thema beschäftigt, so wie z. B. die Ökonomen Kumhof und Noone von der Bank of England, die im Jahr 2018 ein Arbeitspapier mit dem Namen “Central bank digital currencies – design principles and balance sheet implications” verfassten, aber zur ernsten Gefahr wurden die Digitalwährungen erst im letzten Sommer.

Mitte Juni 2019 kündigte der CEO und Gründer von Facebook gemeinsam mit seinem Top-Manager David Marcus an, ab dem Jahr 2020 eine eigene Währung Namens „Libra“ in Umlauf zu bringen. In der Projektphase hieß die Wäherung noch „FacebookCoin“. Nachdem aber mehr und mehr private Kooperationspartner mit an Bord des Projekts kamen, wurde der Firmennamen aus der Währung gestrichen.

Aufgrund der großen Verbreitung von Facebook mit seinen über 2,5 Mrd. Konten weltweit und der Tatsache, dass der Libra wegen seiner Konstruktion massentransaktionstauglich und nur mäßig volatil wäre, opponierten die Zentralbanken massiv gegen die neue private Konkurrenz für ihr Fiat-Geld. In mehreren Studien und Arbeitspapieren analysieren Zentralbanker rund um die Welt das Thema Block-Chain-Währungen nun immer intensiver und erarbeiten Gegenmaßnahmen.

Auf der heutigen Pressekonferenz der neuen EZB-Chefin Christine Lagarde wird sie Hinweise geben auf die neue Strategie der Zentralbank, die bis Ende des Jahres ausformuliert werden soll. Ein wichtiger Bestandteil dieser Neuausrichtung ist auch eine eigene Digitalwährung, getarnt als Stablecoin, also mit realen Werten hinterlegt. Sogar über eigene Konten für diese Währung für Bürger der Eurozone direkt bei der Europäischen Zentralbank wird ernsthaft nachgedacht.

Im Vorfeld hatte die EZB bereits mitgeteilt, dass sie zusammen mit anderen Zentralbanken, wie der Bank of England, der Bank of Japan und der BIZ in Basel (Zentralbank der Zentralbanken) eine Arbeitsgruppe unter der Führung des ehemaligen französischen EZB-Direktoriumsmitglieds Benoît Cœuré zu diesem Thema gegründet hat.

Notenbanken fürchten um ihre geldpolitische Monopolstellung und das Bankensystem

Erhellend ist diesbezüglich ein Arbeitspapier des neuen EZB-Generaldirektors für Marktinfrastrukturen, Ulrich Bindseil, aus der Serie „Tiered CBDC and the financial system“. Die Abkürzung „CBDC“ steht für Central Banks Digital Currencies, also digitales Zentralbankgeld. In dem Papier, dass sich stark auf die Erkenntnisse der britischen Zentralbankökonomen Kumhof und Noone bezieht, werden die Grundlagen einer EZB-Digitalwährung erläutert. Grundsätzlich wirft das Papier die Frage auf, warum es eines CBDC bedarf, wenn der Euro doch heute schon nichts anderes als digitales Buchgeld ist? Für die Notenbanken ergeben sich aus den unabhängigen Kryptowährungen fünf große Herausforderungen, die die Hauptmotive für die Idee einer eigenen Digitalwährung sind:

Verlust der Kontrolle über die Geldmenge
Verlust der Kontrolle über die Zahlungsströme
Verlust der Zinshoheit (Bitcoin-Wallets kennen keine beliebig gestaltbaren Negativzinsen)
Austrocknung der Bankeinlagen (Flucht aus dem Fiat-Money-System)
Verlust der eigenen Bedeutung

Natürlich werden diese fünf Punkte von den Zentralbanken nicht in den Vordergrund ihrer öffentlichen Kommunikation gestellt. Die Gründe, warum man sich nun von Seiten der Zentralbanken so intensiv mit dem Thema Krypto-Währungen beschäftige, formulierte der seit dem 1. Dezember 2017 als General Manager bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel (BIZ) tätige mexikanische Ökonom Agustín Guillermo Carstens in einer Rede in Dublin am 22. März letzten Jahres im typischen Politsprech so: „Die Zentralbanken sind nicht dazu da, Innovationen nur um ihrer selbst willen zu bremsen“. Man müsse dafür sorgen, dass die Auswirkungen größerer Veränderungen gut verstanden werden und man müsse „Innovationen die richtigen Weichen stellen für die Wirtschaft, für Unternehmen, für die Bürger und für die Gesellschaft als Ganzes“. Kurz gesagt: Die Zentralbanken stellen sich Innovationen nicht in den Weg, sondern wollen nur Aufklären und für das Gemeinwohl sorgen.

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4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Michael Paffhausen

    24. Januar 2020 15:52 at 15:52

    … hauptsächlich im Darknet…? Euer ernst? Komme mir hier ja schon vor wie auf Bild oder Focus…

    • Avatar

      Michael

      24. Januar 2020 19:10 at 19:10

      @Michael Paffhausen, als relativ diskretes Zahlungsmittel im Darknet. So wirklich viele Einkaufs- und Betahlmöglichkeiten außerhalb gibt es ja wirklich nicht:

      https://de.bitcoin.it/wiki/Handel#Online_Produkte

      Das ist doch eine eher sehr überschaubare Liste an Einkaufsmöglichkeiten im World Wide Web.

      • Avatar

        Andreas

        25. Januar 2020 11:15 at 11:15

        Schön das die Bänker so lange mit Fiat gefahren sind,jetzt wachen Sie auf,zum Glück viel zu spät.

  2. Pingback: Überraschung des Tages – Eduard Lukschandl

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Christine Lagarde: Headlines zur EZB-Pressekonferenz

Markus Fugmann

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Die wichtigsten Aussagen der EZB-Chefin Christine Lagarde auf der EZB-Pressekonferenz – wie wird sie sich zu den ökonomischen Perspektiven durch die neuen Lockdowns äussern?

– Lagarde und Vize de Guindos betreten den Saal – beide mit Mundschutz..

– Neue Corona-Welle: Wirtschaft verliert an Fahrt, klare Verschlechterung des Ausblicks, vor allem im Dienstleistungsbereich

– Konsumenten halten sich zurück

– Inflation geringer aufgrundd fehlender Nachfrage

– FMW: jetzt das Übliche Loblied auf die EZB-Maßnahmen (gähn..)

– Risiken klar abwärtsgerichtet

– EZB wird im Dezember auf die neue Entwicklung reagieren und dabei auch Wechselkurs berücksichtigen

Hier der Live-Feed zur EZB-PK:

Chrstine Lagarde - die Aussagen auf der EZB-Pressekonferenz

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Hans-Werner Sinn: Warum die Inflation ausbleibt, und wann sie kommt

Claudio Kummerfeld

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Der ehemalige Chef des ifo-Instituts, hoch angesehene und bekannteste Ökonom Deutschlands Hans-Werner Sinn (hier jüngst im Gespräch mit Marc Friedrich) hat aktuell der Mission Money ein ausführliches Interview gegeben. Ein echter zweiter Lockdown müsse in Deutschland vermieden werden, so der Appell von ihm.

Die deutsche Wirtschaft wird laut Hans-Werner Sinn die zweite Corona-Welle überleben. Aber es werde eine große Pleitewelle geben. In einem ersten Schritt würden zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz gehen, die bis jetzt dank ausgesetzter Insolvenzpflichten viel neue Schulden angehäuft hätten. Und erst in einem zweiten Schritt würde es dann die Banken hart treffen, weil die ja in Folge der Insolvenzen die Kreditausfälle zu verkraften hätten.

Hans-Werner Sinn mit Schwerpunktthema Inflation

Ein zentral wichtiges Thema im folgenden ausführlichen Interview ist die möglicherweise anstehende Inflation in Europa und Deutschland. Hans-Werner Sinn äußert sich hierzu ausführlich. Vor Corona habe die Geldmenge der EZB 3,2 Billionen Euro betragen, seitdem sei bis heute 1 Billion Euro dazugekommen. Bis Sommer 2021 werde die Summe auf 5,4 Billionen Euro anwachsen. Es entstehe ein gigantischer Geldüberhang.

Hans-Werner Sinn erklärt ausführlich seine große Sorge vor der anstehenden Inflation. Zunächst erklärt er ausführlich, warum es bislang trotz Geldschwemme keine Inflation in Form von Preisexplosionen gebe (ab Minute 23 im Video). Seine Ausführungen dazu sind hochinteressant. Das zusätzlich geschaffene oder besser gesagt in den letzten Monaten nicht ausgegebene Geld sei nicht aktiv, weil es herumliege. Bei den Bürgern auf den Sparkonten oder im Tresor. Bei den Banken liege es laut Hans-Werner Sinn herum zum Beispiel auf deren Zentralbankkonten. Es werde nicht vollständig als Kredit an Wirtschaft oder Verbraucher herausgereicht. Daher wirke die gestiegene Geldmenge nicht inflationär. Denn in Krisenzeiten würden sich die Menschen nicht trauen Geld auszugeben.

Aber nach der Krise, wenn es zum Beispiel einen Impfstoff gegen Corona gebe und die Wirtschaft wieder boomt, dann steige auch wieder der Optimismus bei den Menschen. Gewerkschaften würden höhere Löhne verlangen, die Unternehmen würden die Preise anheben usw. Die Inflation könne dann sehr leicht über das 2 Prozent-Ziel der EZB ansteigen. Dann müsse die EZB die Zügel anziehen. Aber dann stehe man vor einem gewaltigen Problem. Hierzu wollen wir die wirklich sehr interessanten und aufschlussreichen Ausführungen von Hans-Werner Sinn nicht vorwegnehmen. Schauen Sie bitte das Video! Nur so viel. Er erläutert auch dann möglicherweise anstehende Folgeeffekte wie dann platzende Luftbuchungen und ein Bankensterben.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: https://www.hanswernersinn.de/de/Bildarchiv

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Lockdown: Was läuft falsch bei den Corona-Maßnahmen?

Markus Fugmann

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Heute dürften in Deutschland und Frankreich neue Beschränkungen und Corona-Maßnahmen bis hin zum Lockdown verkündet werden. Im Grunde reagieren die durch die starken Anstiege alarmierten Regierungen in Europa alle ähnlich. Nach Informationen des Informations-Mediums für Intellektuelle, also bild.de, dürfen ab 04.November in Deutschland sich maxiximal zehn Menschen treffen, die wiederum maximal aus zwei Haushalten stammen dürfen.

Lockdown, Corona-Maßnahmen und Anreizkonflikte

Viele Menschen gehen davon aus, dass die Corona-Maßnahmen schon gerechtfertigt seien – auf der anderen Seite gibt es jene, die das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen latent verharmlosen – und nicht selten eine Verschwörung der Eliten vermuten zur Entmündigung der Bürger. Symbol dafür ist ihnen der Lockdown.

Nun müssen die Regierungen die Bevölkerung schützen – aber sind die getroffenen Maßnahmen gerechtfertigt? Professor Christian Rieck macht auf zwei zentrale Probleme der Maßnahmen deutlich, die häufig entweder zu „Überreaktionen“ oder zu „Unterreaktionen führen.  Es gebe viele „Anreizkonflikte“, die zu problematischen Reaktionen der Betroffenen führen, so Rieck.

In folgendem Video erklärt er, was er damit meint:

 

Lockdown und Corona-Maßnahmen - sind sie gerechtfertigt?

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