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Warum Federal Reserve und EZB die Inflation erzwingen!

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Brennender Dollar-Schein - EZB und Fed erzwingen Inflation

Vor zwei Tagen titelte ich noch, die EZB würde bald auch Ihren Hund als Kreditsicherheit akzeptieren. In den USA ist man seit Donnerstag einen Schritt weiter. Dort kauft man den Hund einfach, statt ihn nur als Pfand zu nehmen. Nur zwei Wochen, nachdem ausgerechnet der größte Anleihe-Investor der Welt damit beauftragt wurde, für die US-Zentralbank Anleihen mit Investment Grade Rating zu kaufen, fallen in den USA alle Schranken. Ab jetzt werden von der Zentralbank auch Junkbonds gekauft, die die EZB bis jetzt „nur“ als Kreditsicherheit akzeptiert. Die Schranken wurden damit für die Inflation weit geöffnet.

Was sind Junkbonds und weshalb stellt der Kauf durch die größte Zentralbank der Welt einen Paradigmenwechsel dar? Junkbonds oder auch Schrottanleihen sind börsengehandelte Wertpapiere von Schuldnern schlechter Bonität. Käufer der Papiere bekommen vom Schuldner einen höheren Zins als Ausgleich für das eingegangene höhere Risiko verglichen mit Anleihen von Schuldnern guter Bonität. Der Rendite-Unterschied ist dabei beträchtlich. So bringt zum Beispiel eine fünfjährige Schrottanleihe von Tesla Motors derzeit die 17-fache Rendite einer vergleichbaren US-Staatsanleihe. Oder anders gesagt: Tesla muss 17 Mal mehr Zinsen bezahlen als die US-Regierung für einen Kredit gleicher Laufzeit.

Noch, müssen wir dazu sagen. Denn wenn die US-Zentralbank nun auch diese Kredite von Schuldnern zweifelhafter Bonität kauft, dann wird die Rendite dieser Anleihen sinken. Die steigende Nachfrage nach den Papieren treibt den Preis in die Höhe, womit automatisch die Rendite sinkt. Wir sahen es heute schon bei Tesla. Der Preis der Anleihe stieg im Tagesverlauf um 4,5%, was bei Anleihen enorm ist. Allein durch den niedrigeren Zins wird die Kreditaufnahme für diese schlechten Schuldner einfacher und attraktiver, womit die Geldmenge und tendenziell die Inflation steigen wird.

Der Kauf von Junkbonds durch die Fed erhöht die Inflation!

Der Ankauf dieser Papiere mit hoher Ausfallwahrscheinlichkeit stellt deshalb einen Paradigmenwechsel dar, weil allen Beteiligten klar ist, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit zu Kreditausfällen kommt. Bei den bisherigen Käufen von Anleihen mit Investment Rating war das noch nicht der Fall. Die Tilgung einer US-Staatsanleihe war ausgesprochen wahrscheinlich. Auch Unternehmen mit Top-Bonität haben nur sehr geringe Ausfallwahrscheinlichkeiten. Durch den Aufkauf der Anleihen schafft die Zentralbank neues Geld, betreibt also Inflationierung. Wird die Anleihe jedoch getilgt, dann verschwindet dieses Geld auch wieder aus dem Umlauf. Die Geldschöpfung hätte also ein durch die Laufzeit der Anleihe festgelegtes Verfallsdatum und damit nur temporär die Inflation erhöhende Wirkung.

Fällt jedoch eine Anleihe aus, bleibt das Geld im Umlauf. Kann der Schuldner die von der Fed gekaufte Anleihe nicht zurückzahlen, wirkt das beim Kauf geschaffene Geld für ewig geldmengensteigernd. Und Kreditausfälle sind praktisch vorprogrammiert. Schrottanleihen sind nicht grundlos Schrottanleihen und die Bonität der Schuldner ist begründet schlecht. Sie ist schlecht, weil die Rückzahlungswahrscheinlichkeit geringer ist als bei guten Schuldnern. Noch vor 15 Jahren wäre keine Zentralbank auf die Idee gekommen, solche Anleihen auch nur als Kreditsicherheit zu akzeptieren. Inzwischen werden sie sogar auf eigenes Risiko gekauft.

Ich gebe zu: Auch beim Kauf von Anleihen guter Bonität war die Rückführung des geschaffenen Geldes nur theoretisch möglich. Angekündigt wurde es von den Zentralbanken zwar. Doch umgesetzt wurde es nie. Getilgte Anleihen wurden schlicht reinvestiert, weil die Zentralbanken fürchteten, der Entzug der Geldmenge aus dem System würde die Wertpapierkurse unter Druck setzen.

Der russische Rubel wird inzwischen solider gemanagt als der US-Dollar

Die Frage ist, wie lange sich die Völker Sand in die Augen streuen lassen. Noch heute stehen zum Beispiel in Osteuropa die Menschen Schlange, um ihre Rubel in US-Dollar tauschen zu dürfen, weil sie Angst vor Inflation haben. Sie erkennen dabei offensichtlich gar nicht, dass die Fed die Geldmenge stärker erhöht als ihre eigene Zentralbank und damit US-Dollar-Inflation langfristig wahrscheinlicher ist als eine Explosion der Verbraucherpreise auf Rubel-Basis. Die Bilanz der russischen Zentralbank ist verglichen mit der Bilanz der Fed ein mustergültiges Beispiel für verantwortliches, vorausschauendes Handeln. Sie umfasst lediglich 33 Milliarden US-Dollar. Die US-Notenbank gibt diese Summe täglich (!) aus, um Anleihen zu kaufen. Ende März lag der Betrag sogar noch mehr als doppelt so hoch. Die US-Zentralbank packt also täglich den Betrag auf ihre Bilanzsumme oben drauf, den die russische Zentralbank insgesamt als Bilanzsumme ausweist.

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15 Kommentare

15 Comments

  1. Avatar

    Doris

    10. April 2020 12:18 at 12:18

    Sehr geehrter Herr Dirk Schuhmanns,
    2008 habe ich Vorträge (Banker)über Finanzwirtschaften gehalten und versucht zu erklären, dass wir in einer Rezession stecken und es, nach ca. 12 Monaten wieder Berg auf gehen würde. Das System welches die EU (sehr stark Deutschland) geschaffen hatte, die Stabilität der Banken etc. greift und die Maßnahmen waren die richtigen. Damals vielen die Fonds mit ca. 60% im Durchschnitt in den Keller.
    Das Auditorium glaubte mir kein Wort, wobei Schönredner noch die höflichste Ansprache war.
    Alle fragten mich damals wie und wo man Gold kaufen könne, Immobilien auch Silber. ALLE sprachen von Inflation, Geldentwertung, Zusammenbruch der EU, Löschung des Euro´s, Griechenland und Italien raus aus der EU etc.
    Heute lese ich Ihren Artikel, 12 Jahre später! Ich möchte Ihnen dazu gratulieren.
    Habe gerade darüber nachgedacht, die Bilanzsumme der FED war damals USD 800 Milliarden! Die Zinsen waren bei 5%. Und heute darf ich in Ihrem Artikel lesen, es sind deren mind. USD 6,09 Billionen. (Hammer). Ich konnte auch lesen, dass durch Hebelung, bereits weitere 2 Billionen fest sind. Powell sagt: whatever it takes, without limits

    Damals hat die FED auch noch keine Anleihen (Schrott) gekauft und natürlich nicht, wie demnächst sicher, auch Aktien (offiziell oder eben wie jetzt durch die BlackRock!! Wahnsinn!!)

    Ich denke, die Summen, die jetzt am Tablett liegen in den USA durch die FED. Diese sollten den Markt stabilisieren um etwaige Ökonomische Folgen abzufedern. WAS ist wenn der Markt in der nunmehr bestehenden Rezession, nochmals nach unten dreht um weiter 30%. Dh. DJ aus heutiger Sicht 17000Pkt. Kommt dann der nächste Superbazooka. Und dann?

    Mein Gehirn sagt, es geht weiter,
    Mein Bauch sagt, over and out. Enjoy it while you can

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      thinkSelf

      10. April 2020 18:58 at 18:58

      Wie es weiter geht ist nicht schwer zu erraten. Natürlich werden alle Notenbanken in Zukunft auch Aktien aufkaufen, wie es die Schweizer und japanische Zentralbank schon seit langem machen. Oder z.B. der norwegische Staatsfond als zwischengeschaltete Einheit. Dann können wir jetzt schon mal ausrechnen, wann die Zentralbanken die Wirtschaft weitgehend übernommen haben. das geht bei den aktuell in den Markt gepumpten Summen ziemlich schnell.
      Das wird die Zombiefizierung der Unternehmen relativ schnell nach oben treiben, damit die Fehlalokationen in ungeahnte Höhen treiben und damit zu einem Sinken der Produktivität führen. Und damit in einer ersten Phase zu einem Verlust von Wohlstand und dann zu einer Verschiebung der globalen Machtverhältnisse.
      Wäre China nicht so blöd gewesen, sich selbst vom Weg Dengs wieder in Richtung einer Kommandowirtschaft zu entwickeln, wären sie in der Lage gewesen innerhalb einer weiteren Generation die USA als globale Supermacht abzulösen. So ist weitere Entwicklung nicht so gut vorhersehbar.

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      Eric

      12. April 2020 00:07 at 00:07

      Fiatgeld hat keinen inneren Wert darum sind all diese Überlegungen letztlich bedeutungslos. Über viele Wirkungen und Umkehrungen versucht man die Zahlen so zu balancieren, dass der Wert im Wirtschaftsverkehr in der Zielinflation oder nahe dran bleibt.
      Lustigerweise hat das historische Gedächtnis der Allgemeinheit viele Fehler.
      Fehler 1: die Weltwirtschaftskrise des letzten Jahrhunderts war tatsächlich von heftiger Deflation geprägt
      Fehler 2: Hyperinflation war ein spezielles deutsches Problem und kurz gesagt von besonderer restriktiver Geldpolitik verursacht. Die führte dazu, dass die deutsche Wirtschaft, die damals extrem abhängig vom Dollar war, nach dem Krieg kollabierte als in den USA Deflation entstand und auch dort die Liquidität austrocknete. Statt einzuspringen und Liquidität zu schaffen verhielt sich die deutsche Geldpolitik nach den Weisheiten der schwäbischen Hausfrau. Den Unternehmen ging daraufhin massenhaft das Kapital aus, die Produktion brach zusammen, das Angebot kollabierte, dadurch schossen die Preise in die Höhe und wer noch Arbeit hatte verlangte immer mehr Lohn, die Arbeitgeber daraufhin immer höhere Preise und immer so weiter. Eine Spirale der Hyperinflation.

      Das ist natürlich vereinfacht dargestellt aber deckt sich absolut mit den damaligen Ereignissen. Warum sich diese Kette der Geschehnisse nicht im Volksmund überliefert hat ist mir nicht bekannt.

      Angst haben müssen wir v. a. vor Deflation und fehlender Liquidität für ansonsten produktive Unternehmen. Hyperinflation war ein Symptom des darauf folgenden Kollaps, nicht umgekehrt die Ursache.

      Auf die jetzige Situation gemünzt heißt das, alle Unternehmen die im Januar ein funktionierendes Geschäftsmodell hatten müssen mit aller nötigen Liquidität versorgt werden und sobald die Erholung einsetzt muss die Wirtschaft massiv subventioniert werden und die Geldpolitik für billige Liquidität sorgen. Dann bleibt das Angebot hoch, der Wettbewerb um Kunden und Preise (und damit letztlich auch Innovation und Effizienz) funktionsfähig, die Unternehmen können gesunde Erträge erwirtschaften von denen vernünftige Löhne gezahlt werden können und durch Niedrigzins und leichte Inflation schrumpfen die öffentlichen und privaten Schulden wieder langsam und wir haben den Schock verdaut. So in etwa sollte das grob laufen.

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        joralari

        12. April 2020 15:08 at 15:08

        „die Produktion brach zusammen, das Angebot kollabierte …
        wer noch Arbeit hatte verlangte immer mehr Lohn …“

        Wenn die Produktion zusammenbricht, dann entstehen zwangsläufig mehr Arbeitslose und die die noch Arbeit haben können durch Arbeiter ersetzt werden, die keine höheren Löhne fordern sondern froh sind überhaupt etwas zu verdienen.

        Vielleicht ein Grund wieso diese Geschehnisse nicht im Volksmund überliefert werden

        • Avatar

          Eric

          12. April 2020 18:37 at 18:37

          Nicht Verlangen im Sinne einer Forderung, sondern im Sinne eines Bedürfnis. Damit die Arbeitnehmer überhaupt noch Nahrung und Obdach hatten und arbeitsfähig blieben verlangte, bedurfte, erforderte… deren Entlohnung immer größere Summen, usw. Ein kleines Missverständnis an der Stelle. Grüße

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    Scheer

    10. April 2020 16:58 at 16:58

    Sehr gute Einschätzung der Lage. Danke dafür.
    Meiner Meinung nach folgt nach der Inflationierung der Wechsel in eine digitale Währung wie es Thomas Mayer gut beschreibt.
    Link: https://www.youtube.com/watch?v=na4SlFRuuCo
    Die Inflation kann dann ganz einfach durch einen Währungsschnitt gemanaged werden – weil das Alternativlos ist.
    Die Bevölkerung wird das einfach hinnehmen weil der Großteil keine Ahnung von der Thematik hat und sich lieber mit Brot und Spielen zufriedenstellen lässt.

  3. Avatar

    LEO

    10. April 2020 19:54 at 19:54

    Schöner Artikel.

    Einen Punkt sollten Sie aber nochmal Überdenken:

    Wenn Sie schreiben, dass die Preise keine Risiken mehr widerspiegeln, vernachlässigen, dass genau dieses Risiko massiv zu Zahlungsausfällen führen wird, was die Dummen dann trotzdem zu tragen haben, denn höhere Anleihepreise senken das Risiko wie Sie richtig schreiben eben nicht.

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    BrettonWood

    11. April 2020 07:16 at 07:16

    Also für meinen Hund würden die 2.3 Bn nicht reichen….

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      Eric

      11. April 2020 23:45 at 23:45

      Wer auf baldige Inflation setzt wird sich genauso verzocken wie nach der Finanzkrise.
      Der externe Schock zerstört die Nachfrage sogar mehr als das Angebot. Kurzarbeit und bald steigende Arbeitslosigkeit lassen die Kaufkraft sinken und werden auch bei den Arbeitnehmern, die noch einen Job haben, zu Nullrunden führen.
      Und das passiert nicht nur in Deutschland oder der Eurozone sondern weltweit gleichzeitig.
      Die langfristigen Signale sind sowieso unverrückbar auf Deflation in Euroland gelegt, der demografische Wandel ist ein gigantischer Inflationskiller.

      Die Staaten werden das machen müssen was die Bundesrepublik auch nach der Finanzkrise gemacht hat. Konjunktur mit allen Mitteln stützen und dann in besseren Zeiten schwarze Null und so progressiv die Haushaltsdefizite in Relation zum BIP schrumpfen lassen. Nach Corona werden wir dieses Jahrzehnt definitiv keine nennenswerten Leitzinsen mehr sehen, das wird natürlich auch helfen Staatsanleihen sehr zinsgünstig zu platzieren.

      Ich kann jeden nur davor warnen auf Inflation zu setzen. Auch Covid ändert nichts am Megatrend der Deflationstendenz einer gesättigten und alternden Gesellschaft. Und wer sich gruseln will sollte sich sowieso lieber vor Deflation fürchten. Denn die wäre in Kombination mit der aktuellen Schuldenflut der wahre Killer.

  5. Pingback: Meldungen vom 11. April 2020 | das-bewegt-die-welt.de

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    Dirk

    12. April 2020 09:33 at 09:33

    Eine Sache, die mir immer noch nicht klar ist und ich gerne mal kompetent und verständlich beantwortet hätte ist folgende:
    Bei Kursrückgängen und in einem Crash bei Aktien und/oder Anleihen fallen die Kurse dieser Asset-Klassen. Käufer sind nur noch bereit einen geringeren Preis zu zahlen. Das wenn eine Aktie z.B. 100 € gekostet hat, zahlt ein Käufer nur noch 95 €. Wenn es weiter fällt, verkauft dieser seine Aktie z.B. für 90 € weiter, usw. D.h. hier findet doch eine Geldvernichtung statt, die eindeutig deflationär ist, oder? Klar gab es eine Vermögenspreissteigerung vor dem Crash, sozusagen eine Inflationierung von Vermögenswerten. Diese wird doch dann wieder durch den Crash abgebaut bzw. vermindert, d.h. das neue Reinpumpen von Geld in die Märkte durch die Notenbanken gleicht die Geldmengenverluste durch den Crash wieder halbwegs oder mehr aus. Nur sehr kurzfristig ist dann mehr Geld im System, aber dieses fließt ja schnell wieder in Aktien- und Anleihenkäufe, wie wir jetzt auch schon wieder sehen. Ich denke, erst wenn das viele Geld nicht wieder in Aktien, Anleihen und sonstige Vermögenswerte fließt gibt es eine breite Preis-Inflation von Gütern und Dienstleistungen. Denn was wir bisher vor dem Crash hatten, war eine reine Preis-Inflation nur bei Vermögensanlagen wie Aktien und Anleihen
    aber nicht in der Realwirtschaft. Ob es diesmal wirklich anders herum kommt, ist fraglich. Wenn die Coronavirus-Sache
    ausgestanden ist, laufen die Wirtschaftsprozesse schnell wieder normal, denn das Virus hat Produktionsprozesse nur lahm gelegt aber nicht zerstört.
    Deswegen steigen die Börsen wieder genauso schnell an, wie man sieht. Ob da noch viel Geld für eine Inflationierung
    von realen Gütern und Dienstleistungen übrig bleibt??

    • Avatar

      Eric

      12. April 2020 15:35 at 15:35

      Natürlich vernichtet die aktuelle Krise viel zuvor aufgeblasenes Kapital. Das ist ja auch die Gefahr, dass dadurch prinzipiell wettbewerbsfähige Unternehmen unverschuldet in die Pleite schlittern und wir in eine Angebotskrise mit Stagnation schlittern (Deflation).
      Wenn man so will ist das tatsächlich eine Gelegenheit bei der viel Kapital aufgefressen werden wird und aus dem Kreislauf verschwindet.
      Assetpreise dürften sich in Folge seitwärts bewegen, vielleicht sogar sinken. Das dürfte auch die Luft aus dem Immobiliensektor lassen.
      Ich will nicht sagen, dass irgendwas an der Situation wünschenswert ist. Aber bezüglich der nach der Finanzkrise entstandenen Kapital-Schwemme wird das eine große Bereinigung sein. Die Notenbank können gar nicht soviel liquidiert schaffen wie gerade vernichtet wird. Bestenfalls können sie Deflation und Stagnation der Konjunktur verhindern.
      Der Spuk der Inflation den man in Deutschland so liebt entbehrt jeder Grundlage.

  7. Avatar

    Dirk

    12. April 2020 19:19 at 19:19

    Die Notenbanken können unbegrenzt
    Liquidität in die Märkte pumpen, denn sie schaffen Geld aus dem Nichts. Wenn eine grössere Inflation breitmacht, sind sie nach ihrem Mandat nach aber verpflichtet wieder den Märkten Geld zu entziehen. Wenn die Wirtschaft trotz Liquidität nicht anspringt (Stagflation) haben sie aber ein Problem. Bei Sachen wie die Coronakrise springt die Wirtschaft trotz Liquidität nicht an, da die Wirtschaft durch ein Gesundheits- und nicht Geldproblem lahmgelegt ist. Das Virus wird überwiegend noch bei Älteren Tote fordern, aber der Peak ist meiner Meinung nach, zumindest in den Industrieländern, erreicht. Nach einer kurzen Anlaufzeit läuft fast alles wieder wie vorher. Wahrscheinlich preisen die Aktienmärkte dies bereits ein. Ich gehe nicht davon aus dass wir weitere Tiefs sehen werden, zumindest nicht bei soliden Aktien, denn Aktien sind Sachwerte und daher ein guter Inflationsschutz.

  8. Avatar

    Eric

    13. April 2020 09:04 at 09:04

    Du musst unterscheiden. Erstmal geht’s um Stützung der Krisenwirtschaft.
    Anschließend um Stabilisierung und Förderung der Konjunktur. EZB und Politik haben auch kein Geheimnis daraus gemacht diese Phasen getrennt zu behandeln. In der ersten Phase kommt nichts bei M3 an weil selbst mit größter Kraft kaum genug Liquidität ankommen wird um prinzipiell gesunde Unternehmen allesamt vor der Insolvenz durch erzwungenes Nichtstun zu bewahren. Bestenfalls ist es genug um Defizite annähernd zu stopfen. Da es aber darüber hinaus massiv finanzielle Rücklagen von Privatleuten und Unternehmen auffressen wird ist die Geldmenge M3 sicherlich gerade im freien Fall.
    Wenn die Pandemie endgültig vorbei ist (nicht vor einer Impfung für alle) wird man wieder Rekapitalisieren müssen.
    Dann kann es tatsächlich einen Aufschwung geben wie man ihn so kräftig nur nach Kriegszeiten kennt.
    Oder noch kräftiger. Weil Produktionsanlagen und Infrastruktur und Arbeitskräfte ja alle noch da sind. Und es wird gigantische Nachholeffekte geben. Die können zwar nicht alles kompensieren, aber das ist auch gut so, denn sonst hätten wir tatsächlich einen Nachfrageüberhang. Vor der Krise hatten wir einen Angebotsüberhang, über ein zu knappes Angebot müssen wir uns also auch keine Sorgen machen wenn nicht all zu viele Unternehmen in die Pleite rutschen.

    Und eine riesige Unbekannte übersehen wir weil wir es traditionell so gewohnt sind auf Dollar und USA zu schauen. Während der Westen mitten in der Krise steckt hatte es China mit drakonischen, bei uns undenkbaren Maßnahmen geschafft die Epidemie wieder zurückzudrehen und auch internationale Experten erkennen das prinzipiell an, selbst wenn es weiterhin einzelne Ausbrüche geben mag ist es keine Epidemie in China mehr.

    Während wir hier diskutieren baut dieses hungrige Milliardenvolk auf und war schon vor der Krise mindestens so eine Lokomotive für die Weltwirtschaft wie die USA.
    Gemeinsam mit dem Faktor Ölpreis, ein gigantisches Konjunkturprogramm für sich selbst, würde mich gar nicht uberraschen, wenn wir am Ende weniger Staatshilfen brauchen als aktuell befürchtet wird.

    Nichtsdestotrotz würde ich keinen Cent auf Inflation oder entsprechende Anlagestrategien setzen. Ich vermute, dass es im worst case bis 2022/24 mal kurz auf 3% gehen könnte wenn die EZB am Ende den Liquiditätsbedarf sogar überschätzt hat oder es der Staat zu gut mit Finanzhilfen meinte und die Wirtschaft überhitzt. Aber langfristig bleiben deflationäre Megatrends der Alterung der Gesellschaft und auch die Globalisierung wird weitergehen. Höchstens lernt man die Produktionsketten zu diversifizieren, also letztlich noch mehr global zu verteilen. Denn nur so können solche Schocks besser abgefedert werden. Rückholung nach Europa würde die Verletzlichkeit ja sogar noch erhöhen, wenn wie in vielen europäischen Ländern gerade der Fall zB nur noch lebenswichtige Industrien überhaupt arbeiten dürfen. Mag sein, dass bei der Pharmazie manches zurück nach Europa kommt, bei deren hochgradig automatisierten Massenproduktion ging’s bei der Verlagerung nach Indien und China aber nur um Centbeträge pro Endverkaufspreis, das war natürlich Irrsinn und wird trotzdem langfristig nicht für sehr viel teurere Medikamente sorgen.

    Gleichzeitig lecken Unternehmen und Privatleute gerade Blut bezüglich Digitalisierung. Home Office, bargeldlose Bezahlung im Laden usw. In einem Crashkurs bekommt das Land gerade zwangsweise Nachhilfe in Digitalisierung und die ist nun einmal ein gigantisches Reservoir für Effizienzsteigerung. Da liegt dann langfristig sogar ein substantieller Gewinn für unseren Wachstumstrend, so verrückt das erstmal klingen mag. Und diese Rationalisierungseffekte wirken ebenfalls deflationär.

  9. Avatar

    Dirk

    13. April 2020 10:56 at 10:56

    Ich kann mir weder derzeit vorstellen, dass wir eine größere Inflation noch größere Deflation bekommen werden. Die Notenbanken haben viele Stellschrauben an denen sie drehen können. Wahrscheinlich freuen sie sich derzeit wie die Kinder endlich mal ihren großen Spielkasten richtig auszupacken und damit zu spielen. Wie gesagt, glaube ich auch nicht, dass wir eine richtige Inflation bekommen werden ,wie u.a. von Dr. Markus Krall oder Dirk Müller prognostiziert, außer die Notenbanken beabsichtigen das, um dann einen Grund zu haben über einen großen Währungsschnitt oder sogar neue Währung die Schulden weltweit auf einen Schlag drastisch zu verringern. Falls nicht, fließt die meiste Liquidität wieder in die Aktien- und Anleihenmärkte und nur wenig kommt in der Realwirtschaft an. Das ergibt dann wieder eine Vermögenspreis-inflation, aber keine bei Gütern und Dienstleistungen. Na ja, schauen wir mal. Keiner weiß es wirklich, aber es ist spannend es zu verfolgen.

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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