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Warum Federal Reserve und EZB die Inflation erzwingen!

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Brennender Dollar-Schein - EZB und Fed erzwingen Inflation

Vor zwei Tagen titelte ich noch, die EZB würde bald auch Ihren Hund als Kreditsicherheit akzeptieren. In den USA ist man seit Donnerstag einen Schritt weiter. Dort kauft man den Hund einfach, statt ihn nur als Pfand zu nehmen. Nur zwei Wochen, nachdem ausgerechnet der größte Anleihe-Investor der Welt damit beauftragt wurde, für die US-Zentralbank Anleihen mit Investment Grade Rating zu kaufen, fallen in den USA alle Schranken. Ab jetzt werden von der Zentralbank auch Junkbonds gekauft, die die EZB bis jetzt „nur“ als Kreditsicherheit akzeptiert. Die Schranken wurden damit für die Inflation weit geöffnet.

Was sind Junkbonds und weshalb stellt der Kauf durch die größte Zentralbank der Welt einen Paradigmenwechsel dar? Junkbonds oder auch Schrottanleihen sind börsengehandelte Wertpapiere von Schuldnern schlechter Bonität. Käufer der Papiere bekommen vom Schuldner einen höheren Zins als Ausgleich für das eingegangene höhere Risiko verglichen mit Anleihen von Schuldnern guter Bonität. Der Rendite-Unterschied ist dabei beträchtlich. So bringt zum Beispiel eine fünfjährige Schrottanleihe von Tesla Motors derzeit die 17-fache Rendite einer vergleichbaren US-Staatsanleihe. Oder anders gesagt: Tesla muss 17 Mal mehr Zinsen bezahlen als die US-Regierung für einen Kredit gleicher Laufzeit.

Noch, müssen wir dazu sagen. Denn wenn die US-Zentralbank nun auch diese Kredite von Schuldnern zweifelhafter Bonität kauft, dann wird die Rendite dieser Anleihen sinken. Die steigende Nachfrage nach den Papieren treibt den Preis in die Höhe, womit automatisch die Rendite sinkt. Wir sahen es heute schon bei Tesla. Der Preis der Anleihe stieg im Tagesverlauf um 4,5%, was bei Anleihen enorm ist. Allein durch den niedrigeren Zins wird die Kreditaufnahme für diese schlechten Schuldner einfacher und attraktiver, womit die Geldmenge und tendenziell die Inflation steigen wird.

Der Kauf von Junkbonds durch die Fed erhöht die Inflation!

Der Ankauf dieser Papiere mit hoher Ausfallwahrscheinlichkeit stellt deshalb einen Paradigmenwechsel dar, weil allen Beteiligten klar ist, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit zu Kreditausfällen kommt. Bei den bisherigen Käufen von Anleihen mit Investment Rating war das noch nicht der Fall. Die Tilgung einer US-Staatsanleihe war ausgesprochen wahrscheinlich. Auch Unternehmen mit Top-Bonität haben nur sehr geringe Ausfallwahrscheinlichkeiten. Durch den Aufkauf der Anleihen schafft die Zentralbank neues Geld, betreibt also Inflationierung. Wird die Anleihe jedoch getilgt, dann verschwindet dieses Geld auch wieder aus dem Umlauf. Die Geldschöpfung hätte also ein durch die Laufzeit der Anleihe festgelegtes Verfallsdatum und damit nur temporär die Inflation erhöhende Wirkung.

Fällt jedoch eine Anleihe aus, bleibt das Geld im Umlauf. Kann der Schuldner die von der Fed gekaufte Anleihe nicht zurückzahlen, wirkt das beim Kauf geschaffene Geld für ewig geldmengensteigernd. Und Kreditausfälle sind praktisch vorprogrammiert. Schrottanleihen sind nicht grundlos Schrottanleihen und die Bonität der Schuldner ist begründet schlecht. Sie ist schlecht, weil die Rückzahlungswahrscheinlichkeit geringer ist als bei guten Schuldnern. Noch vor 15 Jahren wäre keine Zentralbank auf die Idee gekommen, solche Anleihen auch nur als Kreditsicherheit zu akzeptieren. Inzwischen werden sie sogar auf eigenes Risiko gekauft.

Ich gebe zu: Auch beim Kauf von Anleihen guter Bonität war die Rückführung des geschaffenen Geldes nur theoretisch möglich. Angekündigt wurde es von den Zentralbanken zwar. Doch umgesetzt wurde es nie. Getilgte Anleihen wurden schlicht reinvestiert, weil die Zentralbanken fürchteten, der Entzug der Geldmenge aus dem System würde die Wertpapierkurse unter Druck setzen.

Der russische Rubel wird inzwischen solider gemanagt als der US-Dollar

Die Frage ist, wie lange sich die Völker Sand in die Augen streuen lassen. Noch heute stehen zum Beispiel in Osteuropa die Menschen Schlange, um ihre Rubel in US-Dollar tauschen zu dürfen, weil sie Angst vor Inflation haben. Sie erkennen dabei offensichtlich gar nicht, dass die Fed die Geldmenge stärker erhöht als ihre eigene Zentralbank und damit US-Dollar-Inflation langfristig wahrscheinlicher ist als eine Explosion der Verbraucherpreise auf Rubel-Basis. Die Bilanz der russischen Zentralbank ist verglichen mit der Bilanz der Fed ein mustergültiges Beispiel für verantwortliches, vorausschauendes Handeln. Sie umfasst lediglich 33 Milliarden US-Dollar. Die US-Notenbank gibt diese Summe täglich (!) aus, um Anleihen zu kaufen. Ende März lag der Betrag sogar noch mehr als doppelt so hoch. Die US-Zentralbank packt also täglich den Betrag auf ihre Bilanzsumme oben drauf, den die russische Zentralbank insgesamt als Bilanzsumme ausweist.

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15 Kommentare

15 Comments

  1. Avatar

    Doris

    10. April 2020 12:18 at 12:18

    Sehr geehrter Herr Dirk Schuhmanns,
    2008 habe ich Vorträge (Banker)über Finanzwirtschaften gehalten und versucht zu erklären, dass wir in einer Rezession stecken und es, nach ca. 12 Monaten wieder Berg auf gehen würde. Das System welches die EU (sehr stark Deutschland) geschaffen hatte, die Stabilität der Banken etc. greift und die Maßnahmen waren die richtigen. Damals vielen die Fonds mit ca. 60% im Durchschnitt in den Keller.
    Das Auditorium glaubte mir kein Wort, wobei Schönredner noch die höflichste Ansprache war.
    Alle fragten mich damals wie und wo man Gold kaufen könne, Immobilien auch Silber. ALLE sprachen von Inflation, Geldentwertung, Zusammenbruch der EU, Löschung des Euro´s, Griechenland und Italien raus aus der EU etc.
    Heute lese ich Ihren Artikel, 12 Jahre später! Ich möchte Ihnen dazu gratulieren.
    Habe gerade darüber nachgedacht, die Bilanzsumme der FED war damals USD 800 Milliarden! Die Zinsen waren bei 5%. Und heute darf ich in Ihrem Artikel lesen, es sind deren mind. USD 6,09 Billionen. (Hammer). Ich konnte auch lesen, dass durch Hebelung, bereits weitere 2 Billionen fest sind. Powell sagt: whatever it takes, without limits

    Damals hat die FED auch noch keine Anleihen (Schrott) gekauft und natürlich nicht, wie demnächst sicher, auch Aktien (offiziell oder eben wie jetzt durch die BlackRock!! Wahnsinn!!)

    Ich denke, die Summen, die jetzt am Tablett liegen in den USA durch die FED. Diese sollten den Markt stabilisieren um etwaige Ökonomische Folgen abzufedern. WAS ist wenn der Markt in der nunmehr bestehenden Rezession, nochmals nach unten dreht um weiter 30%. Dh. DJ aus heutiger Sicht 17000Pkt. Kommt dann der nächste Superbazooka. Und dann?

    Mein Gehirn sagt, es geht weiter,
    Mein Bauch sagt, over and out. Enjoy it while you can

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      thinkSelf

      10. April 2020 18:58 at 18:58

      Wie es weiter geht ist nicht schwer zu erraten. Natürlich werden alle Notenbanken in Zukunft auch Aktien aufkaufen, wie es die Schweizer und japanische Zentralbank schon seit langem machen. Oder z.B. der norwegische Staatsfond als zwischengeschaltete Einheit. Dann können wir jetzt schon mal ausrechnen, wann die Zentralbanken die Wirtschaft weitgehend übernommen haben. das geht bei den aktuell in den Markt gepumpten Summen ziemlich schnell.
      Das wird die Zombiefizierung der Unternehmen relativ schnell nach oben treiben, damit die Fehlalokationen in ungeahnte Höhen treiben und damit zu einem Sinken der Produktivität führen. Und damit in einer ersten Phase zu einem Verlust von Wohlstand und dann zu einer Verschiebung der globalen Machtverhältnisse.
      Wäre China nicht so blöd gewesen, sich selbst vom Weg Dengs wieder in Richtung einer Kommandowirtschaft zu entwickeln, wären sie in der Lage gewesen innerhalb einer weiteren Generation die USA als globale Supermacht abzulösen. So ist weitere Entwicklung nicht so gut vorhersehbar.

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      Eric

      12. April 2020 00:07 at 00:07

      Fiatgeld hat keinen inneren Wert darum sind all diese Überlegungen letztlich bedeutungslos. Über viele Wirkungen und Umkehrungen versucht man die Zahlen so zu balancieren, dass der Wert im Wirtschaftsverkehr in der Zielinflation oder nahe dran bleibt.
      Lustigerweise hat das historische Gedächtnis der Allgemeinheit viele Fehler.
      Fehler 1: die Weltwirtschaftskrise des letzten Jahrhunderts war tatsächlich von heftiger Deflation geprägt
      Fehler 2: Hyperinflation war ein spezielles deutsches Problem und kurz gesagt von besonderer restriktiver Geldpolitik verursacht. Die führte dazu, dass die deutsche Wirtschaft, die damals extrem abhängig vom Dollar war, nach dem Krieg kollabierte als in den USA Deflation entstand und auch dort die Liquidität austrocknete. Statt einzuspringen und Liquidität zu schaffen verhielt sich die deutsche Geldpolitik nach den Weisheiten der schwäbischen Hausfrau. Den Unternehmen ging daraufhin massenhaft das Kapital aus, die Produktion brach zusammen, das Angebot kollabierte, dadurch schossen die Preise in die Höhe und wer noch Arbeit hatte verlangte immer mehr Lohn, die Arbeitgeber daraufhin immer höhere Preise und immer so weiter. Eine Spirale der Hyperinflation.

      Das ist natürlich vereinfacht dargestellt aber deckt sich absolut mit den damaligen Ereignissen. Warum sich diese Kette der Geschehnisse nicht im Volksmund überliefert hat ist mir nicht bekannt.

      Angst haben müssen wir v. a. vor Deflation und fehlender Liquidität für ansonsten produktive Unternehmen. Hyperinflation war ein Symptom des darauf folgenden Kollaps, nicht umgekehrt die Ursache.

      Auf die jetzige Situation gemünzt heißt das, alle Unternehmen die im Januar ein funktionierendes Geschäftsmodell hatten müssen mit aller nötigen Liquidität versorgt werden und sobald die Erholung einsetzt muss die Wirtschaft massiv subventioniert werden und die Geldpolitik für billige Liquidität sorgen. Dann bleibt das Angebot hoch, der Wettbewerb um Kunden und Preise (und damit letztlich auch Innovation und Effizienz) funktionsfähig, die Unternehmen können gesunde Erträge erwirtschaften von denen vernünftige Löhne gezahlt werden können und durch Niedrigzins und leichte Inflation schrumpfen die öffentlichen und privaten Schulden wieder langsam und wir haben den Schock verdaut. So in etwa sollte das grob laufen.

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        joralari

        12. April 2020 15:08 at 15:08

        “die Produktion brach zusammen, das Angebot kollabierte …
        wer noch Arbeit hatte verlangte immer mehr Lohn …”

        Wenn die Produktion zusammenbricht, dann entstehen zwangsläufig mehr Arbeitslose und die die noch Arbeit haben können durch Arbeiter ersetzt werden, die keine höheren Löhne fordern sondern froh sind überhaupt etwas zu verdienen.

        Vielleicht ein Grund wieso diese Geschehnisse nicht im Volksmund überliefert werden

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          Eric

          12. April 2020 18:37 at 18:37

          Nicht Verlangen im Sinne einer Forderung, sondern im Sinne eines Bedürfnis. Damit die Arbeitnehmer überhaupt noch Nahrung und Obdach hatten und arbeitsfähig blieben verlangte, bedurfte, erforderte… deren Entlohnung immer größere Summen, usw. Ein kleines Missverständnis an der Stelle. Grüße

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    Scheer

    10. April 2020 16:58 at 16:58

    Sehr gute Einschätzung der Lage. Danke dafür.
    Meiner Meinung nach folgt nach der Inflationierung der Wechsel in eine digitale Währung wie es Thomas Mayer gut beschreibt.
    Link: https://www.youtube.com/watch?v=na4SlFRuuCo
    Die Inflation kann dann ganz einfach durch einen Währungsschnitt gemanaged werden – weil das Alternativlos ist.
    Die Bevölkerung wird das einfach hinnehmen weil der Großteil keine Ahnung von der Thematik hat und sich lieber mit Brot und Spielen zufriedenstellen lässt.

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    LEO

    10. April 2020 19:54 at 19:54

    Schöner Artikel.

    Einen Punkt sollten Sie aber nochmal Überdenken:

    Wenn Sie schreiben, dass die Preise keine Risiken mehr widerspiegeln, vernachlässigen, dass genau dieses Risiko massiv zu Zahlungsausfällen führen wird, was die Dummen dann trotzdem zu tragen haben, denn höhere Anleihepreise senken das Risiko wie Sie richtig schreiben eben nicht.

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    BrettonWood

    11. April 2020 07:16 at 07:16

    Also für meinen Hund würden die 2.3 Bn nicht reichen….

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      Eric

      11. April 2020 23:45 at 23:45

      Wer auf baldige Inflation setzt wird sich genauso verzocken wie nach der Finanzkrise.
      Der externe Schock zerstört die Nachfrage sogar mehr als das Angebot. Kurzarbeit und bald steigende Arbeitslosigkeit lassen die Kaufkraft sinken und werden auch bei den Arbeitnehmern, die noch einen Job haben, zu Nullrunden führen.
      Und das passiert nicht nur in Deutschland oder der Eurozone sondern weltweit gleichzeitig.
      Die langfristigen Signale sind sowieso unverrückbar auf Deflation in Euroland gelegt, der demografische Wandel ist ein gigantischer Inflationskiller.

      Die Staaten werden das machen müssen was die Bundesrepublik auch nach der Finanzkrise gemacht hat. Konjunktur mit allen Mitteln stützen und dann in besseren Zeiten schwarze Null und so progressiv die Haushaltsdefizite in Relation zum BIP schrumpfen lassen. Nach Corona werden wir dieses Jahrzehnt definitiv keine nennenswerten Leitzinsen mehr sehen, das wird natürlich auch helfen Staatsanleihen sehr zinsgünstig zu platzieren.

      Ich kann jeden nur davor warnen auf Inflation zu setzen. Auch Covid ändert nichts am Megatrend der Deflationstendenz einer gesättigten und alternden Gesellschaft. Und wer sich gruseln will sollte sich sowieso lieber vor Deflation fürchten. Denn die wäre in Kombination mit der aktuellen Schuldenflut der wahre Killer.

  5. Pingback: Meldungen vom 11. April 2020 | das-bewegt-die-welt.de

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    Dirk

    12. April 2020 09:33 at 09:33

    Eine Sache, die mir immer noch nicht klar ist und ich gerne mal kompetent und verständlich beantwortet hätte ist folgende:
    Bei Kursrückgängen und in einem Crash bei Aktien und/oder Anleihen fallen die Kurse dieser Asset-Klassen. Käufer sind nur noch bereit einen geringeren Preis zu zahlen. Das wenn eine Aktie z.B. 100 € gekostet hat, zahlt ein Käufer nur noch 95 €. Wenn es weiter fällt, verkauft dieser seine Aktie z.B. für 90 € weiter, usw. D.h. hier findet doch eine Geldvernichtung statt, die eindeutig deflationär ist, oder? Klar gab es eine Vermögenspreissteigerung vor dem Crash, sozusagen eine Inflationierung von Vermögenswerten. Diese wird doch dann wieder durch den Crash abgebaut bzw. vermindert, d.h. das neue Reinpumpen von Geld in die Märkte durch die Notenbanken gleicht die Geldmengenverluste durch den Crash wieder halbwegs oder mehr aus. Nur sehr kurzfristig ist dann mehr Geld im System, aber dieses fließt ja schnell wieder in Aktien- und Anleihenkäufe, wie wir jetzt auch schon wieder sehen. Ich denke, erst wenn das viele Geld nicht wieder in Aktien, Anleihen und sonstige Vermögenswerte fließt gibt es eine breite Preis-Inflation von Gütern und Dienstleistungen. Denn was wir bisher vor dem Crash hatten, war eine reine Preis-Inflation nur bei Vermögensanlagen wie Aktien und Anleihen
    aber nicht in der Realwirtschaft. Ob es diesmal wirklich anders herum kommt, ist fraglich. Wenn die Coronavirus-Sache
    ausgestanden ist, laufen die Wirtschaftsprozesse schnell wieder normal, denn das Virus hat Produktionsprozesse nur lahm gelegt aber nicht zerstört.
    Deswegen steigen die Börsen wieder genauso schnell an, wie man sieht. Ob da noch viel Geld für eine Inflationierung
    von realen Gütern und Dienstleistungen übrig bleibt??

    • Avatar

      Eric

      12. April 2020 15:35 at 15:35

      Natürlich vernichtet die aktuelle Krise viel zuvor aufgeblasenes Kapital. Das ist ja auch die Gefahr, dass dadurch prinzipiell wettbewerbsfähige Unternehmen unverschuldet in die Pleite schlittern und wir in eine Angebotskrise mit Stagnation schlittern (Deflation).
      Wenn man so will ist das tatsächlich eine Gelegenheit bei der viel Kapital aufgefressen werden wird und aus dem Kreislauf verschwindet.
      Assetpreise dürften sich in Folge seitwärts bewegen, vielleicht sogar sinken. Das dürfte auch die Luft aus dem Immobiliensektor lassen.
      Ich will nicht sagen, dass irgendwas an der Situation wünschenswert ist. Aber bezüglich der nach der Finanzkrise entstandenen Kapital-Schwemme wird das eine große Bereinigung sein. Die Notenbank können gar nicht soviel liquidiert schaffen wie gerade vernichtet wird. Bestenfalls können sie Deflation und Stagnation der Konjunktur verhindern.
      Der Spuk der Inflation den man in Deutschland so liebt entbehrt jeder Grundlage.

  7. Avatar

    Dirk

    12. April 2020 19:19 at 19:19

    Die Notenbanken können unbegrenzt
    Liquidität in die Märkte pumpen, denn sie schaffen Geld aus dem Nichts. Wenn eine grössere Inflation breitmacht, sind sie nach ihrem Mandat nach aber verpflichtet wieder den Märkten Geld zu entziehen. Wenn die Wirtschaft trotz Liquidität nicht anspringt (Stagflation) haben sie aber ein Problem. Bei Sachen wie die Coronakrise springt die Wirtschaft trotz Liquidität nicht an, da die Wirtschaft durch ein Gesundheits- und nicht Geldproblem lahmgelegt ist. Das Virus wird überwiegend noch bei Älteren Tote fordern, aber der Peak ist meiner Meinung nach, zumindest in den Industrieländern, erreicht. Nach einer kurzen Anlaufzeit läuft fast alles wieder wie vorher. Wahrscheinlich preisen die Aktienmärkte dies bereits ein. Ich gehe nicht davon aus dass wir weitere Tiefs sehen werden, zumindest nicht bei soliden Aktien, denn Aktien sind Sachwerte und daher ein guter Inflationsschutz.

  8. Avatar

    Eric

    13. April 2020 09:04 at 09:04

    Du musst unterscheiden. Erstmal geht’s um Stützung der Krisenwirtschaft.
    Anschließend um Stabilisierung und Förderung der Konjunktur. EZB und Politik haben auch kein Geheimnis daraus gemacht diese Phasen getrennt zu behandeln. In der ersten Phase kommt nichts bei M3 an weil selbst mit größter Kraft kaum genug Liquidität ankommen wird um prinzipiell gesunde Unternehmen allesamt vor der Insolvenz durch erzwungenes Nichtstun zu bewahren. Bestenfalls ist es genug um Defizite annähernd zu stopfen. Da es aber darüber hinaus massiv finanzielle Rücklagen von Privatleuten und Unternehmen auffressen wird ist die Geldmenge M3 sicherlich gerade im freien Fall.
    Wenn die Pandemie endgültig vorbei ist (nicht vor einer Impfung für alle) wird man wieder Rekapitalisieren müssen.
    Dann kann es tatsächlich einen Aufschwung geben wie man ihn so kräftig nur nach Kriegszeiten kennt.
    Oder noch kräftiger. Weil Produktionsanlagen und Infrastruktur und Arbeitskräfte ja alle noch da sind. Und es wird gigantische Nachholeffekte geben. Die können zwar nicht alles kompensieren, aber das ist auch gut so, denn sonst hätten wir tatsächlich einen Nachfrageüberhang. Vor der Krise hatten wir einen Angebotsüberhang, über ein zu knappes Angebot müssen wir uns also auch keine Sorgen machen wenn nicht all zu viele Unternehmen in die Pleite rutschen.

    Und eine riesige Unbekannte übersehen wir weil wir es traditionell so gewohnt sind auf Dollar und USA zu schauen. Während der Westen mitten in der Krise steckt hatte es China mit drakonischen, bei uns undenkbaren Maßnahmen geschafft die Epidemie wieder zurückzudrehen und auch internationale Experten erkennen das prinzipiell an, selbst wenn es weiterhin einzelne Ausbrüche geben mag ist es keine Epidemie in China mehr.

    Während wir hier diskutieren baut dieses hungrige Milliardenvolk auf und war schon vor der Krise mindestens so eine Lokomotive für die Weltwirtschaft wie die USA.
    Gemeinsam mit dem Faktor Ölpreis, ein gigantisches Konjunkturprogramm für sich selbst, würde mich gar nicht uberraschen, wenn wir am Ende weniger Staatshilfen brauchen als aktuell befürchtet wird.

    Nichtsdestotrotz würde ich keinen Cent auf Inflation oder entsprechende Anlagestrategien setzen. Ich vermute, dass es im worst case bis 2022/24 mal kurz auf 3% gehen könnte wenn die EZB am Ende den Liquiditätsbedarf sogar überschätzt hat oder es der Staat zu gut mit Finanzhilfen meinte und die Wirtschaft überhitzt. Aber langfristig bleiben deflationäre Megatrends der Alterung der Gesellschaft und auch die Globalisierung wird weitergehen. Höchstens lernt man die Produktionsketten zu diversifizieren, also letztlich noch mehr global zu verteilen. Denn nur so können solche Schocks besser abgefedert werden. Rückholung nach Europa würde die Verletzlichkeit ja sogar noch erhöhen, wenn wie in vielen europäischen Ländern gerade der Fall zB nur noch lebenswichtige Industrien überhaupt arbeiten dürfen. Mag sein, dass bei der Pharmazie manches zurück nach Europa kommt, bei deren hochgradig automatisierten Massenproduktion ging’s bei der Verlagerung nach Indien und China aber nur um Centbeträge pro Endverkaufspreis, das war natürlich Irrsinn und wird trotzdem langfristig nicht für sehr viel teurere Medikamente sorgen.

    Gleichzeitig lecken Unternehmen und Privatleute gerade Blut bezüglich Digitalisierung. Home Office, bargeldlose Bezahlung im Laden usw. In einem Crashkurs bekommt das Land gerade zwangsweise Nachhilfe in Digitalisierung und die ist nun einmal ein gigantisches Reservoir für Effizienzsteigerung. Da liegt dann langfristig sogar ein substantieller Gewinn für unseren Wachstumstrend, so verrückt das erstmal klingen mag. Und diese Rationalisierungseffekte wirken ebenfalls deflationär.

  9. Avatar

    Dirk

    13. April 2020 10:56 at 10:56

    Ich kann mir weder derzeit vorstellen, dass wir eine größere Inflation noch größere Deflation bekommen werden. Die Notenbanken haben viele Stellschrauben an denen sie drehen können. Wahrscheinlich freuen sie sich derzeit wie die Kinder endlich mal ihren großen Spielkasten richtig auszupacken und damit zu spielen. Wie gesagt, glaube ich auch nicht, dass wir eine richtige Inflation bekommen werden ,wie u.a. von Dr. Markus Krall oder Dirk Müller prognostiziert, außer die Notenbanken beabsichtigen das, um dann einen Grund zu haben über einen großen Währungsschnitt oder sogar neue Währung die Schulden weltweit auf einen Schlag drastisch zu verringern. Falls nicht, fließt die meiste Liquidität wieder in die Aktien- und Anleihenmärkte und nur wenig kommt in der Realwirtschaft an. Das ergibt dann wieder eine Vermögenspreis-inflation, aber keine bei Gütern und Dienstleistungen. Na ja, schauen wir mal. Keiner weiß es wirklich, aber es ist spannend es zu verfolgen.

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Insolvenz-Welle ab Oktober? Politik plant Verschiebung auf Januar

Claudio Kummerfeld

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Das Thema Insolvenz könnte erstmal verschoben werden

Wird das Wort “Insolvenz” das große Thema im Herbst? Oder womöglich überhaupt nicht? Denn der deutsche Staat verschiebt die tatsächliche Wirtschaftskrise noch weiter in die Zukunft. Jüngst sank die Zahl der Insolvenzen sogar! Das hat einen Grund. Aber erstmal zur aktuellen großen Rettung der Volkswirtschaft. Dazu gehören abgesehen von den gigantischen Zuschüssen und Krediten zwei Maßnahmen, die von der breiten Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden. Da wäre zum einem eine tolle Ausnahmeregel für die Banken. Kreditraten, die sie ihren Kunden wegen Corona derzeit stunden, müssen sie nicht als Kreditausfall in ihren Büchern vermerken.

Also keine Milliarden-Abschreibungen, und die Quartalszahlen der Banken sehen super aus. Normalerweise müssen Kredite bei Nicht-Zahlung der Raten aus Ausfall abgeschrieben werden, wodurch Verluste entstehen. Derzeit aber nicht. Und weil der Staat die finanzielle Staatsraison hoch hält (alles muss immer total in Ordnung aussehen in der Bankenbranche), wurde diese Ausnahmeregel für die Banken, die Ende Juni endete, bis Ende September verlängert. Aber man kann mutmaßen, dass sie im September erneut bis Ende Dezember verlängert wird?

Keine Anmeldung zur Insolvenz notwendig

Und die zweite essenziell wichtige Maßnahme der Bundesregierung, mit der man das Ausmaß der Wirtschaftskrise verdeckt, ist die Aussetzung der Verpflichtung für Unternehmen, Insolvenz anmelden zu müssen. Ist ein Betrieb pleite, sind Geschäftsführer normalerweise verpflichtet Insolvenz anzumelden, sonst machen sie sich der Insolvenzverschleppung strafbar. Aber diese aktuelle Ausnahme lässt derzeit zu, dass diese Unternehmen, die längst pleite sind, einfach weiter machen können, und dass die Geschäftsführer sich nicht strafbar machen. Bis Ende September gilt diese Insolvenz-Sonderregel.

Es ist natürlich verständlich, warum der Gesetzgeber das macht. Die Corona-Delle versucht man zu durchstehen, in der Hoffnung, dass die Masse der Unternehmen in den Folgemonaten wieder gut Geschäft macht, und dann mit mehr Cash in der Tasche doch weiter machen kann – obwohl man zwischendurch monatelang schon faktisch insolvent war. Wir bei FMW haben darauf schon oft hingewiesen, und oft auch Experten wie Markus Krall erwähnt. Die Zombie-Lawine wird immer größer, je länger der Staat kaputten Unternehmen die Chance gewährt, nicht in die Insolvenz gehen zu müssen. Die als solche bezeichneten Zombieunternehmen machen nicht mal genug Geld um Kreditkosten zahlen zu können. Aber dank quasi Nullzinsen für Kredite leben sie seit Jahren weiter. Und jetzt müssen sie dank der deutschen Sonderregel nicht mal offiziell die Insolvenz anmelden. Dadurch wird das Problem nur noch weiter aufsummiert, und am Ende wird der gesamtwirtschaftliche Absturz vermutlich nur noch größer werden.

Politik verschiebt die große Krise auf Ende Dezember?

Also, bislang gilt diese Sonderregel für das Thema Insolvenz bis Ende September. Was wir bei FMW aber schon vermutet hatten, scheint nun Realität zu werden. Berichte zeigen, dass vor allem aus Reihen der SPD Stimmen laut werden, dass diese Aussetzung der Insolvenzpflicht von Ende September bis Ende Dezember verlängert werden müsse. Denn Unternehmen, die sich bis hierhin durchgekämpft haben, sollen auch nach September noch Licht am Horizont sehen dürfen, so der rechtspolitische Sprecher der SPD, Johannes Fechner in einem Interview.

Und siehe da, auch die CDU/CSU-Fraktion zeige sich offen dafür die Aussetzung länger gelten zu lassen. Es gehe darum Unternehmen “nicht ohne Not in die Insolvenz zu treiben”. Das Bundesjustizministerium kommentierte dazu gegenüber dem “WirtschaftsKurier”, dass die Entscheidung noch in der Schwebe sei. Die Anhörung aller Beteiligten laufe noch. Aber mal ehrlich. Wer in der deutschen Politik kann (abgesehen von der Opposition) schon eine brutale Insolvenz-Welle ab Oktober gebrauchen? Und da die zweite Corona-Welle ja offenbar eh gerade startet, dürfte es der GroKo nicht all zu schwer fallen, diese Sonderregel bis Ende Dezember zu verlängern.

Was wäre die Alternative?

Diese anstehende Hinauszögerung der Insolvenz-Welle mag gut und nett gemeint sein. Aber der Berg an Problemen wird damit nur noch größer. Der Absturz danach wird dann um so schwerwiegender sein, so möchten wir es anmerken. Nun zügig ein intelligenteres Insolvenzrecht verabschieden und zahlreichen Unternehmern einen Neustart ermöglichen, das wäre doch wohl deutlich sinnvoller, als dass man vielen Unternehmen die Chance gewährt weiter in einem Status der Überschuldung und Starre zu verharren. Lesen Sie beim Klick an dieser Stelle die jüngsten Aussagen von Markus Krall über die bald kippenden Zombieunternehmen. Wird ihm der deutsche Staat dieses Szenario kurzfristig “kaputt machen” durch eine weitere dreimonatige Verzögerung?

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Staatsbankrott: Was passiert da eigentlich? Argentinien zeigt es!

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Wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ist das eine Katastrophe für seine Bürger, die Unternehmen im Land und natürlich auch für die Gläubiger, die auf einen Großteil ihres Geldes verzichten müssen. Doch wie genau ist der Ablauf eines Staatsbankrotts? Da Argentinien gerade wieder zahlungsunfähig ist (schon im Februar forderte der IWF einen Schuldenschnitt) und sich in Verhandlungen mit seinen Gläubigern befindet, können wir an diesem Beispiel lernen, wie der Vorgang abläuft!

Die Insolvenz eines Staates ist ein häufiges Ereignis. In den vergangenen 200 Jahren kam es statistisch gesehen zu mehr als einem Staatsbankrott pro Jahr weltweit. Seit der Abschaffung der Golddeckung und der weitgehend unregulierten Schöpfung ungedeckten Fiatgeldes nahm die Frequenz der Staatsbankrotte sogar deutlich zu. So gab es zwischen 1980 und 2010 pro Jahr durchschnittlich drei insolvente Staaten auf der Erde.

Es gibt kein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren für den Staatsbankrott

Umso interessanter ist es, dass es zwar gesetzliche Regelungen für den Fall eines Staatsbankrottes gibt, die aber im Falle zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland eine Insolvenz, genauer gesagt ein Insolvenzverfahren, explizit NICHT vorsehen. Doch Papier ist geduldig. Wenn Deutschland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, ist das Land insolvent – Gesetz hin oder her.keine gesetzlichen Regelungen für den Fall eines Staatsbankrotts gibt. Zwar mag es dann kein Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen oder Privatpersonen geben. Doch eine Art von Insolvenzverfahren findet dennoch statt: die Verhandlung mit den Gläubigern. Zwar kann ein Staat die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Doch bis es keine Einigung mit diesen gab, wird das Land auch keine neuen Kredite bekommen. Zumindest keine Auslandskredite. Kredite in der heimischen Währung könnte sich ein Staat theoretisch über die Zentralbank selbst geben, wie es zum Beispiel in den USA und der Eurozone schon seit geraumer Zeit nur wenig versteckt stattfindet.

Kann ein Staat keine Devisen mehr beschaffen, leidet darunter die heimische Bevölkerung und die Unternehmen. Importe sind dann nur noch in dem Umfang möglich, in dem Devisen mittels Exporten erwirtschaftet werden. Um einen Ausgleich zwischen Importen und Exporten herzustellen, muss die Währung gegenüber den ausländischen Währungen abwerten. Die dann in der Regel herrschende Devisenknappheit zwingt die Menschen dazu, ihre Ersparnisse in der heimischen Währung zu halten, die im Falle eines Staatsbankrotts jedoch zu hoher Inflation neigt. Die Währungsabwertung heizt die Inflation zusätzlich an, da Importwaren teurer werden. Haben die Menschen und Unternehmen Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung, sind zahlreiche Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Selbst wenn die Schuldner in der Lage wären, Devisen zu beschaffen, wären die Kredite durch die Währungsabwertung deutlich teurer als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, bekommen aber teils noch Geld zurück

Eine Einigung mit den Gläubigern und der daraufhin wieder mögliche Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ist daher ein vordringliches Ziel der Regierung nach einem Staatsbankrott. Den meisten Gläubigern ist bewusst, dass eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen unwahrscheinlich ist. In der Regel kauften die Gläubiger die Schuldtitel bereits mit deutlichen Preisabschlägen an der Börse und kassierten hohe Zinsen bis zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung. Eine Einigung, die in der Regel einen teilweisen Schuldenerlass, niedrigere Zinsen und gestreckte Zahlungsziele beinhaltet, wird daher relativ schnell gefunden. Interessant ist, dass die Insolvenzquoten bei Staatsbankrotten oft relativ hoch sind. Bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist in der Regel für die Gläubiger ein Totalverlust anzunehmen. Bei Staatsbankrotten sind 30% oder auch fast 50% Rückzahlungsquoten möglich. Das Beispiel Argentinien zeigt jedoch, dass sich inzwischen auch einige Hedgefonds darauf spezialisierten, die Anleihen praktisch bankrotter Staaten zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen und dann auf vollständige Tilgung des Nennwerts zu pochen.

Bis es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommt, können diese auch den Besitz des säumigen Staates im Ausland beschlagnahmen lassen. So ließ ein US-Hedgefonds ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen, weil Argentinien sich weigerte, die vom Hedgefonds gehaltenen Anleihen zum vollen Nennwert zu tilgen.

Beispiel Argentinien: Bankrott seit Ende Januar

Argentinien erklärte am 29. Januar 2020, dass es plane, den Gläubigern ein Programm zur Schuldenrestrukturierung zu präsentieren. Mit anderen Worten: Argentinien könnte zwar seine Schulden noch bedienen, weigert sich aber, es zu tun. Am 19. Februar bestätigten Prüfer des Internationalen Währungsfonds, dass die Staatsschulden Argentiniens in der Tat nicht mehr tragbar seien. Am 21. April präsentierte Argentinien schließlich seinen Plan zur Restrukturierung von 69 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden und setzte den Gläubigern eine Frist bis zum 8. Mai, um diesen Plan zu akzeptieren.

Die dachten natürlich nicht daran, den Plan einfach durchzuwinken. In persönlichen Treffen und Videokonferenzen versuchte Argentinien, die größten Gläubiger zu überzeugen. Schließlich musste jedoch am 7. Mai verkündet werden, dass man für Gegenvorschläge der Gläubiger offen sei. Die Frist zur Annahme des Restrukturierungsangebots wird in den kommenden Wochen mehrfach verlängert. In der Zwischenzeit wurden auch die ersten Zinszahlungen fällig, die Argentinien nicht bezahlte. Das Land ist damit offiziell zahlungsunfähig und hat damit bereits den neunten Staatsbankrott seiner Geschichte erklärt.

Nach Wochen des Wartens präsentieren erste große Gläubiger ihre Vorschläge zur Restrukturierung der Schulden. Sie bieten einen Schuldenerlass von rund 45% an, was Argentinien zu wenig ist. Schließlich einigt sich Argentinien am 2. August doch noch auf einen Schuldenerlass von 45,2% mit dem Großteil seiner Gläubiger.

Im Endeffekt dauerte der Staatsbankrott also nur rund ein halbes Jahr. Für Argentinien wird es nach der Einigung noch nicht sofort so sein wie vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Investoren werden noch eine Weile merkliche Risikoaufschläge für neue Kredite verlangen. Und vermutlich wird es auch wieder den einen oder anderen Gläubiger geben, der auf vollständige Tilgung seiner Anleihen besteht. Der Wechselkurs des argentinischen Peso wird sich aller Voraussicht nach auch nicht erholen, solange Argentinien nicht das grundlegende Problem der negativen Zahlungsbilanz löst. Der teilweise Schuldenerlass gab dem Land nur eine Atempause.

Der Obelisco als Smybol für Argentinien - Staatsbankrott lähmt das Land
Der Obelisco in Buenos Aires. Foto: Gobierno de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires CC BY 2.5 ar

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Coronavirus und die Aktienmärkte in Ost und West

Beschleunigt das Coronavirus den ökonomischen Aufstieg des Ostens? Die Börsenentwicklungen deuten schon darauf hin!

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Das Coronavirus wandert um die Welt: Ausgehend von China hat sich eine Pandemie entwickelt, die nahezu alle Länder der Welt betrifft, mit gesundheitlichen aber auch wirtschaftlichen Folgen. Einige Länder in Fernost haben die Eindämmung von des Coronavirus bisher gut gemeistert, ablesbar an Wirtschaftszahlen und Börseninidizes. Beschleunigt Corona den ökonomischen Aufstieg des Ostens?

Die Wirtschaftsdaten

Nachdem China den ersten ganz großen Lockdown in Wuhan schon ab 23. Januar vollzogen hat, war klar, dass dort auch die Konjunkturdaten im ersten Quartal so richtig in den Keller rauschen, während man im Westen die Sache noch als regionale Angelegenheit einstufte.

Chinas Wirtschaft war im ersten Quartal um 9,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal eingebrochen, das Bruttoinlandsprodukt im Jahresvergleich um 6,8 Prozent gesunken. Doch bereits in den folgenden drei Monaten betrug der Anstieg 11,5 Prozent, das gesamte Halbjahr war kaum mehr im negativen Terrain. China wird damit wahrscheinlich die einzige große Nation sein, die 2020 ein positives Wachstum erzielen kann. Aber auch in Südkorea oder in Taiwan lag man im zweiten Quartal nur wenig im Minus gegenüber den Vorjahreswerten.

Anders in den westlichen Nationen, wo die BIP-Daten für Q2 in der letzten Woche veröffentlicht wurden und die von minus 9,8 Prozent (USA) bis minus 18,5 Prozent (Spanien) richtige Horrorzahlen brachten. Hier wird es noch mindestens bis 2021 oder noch länger dauern bis der Einbruch ausgeglichen werden kann.

China hat „offiziell“ den Weg einer V-förmigen Erholung bisher erfolgreich bestritten, andere Länder aus der Region könnten folgen.

Das alles immer unter dem Vorbehalt staatlich administrierter Datenvorgaben.

Coronavirus: Die Zahlen

Obwohl die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in vielen Ländern, in der so genannten zweiten Welle, nach oben gehen, herrscht doch ein himmelweiter Unterschied zwischen Ost und West (ausgenommen Indien). Denn von den bisher registrierten 18,5 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus fallen mehr als die Hälfte auf drei Nationen: USA, Brasilien und Indien. Ebenso sieht das Verhältnis aus, wenn man die aktiven Fälle von gut sechs Millionen „active cases“ heranzieht, auch hier ähneln sich die offiziellen Zahlen in ihren Proportionen.

China, Japan, Südkorea, Singapur, Taiwan, Vietnam und weitere asiatische Volkswirtschaften findet man erst sehr viel weiter unten in der Tabelle der John-Hopkins-Universität.

Damit scheint in diesen Regionen die Eindämmung des Coronavirus schon sehr viel besser gelungen zu sein, vor allem im Vergleich zu Nord- und Südamerika. Die Wirtschaftsdaten geben auch ein Zeugnis darüber.

Die Entwicklung der Börsen

Beim ständigen Blick auf den US-Technologie-Index Nasdaq mit seinen BiG Five ist es etwas untergegangen: Der CSI 300 Index, der die Börsen von Shanghai und Shenzhen einschließt, liegt seit Jahresbeginn bereits 17 Prozent im Plus. Damit ist er der stärkste nationale Index.

Der US-Leitindex S&P 500 hat gerade die Pluszone erreicht, allerdings auch nur getrieben von seinen viel zitierten Highflyern. Dies gilt natürlich erst recht für Nasdaq oder Nasdaq 100.

Aber auch die Indizes in Taiwan und Südkorea sind schon im Positiven gelandet: Der TAIEX in Taipei mit 5,9 Prozent, der Kospi in Seoul noch mit 3,2 Prozent. Andere westliche Aktienmärkte sind noch deutlich im Minus, wie zum Beispiel der DAX (- 5 Prozent), der CAC 40 (-18 Prozent) oder der FTSE 100 (-20 Prozent). Wie erwähnt verdankt der amerikanische Leitindex seine positive Bilanz nur den IT- und Internettiteln, der große Rest läge noch weit im Minus.

Die Veränderung der Wirtschaft in China

Auch ohne das Coronavirus entwickelt sich das Reich der Mitte bei zukunftsträchtigen Branchen weiter. Früher die Werkbank der Welt bei der Herstellung von Massenartikeln, so geht es im Bereich der Hightech-Industrie oder auch in der Pharmaindustrie voran. Auch erkennbar am Wettlauf um den begehrten Impfstoff gegen Covid-19 oder an der Zahl an Patentanmeldungen, die stark an westliche Dimensionen herankommen.

Die große Dominanz der USA in den Weltindizes

Zwar ist Chinas Gewichtung im MSCI Emerging Markets bereits angehoben worden, aber dennoch ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt (mit Abstand) nicht im Weltindex MSCI World vertreten. Daher erscheint der hohe Anteil der USA mit 63 Prozent trotz einer Wirtschaftsleistung von gut 15 Prozent am Weltsozialprodukt schon ziemlich merkwürdig. Klar ist dies der Marktkapitalisierung geschuldet, bei der die großen US-Brocken so richtig schwer ins Gewicht fallen. Aber gibt es in China nicht auch Schwergewichte wie Alibaba, Tencent oder Huawei? Und wieso befinden sich Wirtschaftsnationen wie China, Taiwan oder Südkorea überhaupt in einem Index für Schwellenländer? Sind das Länder, die die Chance haben, sich in den nächsten Jahren zu Industriestaaten zu entwickeln – Südkorea, mit seinen Weltfirmen?

Im globalen Aktienindex MSCI All Country World Index beträgt Chinas Anteil gerade einmal 4 Prozent aus, obwohl das Land laut Schätzungen des Internationalen Währungsfonds 28 Prozent zum globalen Wirtschaftswachstum beitrug.

Aber die Entwicklung der Finanzmärkte schreitet voran. Nicht nur im MSCI Emerging Markets beträgt Chinas Anteil schon 40 Prozent, auch im Aktienindex MSCI Asien – ohne Japan – hat China schon ein Gewicht von 44 Prozent.

Investmentbanken wie J.P. Morgan erwarten deshalb in den nächsten Jahren eine deutliche Outperformance von China gegenüber den westlichen Aktienmärkten. Schon komisch: Haben nicht Umfragen der Bank of America, Aussagen von BlackRock oder Goldman Sachs in letzter Zeit für Aktienanlagen in Europa und die Emerging Markets geworben – die USA untergewichtet? Es scheint fast so, als dass US-Großanleger kein allzu großes Vertrauen in die allgemeine Aktienentwicklung der USA haben, GAFAM einmal ausgenommen.

Man muss auch immer wieder darauf hinweisen: Wo lagen Nasdaq und S&P 500 im Tief der Finanzkrise 2009?

Der Nasdaq bei 1265 Punkten – der S&P 500 bei 676 Punkten, und gestern hatte der Technologieindex bereits die 11.000-Punkte-Marke überschritten, der große Leitindex S&P 500 endete bei 3327 Zählern. Was kann da das laufende Jahrzehnt bringen?

Fazit: Das Coronavirus und die endende Dominanz der US-Aktienmärkte

Der Kampf um die wirtschaftliche, technologische und militärische Vorherrschaft war (und ist) das große Thema hinter dem Handelsstreit zwischen den USA und China, der Nummer eins gegen die Nummer zwei. Wahrscheinlich ist, dass die Pandemie durch das Coronavirus in ökonomischer Hinsicht sogar noch zu einem Beschleuniger heranreift. Die Börsenentwicklungen deuten schon etwas darauf hin und die USA haben in punkto Geldpolitik, Zinsangebot, Währungsstärke u.w. schon sehr viel Pulver verschossen. Natürlich werden sich die USA – unter welchem Präsidenten auch immer – dies nicht gefallen lassen. Disruptionen an den Kapitalmärkten sind damit vorprogrammiert. Die asiatischen Länder mit ihren weit über drei Milliarden Konsumenten, ihrer demographischen Struktur und ihren Wachstumsraten könnten durchaus dafür sorgen, dass der Anteil der USA im All Country World Index (ACWI) in der nächsten Dekade keine 60 Prozent mehr betragen wird.

Das Coronavirus und die Entwicklung der Weltbörsen

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