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Anleihen

Die EZB akzeptiert bald auch IHREN Hund als Kreditsicherheit!

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Lange Jahre wurde über die ach so bösen und unfähigen US-Ratingagenturen geschimpft, die Schuldner schlechter Bonität zu gute Noten ausstellten. Die Abschaffung der Ratingagenturen wurde oft gefordert, und kommt nun durch die Hintertür. Doch ganz anders, als es sich die Kritiker dachten. Denn seit heute akzeptiert die EZB auch Junkbonds, Schrottanleihen, als Kreditsicherheit. Gemeint sind griechische Staatspapiere. Damit sind Ratings in der Tat nutzlos geworden. Es ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bis Banken bei der EZB alles mögliche verpfänden dürfen, um an Geld zu kommen.

Junk-Bonds sind für die Europäische Zentralbank jetzt eine Kreditsicherheit!

Selbstverständlich betont die EZB, dass die Akzeptanz von als Junk gerateten griechischen Staatsanleihen lediglich eine temporäre Maßnahme sei. Doch aus temporären Maßnahmen wurden in den vergangenen zwölf Jahren allzu oft permanente. Noch im Januar war ich mir sicher, die große Bonds-Rallye sei in Griechenland inzwischen gelaufen. Diese Einschätzung muss ich heute revidieren. Denn wenn diese Anleihen nun von der EZB als Kreditsicherheit akzeptiert werden, ist es für eine europäische Bank attraktiv, griechische Staatsanleihen zu kaufen. Die sind deutlich günstiger als zum Beispiel deutsche Anleihen.

Doch Junkbonds sind nicht das einzige, was die Europäische Zentralbank akzeptiert. Schrottanleihen sind zwar riskant, aber weitgehend problemlos am Markt handelbar. Das hat den Vorteil, dass die Kreditsicherheit im Zweifelsfall schnell verkauft werden kann. Erst diese Eigenschaft macht die Anleihen überhaupt zu einer Kreditsicherheit. Was bringt Ihnen (oder der EZB) schließlich eine Kreditsicherheit, die beim Kreditausfall nicht verkauft werden kann, weil es an interessierten Käufern mangelt? Soweit denkt die EZB aber nicht – oder es ist ihr schlicht egal. Denn auch nicht marktfähige Wertpapiere werden akzeptiert. Darauf nimmt die EZB immerhin Sicherheitsabschläge vor. Doch die wurden heute flucks um 20% reduziert. Also die Sicherheitsabschläge, nicht die akzeptierten, nicht handelbaren Wertpapiere. Nicht handelbar heißt übersetzt, dass sich dafür partout keine Käufer finden lassen. Selbst jetzt nicht, in einem Moment, in dem die Wertpapiermärkte noch relativ gut funktionieren und bereits wieder in den Boom-Modus umschalteten.

Die EZB erschafft das perpetuum mobile der Geldschöpfung!

Weiter gehts damit, dass die Zentralbanken des Eurosystems ab sofort auch staatlich garantierte Krisenkredite an Selbständige und Verbraucher als Kreditsicherheit akzeptieren dürfen. Also die Kredite, bei denen manche schon über Ausfallraten von 50% spekulieren. Da die Kredite staatlich garantiert wurden, müssten sich die Staaten neues Geld über Anleihen beschaffen, die die EZB natürlich postwendend über ihr Anleihekaufprogramm aufkauft. Also ein perpetuum mobile der Geldschöpfung: Die Banken geben Kredite ohne größere Bonitätsprüfung an Selbständige und Verbraucher aus, die sie bei der EZB bzw. als Zentralbank als Sicherheit hinterlegen dürfen, um zusätzliches Geld zu bekommen. Sollten die Kredite platzen, dann kauft die EZB selbst die Anleihen, die herausgegeben werden müssen, um die bei der EZB als Sicherheit hinterlegten Kredite zu tilgen.

Wenn Sie nun denken, dass sich die EZB nun ausreichend mit unabschätzbaren Risiken eindecken kann, dann irren Sie. Denn noch eine weitere Maßnahme kam hinzu. In einer Krise kann es vorkommen, dass sich die Bonität eines Schuldners verschlechtert. Zum Beispiel, weil der dem Zahlungsausfall nahe kommt. Das war bislang blöd, weil dann auf einmal die von diesem Schuldner herausgegebenen Wertpapiere nicht mehr als Kreditsicherheit geeignet waren. Banken mussten dann neue Sicherheiten fordern. Damit soll es künftig auch vorbei sein. Die Eurosystem Kommittees sollen Möglichkeiten finden, diese negativen Effekte künftig zu mildern. Das kann nur heißen, dass Downgrades künftig ignoriert werden sollen. Natürlich nur temporär, wie die EZB schreibt.

Und was hat das nun alles mit Ihrem Hund zu tun? Nun, Hunde wurden bisher schon von Gerichtsvollziehern eingezogen und bei eBay verkauft, um Schulden zu tilgen. Von hier ist es nur noch ein kleiner Schritt, um Hunde künftig bei der Zentralbank als Kreditsicherheit zu hinterlegen (ja, natürlich ist das Satire!). Im Gegensatz zu nicht marktgängigen Wertpapieren sind Hunde wenigstens wieder veräußerbar und stellen insofern sogar eine bessere Kreditsicherheit dar als das, was die EZB derzeit akzeptiert.

Wer sich vor dem Hintergrund der im Eiltempo gelockerten Bestimmungen der EZB wundert, warum der Goldpreis in Euro gerechnet gestern einen neuen Allzeit-Schlusskurs markierte, ist nicht mehr zu helfen. Der Kauf von Anleihen durch die EZB und die Akzeptanz praktisch aller Risiken als Kreditsicherheit sind die Mefo-Wechsel des 21. Jahrhunderts. Nur dass dieses Mal nicht die Aufrüstung eines Landes finanziert wird, sondern die lebenserhaltenden Maßnahmen für Zombie-Unternehmen und -länder.

Übrigens: Beim Mefo-Wechsel galt als Erfolg, dass trotz der immensen damit betriebenen Geldschöpfung keine Inflation sichtbar wurde. Gleichwohl wurde die Reichsmark international gemieden und als die Inflation nach dem Krieg sichtbar wurde, musste einmal wieder eine Währungsreform durchgeführt werden. Inflation sehen wir im offiziellen Verbraucherpreisanstieg derzeit auch nicht. Doch wer soll glauben, dass der Euro langfristig seinen Wert behalten könnte, wenn so offensichtlich Regeln und Vorsichtsmaßnahmen keine Rolle mehr spielen und es nur noch darum geht, auf Teufel komm raus Geld ins System zu pumpen?

EZB und die griechischen Junk Bonds
Bild: DonkeyHotey – Planet of the Euros – Cartoon CC BY 2.0

12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    asyoulike

    8. April 2020 09:34 at 09:34

    Moin, moin,

    es ist und bleibt dabei, die EZB funktioniert nicht, die EU funktioniert nicht (Wer wäre wohl darauf gekommen?). Da hilft es auch nicht, weiter Geld in Umlauf zu bringen.

    Warum also sollten bspw. Börsen fallen? Lieber Aktien im Depot und hoffen, dass sie den Crash überleben, als Geld besitzen, dass mit 100% Garantie wertlos werden wird. M.E. geht es jetzt nur noch darum, das Finale der EU zeitlich zu verzögern ohne damit das Ende der EU verhindern zu können. Diese Restzeit sollte man, so denke ich, dafür nutzen und sein Cash in Sicherheit (Aktien, Gold, Immobilien, Oldtimer-PKW, Boote etc.) bringen.

    Der Coronavirus ist für die EZB und EU ihr Stalingrad. Aber da ging es auch noch ein paar Jahre “gut”, nur das Finale war vorhersehbar.

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    BrettonWood

    8. April 2020 09:55 at 09:55

    Sie scheinen keinen Hund zu haben! Den Junkbonds mit
    meinem Hund als Sicherheit zu vergleichen ist unter aller Sau! Jeder der einem Hund hat wird verstehen was ich meine, oder würden Sie Ihre Mutter als Sicherheit anbieten, zwecks ggf dann stattfindender Verwertung, Ihr Titel ist völlig deplaziert! Text habe ich mir erspart….

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      Lausi

      8. April 2020 11:39 at 11:39

      @BrettonWood: Wie wär’s denn mit der Schwiegermutter? ;-)

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    Korrektor

    8. April 2020 10:12 at 10:12

    @Brettonwood, das mit dem Hund war sicher ironisch gemeint u.stimmt.Denn ein Rassehund der Junge bringt ist sogar eine Rendite.Dass sie hier den Moralapostel spielen wollen ist hanebüchen.Sie waren doch kürzlich derjenige , der es gut fand,dass die Pandemie die unrentablen Rentner dezimiert.
    Bitte Hirn einschalten bevor sie Andere kritisieren. Unter Satire u. Ironie darf man Vieles sagen, während ihre
    menschenverachtende Haltung ernst gemeint war.

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    Mike Lohmann

    8. April 2020 10:47 at 10:47

    Herrliche Zeiten sind da angebrochen dank der Intelligenz der EZB-Leute. Nun werde ich eine Firma gründen, in riesigem Ausmass Kredite ordern und vor der kommenden Hyperinflation alles in Sachwerte stecken. Und da es ja keine Zinsen mehr gibt, ist das ganze auch noch kostenlos. Solle das Geschäft schief laufen, dann hat ja die EZB dieses Unternehmen voll finanziert. Es ist nun wirklich jeder selber schuld, wenn er den fehlenden Durchblick der EZB nicht wirklich für sich nutzt. Da soll es noch ein Herr Professor eines Wirtschaftsinstituts geben der sogar laut verkündet, dass eine Hyperinflation höchstens nur ein Komfortproblem sei, da Hyperinflation nur ein Anstoss sei, fehlende Waren nun zu produzieren. Dieser Herr Professor scheint noch nichts von Venezuela etc. gehört zu haben.

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      Michael

      8. April 2020 19:23 at 19:23

      @Mike Lohmann, nur zu, dann machen Sie mal!
      Und schreiben Sie uns auch Ihren Businessplan (inklusive Finanzplan), mit dem Sie bei der Bank antanzen. Und wie Sie an das Geld kommen, um es in betrügerischer Absicht in zweckentfremdete Sachwerte zu investieren. Und wie Sie sich die Zinsen bei der Bank, über die Sie finanzieren, ersparen wollen. Und ist nun wirklich jeder selbst schuld, wenn er nicht andere bescheißt? Ist das die Lebenseinstellung und das Wertesystem 4.0?

      Ich unterstelle jetzt einmal Ironie und Zynismus, dann ist alles gut. Ansonsten würden mich solche Aussagen einfach nur anwidern 🤮

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    Koch

    8. April 2020 11:13 at 11:13

    Die EZB ist jetzt also auf den Hund gekommen!Das war schon länger absehbar,bei dem Personal und der Handlungsweisen.Bei der gerissenen und gesetzlos agierenden EZB,ist dieser Hund allerdings bestenfalls ein Strassenköter übelster Sorte!Aber,wie sagt so schön der Volksmund hier im bayerisch-hessischen Grenzgebiet:Wie der Herr,so sei Gescherr!P.s.War da mal was mit:Der €uro wird so stark,wie die Mark und die EZB orientiert sich an der Tradition der Bundesbank?!

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    Werner

    8. April 2020 11:32 at 11:32

    Hund hab ich keinen, bin selber einer…. Ob auch das genügt?

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    Gerstenbier

    8. April 2020 12:05 at 12:05

    Hoffentlich auch die Katzen. Mit meinem Kater gehen jetzt die Pferde durch, sowie jeden Frühling. Würde gerne dieses durchtriebene Tier gegen einen Verbraucherkredit eintauschen um mein Walddepott mit neuen Konserven und Toilettenpapier zu bestücken.

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    Peter Müller

    8. April 2020 14:28 at 14:28

    Irgendeiner meckert immer, damit muss man leben. Da hat die EZB, der Ozean der Weisheit in ihrrer unermesslichen Güte und Erleuchtung den Weg zum Schlaraffenland gefunden und dann dieser Undank!

  9. Avatar

    Anna

    9. April 2020 10:38 at 10:38

    Peter Müller,
    wie Recht Sie haben. Wir sollten alle dankbar sein. Und erst die kommenden Generationen. Was meinen Sie, wie lange diese Gelddruckerei funktionieren wird?Was den Hund angeht: Sie haben wirklich einen an der Klatsche. Niemand würde denen ein Tier anvertrauen, ich würde denen nicht mal meinen Raben geben
    (Er wohnt schon seit Jahren in meinem Garten).Aber: WIe muss ich mir das als Laie denn vorstellen? Wird da en masse Geld gedruckt – und wie ist das mit der Preisstabilität? War das nicht der eigentliche Job der EZB, oder verwechsle ich da was?

  10. Pingback: Warum Federal Reserve und EZB die Inflation erzwingen! - Atlas Initiative

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Staatsbankrott: Was passiert da eigentlich? Argentinien zeigt es!

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Wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ist das eine Katastrophe für seine Bürger, die Unternehmen im Land und natürlich auch für die Gläubiger, die auf einen Großteil ihres Geldes verzichten müssen. Doch wie genau ist der Ablauf eines Staatsbankrotts? Da Argentinien gerade wieder zahlungsunfähig ist (schon im Februar forderte der IWF einen Schuldenschnitt) und sich in Verhandlungen mit seinen Gläubigern befindet, können wir an diesem Beispiel lernen, wie der Vorgang abläuft!

Die Insolvenz eines Staates ist ein häufiges Ereignis. In den vergangenen 200 Jahren kam es statistisch gesehen zu mehr als einem Staatsbankrott pro Jahr weltweit. Seit der Abschaffung der Golddeckung und der weitgehend unregulierten Schöpfung ungedeckten Fiatgeldes nahm die Frequenz der Staatsbankrotte sogar deutlich zu. So gab es zwischen 1980 und 2010 pro Jahr durchschnittlich drei insolvente Staaten auf der Erde.

Es gibt kein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren für den Staatsbankrott

Umso interessanter ist es, dass es zwar gesetzliche Regelungen für den Fall eines Staatsbankrottes gibt, die aber im Falle zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland eine Insolvenz, genauer gesagt ein Insolvenzverfahren, explizit NICHT vorsehen. Doch Papier ist geduldig. Wenn Deutschland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, ist das Land insolvent – Gesetz hin oder her.keine gesetzlichen Regelungen für den Fall eines Staatsbankrotts gibt. Zwar mag es dann kein Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen oder Privatpersonen geben. Doch eine Art von Insolvenzverfahren findet dennoch statt: die Verhandlung mit den Gläubigern. Zwar kann ein Staat die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Doch bis es keine Einigung mit diesen gab, wird das Land auch keine neuen Kredite bekommen. Zumindest keine Auslandskredite. Kredite in der heimischen Währung könnte sich ein Staat theoretisch über die Zentralbank selbst geben, wie es zum Beispiel in den USA und der Eurozone schon seit geraumer Zeit nur wenig versteckt stattfindet.

Kann ein Staat keine Devisen mehr beschaffen, leidet darunter die heimische Bevölkerung und die Unternehmen. Importe sind dann nur noch in dem Umfang möglich, in dem Devisen mittels Exporten erwirtschaftet werden. Um einen Ausgleich zwischen Importen und Exporten herzustellen, muss die Währung gegenüber den ausländischen Währungen abwerten. Die dann in der Regel herrschende Devisenknappheit zwingt die Menschen dazu, ihre Ersparnisse in der heimischen Währung zu halten, die im Falle eines Staatsbankrotts jedoch zu hoher Inflation neigt. Die Währungsabwertung heizt die Inflation zusätzlich an, da Importwaren teurer werden. Haben die Menschen und Unternehmen Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung, sind zahlreiche Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Selbst wenn die Schuldner in der Lage wären, Devisen zu beschaffen, wären die Kredite durch die Währungsabwertung deutlich teurer als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, bekommen aber teils noch Geld zurück

Eine Einigung mit den Gläubigern und der daraufhin wieder mögliche Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ist daher ein vordringliches Ziel der Regierung nach einem Staatsbankrott. Den meisten Gläubigern ist bewusst, dass eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen unwahrscheinlich ist. In der Regel kauften die Gläubiger die Schuldtitel bereits mit deutlichen Preisabschlägen an der Börse und kassierten hohe Zinsen bis zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung. Eine Einigung, die in der Regel einen teilweisen Schuldenerlass, niedrigere Zinsen und gestreckte Zahlungsziele beinhaltet, wird daher relativ schnell gefunden. Interessant ist, dass die Insolvenzquoten bei Staatsbankrotten oft relativ hoch sind. Bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist in der Regel für die Gläubiger ein Totalverlust anzunehmen. Bei Staatsbankrotten sind 30% oder auch fast 50% Rückzahlungsquoten möglich. Das Beispiel Argentinien zeigt jedoch, dass sich inzwischen auch einige Hedgefonds darauf spezialisierten, die Anleihen praktisch bankrotter Staaten zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen und dann auf vollständige Tilgung des Nennwerts zu pochen.

Bis es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommt, können diese auch den Besitz des säumigen Staates im Ausland beschlagnahmen lassen. So ließ ein US-Hedgefonds ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen, weil Argentinien sich weigerte, die vom Hedgefonds gehaltenen Anleihen zum vollen Nennwert zu tilgen.

Beispiel Argentinien: Bankrott seit Ende Januar

Argentinien erklärte am 29. Januar 2020, dass es plane, den Gläubigern ein Programm zur Schuldenrestrukturierung zu präsentieren. Mit anderen Worten: Argentinien könnte zwar seine Schulden noch bedienen, weigert sich aber, es zu tun. Am 19. Februar bestätigten Prüfer des Internationalen Währungsfonds, dass die Staatsschulden Argentiniens in der Tat nicht mehr tragbar seien. Am 21. April präsentierte Argentinien schließlich seinen Plan zur Restrukturierung von 69 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden und setzte den Gläubigern eine Frist bis zum 8. Mai, um diesen Plan zu akzeptieren.

Die dachten natürlich nicht daran, den Plan einfach durchzuwinken. In persönlichen Treffen und Videokonferenzen versuchte Argentinien, die größten Gläubiger zu überzeugen. Schließlich musste jedoch am 7. Mai verkündet werden, dass man für Gegenvorschläge der Gläubiger offen sei. Die Frist zur Annahme des Restrukturierungsangebots wird in den kommenden Wochen mehrfach verlängert. In der Zwischenzeit wurden auch die ersten Zinszahlungen fällig, die Argentinien nicht bezahlte. Das Land ist damit offiziell zahlungsunfähig und hat damit bereits den neunten Staatsbankrott seiner Geschichte erklärt.

Nach Wochen des Wartens präsentieren erste große Gläubiger ihre Vorschläge zur Restrukturierung der Schulden. Sie bieten einen Schuldenerlass von rund 45% an, was Argentinien zu wenig ist. Schließlich einigt sich Argentinien am 2. August doch noch auf einen Schuldenerlass von 45,2% mit dem Großteil seiner Gläubiger.

Im Endeffekt dauerte der Staatsbankrott also nur rund ein halbes Jahr. Für Argentinien wird es nach der Einigung noch nicht sofort so sein wie vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Investoren werden noch eine Weile merkliche Risikoaufschläge für neue Kredite verlangen. Und vermutlich wird es auch wieder den einen oder anderen Gläubiger geben, der auf vollständige Tilgung seiner Anleihen besteht. Der Wechselkurs des argentinischen Peso wird sich aller Voraussicht nach auch nicht erholen, solange Argentinien nicht das grundlegende Problem der negativen Zahlungsbilanz löst. Der teilweise Schuldenerlass gab dem Land nur eine Atempause.

Der Obelisco als Smybol für Argentinien - Staatsbankrott lähmt das Land
Der Obelisco in Buenos Aires. Foto: Gobierno de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires CC BY 2.5 ar

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Wann brechen die Staatsschulden den USA das Genick?

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Trotz massiv steigender Staatsschulden geht die Party in den USA weiter

Die Staatsschulden der USA steigen während der Coronakrise im Rekordtempo. Doch es ist nicht der schiere Berg an immer schneller wachsenden Schulden, der Sorgen bereitet, sondern der ebenso enorme kurzfristige Refinanzierungsbedarf für Altschulden. Insolvent wird ein Staat schließlich nicht, wenn der letzte Kredit-Cent nicht zurückgezahlt werden kann, sondern bereits, wenn das beim ersten nicht gelingt. Allein im kommenden Jahr müssen die USA 7,4 Billionen US-Dollar umschulden – mehr, als der Staat Anfang 2010 insgesamt an börsengehandelten Schuldtiteln emittiert hatte. Gelingt nur eine Refinanzierung nicht, weil der Appetit des Marktes auf niedrig verzinste US-Staatsanleihen nachlässt, wären die USA insolvent. Wahrscheinlicher ist jedoch ein anderes Szenario: Ein schleichender Vertrauensverlust in den US-Dollar.

Staatsschulden verändern sich in ihrer Zusammensetzung ständig

Viele sehen Staatsschulden als etwas monolithisches, unveränderliches, einfach immer nur weiter wachsendes Etwas an. Doch die Schulden eines Staates gleichen eher einem Ameisenhaufen. Sie setzen sich zusammen aus einer Vielzahl von Schuldtiteln unterschiedlicher Laufzeit, unterschiedlichen Zinsen und unterschiedlichen Umfangs – und diese Zusammensetzung ändert sich ständig. Das heißt, dass zum Beispiel in den 70er Jahren aufgenommene Schulden in den meisten Fällen gar nicht mehr existieren. Sie wurden zwischenzeitlich in den allermeisten Fällen schon mehrfach umgeschuldet. Immer dann, wenn eine alte Anleihe fällig wird, emittiert der Staat eine neue Anleihe. Die Einnahmen aus der neuen Anleihe fließen sofort zur Tilgung der alten Anleihe zurück an Anleger. Durch Zinszahlungen und die Finanzierung der oft defizitären Staatshaushalte wächst sowohl das Volumen der neuen Anleihe-Emissionen als auch deren Anzahl immer weiter an.

Ein Beispiel: Die USA hatten Ende Februar 2010 börsengehandelte Staatsschulden von insgesamt 7,39 Billionen US-Dollar. Von diesen 7,39 Billionen waren damals binnen eines Jahres 2,5 Billionen US-Dollar fällig. Das heißt, die USA mussten in einem Jahr neue Anleihen im Umfang von 2,5 Billionen US-Dollar ausgeben, um die alten fällig werdenden Anleihen zu tilgen. Zusätzlich mussten weitere rund 1,6 Billionen US-Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um das Defizit im Staatshaushalt auszugleichen.

Die USA finanzieren ihre Schulden immer kurzfristiger

Im Laufe der vergangenen zehneinhalb Jahre wuchs so die in Form von Anleihen börsenhandelbaren Staatsschulden auf heute 19,9 Billionen US-Dollar an (hier ein Blick auf die offiziellen Gesamtschulden). Inzwischen werden in den kommenden zwölf Monaten bereits 7,4 Billionen US-Dollar fällig. 3/4 der Neuverschuldung der vergangenen zwölf Monate wurde mit extrem kurz laufenden Anleihen finanziert. Der Trend zu längeren Laufzeiten kehrte sich während der Coronakrise binnen weniger Wochen wieder um. Das ist kurzfristig eine tolle Sache für den Staat, da er für Anleihen mit bis zu einjähriger Laufzeit nur Zinsen von bis zu 0,1% bezahlen muss. Kurzfristige Schulden sind für die USA also derzeit fast gratis. Für Deutschland würden sie sogar Zinseinnahmen generieren, da die Zinsen für deutsche Staatsanleihen negativ sind.

Der Haken an der Sache ist, dass kurzfristige Schulden auch öfter refinanziert werden müssen. Das macht die Staatsschulden anfällig für Zinserhöhungen. Denn bei jeder Refinanzierung muss der Schuldner natürlich den dann aktuellen Marktzinssatz zahlen. Würden die USA die Schulden gleich für fünf, zehn oder mehr Jahre aufnehmen, müssten sie zwar ein wenig höhere Zinsen zahlen. Die wären dann aber für die volle Laufzeit der Anleihen sicher. In der Zwischenzeit steigende Zinsen würden nicht nach kurzer Zeit zu höheren Zinsbelastungen für den US-amerikanischen Staatshaushalt führen.

Ein weiterer Nachteil der kurzen Laufzeiten ist, dass die USA permanent Investoren davon überzeugen müssen, Billionen US-Dollar in die USA zu reinvestieren. Käme es zu einer Vertrauenskrise, dann wird es wahrscheinlich unmöglich sein, sieben Billionen US-Dollar in einem Jahr aufzutreiben oder gar 14 Billionen in den kommenden fünf Jahren. Bei Vertrauensverlust steigen natürlich als Erstes die Zinsen an, was die Schuldenlast der USA angesichts der kurzen durchschnittlichen Laufzeit schnell untragbar macht. Durchschnittlich beträgt die Laufzeit nur noch 62 Monate. Bei steigenden Zinsen müssten also nach 62 Monaten die kompletten derzeit knapp 20 Billionen US-Dollar zum dann höheren Zinssatz refinanziert werden.

Langfristig wird die US-Zentralbank alle neuen Staatsschulden finanzieren müssen

Angesichts der hohen Summen ist es wahrscheinlich, dass bei einem Vertrauensverlust selbst bei gestiegenen Zinsen über kurz oder lang nicht mehr genügend Investoren überzeugt werden können, den USA Geld zu leihen. Und sobald nicht mehr genug Interesse an Neuemissionen besteht, um die fällig werdenden Altschulden zu tilgen, wären die USA zahlungsunfähig. Im Falle Griechenlands ging dieser Prozess innerhalb weniger Wochen vonstatten.

Im Unterschied zu Griechenland können die USA jedoch ihr eigenes Geld drucken. Schon heute sehen wir, dass die US-Zentralbank einen beträchtlichen Teil der US-Staatsschulden kauft. Es ist anzunehmen, dass dieser Anteil mittel- und langfristig weiter ansteigt, bis irgendwann die Zentralbank der einzige Käufer der Anleihen ist. Schon vorher wird das Vertrauen in den US-Dollar massiv schwinden. Denn eine Zentralbank, die Jahr für Jahr Billionensummen schöpft, um den eigenen Staat zu finanzieren, hat keinerlei Vertrauen mehr verdient. Die Kaufkraft des US-Dollars wird im In- und Ausland schrumpfen. Inflation im Inland und Abwertung im Ausland werden die Folge sein.

Trumps Ansinnen, das Außenhandelsbilanzdefizit der USA zu reduzieren, macht es übrigens nicht besser. Bisher exportierten die USA Jahr für Jahr US-Dollar im Austausch für Waren. Diese US-Dollar flossen zum Teil zurück und wurden in US-Staatsanleihen investiert. Wenn das Defizit reduziert wird, reduzieren sich damit auch die Exporte von US-Dollar und der Rückfluss in US-Staatsanleihen. Gleichzeitig steigt das Emissionsvolumen, was mehr und nicht weniger Käufer für die Papiere benötigt.

Ob angesichts der sich immer schneller drehenden Schuldenspirale überhaupt noch ein Kurswechsel möglich ist, darf bezweifelt werden. In die Staatspleite wird diese Spirale bei den Staatsschulden im Falle der USA jedoch auf absehbare Zeit noch nicht münden. Dafür ist das Vertrauen in den US-Dollar weltweit noch immer zu groß und die Zahl der Alternativen zu klein. Dollarbesitzer sollten sich jedoch auf einen beschleunigten Verlust ihrer Kaufkraft einstellen.

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Goldpreis: Aktuell echte Stärke, und ein Blick auf die Realrenditen

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren Gold

Haben Sie Freitag Nachmittag unsere Berichterstattung zum Thema Gold verfolgt? Da fiel der Goldpreis plötzlich. Zeitgleich war der US-Dollar (gut sichtbar im Währungskorb “Dollar-Index”) deutlich gestiegen. Oft gibt es eine klare Korrelation. Dollar stark, Gold schwach, und umgekehrt! Und so geschah es dann auch zügig am Freitag Nachmittag. Der Dollar-Index kletterte schon den ganzen Freitag von 92,52 auf über 93,50 Punkte. Und der Goldpreis sackte ab von 1.975 auf 1.960 Dollar, wohl vor allem als Reaktion auf den starken US-Dollar.

Goldpreis kann sich halten

Aber seitdem? Da zeigt der Goldpreis eine aktuelle Stärke. Denn schauen wir hier mal auf den aktuellen Chart, wo Gold in rot-grün gezeigt wird, und der Dollar-Index in blau. Der Greenback ist auch übers Wochenende weiter deutlich gestiegen auf jetzt 93,82 Punkte. Demnach hätte der Goldpreis weiter fallen können oder sogar müssen? Aber nein, das Edelmetall hält sich robust bei 1.971 Dollar. Dies kann man als aktuell echte Stärke bezeichnen. Weitere Anläufe über 1.980 Dollar und in Richtung der großen runden Marke von 2.000 Dollar sind jederzeit möglich? Vor allem, wenn der Dollar-Index wieder kehrt macht gen Süden? Es bleibt spannend.

Chart zeigt Goldpreis gegen Dollar-Index

Realrenditen

Die realen Renditen von Anleihen ergeben sich aus dem Zins abzüglich der Inflationsrate. Holger Zschaepitz hat im folgenden Chart, der bis zu den 90er-Jahren zurückreicht, die Realrendite deutscher Bundesanleihen gezeigt. Schon seit Jahren liegen sie im negativen Bereich. Ganz aktuell kommen sie etwas nach oben Richtung Null-Linie. Dies liegt aktuell aber wohl nur daran, dass die Inflation in Deutschland auf Null gesunken und sogar in die Deflation gerutscht ist. Und das wiederum liegt wohl vor allem an der jüngst in Kraft getretenen Mehrwertsteuersenkung, durch die viele Produkte billiger wurden.

In der folgenden Grafik der Notenbank von St. Louis sieht man für zehnjährige US-Staatsanleihen den inflationsbereinigten Zins. Seit Januar diesen Jahres geht es in den Minusbereich. Der Chart reicht von 2018 bis zum letzten Donnerstag. Es geht weiter Richtung Süden. Was lernen wir daraus? Je schlechter verzinsz Anleihen global sind, desto größer grundsätzlich der Drang von Anlegern Richtung Edelmetalle, was dem Goldpreis helfen sollte (hier dazu ein interessantes Video von Markus Fugmann). Eine Garantie für steigendes Gold ist das nicht, aber von der Grundtendenz her… wenn man sieht, 2018 lag der Goldpreis noch bei 1.300 Dollar!

US-Realrendite fällt immer weiter

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