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Beamte und der vorauseilende Gehorsam gegenüber Xi Jinping Warum immer mehr Städte in China in den Lockdown gehen

China Lockdown Beamte

Derzeit befinden sich 65 Millionen Menschen in China im Lockdown, darunter die wichtigen Zentren Shenzhen und Tianjin. Ebenfalls stark betroffen sind in Sichuan Chengdu und die größte Stadt der Welt, Chongqing. Und die Stadt, in der Corona (angeblich) ihren Ausgang nahm: Wuhan. Damit sind 32% des chinesischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Lockdown.

Nach Recherchen von CNN sind seit Ende August 300 Millionen Menschen in über 70 Städten von Einschränkungen betroffen.
Dabei ist die reine Anzahl der offiziell reportierten Zahlen im Vergleich zu westlichen Ländern immer noch niedrig. Gestern wurden insgesamt 264 symptomatische und 1235 asymptomatische Fälle – landesweit.

China und Lockdown: Große Nervosität vor Volkskongress

Im Oktober findet der Nationale Volkskongress in Beijing statt. Etwa 3.000 Delegierte werden sich versammeln und eine neue Führung wählen. Schon unter normalen Bedingungen sind die Zeiten vor wichtigen Ereignissen von Nervosität seitens der Führung gekennzeichnet. Die Zensur nimmt zu, die Internetverbindungen ins Ausland werden schlechter, die Visa-Vergabe eingeschränkt, die Propaganda nimmt zu. In den Wohnanlagen werden neue Banner mit Slogans aufgehängt und die patriotischen Clips in U-Bahnen, Bussen und Zügen poppen noch häufiger auf.

Und es wird im öffentlichen Raum häufiger und kontrolliert. Kritische Bürger bekommen Hausbesuche, werden unter Hausarrest gestellt bzw. dieser wird verschärft. Nichts soll den Ablauf solch wichtiger Veranstaltungen stören. Keine spontanen Versammlungen, möglichst sollen keine Bittsteller ihren Weg nach Peking finden.

Dieses Jahr ist die Nervosität noch um einiges grösser. Denn die Stimmung im Lande ist schlecht. Der tägliche Limbo aus Tests und drohenden Lockdowns zerrt an den Nerven der Menschen. Der Wirtschaft geht es schlecht. Die Immobilienkrise führt bei immer Menschen zu Einschränkungen. Dazu gibt es immer wieder Stromabschlatungen.

Warum Beamte in China immer mehr Städte in den Lockdown bringen

Und dann ist da noch Xi Jinping, der eine dritte Amtszeit anstrebt und damit mit den Traditionen der Kommunistischen Partei seit Deng Xiaoping bricht. Xi Jinping persönlich hat die „Null-Covid-Strategie“ ausgegeben. Und mit der gnadenlosen Umsetzung beweisen die Beamten im Staatsappparat ihre Loyalität. Sie haben gesehen, wie schnell man mit einer nicht konsequenten Umsetzung der „Null-Covid-Strategie“ in Ungnade fallen kann. Von daher sind die lokalen Behörden darauf bedacht, eher schneller Ausgangsbeschränkungen oder eben einen komületten Lockdown anzuordnen. Und diese auch gegen alle Widerstande und Unsinnigkeiten umzusetzen.

Als in Sichuan gestern die Erde bebte, fanden viele Bewohner die Türen ihrer Häuser verschlossen vor. Im Falle eines Einsturzes wären sie alle ums Leben gekommen. Das schwere Erdbeben von 2008 ist noch allen in Erinnerung. Man möchte sich die Panik der Bewohner gar nicht vorstellen. Für viele Beamten und Führer der Kommunistischen Partei aber geht es um ihre politische und berufliche Existenz. Für die Menschen in China aber geht es ums Überleben. Oder eben um die Freiheit vor dem Lockdown..

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6 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Ennoson,

    Vielen Dank für die regelmäßigen Informationen über die skandalösen Zustände dieser Diktatur.
    Vielleicht können Sie den treuen Leser Ihrer Zeilen über die Ihnen sicher geläufigen Gründe erhellen,weshalb in einem Land der angeketteten Uighuren,verschlossenen Apartmenttüren und Video Dauerüberwachung es noch immer keine Impfpflicht gibt?
    Schließlich wäre diese für die Umsetzung einer „NULL Covid Politik“ sicher weniger folgenschwer umsetzbar ,als die von Ihnen geschilderten Maßnahmen.
    Ich freue mich auf Ihre aufschlußreiche Information aus erster Hand.

    Gruß,
    Christian Miehe

    1. Sehr geehrter Herr Miehe,
      vielen Dank.
      Gegenfrage: Was sollte eine Impflicht jetzt noch bringen? Offiziell betrachtet liegt die Impfquote bei ueber 85%. Viel wesentlicher ist aber, dass die chinesischen Impfstoffe gegen Omicron praktisch nicht wirken, wie eine Studie der HKU gezeigt hat. Das wissen auch die chinesischen Behoerden und die chinesische Bevoelkerung. Es hat Versuche in Peking gegeben, so was wie ein Zwangsimpfung zu geben. Der Wiederstand der Bevoelkerung war aber so gross, dass diese Versuche nach wenigen Tagen eingestellt wurden.Chinesen sind beim Thema „Impfen“ ziemlich sensibel, da es in der Vergangenheit einige Skandale gegeben hat.
      Ein mRNA-Impfstoff ist zwar in der Entwicklung, aber er ist noch nicht zugelassen. Biontech-Impfstoff lagerte zeitweise sogar am Pudonger Flughafen und der Gruender war selbst in China, um ueber eine Verwendung zu verhandeln. musste aber unverichteter Dinge wieder zureuckkehren. Mit Fosum gab es sogar schon einen Lizenzvertrag (Treppenwitz: Der Impfstoff wurde anschliessend nach Taiwan geliefert).
      Gestern wurde ein Impfung per Nasenspray in China vorgestellt. Es handelt sich aber um einen Vector-Impfstoff der ersten Generation, also noch nicht auf Omicron zugeschnitten. Es gibt eine Notzulassung, aber keine Studiendaten.
      MfG
      Doi

  2. Die Menge an Rechtschreibfehlern in diesem Artikel geht sehr zu lasten dessen Seriösität und der, des Autors.

    1. Sprachwissenschaftler

      Es heißt „zu Lasten“ oder „zulasten“, des Weiteren „Seriosität“ statt „Seriösistät“. Das Komma hat in dem Satz nichts verloren.
      Zwei Rechtschreib- und ein Grammatikfehler in einer Zeile gehen sehr zu Lasten der Seriosität des Autors.

  3. Vielen Dank für Ihre Ausführungen,Doi.
    Es ist für Außenstehende ausgesprochen schwer nachvollziehbar ,welche Opfer und welche in diesem Zusammenhang entstehenden Risiken die Regierung bereit ist in kauf zu nehmen,um Ihre Null Covid Politik zu einem (ausssichtslosen) Pyrrhus – Sieg zu verhelfen.

    1. Sehr geehrter Herr Miehe,
      hier ein Artikel, der einen Erklaerungsansatz liefert:
      https://www.theatlantic.com/international/archive/2022/09/china-lockdowns-zero-covid-policy/671385/

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