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Warum Ölpreis und der Goldpreis entgegengesetzt verlaufen

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Gold Barren

Zwei Rohstoffe, zwei Richtungen: Während der Ölpreis förmlich kollabiert und der Terminmarktkontrakt für Mai sogar negativ notiert, schießt der Goldpreis in der Coronakrise in vielen Währungen auf Allzeithöchststände. Was ist der Grund für diese diametral entgegengesetzte Entwicklung, die bereits in der Finanzkrise 2008/09 zu beobachten war?

Der Ölpreis erleidet einen Dreifachschock

Abgesehen von den Besonderheiten der Preisfindung an den Rohstoff-Terminmärkten fällt der Preis für Rohöl aus drei Gründen: erstens wegen der wegbrechenden Nachfrage in Folge der Covid-19-Maßnahmen, zweitens wegen des seit Jahren steigenden Rohölangebots und drittens wegen kaum noch vorhandener Lagerkapazitäten. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet für das Jahr 2020 mit einem Nachfrageeinbruch gegenüber dem Vorjahr von 9,3 Millionen Barrel pro Tag. Im April 2020 soll die Nachfrage sogar um 29 Millionen Barrel pro Tag unter der des Vorjahresmonats liegen und damit auf dem Stand von vor 25 Jahren.

Das weltweite Ölangebot wird im Mai zwar voraussichtlich um 12 Millionen Barrel pro Tag sinken, nachdem die OPEC+ Staaten am 13. April eine historische Produktionsdrosselung vereinbart hatten, es bleibt dennoch eine enorme Nachfragelücke. Dieser Dreifachschock hat zu dem historisch einmaligen Phänomen eines negativen Ölpreises geführt. Inhaber von Terminkontrakten zum Kauf des amerikanischen „Light Sweet Crude Oil“ wollten ihre Abnahmeverpflichtungen um jeden Preis noch vor dem Verfallstag am Dienstag loswerden und verkauften ihre Kontrakte zu jedem Preis. Am gestrigen Montag im Tief sogar zu minus 40 US-Dollar pro Barrel (159 l).

Ölpreis WTI im Kursverlauf

Ganz anders der Goldpreis, der sich aktuell in US-Dollar deutlich besser hält als alle anderen Rohstoffe, Edelmetalle und sogar die Aktienmärkte (gestern plötzlicher Rückgang im Preis). Auf dem momentanen Kursniveau von 1.550 Euro pro Unze würde der Goldpreis in der Gemeinschaftswährung zum jetzigen Zeitpunkt sogar den höchsten Tagesschlusskurs aller Zeiten manifestieren. Im Trend der letzten Wochen und Monate verhält sich die Entwicklung des Goldpreises diametral entgegengesetzt zum Ölpreis. Während das gelbe Edelmetall auf Dollarbasis im Jahresvergleich mit knapp 32 Prozent im Plus notiert, hat der US-Ölpreis (Sorte WTI) um 77 Prozent nachgegeben.

Ölpreis vs Goldpreis im Kursverlauf

Dieses Phänomen war auch schon während der großen Finanzkrise 2008/09 zu beobachten:

Fallender Ölpreis gegen den steigenden Goldpreis

Doch warum verhalten sich die beiden Rohstoffe in Krisenzeiten preislich so extrem unterschiedlich?

Der fallende Ölpreis verstärkt die aktuelle Wirtschaftskrise. Die üblichen Profiteure, also der Transportsektor sowie die chemische Industrie, liegen gerade zu großen Teilen still. Was bleibt, sind die Nachteile des Crashs beim Ölpreis für die Produzenten. Umso tiefer der Ölpreis fällt, umso größer sind die negativen Auswirkungen auf die Produzentenländer rund um die Welt. Deren Staatshaushalte geraten nun mitten in der Coronakrise zusätzlich unter Druck. Bei der Ratingagentur Standard & Poor’s werden die Staatsanleihen der Petro-Staaten Venezuela, Irak, Nigeria, Angola und Bahrain bereits als stark ausfallgefährdet bewertet. Außerdem leidet die Ölindustrie in Kanada und in den USA, die mit ihren teuren Fördertechniken zur Gewinnung aus Ölschiefer und Ölsanden einen Ölpreis deutlich jenseits der 50 US-Dollar Marke pro Barrel benötigt. Dies gefährdet Millionen von Arbeitsplätzen und verstärkt die Krise.

Der Goldpreis ist ein Währungskurs

Anders als bei Rohöl speist sich die Nachfrage bei Gold zu über 90 Prozent nicht aus der Industrie oder dem Transportsektor. Das liegt primär an der Funktion des Goldes als Wertspeicher und Reservewährung und nicht als Rohstoff zur Weiterverarbeitung oder Verbrennung. Gerade in Krisenzeiten, in denen das Vertrauen in die Wirtschaft und das Finanzsystem schwindet, wird Gold von Investoren als sicherer Hafen angesteuert. Dies geschah in der Finanzkrise 2008/09 ebenso wie heute.

Auch am Goldmarkt gibt es krisenbedingt Rückgänge, z. B. im Schmuckbereich und in ärmeren, preissensiblen Regionen der Welt. Doch die Nachfrage des Goldes als monetäres Edelmetall (Alternativwährung) aus Westeuropa und Nordamerika überkompensiert diese Nachfrageschwäche aus der Elektro- und Schmuckindustrie sowie den Schwellenländern deutlich. Im ersten Quartal dieses Jahres verzeichneten die mit physischem Gold gedeckten ETFs weltweit ein neues Rekordvolumen an eingelagerten Barren sowie Rekordzuflüsse an Geld und Metall.

Fazit

Anders als Rohöl ist Gold also kein reiner Rohstoff, sondern offiziell eine Reservewährung und der Goldpreis somit als Wechselkurs zu US-Dollar, Euro, Pfund, Yen etc. zu bewerten. In Zeiten großer Krisen in denen die Notenbanken in ungedeckten Währungssystemen zu desperater Geldpolitik neigen, also zur Abschaffung des Zinses und zu massiver Ausweitung der Geldproduktion, dient Gold dem finanziellen Überleben von Staaten, Organisationen, Unternehmen und Bürgern sowie als Schutz vor dem Kaufkraftverlust der von den Notenbanken „gemanagten“ Fiat-Währungen. Daher implodiert in wirtschaftlichen Krisen der Ölpreis, während der Goldpreis im Trend deutlich ansteigt. Die beiden Rohstoffe werden erst wieder positiv zueinander korrelieren, wenn den Notenbanken die Reflation der Wirtschaft gelungen ist. Dazu reichen die jetzigen geldpolitischen Maßnahmen aber noch nicht aus.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    joachim

    22. April 2020 10:28 at 10:28

    Wenn die Märkte fallen, fällt Gold derzeit auch. Das ist in den letzten Tagen oftmals auch intraday zu sehen.

    Wenn Öl jetzt noch weiter fällt, können die Märkte nur schwer wieder Richtung ATH laufen.

    Die Gier vieler Marktteilnehmer lässt derzeit die Hoffnung leben, dass sich Gold aus dieser Situation bereits entkoppelt hat, und jetzt voll durchstartet…wir wollen ja nichts versäumen, wenn sonst schon nichts geht…

    Sollten die Märkte nochmals einbrechen bleibt auch Gold (nochmals) nicht verschont.

    …erst wenn bei Gold (diametral gesehen) ähnlicher Terminmarktdruck wie jetzt gerade bei Öl einsetzt, kann eine Entkoppelung aus der jetzigen Situation stattfinden.

    …das kann noch Wochen dauern…

  2. Pingback: Warum Ölpreis und der Goldpreis entgegengesetzt verlaufen – Unser Geld- und Zinssystem

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Goldpreis: Nächstes Ziel bei 2800 Dollar? Die “Measured Move”-Methode

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Der Goldpreis steigt kontinuierlich und hat die psychologisch wichtige 2000er-Marke überwunden, ohne bislang nennenswerte Rücksetzer erleiden zu müssen. Wir erleben durch die Rettungspolitik der Notenbanken eine immense Ausweitung der Geldmenge, gleichzeitig fallen die Renditen für Staatsanleihen weiter, sodass die reale Rendite (also die Rendite minus Inflation) etwa bei der 10-jährigen US-Staatsanleihe derzeit bei -1,0% liegt – ein Allzeittief:

Der Goldpreis und die reale Rendite

Hinzu kommt: Aktuell rentieren Staatsanleihen mit einem Volumen von mehr als 16 Billionen Dollar negativ – der höchste Stand seit einem Jahr. Damit wird Gold immer attraktiver, der Nachteil des Edelmetalls, keine Zinsen zu bieten, spielt faktisch keine Rolle mehr (siehe hierzu ein Video über die wichtigsten Treiber für den Goldpreis mit der These, dass ein zentraler Preistreiber das wachsende Mißtrauen in die Notenbanken ist).

Jens Rabe geht davon aus, dass der Preis für das Edelmetall noch auf 2800 Dollar steigen könnte – anhand der von ihm verwendeten Methode “Measured Move“. Dabei blickt Rabe auch auf Goldminenaktien und ihre Potential:

Warum der Goldpreis immer weiter steigt

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Gold über 2.000 Dollar – Was kommt jetzt? – Werbung

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Lieber Börsianer,

der Goldmarkt ist im Rausch. Seit Jahresbeginn legte die Unze des wertvollen Metalls um 35 % auf jetzt deutlich über 2.000 US-Dollar zu. Gerechnet in Euro und Schweizer Franken liest sich die Performance mit rund 27 % nicht ganz so gewaltig, aber auch hier wurde in diesem Jahr gutes Geld verdient.
Das sind die zentralen Schubfaktoren:

1. Die ultra-niedrigen US-Zinsen
2. Geopolitische Spannungen zwischen China und den USA
3. Die Unsicherheit um den Corona-Virus

Für uns in Europa war das keine echte Neuigkeiten. Unsere Marktzinsen sind schon seit Langem ultra-niedrig. In den USA hingegen waren Zinsen von 3 % für eine Laufzeit von 10 Jahren noch im vergangenen Jahr die Regel. Als dann die Pandemie kam und sich die Perspektive für die US-Wirtschaft wie auch für die Weltwirtschaft eintrübte, sackten die US-Zinsen massiv auf derzeit rund 0,5 % ab.

Damit war nach der Euro-Zone und Japan der letzte bedeutende Währungsraum vom Niedrigzins erfasst. Und hier gilt: Niedrige Zinsen unterstützen den Goldpreis.

Gleichzeitig sorgen die anhaltenden geopolitischen Spannungen zwischen China und den USA für Sorgen. Vor allem die handelspolitischen Spannungen plus Pandemie ist definitiv für den US-Dollar kein guter Cocktail. Derzeit steht die US-Währung im internationalen Handel folglich unter Abwertungsdruck. Allein gegen den Euro verlor der US-Dollar in den letzten 4 Wochen über 5 % seines ursprünglichen Wertes. Das ist viel Holz für den Währungsmarkt.

Das ist wahrscheinlich der zentrale Schubfaktor für das Edelmetall zur Zeit. Denn letztlich funktioniert Gold immer…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Goldpreis steigt über 2.000 Dollar – der große Durchbruch! Ziel 2.500 Dollar?

Claudio Kummerfeld

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Ein Stapel Barren aus Gold

Der Goldpreis hat (endlich?) den großen Sprung gemacht über die runde und damit psychologisch wichtige Marke von 2.000 Dollar. Ist damit charttechnisch der Weg frei für noch viel höhere Kurse, sogar Richtung 2.500 Dollar? Dazu später in diesem Artikel mehr. Oft kommt es vor, dass beim Durchbrechen großer runder Marken ein Rückfall unter diese Marke erfolgt, und erst danach der große starke Schub, der die Kurse viel höher bringt. So auch diesmal bei Gold? Mehrere Tage lang pendelte der Goldpreis um das Niveau von 1.975 Dollar herum.

Goldpreis bricht aus – die Gründe

Dann aber gestern Nachmittag sprang der Goldpreis über die Marke von 1.980 Dollar, und ist seitdem zügig am Klettern auf aktuell 2.033 Dollar. Das ist mal ein Zeichen. Viele Trader hatten vermutlich bei ihren Brokern knapp über der runden Marke von 2.000 Dollar sogenannte Kauf-Stop-Orders platziert, um beim Überschreiten der Marke eine Market-Kauforder auszulösen. Dies könnte den aktuellen Aufwärtsschub verstärken. Heute sehen wir, dass die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen gegenüber gestern von 0,56 Prozent auf 0,51 Prozent gesunken ist. Damit wird Gold in Relation zu anderen Anlageformen wie Staatsanleihen noch attraktiver! Auch wird derzeit über ein neues Rettungspaket in den USA spekuliert, was noch mehr Liquidität ins Finanzsystem bringen würde.

Auch das hilft Gold auf dem Weg nach oben. Natürlich schlummern im Hintergrund die eh schon bekannten Gründe für die Gold-Hausse, wie Negativzinsen, Gelddrucken ohne Ende, Inflationsängste usw. Wir können nur noch mal erinnern an die glasklare Analyse von Eugen Weinberg, wohl einem der besten Rohstoff-Experten in Deutschland. Vor allem die stark gestiegene Liquidität im gesamten Finanzsystem treibe Assets wie Gold an. Anfang dieser Woche zeigte der Goldpreis bereits Stärke, weil er nicht fiel, obwohl der US-Dollar deutlich am Ansteigen war. Nun wird die Hausse wohl durch die Hausse genährt. Anleger, die an der großen Marke von 2.000 Dollar gezweifelt haben, könnten sich nun genötigt fühlen doch noch aufzuspringen? Markus Krall äußerte sich letzte Woche auch zum Thema Gold. Der Pfad sei vorgegeben in Richtung Geldentwertung, also Inflation. Dies sei laut Markus Krall ein globaler Trend. Deswegen gebe es eine Flucht in Edelmetalle wie Gold, und auch in Kryptowährungen (hier die Details zu seinen Aussagen).

Aktuelle Analystenkommentare zu Gold

Ipek Ozkardeskaya von Swissquote meint, dass der Goldpreis aufgrund der anhaltenden Gespräche über fiskalische Stimulierungsmaßnahmen in den USA nun stark gestiegen sei, sowie der zunehmenden Bedrohung des Handelsabkommens zwischen den USA und China und der Explosion in Beirut. Bisher habe man nicht viele Gewinnmitnahmen beim jüngsten Vorstoß gesehen. Es werde interessant sein zu beobachten, wie sich die Anleger oberhalb der 2.000 Dollar-Marke verhalten. Entweder werde sich auf diesem Niveau eine solide Unterstützung aufbauen, die eine neue Grundlage für weitere Fortschritte bietet, wenn die Anleger ihre Absicherungen gegen die zunehmenden globalen Inflationsrisiken inmitten massiver geld- und fiskalpolitischer Stimuli erhöhen. Oder es gebe eine scharfe Korrektur nach unten, wenn spekulative Händler der Ansicht sind, dass nur noch wenig Potenzial für weitere Gewinne vorhanden ist, so Ipek Ozkardeskaya.

Naeem Aslam von Avatrade sagt aktuell, dass der Weg des geringsten Widerstands für Gold immer noch schief nach oben verlaufen ist, und es gebe genug Schwung, der den Goldpreis in Richtung der 2.500 Dollar-Marke treiben könne. Milan Cutkovic, Marktanalyst AxiTrader, sagt aktuell, dass der Goldpreis in seinem Anstieg kaum zu stoppen sei. Der Spot-Preis des Edelmetalls habe die psychologisch wichtige Marke von 2.000 US-Dollar durchbrochen, und es sei dank der Nervosität der Investoren und des schwachen US-Dollars kein baldiges Ende der Rally in Sicht.

Degussa-Chefvolkswirt und Gold-Experte Thorsten Polleit schreibt heute früh in einem Kommentar zum Anstieg im Goldpreis über die Marke von 2.000 Dollar, dass sich dafür eine Reihe von Gründen anführen lassen. So sei unter „Profis“ die Nachfrage nach physischer Ware weiterhin groß. Das würden zum Beispiel die erhöhten physischen Auslieferungen an der COMEX andeuten – die wiederum auf ein geringeres Vertrauen in „Papiergold“ schließen lassen. Weitere Aussagen von Thorsten Polleit im Wortlaut:

Zudem wird Gold von vielen Anlegern als „sicherer Hafen“ nachgefragt: Denn die Unsicherheit über die Folgen der politisch diktierten Lockdown-Krise baut sich langsamer ab als erwartet; die Sorge vor Instabilitäten im internationalen Finanzsystem nimmt zu; die Konfrontation zwischen den USA und China erzeugt neue geopolitische und ökonomische Risiken für die Weltwirtschaft.

Von ganz entscheidender Bedeutung ist jedoch die weltweite Geldpolitik: Die Zentralbanken setzen ihre inflationäre Geldpolitik fort, und die anschwellenden Geldmengen treiben die Güterpreise – die Konsumgüter- als auch die Vermögenspreise – in die Höhe. Eine Abkehr von dieser Geldpolitik, die die Kaufkraft der Währungen herabsetzt, ist nicht in Sicht – und das erhöht die Goldnachfrage.

Auf den Zinsmärkten bauen sich zudem Spekulationen auf, die US-Zinsen könnten – ähnlich wie im Euroraum – ebenfalls auf beziehungsweise unter die Nulllinie fallen. In den letzten Tagen sind die ohnehin bereits sehr niedrigen US-Zinsen noch weiter gefallen: Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe liegt derzeit bei 0,51 Prozentpunkten, die für 30-jährige Staatsanleihen bei 1,18 Prozentpunkten.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf seit Jahresanfang

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