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Märkte

Ölpreis stürzt ab – das Drama geht weiter, Lager und Trump im Fokus

Claudio Kummerfeld

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am

Beispielbild einer Öl-Pumpe

Der Ölpreis stürzte Montag mit minus 37 Dollar weit ins Negative. Was für eine Sensation. Dies war sogar so ungewöhnlich, dass auch die Reporter der ARD das komplexe Thema der Terminkontrakte bei Öl und des Wechsels von Mai auf Juni thematisierten. Gestern erwähnten wir es – von minus 37 auf plus 20 Dollar, was für ein Move! Am Terminmarkt ist der Mai-Kontrakt für WTI (West Texas Intermediate) in den USA nun endgültig ausgelaufen. Nach seinem Tief bei -37 Dollar sahen wir ein Plus von 20 im nächsten Kontrakt mit Liefertermin Juni. Und nun ist Juni auch der Front-Monat, also der wichtigste Monat, der am Aktivsten gehandelt wird, und auf dessen Preis auch die Kurse von CFDs, Zertifikaten etc berechnet werden.

Umstellung im Ölpreis von Mai auf Juni

CFD-Broker zum Beispiel synthetisieren die einzelnen Kontraktmonate sozusagen. Oder anders ausgedrückt: Sie basteln die einzelnen Monate aneinander, damit ein ständig fortlaufender Ölpreis im Chart dargestellt werden kann. Aber jedes Mal beim Wechsel auf den nächsten Monat sieht der Chart dann etwas komisch aus. Beim jünsten Super-Contango mit der riesigen Kurslücke zwischen Mai- und Juni-Kontrakt sieht der Chart dann aber extremst komisch aus. Im folgenden Chart endet der Absturz auf -37 Dollar bei glatt 0. Danach sehen wir gestern den Sprung von 0 auf 15 Dollar. Dies war der Zeitpunkt, wo der Juni als Front-Monat startete. Und was sehen wir, wenn wir abseits dieses Charts auf den Juni-Kurs der letzten Tage schauen?

Absturz im Öl geht weiter

WTI-Öl mit Lieferung Juni notierte letzten Freitag noch bei 25 Dollar, und sogar gestern früh noch bei 20 Dollar! Jetzt haben wir einen Ölpreis von um die 11 Dollar – bei sehr großen Schwankungen. Was für ein brutaler Absturz! Das bedeutet: Es gab die letzten Tage noch Optimismus an den Märkten, dass die Nachfragekrise bei Öl ganz kurzfristig extrem groß ist, und dass sie aber für die Folgemonate nicht mehr so schlimm ist. Aber nun sinkt der Ölpreis auch in den Folgemonaten dramatisch. Juni notiert wie gesagt bei 11 Dollar, Juli bei 18,47 Dollar, August bei 21,62 Dollar (hier eine Übersicht). Das Debakel ist also nicht zu Ende – es geht weiter, zumindest nach der aktuellen Meinung der Terminmärkte.

Trump hilft nicht – ganz im Gegenteil

Gestern verkündete Donald Trump voller Stolz, dass er eine Anweisung an zwei Minister erteilt habe, dass der US-Ölindustrie Hilfsgelder bereit gestellt werden soll. Was natürlich für die Arbeiter in dieser Branche gut ist, bedeutet aber: Diese Fracker, die zu viel Angebot auf den Markt spülen, scheiden nicht aus dem Markt aus, um somit für eine natürliche Regulierung zu sorgen. Nein. Schafft Donald Trump es wirklich Mittel in großem Umfang aufzutreiben, um den Frackern Zuschüsse oder Kredite zu gewähren, halten sie durch, um pumpen womöglich selbst bei einem derart niedrigen Ölpreis weiter. Das übt natürlich weiter Druck auf den Ölpreis aus, wenn die Angebotsmenge nicht deutlich sinkt.

API zeigt Weg für heutige Lagerbestände und weiter schwachen Ölpreis?

Gestern Abend wurden die privat erhobenen API-Daten für die Lagerbestände für Rohöl in den USA veröffentlicht. Sie steigen im Wochenvergleich um 13,2 Millionen Barrels. Also werden die heute um 16:30 Uhr veröffentlichten staatlichen Lagerbestände in den USA wohl auch weiter kräftig steigen? Die letzten zwölf Wochen sind sie durchgehend angestiegen – zuletzt letzte Woche um 19,2 Millionen Barrels. Die weiter steigenden Lagerbestände üben ebenfalls Druck auf den Ölpreis aus. Die Veröffentlichung heute um 16:30 Uhr könnte sehr wichtig sein für den weiteren Verlauf im Ölpreis diese Woche! Wichtig oder auch vielleicht völlig unwichtig: Die OPEC hat gestern erneut online getagt im kleinen Rahmen. Brainstorming der aktuellen Lage – kürzt man demnächst überraschend noch mehr Fördermenge? Man weiß ja nie… möglich ist alles dieser Tage. Aber so ein Meeting kann wie gesagt auch gar nichts bedeuten.

Analystenkommentar

Hier zitieren wir den ganz aktuellen Marktkommentar zu Öl von Milan Cutkovic, Marktanalyst bei AxiTrader. Zitat:

Andererseits war der Crash beim Ölpreis auch ein Realitätscheck für die Anleger, wie es um die Weltwirtschaft aktuell wirklich steht. Das Risiko für Investoren, die auf eine schnelle Erholung am Aktienmarkt setzen, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, bleibt hoch. Auch am Ölmarkt selbst ist mit weiteren Turbulenzen zu rechnen. Es könnte noch sehr lange dauern, bis sich die Nachfrage wieder einigermaßen stabilisiert, und die OPEC ist zurzeit ziemlich machtlos.

Ölpreis im Verlauf der letzten zehn Tage

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Andre Heber

    23. April 2020 23:50 at 23:50

    Das heißt das wir an der Zapfsäule demnächst ausgezahlt werden. Gut für „Schlucker“ mit grossen Tankvolumen.

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Die US-Wahl rückt immer näher – und die verschiedenen Märkte senden unterschiedliche Signale! Wer hat Recht – und wer liegt daneben? Eine Analyse der Lage

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Rüdiger Born: Gute Laune bei Dax und S&P 500 – Rücksetzer möglich?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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