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Warum Rohstoff-Fonds nicht auf Dauer funktionieren können!

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Vorsicht bei Rohstoff-Fonds

Rohstoff-Investments sind ein Trend. Rohstoffe sind nicht vermehrbar, der Verbrauch steigt – was soll hier also langfristig schief gehen? So denken viele Anleger und schwupps, ist der Öl-ETF gekauft. Doch schlimmstenfalls ist das Investment nach wenigen Monaten ein Totalverlust, obwohl der Ölpreis unverändert bleibt. Die Situation auf dem Ölmarkt zeigt, weshalb Rohstoff-Derivate ohne physische Lagerung des Rohstoffs auf Dauer nicht funktionieren.

Der weltgrößte Öl-ETF, der United States Oil Fund, hat trotz eines 71-prozentigen Kursverlusts in diesem Jahr 4,1 Milliarden US-Dollar Fondsvolumen. Seit der Auflegung des Fonds im Jahr 2006 verlor jeder Anteilsschein 93,7% seines Werts. Dass der Fonds trotzdem 4,1 Milliarden US-Dollar verwaltet, liegt an einem extremen Wachstum der ausgegebenen Anteilsscheine. Während der Ölpreis in diesem Jahr crashte, explodierte das Fondsvolumen. Gab es am 29. Februar 2020 erst 156,4 Millionen Anteilsscheine mit einem Fondsvolumen von 1,5 Milliarden US-Dollar, so sind es heute bereits 1,188 Milliarden Anteilsscheine. Die niedrigen Ölpreise haben also viele Anleger motiviert, ihr Geld in Öl-ETFs zu stecken. Doch haben diese Anleger auch bekommen, was sie erwarteten? Zum Beispiel Öl für -37 US-Dollar? Nein, haben sie nicht.

Der größte Öl-ETF dominiert den Terminmarkt

In was hat der Fonds sein Geld investiert? Er besitzt heute 137.000 Future-Kontrakte für WTI Öl an der NYMEX mit Fälligkeit im Juni, weitere 29.000 mit Fälligkeit im Juli sowie 21.000 und 5.000 Kontrakte gleicher Fälligkeiten an der ICE. Damit besitzt der Fonds mehr als 10% aller an der NYMEX gehandelten Juni-Futures und rund 20% der an der ICE gehandelten Kontrakte. Gestern war das Verhältnis noch katastrophaler, als der Fonds an der NYMEX ein Viertel aller verkauften Juni-Kontrakte besaß.

Für Anleger von Rohstoff-Fonds ist das ein riesiges Problem. Denn der Markt weiß ganz genau, dass diese Fonds all diese Futures auf jeden Fall in wenigen Wochen verkaufen MÜSSEN. Um jeden Preis. Wenn der Markt weiß, dass einige der größten Futurekäufer um jeden Preis verkaufen müssen, ist das ein ganz schlechtes Vorzeichen für die Preise, die die Fonds beim Verkauf realisieren können.

Der Benchmark des Fonds ist der jeweils nächstfällige Future-Kontrakt. Und diesem Preis folgt der Fonds sehr genau, indem er genau diese Futures in Massen kauft. Das Problem ist nur, dass dieser Benchmark nicht das reflektiert, was sicherlich viele Anleger annehmen. Es ist nicht der Ölpreis, den wir jeden Tag als „den Ölpreis“ auf diversen Kurs-Webseiten angezeigt bekommen. Angezeigt wird uns heute ein WTI-Preis von 4,39 US-Dollar. Doch schon der Juni-Kontrakt kostet 13,41 US-Dollar.

Welche Bedeutung hat diese Preisdifferenz? Ganz einfach: Der Rohstoff-Fonds kann bei Future-Fälligkeit kein Rohöl in physischer Form entgegen nehmen. Er besitzt keine riesigen Tanks, in denen er das Öl für die Fondsanleger lagern könnte. Der Fonds besitzt lediglich ein Bankkonto, mit dem Futures gekauft werden. Das heißt auch, dass der Fonds ständig fällige Futures verkaufen und neue Futures mit längerer Laufzeit kaufen muss, rollen genannt. Wenn der Fonds jetzt vom Mai- in den Juni-Kontrakt rollt, entsteht ein Verlust von 9,02 US-Dollar pro Future-Kontrakt. Der Fonds hat aber nicht heute gerollt, da heute der letztmögliche Handelstag für den Future ist. Was er heute nicht verkaufen könnte, würde ein enormes Problem darstellen. Die Fondsgesellschaft müsste dann Rohöl in Cushing abholen gehen.

Zum Glück hat der Fonds weder heute noch gestern gerollt, sondern bereits zwischen dem 7. und 13. April. Damals war der Preisabstand zwischen dem Mai- und dem Juni-Kontrakt zwar auch schon groß, jedoch nicht so katastrophal hoch wie heute oder gestern. Geld, das Anleger gestern bei -37 US-Dollar pro Barrel in den Fonds steckten, floss damit aber auch nicht in den Mai-Kontrakt, der -37 US-Dollar kostete. Es floss in den Juni-Kontrakt, der gute 50 US-Dollar mehr kostete.

So schnell halbiert sich das Fondsvermögen in vier Wochen!

Im Mai, wenn der nächste Future-Kontrakt fällig wird, kann sich das Desaster dieser Woche wiederholen. Wenn auf einmal alle Future-Besitzer auf Teufel komm raus verkaufen müssen, weil sie kein physisches Öl lagern können, kann der Preis genauso in die Tiefe rauschen wie in diesem Monat. Im schlimmsten Fall könnte der Fonds einen Totalverlust darstellen, weil er für die heute teuer gekauften Juni-Kontrakte nicht nur kein Geld mehr bekommt, sondern beim Verkauf sogar noch Geld nachschießen muss.

Aber selbst wenn der Fonds noch zu positiven Preisen verkaufen könnte, wird die Rolle teuer. Zahlt der Fonds monatlich 10 US-Dollar pro Barrel, um in den nächstfälligen Kontrakt rollen zu können, sind das bei 192.000 Kontrakten a 1.000 Barrel 1,92 Milliarden US-Dollar oder knapp die Hälfte des Fondsvermögens.

Kaufen Sie Rohstoffinvestments nur mit physischer Lagerung!

Rohöl zeigt derzeit, weshalb Rohstoff-Derivate auf Dauer nicht funktionieren können, wenn sie den abgebildeten Rohstoff nicht tatsächlich in physischer Form besitzen. Die Abbildung mittels Futures führt zwangsläufig irgendwann dazu, dass die Rollkosten das Fondsvermögen auffressen. Nämlich immer dann, wenn es eine akute Überversorgung mit dem Rohstoff gibt, die den Preis für sofortige Abnahme in die Tiefe drückt.

Die Probleme, die Ölkäufer derzeit am Futuremarkt haben, sind übrigens genau die Kehrseite der Probleme, die Goldverkäufer zur gleichen Zeit haben. Während die Käufer von Ölfutures KEINE physische Lieferung annehmen können und diese durch den Futureverkauf um jeden Preis vermeiden müssen, wollen viele Käufer von Goldfutures auf jeden Fall EINE Lieferung. Darum stieg beim Gold der Preis für sofortige Lieferung signifikant über den Preis für spätere Lieferung, während beim Öl der Preis für sofortige Lieferung ins Bodenlose stürzte, der Preis für Lieferung in der Zukunft aber relativ stabil bleibt. Beim Gold besteht aktuell Mangel, bei Öl aktuell Überversorgung. Doch für die nahe Zukunft geht der Markt davon aus, dass sich beide Situation entspannen werden. Im Vorteil sind jetzt diejenigen Marktteilnehmer, die Gold liefern und Öl lagern können. Beide machen das Geschäft ihres Lebens.

Übrigens: Im Falle von Gold zählen die Käufer der Gold-Derivate nicht zu den Verlierern. Verkauft ein Gold-Fonds seine bald fälligen Futures und kauft dafür Futures mit weiter in der Zukunft liegender Fälligkeit, entsteht ein Rollgewinn. Ob die Chance auf diese Rollgewinne jedoch das Risiko aufwiegt, dass sich das Fondsvolumen bei einer einzigen Rolle halbiert, bezweifle ich.

15 Kommentare

15 Comments

  1. Avatar

    frank

    22. April 2020 11:47 at 11:47

    Sehr geehrter Herr Schuhmanns,

    vielen Dank für diesen und all die anderen Beiträge zu Öl. Ich hab auch „blind“ in diverse Öl-Zertifikate investiert, die den Ölpreis 1:1 abbilden. Die genaue Funktionsweise dieser Derivate war bzw. ist mir immer noch nicht ganz klar. Ich möchte deshalb ein selbstausgedachtes Beispiel beschreiben, mit der Bitte um Bewertung.

    Angenommen, ich investiere heute 1 Mio. EUR in einen Öl Juni-Kontrakt zu 10 EUR, dann halte ich 100 Tsd. Stück. Diese muss ich am Laufzeit Ende verkaufen und das Geld dann wiederum in den nächsten Juli-Kontrakt investieren, also „rollen“. Angenommen der Juni-Kontrakt steht zum „Roll-Termin“ bei nur mehr 5 EUR, verliere ich 500 Tsd. EUR. Diese 500 Tsd. EUR muss ich nun wieder in den teureren Juli-Kontrakt reinvestieren. Wenn der Juli-Kontrakt dann beispielsweise bei 10 EUR steht, verliere ich wiederum usw. Ich verliere also kontinuierlich Geld, sollten sich die Kurse nicht irgendwann erholen. Irgendwann ist das Geld aufgebraucht.

    Hab ich das so richtig verstanden?

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    thinkSelf

    22. April 2020 12:29 at 12:29

    Das ist genau das Problem mit Derivaten. Werden sie als Preisabsicherungsinstrument für reale Güter eingesetzt, machen sie Sinn. Denn damit kann ich mein reales Geschäft gegen unvorhersehbare Preisschwankungen „versichern“ und dadurch notwendige Planungssicherheit erzeugen.

    Gehe ich aber den Weg der rein finanziellen Erfüllung (das war das eigentliche Ziel der „Finanzmarktderegulierungen“), dann wird das Derivatgeschäft von der Realwirtschaft abgekoppelt und es entsteht eine Art Wettbüro. Bei Wettbüros und Pokerrunden ensteht aber kein Gewinn, sondern das eingesetzte Geld wird im Rahmen eines Nullsummenspiels nur zwischen den Teilnehmern umverteilt. Weshalb der ein oder andere durchaus mal 6 Richtige mit Zusatzzahl ziehen kann, aber in Summe steht immer ein Verlust.

    Gegenüber einem „normalen“ Wettbüro hat das Derivategeschäft allerdings den Vorteil das man gerne mal „ausgebailt“ wird. Das heißt die Verlierer der Runde gehen auf die Straße und prügeln die Verluste aus den zufällig vorbeikommenden Passanten raus. Und werden dabei auch noch von der Polizei unterstützt. Natürlich nur wenn sie „systemrelevant“ sind. Also zur Hot Wolle gehören.

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    Segler

    22. April 2020 12:33 at 12:33

    Danke Herr Schumanns. Es bleibt zu hoffen, dass Ihre Zeilen möglichst viele Leser erreichen.
    Für die Fundsbranche ist es ein gigantisch gut laufendes Geschäftsmodell. Die Gebühren sind eine wahre Cash Cow. Multiplizieren Sie diese spasseshalber einmal mit der Zahl der gehandelten Anteile ;-)
    Informierte Menschen, welche die Eigenarten von Rohstoffmärkten durchschauen und damit die prinziellen Nachteile solcher Funds kennen, sind nicht im Interesse jener Branche.
    Frank zumindest hat es verstanden.

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    Jörg Fichl

    22. April 2020 22:13 at 22:13

    Ich sehe es nicht so extrem – diese Fonds haben einen „integrierten Hebel“ durch den Rollover, sind von daher sehr spekulativ, aber gerade in Ausnahmesituationen wie derzeit können sie Sinn machen – irgendwann wird sich der Ölpreis wieder in normaleren Bahnen bewegen, und für spekulative Anleger, die sich nicht auf das Risiko Futures einlassen wollen oder können bieten sie eine interessante Option.

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    Johannes

    23. April 2020 12:46 at 12:46

    Ich hätte da mal eine Anmerkung zu Futures zu machen. Wenn man das Beispiel von Frank nimmt mit 100.000 Kontrakten mit aktuellem Future-Kurs 10 EUR, heißt das nicht, dass man beim Kauf eines Futures (ein Long-Opening) 1 Mio EUR zahlt. Man zahlt eine gewisse Gebühr, die einen Bruchteil des Kurswerts beträgt und muss eine Initial-Margin hinterlegen, die das Risiko für den nächsten Tag absichert. Diese Initial-Margin ist aber nicht weg, die bekommt man nach dem Closing des Futures wieder zurück. Dann gibt es jeden Tag eine Gewinn- und Verlustverrechnung. Angenommen der Kurs fällt am nächsten Tag auf 8 EUR. Dann zahlt man im obigen Fall (10-8)*100.000 = 200.000 EUR an den Kontrahenten. Steigt der Kurs auf 12 erhält man entsprechend (12-8)*100.000 = 200.000 EUR. Das ist die sogenannte Variation-Margin. Per Saldo gewinnt bzw. verliert man letztlich über die Haltedauer die Differenz (Closing-Kurs – Opening-Kurs)*100.000. Rollgewinne oder -verluste haben nichts mit den Kursen von Kontrakten zu verschiedenen Verfallterminen zu tun, sondern nur wie sich der Kassapreis im Vergleich zum Futurepreis des gehaltenen Kontrakts entwickelt. Wenn ich den alten Kontrakt zu Kurs x schließe und den neuen Kontrakt zu y öffne, hat das Verhältnis von x und y nichts mit den Rollgewinnen oder -verlusten zu tun.

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      Segler

      23. April 2020 16:08 at 16:08

      @Johannes. Mit Ihrer Berechnung haben sie recht solange Sie INNERHALB des jeweiligen Kontraktes bleiben und INNERHALB seines Zeiraumes Kursdifferenzen nutzen im Sinne von Daytrading oder Swingtrading.
      Sobald sie längerfristig investieren und von einem Anstieg des Ölpreises profitieren wollen – sei es direkt mit Futures oder mit Hilfe eines Funds – MÜSSEN sie rollen.
      Im aktuellen Fall des Öls haben sie dann einen erheblichen Rollverlust.
      Einem Kurzfristhändler ist die Strukturkurve natürlich egal.

      • Avatar

        Johannes

        23. April 2020 17:04 at 17:04

        Ich versuche es noch mal mit einem Beispiel (jeweils nur ein Kontrakt):
        Ich mache eine Opening zum Verfall Juni am 15.4.2020 zum Kurs 10
        Ich mache eine Closing zum Verfall Juni am 15.5.2020 zum Kurs 5
        Und rolle in den nächsten Verfall
        Ich mache eine Opening zum Verfall Juli am 15.5.2020 zum Kurs 50
        Ich mache eine Closing zum Verfall Juli am 15.6.2020 zum Kurs 46
        Dann habe ich per Saldo
        (5-10) + (46-50) = -9
        also einen Verlust von 9.
        Den vielfach unterstellten Verlust von 5-50 beim Rollen (Kurse vom 15.5.2020 im neuen und alten Verfall) gibt es nicht.
        Wenn der Kassa-Kurs (also der Preis des physischen Rohstoffs) am
        15.4.2020 = 8 und am
        15.5.2020 = 6 wäre
        hätte ich im Juni-Verfall einen Rollverlust da -5 -6.
        Der Rollgewinn /-verlust bezieht sich immer auf den Vergleich zum Kassamarkt.

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        Lausi

        23. April 2020 22:49 at 22:49

        Mal eine Frage, @Segler: Wenn man in Öl längerfristig investieren/spekulieren will, so kann man doch auch einen Future kaufen, der z.B. erst im Jahr 2021 fällig wird, oder? Diese Future werden doch jetzt auch schon gehandelt. Wo ist da der Nachteil? Das da der Preis bei 30$ und nicht bei 20$ liegt? Danke für eine Antwort!

        • Avatar

          Segler

          24. April 2020 09:44 at 09:44

          Ja was denn nun ? – Investieren ODER Spekulieren ?
          Investieren heisst: Ich kaufe mich in Unternehmen ein und erwarte langfristig einen kontinuierlichen Gewinn und Anstieg des Unternehmenswertes.
          Dies basierend auf der Annahme einer global steigenden Bevölkerung mit ebenso steigenden Umsätzen, Prosperität, Innovation und gegenseitigem Befruchten.
          Als Beispiel im Aktienmarkt kaufen Sie einen Anteil an Coca Cola oder Johnson&Johnson.
          In den Rohstoffmärkten gibt es dieses Prizip nicht !
          Hier sprechen wir von Produkten, die in folgender Reihenfolge
          1.) hergestellt/gefördert/gezüchtet/angebaut werden
          2.) Verpackt/gelagert/transportiert/ werden müssen
          3.) Umgewandelt werden (z.B. in Treibstoff/Nahrung/Kleidung …)

          Alle Rohstoffe werden verbraucht ! (Ausnahme ist zum Teil Gold)
          Es sind range Märkte. Sie bewegen sich in einer Bandbreite
          Es gibt keine kontinuierliche langfristige Steigerung des Preises und keinen Gewinn wie bei z.B. Dividenden
          In manchen Märkten gibt es sogar jahrzehntelangen Preisverfall (Gas, Schweine)
          Fazit:
          Rohstoffe sind prinzipiell nicht geeignet zum Investieren !
          Rohstoffe sind prinzipiell für kleine Händler wie wir, nur fürs Trading geeignet

          Wer anderes behauptet, der hat entweder das Prinzip von Rohstoffmärkten nicht verstanden, oder er will Ihnen ein (langfristig für Sie als Käufer sinnloses) Produkt verkaufen, welches für ihn ein Riesengeschäft ist.
          Ein Öl-ETF von der bnp beispielsweise oder den bekannten US Öl Fund USO.
          Sie können es drehen und wenden wie Sie wollen: Ein „Investieren“ in Rohstoffen gleicht dem Glauben an ein perpetuum mobile.
          Beim Thema Trading (Ausnutzen von Trends, Preisdifferenzen, Volatilität, Wetter, Lagerhaltung) wird es dagegen schon spannender.
          Rohstoffmärkte eignen sich hervorragend zum traden – besser als die Aktienmärkte. Aber das ist ein anderes Thema

          • Avatar

            Lausi

            24. April 2020 10:30 at 10:30

            Danke für die Antwort! Mit dem was du sagst (wir waren schon mal beim Du :-) ), hast du sicherlich recht. Für mich ist eine Unterscheidung von spekulieren/investieren auch eine Frage des Zeithorizontes, wo die Grenze nicht genau festgelegt werden kann. Auch in Rohstoffen können sich längerfristige Trends ausbilden, die vielleicht über Jahre anhalten. Von mir aus ist das dann eine Langfrist-Spekulation :-)

            Du bist aber nicht auf meine Frage über den Kauf von Öl-Futures, die erst weit in der Zukunft fällig werden, eingegangen (s. meinen vorhergehenden Post). Danke für eine Antwort.

        • Avatar

          Segler

          24. April 2020 11:08 at 11:08

          Hallo Lausi, Natürlich kannst Du weiter entfernt liegende Futures handeln.
          Einerseits nicht unclever, weil Du damit in den Bereich flacheren Contangos kommst. Andererseits hast Du dort nur geringe moves.
          Zudem ist die Liquidität gering, die Spreads breiter …
          Für mich wäre das Hauptproblem die mangelde Liquidität in den Optionen und durch den langen Zeitabstand kaum mehr rollen zu können.
          Ausserdem:
          Die Informationen aus den Commitments (CoT Daten), der Einfluss der Terminstrukturkurven, die Sentimentindizes, Volumenprofile, Peaks, Spikes, die Beurteilung der Dynamik etc. betreffen fast nur den ersten bis dritten Kontrakt.
          Für die entfernt liegenderen Monate muss man sich mit wessentlich weniger Informationen begnügen.

          • Avatar

            Lausi

            24. April 2020 20:15 at 20:15

            Danke für die Aufklärung!

  6. Avatar

    Johannes

    23. April 2020 13:11 at 13:11

    Es muss natürlich (12-10)*100.000 heißen in meinem Posting von oben.

  7. Avatar

    Johannes

    23. April 2020 17:08 at 17:08

    Irgendwie war ein Teil vom Beispiel weg:
    Wenn der Kassa-Kurs (also der Preis des physischen Rohstoffs) am
    15.4.2020 = 8 und am
    15.5.2020 = 6 wäre
    hätte ich im Juni-Verfall einen Rollverlust da -5 -6
    Der Rollgewinn /-verlust bezieht sich immer auf den Vergleich zum Kassamarkt.

  8. Avatar

    Johannes

    23. April 2020 17:09 at 17:09

    Das Textfeld mag wohl keine „kleiner“ und „größer“ Zeichen :-(

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Gold/Silber

Warum der Goldpreis erneut abheben wird

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Mehrere Barren Gold

Eine V-förmige Erholung der Weltwirtschaft bis zum Jahresultimo ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist ein erneuter Einbruch im Herbst und Winter. Dies gilt auch für die USA. Die aktuelle US-Dollarstärke ist daher von temporärer Natur. Die Geld- und Fiskalpolitiker werden zu weiteren desperaten Maßnahmen gezwungen. Der Goldpreis wird dadurch neue Impulse erhalten.

Steht der Goldpreis vor einer Wiederholung des März-Musters?

Aktuell steht der Goldpreis wegen einer Mischung aus Gewinnmitnahmen, US-Dollarstärke und dem Glauben an eine weitere Erholung der Wirtschaft, v. a. in den USA, unter Druck. Rein charttechnisch wäre selbst eine Korrektur bis in den Bereich von 1.860 US-Dollar für den Goldpreis unproblematisch. Natürlich könnte der Goldpreis nochmals stärker einbrechen, so wie im März dieses Jahres. Aufgrund der bereits vollzogenen Maßnahmen der Notenbanken ist eine Liquiditätsklemme in einem Ausmaß wie im Frühjahr 2020 aber eher unwahrscheinlich. Die Marktteilnehmer wissen nun, dass die Geldpolitiker rund um den Globus bereit sind, All-in zu gehen, um den globalen Konjunktur-Super-GAU abzuwenden. Aktuell ist lediglich ungewiss, ab wann die Finanzpolitik und die Geldpolitik erneut der Wirtschaft unter die Arme greifen muss.

Chart zeigt Kursverlauf des Goldpreis in US-Dollar

Fakt ist, dass die Erholung in Deutschland und Europa seit August bereits wieder an Schwung verliert. Die Bundesbank warnte erst am Montag in ihrem Monatsbericht vor einer deutlichen Verlangsamung der Erholungsdynamik der deutschen Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf. So hätte zuletzt der Zufluss an Neuaufträgen spürbar nachgelassen – sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor. Das Vorkrisenniveau des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) dürfte im Herbst „noch erheblich unterschritten werden“, so die Bundesbanker. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet für Deutschland mit einem BIP-Rückgang in 2020 in Höhe von 5,4 Prozent und für die gesamte Eurozone sogar in Höhe von -7,9 Prozent. Die OECD schließt ein nochmaliges Abnicken der weltweiten Konjunktur im vierten Quartal 2020 in Folge einer zweiten Pandemie-Welle ebenfalls nicht aus (OECD-Grafik: Double-hit Scenario).

Auch der Direktor der Europäischen Zentralbank (EZB) Fabio Panetta stellt am Dienstag in seiner Rede „Asymmetric risks, asymmetric reaction: monetary policy in the pandemic„ in Frankfurt klar: „Die Risiken einer geldpolitischen Überreaktion sind viel geringer als die Risiken, dass die Geldpolitik zu langsam oder zu zögerlich reagiert und das schlimmste Szenario Wirklichkeit wird“.

Pandemie 2.0

Mit dem „Schlimmsten Szenario“ meint Panetta, dass der Herbst und damit die Erkältungssaison gerade erst begonnen haben, dennoch steigen die Infektionszahlen mit Covid-19 in Europa bereits jetzt in Richtung neuer Rekordstände an. Die Sorgen vor einer zweiten Pandemiewelle in den nächsten Wochen und Monaten sind also nicht unbegründet.

Aktuell werden weltweit neue Rekordniveaus bei den Neuansteckungen mit dem SARS-CoV-2 Virus gemeldet. Der Staat Israel befindet sich bereits im zweiten Komplett-Lockdown für zunächst drei Wochen. Frankreich, Spanien, Tschechien, Großbritannien, Russland und Österreich vermelden einen sprunghaften Anstieg der Corona-Fälle auf zum Teil neue Rekordstände. Auch in Deutschland beginnen die Fallzahlen wieder zu steigen, trotz noch warmer und trockener Witterungsverhältnisse.

Zwar entwickelt sich die Sterberate weniger dynamisch als im Frühjahr, dennoch sind verschärfte Einschränkungen des öffentlichen Lebens bis hin zu weitgehenden Lockdowns in Europa und mit zeitlicher Verzögerung eben auch wieder in den USA, Kanada und Lateinamerika wahrscheinlich.

Kommt es dazu, wäre eine Pleitewelle im Herbst und Winter in den am stärksten betroffenen Branchen kaum abzuwenden. Panetta und seine Kollegen in den großen Notenbanken dieser Welt wissen um dieses Risiko, das sich auch im nach wie vor hohen Goldpreis widerspiegelt.

Auch auf Ebene der Regierungen ist man sich dieses Risikos bewusst. Auch wenn dieses Bewusstsein regelmäßig durch Jubelmeldungen einzelner Politiker und „adjustierter“ Statistiken kontrastiert wird. Fakt ist, dass die in Rekordhöhe verschuldete Weltwirtschaft bereits stark angeschlagen ist und nur mit extrem unkonventionellen Maßnahmen der Notenbanken und einer weiteren starken Schuldenexplosion die Pandemie überleben wird. Die finanziellen Restriktionen durch die Abschaffung des Zinses sowie realer Negativzinsen bleiben damit auf unbestimmte Zeit erhalten. Ebenso wie die unlimitierte Finanzierung dieser Schulden via Geldschöpfung aus dem Nichts durch die digitalen Notenpressen mit in der Folge explodierender Geldmengenaggregate.

Die momentane Zurückhaltung der Geldpolitiker bezüglich weiterer unkonventioneller Maßnahmen, die auch ein Grund für die Konsolidierung beim Goldpreis ist, erklärt sich vor allem durch die hohe Bewertung der Aktienmärkte, die sich nach wie vor in einer liquiditäts- und zinsgbedingten Blase befindet. In den USA ist diese Zurückhaltung zusätzlich durch die geldpolitische Stillhalteperiode kurz vor der Wahl am 3. November bedingt.

Dennoch fordern auch hochrangige US-Notenbanker wie der Fed-Chef Jerome Powell zusätzliche finanzpolitische Stimuli, denn auch in den USA steigen die Neuinfektionen wieder an: So wurde am 7. September ein zyklischer Tiefstwert von 25.435 neuen Covid-19-Fällen verzeichnet – am vergangenen Freitag waren es mit 51.398 bereits mehr als doppelt so viele.

Die jüngste US-Dollarstärke, die mitverantwortlich für den Rückgang beim Goldpreis ist, beruht jedoch auf der Annahme, dass primär Europa von einer zweiten Pandemie-Welle erfasst wird. Die ökonomischen Schäden dürften jedoch in den USA im Herbst und Winter deutlich stärker zutage treten. Dies liegt vor allem an der Selbstblockade des US-Kongresses bezüglich eines weiteren dringend benötigten Konjunkturpakets. Aufgrund der auch ideologisch verhärteten Fronten wird diese gegenseitige Blockade sehr wahrscheinlich über den Wahltermin hinaus fortbestehen. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls nicht absehbar, dass die Demokraten oder die Republikaner die Mehrheit in beiden Kammern des US-Kongresses erhalten (Senat und Repräsentantenhaus).
Darüber hinaus verfügen die USA über ein weniger engmaschiges sozialen Netz, dass Betroffene durch Transferleistungen nicht so gut auffängt wie z. B. in West- und Nordeuropa. Gleichzeitig basiert die US-Wirtschaft zu 67,2 Prozent auf Konsum, der wiederum stark abhängig vom Masseneinkommen ist.

Propaganda versus Realität

Auffällig ist, dass sich die Prognosen zum weiteren wirtschaftlichen Verlauf immer stärker spreizen. So trafen in dieser Woche neue Berichte aus Deutschland über Massenentlassungen und Standortschließungen von Airlines, Banken, Touristik-, Automobil- und Chemiekonzernen auf Jubelmeldungen von Wirtschaftsforschungsinstituten und Politikern.

Erst heute widersprachen sich auch in den USA anlässlich einer turnusmäßigen Anhörung im US-Repräsentantenhaus der Finanzminister Steven Mnuchin und US-Notenbankchef Jerome Powell diametral. Mnuchin schwärmte gegenüber den Abgeordneten von einem bevorstehenden Boom der US-Konjunktur im vierten Quartal. Powell hält hingegen weitere staatliche Stimuli für notwendig und wird auf Jahre hinaus nicht von der im Frühjahr implementierten Krisenzinspolitik abrücken.

Hierzulande spricht das ifo-Institut von einer deutlich besseren Stimmung sowie einer V-förmigen Erholung der Wirtschaft, währen die Bundesbank gleichzeitig von rückläufigen Aufträgen in der Industrie und im Dienstleistungssektor spricht. Was ist nun Realität?

Viel wird von dem weiteren Verlauf der Pandemie abhängen. Doch es gibt auch harte Fakten, die an der V-förmigen Erholung mehr als zweifeln lassen. So verzeichneten die Löhne in der Bundesrepublik Deutschland im zweiten Quartal dieses Jahres den stärksten Rückgang seit Beginn der Datenerhebung durch das Statistische Bundesamt in Wiesbaden im Jahr 2007 und damit noch stärker als während der Weltfinanzkrise.

Es stellt sich daher die Frage, welche Branchen in Deutschland den angerichteten ökonomischen Schaden in anderen Branchen überkompensieren können, sodass eine V-förmige Erholung möglich ist. Zumal 46,9 Prozent der deutschen Güter und Dienstleistungen exportiert werden. Die Pandemie ist bekanntlich ein weltweites Phänomen und die Weltwirtschaft insgesamt deutlich im Rückwärtsgang.

Ein Blick zurück zur Weltfinanzkrise ist bei der Beantwortung dieser Frage hilfreich. Damals wurde ebenfalls von der Krise als Chance schwadroniert. Schaut man sich an, wo die Weltwirtschaft heute steht, dann sind die politischen Parolen aus der Finanzkrise und der Jahre danach nichts weiter als hohle Phrasen. Die Notfallpolitik der Notenbanken hat seitdem nie geendet. In den USA war das Experiment der „Zinsnormalisierung“ von kurzer Dauer und endete ebenfalls bereits vor Jahresfrist und noch ohne Covid-19. Die Staatsverschuldung und die Gesamtverschuldung haben weltweit neue Dimensionen erreicht, wohlgemerkt im Jahr 2019. Seitdem sind die privaten und öffentlichen Schuldenstände förmlich explodiert.

Wie angesichts des noch gar nicht bezifferbaren Schadens die Politik erneut zu der Prognose kommt, dass nach dieser Krise alles besser und gestärkter sei, ist anhand der Erfahrung aus der Finanzkrise nicht nachvollziehbar. Wozu braucht es permanente Notfallmaßnahmen, wenn das Finanzsystem angeblich so stabil ist? Wozu weitere Konjunkturprogramme, wenn die Wirtschaft angeblich wieder boomt? Wozu eine Verlängerung und Aufstockung des Kurzarbeitergeldes, wenn der deutschen Wirtschaft angeblich eine V-förmige Erholung gelingt?

Um es mit den Worten des großen deutschen Dichters und Denkers Johann Wolfgang von Goethe zu sagen: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“.

Das Spiel mit stimmungsaufhellenden Versprechungen können für die politischen Protagonisten gefährlich werden und neben ökonomischen Verwerfungen auch zu gesellschaftlichen Verwerfungen führen. Die verantwortlichen Politiker brauchen sich dann nicht zu wundern, warum ihnen und allzu unkritischen Medien der laxe Umgang mit der Wahrheit noch vehementer vorgeworfen wird. Auch deshalb ist mittelfristig von einem weiter ansteigenden Goldpreis als Pendant zu den Fiat-Währungen auszugehen, die politischer Willkür ausgesetzt sind.

Fazit

Der Goldpreis wird auch zukünftig von dem Dilemma der Politik angetrieben werden, entweder die Defizite auf staatlicher Ebene zu reduzieren und damit, wie von den Notenbankern zurecht befürchtet, eine tiefe Rezession auszulösen oder aber den Weg der dynamischen Neuverschuldung auf globaler Ebene mithilfe der Notenbanken weiterzugehen.

Wenn man bedenkt, dass das Motto „Kick the can down the road“ das politische Handeln bisher bestimmte, ist im Herbst und Winter eine neue Runde fiskal- und geldpolitischer Lockerungen mit allen Nebenwirkungen inkl. einem wieder steigenden Goldpreis überaus wahrscheinlich. Bleiben die zusätzlichen Stabilisierungsmaßnahmen jedoch aus, steht die Weltwirtschaft im Zuge einer zweiten Pandemie-Welle vor einem katastrophalen Rückschlag, was ebenfalls den sicheren Hafen Gold an Attraktivität für Anleger gewinnen lassen würde.

Aus diesem Grund gibt es keinen Anlass, das monetäre Edelmetall als alternative Weltleitwährung vorzeitig abzuschreiben oder ein Szenario beim Goldpreis wie nach dem Abflauen der Finanzkrise ab 2011 mit jahrelangen Rückgängen zu erwarten.

Der ökonomische Schaden ist bereits angerichtet. Ein Zurück gibt es für die Geldpolitik schuldenbedingt schon lange nicht mehr und die zweite Pandemie-Welle ist keine Prognose, sondern bittere Realität.

Zusätzlich erwartet die Märkte und die gesamte Welt ein weiterer Unsicherheitsfaktor: die US-Präsidentschaftswahlen. Von einem klaren Ergebnis über einen langen Streit der Parteien vor Gericht bis hin zu einer Verfassungskrise ist alles möglich. Dies spricht tendenziell eher gegen den US-Dollar und für Gold.

Disclaimer

Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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Klarer Trend: Die Risiken nehmen weltweit zu – Werbung

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Lieber Börsianer,

was ist in dieser Frage eigentlich Ihre Meinung? Wird die Welt, wird unser Lebensumfeld nicht pausenlos gefährlicher? Denken Sie einmal an den Klimawandel oder an die Corona-Pandemie! Oder stellen Sie sich einmal vor, in Deutschland fällt das Internet nur für zwei Stunden aus? Die Konsequenzen für unser digitalisiertes Leben wären verheerend. In den Städten würden die Verkehrsleitsysteme kollabieren, viele Ampelanlagen würden nur noch blinken, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Tatsächlich aber ist unser Leben nicht gefährlicher als früher. Auch zu Kaisers Wilhelms Zeiten kannte die Menschheit schon Naturkatastrophen, Finanzkrisen oder etwa Krieg und auch Terrorismus.

Trotzdem haben wir in den letzten Jahren einen fundamentalen Wandel erlebt, der für uns alle, für Unternehmen und sogar für Staaten eine neue bisher unbekannte Risikodimension bedeutet.

Ein plattes Beispiel: Wenn vor hundert Jahren der Busch in Kalifornien brannte, was er auch damals schon tat, wurden einige Blockhütten vernichtet. Wenn dort heute Waldbrände wüten, sind Städte und große Unternehmensanlagen im Milliardenwert bedroht. Und das ist der springende Punkt: Die Gefahr war immer schon da, nur das Risiko des erheblichen Vermögensverlustes war weit geringer.

Heute sind durch eine Wetterkatastrophe, eine Pandemie oder auch eine Finanzkrise immer gleich Milliardenwerte bedroht. Vor diesem Hintergrund haben sich schon Ende des vergangenen Jahrhunderts Dienstleister oder Unternehmen mit der Risikoanalyse befasst. Ein bekanntes Unternehmen dieser Branche ist etwa der US-Risikoanalyst Moody´s, der sein Geld vorwiegend in der Finanzbranche verdient. Daneben bieten Unternehmen wie SAP, Oracle oder IBM verschiedene punktuelle Risikomodelle für Ihre Unternehmenskunde an.

Alle diese Unternehmen rechnen US-Investoren dem „Global Risk Market“, also dem Markt für Risikoanalyse zu. In Europa ist dieses spannende Segment leider noch wenig bekannt und etwas unterbelichtet. Das ist schade, denn dieses Segment wächst seit Jahren ganz erheblich und vor allem sehr stetig, wie Sie sich sicherlich ausmalen können.

Warum diese Aktie praktisch immer steigt

Mein persönlicher Favorit aus diesem Marktsegment ist ein US-Unternehmen, dass seine Wurzeln ursprünglich in der Versicherungsbranche hat. Damals schlossen sich die großen US-Versicherer und Warren Buffett zusammen, um quasi eine eigene Risikoabteilung zu gründen, da Versicherungsrisiken zunehmend schwieriger zu kalkulieren waren. Das Unternehmen sammelte zunächst Daten und entwickelte schließlich ein einzigartiges Prognosemodell, damit Versicherungsrisiken prognostizierbar wurden.

Heute arbeitet der Risikoanalyst auch für Banken und zählt ausnahmslos alle westlichen Kreditkarten-Unternehmen zu seinen Kunden. Wir alle haben in der Finanzkrise erfahren, was passiert, wenn Finanzdienstleister ihre…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Aktien

Tesla: Elon Musk enttäuscht, Aktie fällt – bald schon Schnee von gestern?

Claudio Kummerfeld

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Innenansicht eines E-Autos von Tesla

Gestern gab es neben der Hauptversammlung auch den so groß erwarteten „Battery Day“ bei Tesla (hier dazu der gestrige Video-Kommentar eines Analysten). Kurz gesagt: Es war eine Enttäuschung. Analysten erwarteten für gestern von Tesla die Verkündung einer Batterie, die 10 Jahre oder länger halten könnte. Und es wurden konkrete Ziele für Kostensenkungen erwartet.

Tesla-Chef Elon Musk enttäuscht

Was Elon Musk verkündete, war einmal mehr gut verpackt seine Art von Marketing. Etwas Großes und Wundervolles ankündigen, was sich beim genaueren Hinschauen doch eher als Luftnummer entpuppt, als weit entfernter Traum, der noch gar nicht konkret greifbar ist. Genau so könnten BMW oder VW ihre neuesten noch weit entfernten E-Auto-Pläne hier und heute als Sensation verkaufen. Tesla will nämlich ein E-Auto für 25.000 Dollar bauen. Man versprach in den nächsten Jahren die Batteriekosten mit neuen Technologien und Verfahren um die Hälfte zu reduzieren, und so ein erschwingliches E-Auto anbieten zu können. Aber, so Elon Musk, die Voraussetzung für ein 25.000 Dollar-Auto von Tesla sei nun mal die drastische Kostensenkung bei den Batterien, und das könne man erst in drei Jahren erreichen!

Was für eine Enttäuschung. Die Tesla-Aktie verlor am gestrigen Handelstag 5,6 Prozent, und dann ab 22 Uhr nachbörslich nochmal 6,9 Prozent. Dieses nachbörsliche Minus hat sich abgeschwächt auf aktuell nur noch -4,8 Prozent, und jetzt in der ganz frühen Vorbörse liegt die Aktie bei 403 Dollar.

Tesla-Chef Elon Musk sagte gestern auch, dass es dem Unternehmen in 2020 sehr gut gehe. Man werde trotz schwieriger Umstände wahrscheinlich ein Wachstum zwischen 30-40 Prozent hinlegen. Tesla halte am Jahresziel fest, rund 500.000 E-Autos zu verkaufen. Das wäre eine Steigerung von 36 Prozent im Jahresvergleich. Und das in einer Zeit, wo die „alten“ Autohersteller arg unter der Coronakrise leiden.

Zur großen Tesla-Show gehört wohl auch, dass sich Elon Musk wie gestern geschehen von seinen Fans (die natürlich auch Aktionäre sind) per Hupkonzert abfeiern lässt. Denn HV/Battery Day fanden Corona-bedingt auf einem Open Air-Gelände statt, wo die Anwesenden in ihren Tesla-Autos saßen, und die Tesla-Offiziellen oben auf einer Bühne standen. So eine Show sieht man bei den staubigen Veranstaltungen von Daimler, BMW und Co wohl nicht. Es mag wohl auch dieses hippe, jugendliche Spaß-Image sein, dass Tesla den Erfolg bringt – sei es auch nur ein gefühlter Erfolg.

Blick auf die Aktie

Wird die Tesla-Aktie diesen aktuellen Rückschlag wegstecken? Gut möglich. Denn man schaue auf den folgenden Chart. Man sieht hier den Kursverlauf der Aktie seit Mai – hier wurde der jüngste Aktiensplit schon voll berücksichtigt. Seit Mai gab es einen Anstieg in der Tesla-Aktie von 163 auf über 500 Dollar. Dann der jüngste Rückschlag auf 330 Dollar, wo alle Welt schon an den großen (längst überfälligen?) Crash der Aktie glaubte. Und jetzt sind wir wieder bei 400 Dollar. Man sollte die streng gläubige Gefolgschaft von Elon Musk nicht unterschätzen.

Chart zeigt Kursverlauf der Tesla-Aktie seit Mai

Hier in voller Länge von gestern die Hauptversammlung mit „Battery Day“ von Tesla, die mehr als 270.000 Menschen live verfolgten.

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