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Riesiges Budget-Loch Warum Saudi-Arabien einen höheren Ölpreis braucht

Saudi-Arabien hat einen 11 Milliarden Dollar-Kredit zum Stopfen eines Defizits aufgenommen. Da muss wohl ein höherer Ölpreis her.

Eine Wand in Saudi-Arabien mit Mitgliedern der Königsfamilie

Derzeit gibt es helle Aufregung am internationalen Ölmarkt. Eigentlich sollte an diesem Wochenende eine Konferenz des erweiterten Ölkartells OPEC+ stattfinden, nun wurde sie auf nächste Woche Donnerstag verschoben. Noch vor Tagen dachte man, Saudi-Arabien würde seine Fördermengenkürzung (1 Mio Barrel pro Tag) ausweiten, um den Ölpreis hoch zu pushen. Aber diese Woche hat sich das Bild gedreht. Nun wird vermutet, dass es massiven Streit gibt in der OPEC. Saudi-Arabien scheint sauer zu sein, dass viele andere Mitglieder des Kartells ihre Fördermengen nicht kürzen wollen. So bezahlen die Saudis sozusagen ganz alleine den Preis für womöglich höhere Ölpreise.

Saudi-Arabien will höheren Ölpreis – Manöver innerhalb der OPEC

Nun läuft der Gedankengang wie folgt: Saudi-Arabien droht seinen OPEC-Kollegen womöglich an, seine eigenen Fördermengenkürzungen auslaufen zu lassen. Damit würde das weltweite Angebot an Öl steigen, der Ölpreis könnte drastisch absacken. Die Angst vor diesem Szenario sah man diese Woche, als die Umsätze bei Put-Optionen auf Öl auf ein Rekordhoch stiegen. Szenario: Dann, wenn der Ölpreis kräftig gefallen ist, könnte man die anderen Kartellmitglieder womöglich viel besser von Fördermengenkürzungen überzeugen, weil ja doch alle Förderländer einen deutlich höheren Ölpreis sehen wollen. Und gerade ein Land wie Saudi-Arabien scheint einen spürbaren Anstieg im Ölpreis zu wollen. Man sollte diesen Wunsch nicht unterschätzen, weshalb auch deutliche Manöver in die eine oder andere Richtung bis nächste Woche Donnerstag möglich sind, um eine Disziplinierung bei den Fördermengen zu erreichen.

Saudi-Arabien nimmt 11-Milliarden-Dollar-Darlehen zur Finanzierung des Defizits auf

Saudi-Arabien hat über einen Konsortialkredit 11 Milliarden US-Dollar Schulden aufgenommen. Das ist das größte Darlehen, das eine Regierung in diesem Jahr weltweit aufgenommen hat, um sein Haushaltsdefizit angesichts der schwächeren Öleinnahmen zu finanzieren, so Bloomberg aktuell. Der Kredit mit einer Laufzeit von 10 Jahren wurde von mindestens 15 Banken finanziert, darunter die Industrial and Commercial Bank of China, die Citigroup, die First Abu Dhabi Bank PJSC und die HSBC Holdings, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten. Der Kredit hat eine Marge von 100 Basispunkten über dem besicherten Tagesgeldsatz (SOFR), so die Personen. Ein Sprecher des saudischen Finanzministeriums reagierte nicht sofort auf Anfragen nach einer Stellungnahme.

Saudi-Arabien hat seine Finanzprognose revidiert und rechnet laut einer im Oktober veröffentlichten mittelfristigen Haushaltsprognose ab 2023 bis mindestens 2026 mit einem Defizit. Das Defizit ergibt sich aus den schwächer als erwartet ausgefallenen Ölpreisen, der geringeren Produktion ab Mai und den steigenden Staatsausgaben, da das Königreich hunderte von Milliarden Dollar in eine von Kronprinz Mohammed bin Salman vorangetriebene Diversifizierungskampagne mit dem Namen Vision 2030 steckt.

Während ein Teil davon durch Öleinnahmen finanziert wird, muss die Regierung auch ausländische Investitionen anziehen und Kredite aufnehmen. Am Ende des dritten Quartals belief sich die Verschuldung der Regierung auf 994 Milliarden Riyals (265 Milliarden Dollar). „Die Behörden sind bestrebt, eine ähnliche Mischung aus externer und inländischer Finanzierung beizubehalten und prüfen auch ihre Optionen auf dem Markt für Konsortialkredite zur Finanzierung spezifischer Projekte“, sagten Ökonomen von Goldman Sachs in einer Notiz diese Woche.

Viele wichtige Einrichtungen, die in Vision-2030-Projekte investieren, darunter der Public Investment Fund und seine Tochtergesellschaften, die die neue Stadt Neom entwickeln, haben bereits Kredite in Höhe von mehreren Milliarden Dollar aufgenommen. Diese jüngste Finanzierung für Saudi-Arabien war nach Angaben von Bloomberg das dritte Jahr in Folge, in dem das Königreich den größten Konsortialkredit für ein souveränes Land aufgenommen hat.

Kommentar

FMW: Wenn ein Land wie Saudi-Arabien so einen riesigen Kredit aufnimmt, um ein Haushaltsdefizit zu stopfen, wird klar: Man wird vermutlich bereit sein „kräftig auf den Tisch zu hauen“ im Kreise der OPEC (sinnbildlich gesprochen), um eine Disziplinierung für geringere Fördermengen zu erreichen. Eine vermutete weltweite Schwächung der Ölnachfrage wegen Rezessionstendenzen muss mit grundsätzlich weniger Ölförderung beantwortet werden, um den Ölpreis endlich spürbar steigen zu lassen? Etwas weniger Fördermenge in jedem OPEC-Land, dafür aber deutlich steigende Preise – das würde unterm Strich dabei helfen, in vielen Förderländern mit deutlich mehr Öleinnahmen Haushaltslöcher zu stopfen.

FMW/Bloomberg



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3 Kommentare

  1. Wäre Bundeskanzler a.D. Dr. Gerhard Schröder, RA, Ehrenvorsitzender des Nah- und Mittelostverein e.V. a.D. noch im Amt, würde er sich aktuell im Naher und Mittlerer Osten nachhaltig für einen fairen Ölpreis einsetzen.

  2. Eine ganz einfache Lösung wäre, einfach weniger Geld ausgeben.

    1. Yep. Das gilt für jede Regierung. Es ist zyklisch: wir sind wieder am Ende des großen Verschuldungszyklus und mit etwas Pech gibt es Krieg.

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