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Warum Tesla kein Wachstums-Unternehmen mehr ist!

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Tesla Auto und Ladesäule

Tesla-Fans und Tesla-Aktionäre unterstellen dem Unternehmen, beständig zu wachsen. Von Hyper-Growth ist zuweilen sogar die Rede. Dieses angeblich enorme Wachstum ist dann die Rechtfertigung für die mit Abstand höchste Marktbewertung für einen Automobilhersteller weltweit. Die traurige Realität ist jedoch, dass Tesla nicht mehr wächst. Mehr noch: Tesla investiert auch nicht mehr in künftiges Hyper-Wachstum, sondern streicht die Investitionen in Wachstum seit geraumer Zeit beständig zusammen.

Tesla investiert seit zwei Jahren nicht mehr in Wachstum

Basis von Wachstum sind Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Fabriken. Zwar baut Tesla neue Fabriken in China und Deutschland und kündigte gerade auch den Bau einer neuen Fabrik in Texas an. Doch auf der anderen Seite stehen Abschreibungen auf bereits gebaute Maschinen und Fabriken. Die Abschreibungen sollten möglichst den Wertverzehr durch Abnutzung während der Benutzungsphase der Anlagegüter darstellen. Tesla verlängerte daher vor einigen Quartalen auch die Abschreibungszeit für die Fertigungsmaschinen für Model S und X, da man der Ansicht war, die Anlagen würden länger halten als ursprünglich gedacht. Kritiker wenden hier gern ein, dass es vielleicht auch einfach nur darum ging, weniger abzuschreiben, um die ausgewiesenen Verluste zu reduzieren bzw. einen Gewinn vorzuweisen.

Zwar erhöhte sich der Wert der Fabriken und Maschinen binnen eines Jahres um 10,7%. Doch obwohl Tesla eine komplett neue Fabrik hochzog, die angeblich 200.000 Fahrzeuge pro Jahr bauen kann, liegt der Wert der Bauten und Maschinen Ende des 2. Quartals noch unter dem Niveau vom 3. Quartal 2018. De facto fand also ein Wertverzehr statt, der mit künftigem Wachstum nicht vereinbar ist. Tesla lebte seit fast zwei Jahren auf Kosten der Substanz, statt welche zur Untermauerung des Wachstumsanspruchs aufzubauen.

Auch in Entwicklung neuer Produkte wird bei Tesla immer weniger investiert

Fabriken allein nützen nichts, wenn nicht in die Entwicklung von Produkten investiert wird, die in diesen Fabriken gebaut werden könnten. Die Produktpipeline ist bei Tesla inzwischen länger denn je. Neben den schon vor fast drei Jahren angekündigten Tesla Roadster und Tesla Semi sind das der Cybertruck und die selbstfahrenden Autos, von Tesla auch Robotaxis genannt. Auch das 2016 angekündigte Solarroof, Strom erzeugende Dachziegel, lassen weiter auf sich warten. Außer einigen Pilotsystemen ist davon wenig zu sehen. Zu guter Letzt fehlt dann auch noch die dreimotorige Version des Model S, die im vergangenen Jahr angekündigt wurde.

Es gäbe also viel zu tun für die Entwicklungsabteilung bei Tesla. Blöd, dass die Ausgaben für Forschung und Entwicklung seit zwei Jahren sinken. Das Hoch wurde im 2. Quartal 2018 mit 386 Millionen erreicht. Im 2. Quartal 2020 lagen die Ausgaben mit nur noch 279 Millionen US-Dollar auf dem tiefsten Stand seit Ende 2016.

Umsatzwachstum gibt es bei Tesla schon seit 2018 nicht mehr

Die Umsätze wachsen bereits seit zwei Jahren nicht mehr. Zwar konnte im 4. Quartal 2019 ein neues Allzeithoch beim Umsatz erreicht werden. Im Durchschnitt lagen die Umsätze seit dem 3. Quartal 2018 jedoch bei nur 6.331 Millionen US-Dollar pro Quartal und damit knappe 500 Millionen US-Dollar unter dem Umsatz vom 3. Quartal 2018. In vier Quartalen seitdem wurde ein unterdurchschnittlicher Umsatz erzielt. Die stagnierenden Umsätze wurden bei steigender Stückzahl und mehr belieferten Märkten erzielt. Zudem wurde die Produktionskapazität entscheidend erhöht.

Auch die Energiesparte wächst schon seit dem 1. Quartal 2018 nicht mehr. Damals wurden 410 Millionen US-Dollar Umsatz erzielt. Im Durchschnitt seitdem jedoch nur 375 Millionen. Selbst der Umsatz im Servicebereich wächst nicht mehr, obwohl die Zahl der Autos weiter steigt. Durch diverse Abschreckungsmaßnahmen wie die Einstellung der telefonischen Erreichbarkeit der Service Center, lange Reparaturzeiten durch mangelhafte Ersatzteilversorgung und regelmäßig nur teilweise ausgeführte Reparaturarbeiten konnte Tesla die Kunden offenbar davon abhalten, die eigenen stets defizitär erbrachten Dienstleistungen vermehrt in Anspruch zu nehmen. Das Umsatzhoch wurde im 2. Quartal 2019 erzielt.

Das wächst bei Tesla noch: Offene Forderungen, Verkäufe von Emissionsrechten und Aktien

Die offenen Forderungen erreichten im 2. Quartal 2020 ein neues Allzeithoch mit knapp 1,5 Milliarden US-Dollar oder einem Viertel des Quartalsumsatzes. Dieser auch in diesem Quartal nicht umfassend erklärte Bilanzposten blähte sich seit dem 3. Quartal 2018 massiv auf und liegt heute 161% höher als im 2. Quartal 2018. Die Umsätze haben sich jedoch nur um 50% erhöht. Die Frage lautet, wer hier Waren und Dienstleistungen geliefert bekommt, ohne sie bezahlen zu müssen.

Nach eigener Angabe hat Tesla im ersten Halbjahr rund 80% der für dieses Jahr geplanten Emissionsrechte veräußert. Dieser Posten allein ist für 652% des Gewinns in diesem Jahr verantwortlich. Oder anders gesagt: Ohne die Emissionsrechte hätte Tesla statt 120 Millionen US-Dollar Gewinn 662 Millionen US-Dollar Verlust erzielt. Im Zusammenhang mit den offenen Forderungen ist das pikant. Möglicherweise hat Tesla hier Emissionsgutschriften mit sehr langen Zahlungsfristen verkauft, um einen Gewinn im ersten Halbjahr zu simulieren. Wenn 80% der geplanten Gutschriften bereits verkauft wurden, sind im 2. Halbjahr nur noch knapp 200 Millionen US-Dollar Ergebnisbeitrag durch die Rechteverkäufe zu erwarten. Bei ansonsten unveränderten Rahmenbedingungen würde Tesla also die in den vier Vorquartalen erzielten Gewinne vielleicht schon im kommenden Quartal wieder ausradieren.

Übrigens sind ab 2021 deutlich geringere Rechteverkäufe zu erwarten. Der Hauptkunde Fiat-Chrysler will den Bedarf durch den Verkauf eigener Elektroautos weitgehend selbst decken. Hyper-Wachstum gibt es auch noch bei der Anzahl ausgegebener Aktien. Seit dem 1. Quartal 2016 stieg die Anzahl um 55,6%. Allein in den vergangenen vier Quartalen kamen fast 18% neue Aktien auf den Markt, die den Anteil der Altaktionäre am Unternehmen reduzieren.

Ein Kommentar

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    Hesterbär

    24. Juli 2020 15:05 at 15:05

    Bilanztricks sind nur sinnvoll (wenn überhaupt), um eine optisch ungerechtfertigte Delle auf einem an sich profitablen Wachstumspfad zu kaschieren. Ansonsten sind sie wie bei Tesla auch mit oft irreparablen Folgeschäden verbunden. Elon Musk ist bestimmt ein guter Visionär und Erfinder, aber ein miserabler Kaufmann.

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