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Zertifikate (Derivate): Erklärung, Vor- und Nachteile, Unterschiede

Stefan Jäger

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am

Zertifikate gehören zur Gattung der Derivate, es handelt sich dabei um sogenannte Inhaberschuldverschreibungen. Sie sind also „nur“ ein Zahlungsversprechen des Emittenten (z.B. einer Bank) an den Inhaber des Zertifikats. Derivate und Zertifikate orientieren sich an einem Basiswert. Sie bilden nicht nur die Entwicklung einer Aktie ab, vielmehr können sie auf jegliche Anlagenklasse wie Indizes, Anleihen, Währungen oder Rohstoffen angewendet werden. Bei einem Zertifikat handelt es sich nicht um ein gesichertes Sondervermögen wie bei einer klassischen Aktie, sondern um ein ungesichertes Abkommen mit dem Herausgeber. Das Risiko, sein Vermögen zu verlieren, hängt also einzig und allein von der emittierenden Bank ab. Es gibt somit keine Absicherung: geht die Bank pleite, dann ist das Geld auch weg. Dies wird als Emittentenrisiko bezeichnet. Das letzte Mal, dass wir eine Bankenpleite im größeren Stil gesehen haben, war in der Finanzkrise 2008 mit dem Fall der Lehman Brothers.

Vor- und Nachteile von Zertifikaten

Es gibt im Grunde zwei Vorteile bei Zertifikaten. Zum einen ermöglichen sie Investitionen in Assetklassen, die schwer zugänglich sind, wie Rohstoffe oder Edelmetalle. Nicht jeder möchte sich einen Goldbarren zu Hause in den Safe legen, aber trotzdem von der Entwicklung des Goldpreises profitieren. Hier bietet ein Zertifikat auf den Goldpreis eine bequeme und einfache Möglichkeit in Papier-Gold zu investieren. Ein zweiter Vorteil ist, dass Zertifikate als Absicherung eines Aktien-Depots dienen können. Ein Short-Zertifikat, also eine Wette auf fallende Kurse, kann die Verluste eines Aktiendepots ausgleichen. Insbesondere Langfristanleger – Buy and Hold Strategie – nutzen diese Art von Absicherung während Krisenzeiten, um Verluste aufzufangen.

Die Nachteile sind recht deutlich: wie bereits erwähnt handelt es sich bei Zertifikaten und Derivaten nur um eine ungesicherte Wette. Das Risiko des Total-Verlusts ist hoch, da es kein Sondervermögen darstellt. Es gibt noch einen weiteren Unterschied zum klassischen Aktienkauf. Bei einem Aktienkauf erhält man einen Anteil an einem Unternehmen und das Geld fließt direkt in die Aktiengesellschaft. Bei der Wette auf den reinen Kursverlauf hat das Unternehmen rein gar nichts davon. Das Kapital, das in Zertifikate fließt, kann nicht für Investitionen eingesetzt werden und ist somit auch nicht nachhaltig. Zudem erhält der Inhaber des Zertifikats nur in seltenen Fällen eine Dividende während der Haltedauer.

Verlockung der Hebelwirkung

Der Hauptgrund vieler Anleger auf Zertifikate und Derivate zu setzen ist sicherlich die Hebelwirkung. Die Möglichkeit durch Hebelprodukte seine Gewinne zu vervielfachen ist sehr verlockend, aber auch sehr risikoreich. Man kann natürlich die Verluste gleichermaßen vervielfachen und sogar einen Total-Verlust erleiden. Kauft man ein Zertifikat mit einem Hebel von 10 auf steigende Kurse – eine Long-Position – dann steigt der Gewinn um ein zehnfaches an, vorausgesetzt der Kurs entwickelt sich in die gewünschte Richtung. Auf der anderen Seite verliert man aber auch das zehnfache, wenn sich der Kurs in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. Anleger werden häufig davon angelockt, dass große Gewinne durch einen geringen Einsatz erzielt werden können. Der Traum vom schnellen Geld und einem großen Vermögen reizt dabei, kann aber schnell zum Albtraum werden, wenn der gesamte Einsatz „verspielt“ wurde.

Unterschiede von Zertifikaten

Während Indexzertifikate z.B. auf den Dax den Kurs 1:1 nachbilden, ermöglichen Discount-Zertifikate, Bonus-Zertifikate oder Garantie-Zertifikate noch weitere Alternativen.

Beim Discount-Zertifikat erhält der Käufer, wie der Name schon sagt, einen Sonderpreis auf den Basiswert. Anstatt eine Aktie beispielshalber für 10 € zu kaufen, zahl man nur 8 €. Auf den ersten Blick ein guter Deal: Die Krux dabei ist aber, dass die Discount-Zertifikate durch einen Cap gedeckelt sind. Die Gewinne, die man erzielt, sind damit begrenzt. Liegt der Cap bei 11 €, aber die Aktie steigt auf 12 € an, erhält man nur den Gewinn bis 11€ ausgezahlt. Umso größer der Rabatt, desto geringer ist der Cap.

Bonus-Zertifikate bieten dem Käufer eine Chance auf einen Bonus, wenn nach einer bestimmten Laufzeit eine vorher festgelegte Untergrenze eines Basiswert nicht erreicht wird. Der Vorteil ist, dass man teilweise gegen fallende Kurse abgesichert ist, solange wie der Kurs noch über dem festgelegten Mindestpreis handelt. Bei steigenden Kursen bis zum Laufzeitende, erhält man natürlich auch den vorher vereinbarten Bonusbetrag, aber profitiert nicht zusätzlich von dem steigenden Kurs. Der Haken ist, dass man während der Laufzeit nicht mehr schnell sein Zertifikat verkaufen kann, sollte der Kurs in Richtung der Untergrenze laufen. Im schlimmsten Fall ist dann der gesamte Einsatz weg.

Garantie-Zertifikate werden auch als Kapitalschutz-Zertifikat bezeichnet. Es handelt sich um eine Garantie auf das eingesetzte Kapital. Bei fallenden Kursen erhält man eine Garantie der Bank auf Zurückzahlung. Der Kaufkurs des Zertifikats beläuft sich z.B. auf 10 €, der vorher vereinbarte Nominalwert zum Laufzeitende ist 9 €, aber die Aktie fällt auf 8 €, dann bekommt man trotzdem die vereinbarten 9 € ausgezahlt. Kommt es zu einem Kursanstieg, dann kann es aber passieren, dass nur ein prozentualer Anteil des Gewinns ausgezahlt wird. Jedes Garantie-Zertifikat hat andere Bedingung, hier sollte man also genau hinschauen.

Was sind Zertifikate und Derivate? Vor- und Nachteile

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    asyoulike

    12. Mai 2020 16:57 at 16:57

    Moin, moin,

    interessant, aber „Garantie-Zertifikate“…“Garantie der Bank auf Zurückzahlung“. Da warten wir gespannt auf die nahe, sehr nahe Zukunft.

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

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