Konjunkturdaten

Weltwirtschaft: Der Containerverkehr sendet unmissverständliche Signale

Wir werden nach Beendigung von Corona den größten (temporären) Aufschwung der Weltwirtschaft seit Jahrzehnten sehen - was sind die Folgen?

Derzeit wird noch viel darüber diskutiert, ob eine dritte Welle bei Corona die erwartete Erholung der Weltwirtschaft verzögern könnte, ob es bei den staatlichen Wirtschaftsprogrammen (1,9 Billionen Dollar Covid-10 Relief Bill) nicht noch zu politischen Umsetzproblemen kommen könnte. Hingegen zeigen es Signale aus der Realwirtschaft an, ob Einkaufmanagerindizes oder die Daten aus der Seeschiffahrt – die über 90 Prozent der Güter transportiert – der Aufschwung wird wohl stärker werden als erwartet. Börsenwerte sind nicht nur Casino(werte), aber die Teuerung könnte für die Märkte zum Problem werden.

Die Einkaufsmanagerindizes und die Weltwirtschaft

Diese monatlich erhobenen Indizes, in Europa EMI abgekürzt und in den USA PMI (Purchasing Manager Index) sind keine Werte, die groß von schwankungsanfälligen Verbrauchern oder Börsenbarometern abhängig sind, denn es befinden sich dahinter starke realwirtschaftliche Fakten: Auftragseingänge, Auftragsbestand, Daten zur Beschäftigung und zu den Preisen, also Größen, die sich in der Folge in der Wirtschaft bemerkbar machen müssen. Hier die letzte Erhebung.

Einkaufsmanagerindizes Verarbeitendes Gewerbe Februar:

Deutschland: 60,6 Punkte (war nur Anfang 2018 etwas höher)

Europa: 57,7 Punkte

USA: 58,5 Punkte (zusammen mit dem Servicesektor der stärkste Februaranstieg seit sechs Jahren)

Klar hängt der Servicesektor in vielen Ländern Lockdown-bedingt noch hinterher, dieser kann aber, anders als der Produktionssektor, in kurzer Zeit wieder hochgefahren werden.

China, erneut die Lokomotive der Weltwirtschaft

Wie nach der Finanzkrise 2009, ist es einmal mehr Chinas Wirtschaft, die das Wachstum der Weltwirtschaft ankurbelt und bereits schon seit geraumer Zeit die Rohstoffpreise, als hierzulande sich noch kaum einer mit dem neuen Boom beschäftigte. Chinas Wirtschaft wuchs als einzige große Volkswirtschaft im Coronajahr – um 2,3 Prozent – in diesem Jahr soll es sogar um acht Prozent nach oben gehen. Durch den großen Anteil, den China am Welt-BIP besitzt, ist klar, dass die globale Ökonomie einen Boost aus dem Osten bekommen wird. Dies hat auch besondere Bedeutung für unsere Dax-Konzerne, wie die neuesten Quartalszahlen inmitten des „letzten“ Lockdowns beweisen. Deshalb haben Analysten aktuell die Gewinnschätzungen für Firmen mit einem hohen Chinageschäft deutlich angehoben. So wie für Covestro um 44 Prozent, Daimler um 21 Prozent und BASF um 16 Prozent. Hinzu kommen noch die großen Dax-Konzerne wie BMW, Infineon, Adidas und vor allem Volkswagen, die bereits über 40 Prozent ihrer Fahrzeuge in der Volksrepublik absetzen.

Langfristig ist dies nicht unproblematisch: kriegt China einen Schnupfen, wird Deutschland in diesem Fall eine Grippe erleiden.

Der neue Boom auf hoher See

Schon seit längerer Zeit beobachtet man staunend den Anstieg der Preise bei den Frachtraten – wie das angesichts einer weiter grassierenden Pandemie, die viele Menschen zu Home-Tätigkeiten in den eigenen vier Wänden zwingt? Die größte deutsche Reederei Hapag Loyd kennt die Hintergründe, Rolf Habben Jansen, der Vorstandsvorsitzende der Hamburger Reederei, gab in einer Videokonferenz darüber Auskunft. Warum klagen derzeit Onlinekunden über Lieferverzögerungen bei Elektronik- und Sportartikeln? Es liegt an der Dauer für den Seetransport, die Containerschifffahrt kann den Ansturm auf die Bestellungen derzeit kaum bewältigen.

Ein Problem ist natürlich Corona mit seinen Einschränkungen, die dazu führen, dass viele Schiffe auf Anker liegen und nicht in üblicher Zeit abgefertigt werden können. Ausgelöst vom fehlenden Hafenarbeiter bis zum abholenden Lkw-Fahrer.

Der Chef von Hapag-Loyd spricht von Verspätungen bei den langen Routen zwischen 170 und 250 Stunden. „Man habe alle verfügbaren Containerschiffe im Einsatz, und trotzdem käme man bei der hohen Nachfrage und vor allem bei den Fahrplänen nicht hinterher“, so CEO Jansen. Auch nach Angaben des Schifffahrtsdienstes Alphaliner sind derzeit nur zwei Prozent der weltweiten Flotte an Containerschiffen nicht im Einsatz.

Der Chef von Hapag-Loyd weiter: „Unsere Flotte von Standardcontainern war noch nie so stark ausgelastet wie im Schlussquartal des vergangenen Jahres.“ Nach einem Einbruch der Nachfrage im vergangenen Sommer stieg dieser Wert bis zum Jahresende auf einen Rekord. Die Ursache für den Transportboom liegt zum einen daran, dass die Einzelhändler im ersten Coronaschock ihre Lagerhaltung reduziert hatten und nicht mit der explosiven Nachfrage der Kundschaft gerechnet haben, so seltsam es bei leeren Innenstädten in Deutschland auch klingen mag.

Ein weiteres Indiz für Inflation?

Natürlich treibt eine solche Nachfrage die Transportpreise. Die Frachtraten für Fernost-Container haben sich teilweise vervierfacht, was die Kontrollbehörden in den USA schon auf den Plan gerufen hat. Steigende Rohstoffpreise, steigende Transportkosten, besonders die Öl- und Spritpreise stiegen im Jahresverlauf deutlich. Das derzeitige Dauerthema, aber was machen die Firmen?

Für die Reedereien sind das zunächst gute Nachrichten.

Trotz steigender Preise steigen bei Hapag-Loyd die Gewinne wie selten zuvor. Die ersten Zahlen für den Monat Januar und der Blick auf das erste Quartal lassen auf einen Gewinnsprung von mindestens 1,25 Milliarden Euro im Vergleich zu 160 Millionen Euro im Vorjahresvergleich schließen.

Ergo: Die Firmen bereiten sich auf einen großen Nachfrageschub der Weltwirtschaft vor. Den Waren, die über die Weltmeere befördert werden, gingen Bestellungen voraus. Durch den Engpass bei Containern werden viele Produkte im Elektroniksektor knapp, aber auch aus der Sportartikelbranche. Was wird erst geschehen bei einem Zurückfahren der Beschränkungen infolge des Lockdowns?

Ich bleibe auch bei meiner Prognose der letzten Wochen: Wir werden nach Beendigung von Corona den größten (temporären) Aufschwung seit Jahrzehnten sehen, es gibt im menschlichen Verhalten keine Linearität, sondern einen Wechsel, wie in der Wellentheorie von „Zu-Tode-betrübt“ hin zu „Himmelhoch jauchzend“, es gibt in emotionalen Dingen nicht Linearität, eher Enantiodromie.

Die Lage an den Börsen

Hier herrscht noch das übliche Bild, welches eine Wiederholung der Vorwochen abgibt: Hoffnung auf Wirtschaftsstimulus, Hoffnung auf das Ende von Corona infolge der Impfungen, Hoffnung auf eine Erholung der Weltwirtschaft und Sorgen: Darüber, was mit den ganzen Spekulationsblasen geschieht, ob bei Nebenwerten oder bei Call-Spekulationen, Befürchtungen darüber, ob der Anstieg der Inflationsraten in Verbindung mit den Renditen nicht jederzeit in eine Abkühlung münden könnte. Nicht ganz so euphorisierte Anlegerkreise sichern sich zunehmend gegen eine notwendige Bereinigung ab. Aber immer im Hinterkopf behaltend, dass die kommenden 1400 Dollar-Schecks wieder den Weg an die Börse finden könnten.

Fazit

Die Zeichen stehen auf Erholung der Weltwirtschaft, und zwar global, anders lassen sich die Wirtschaftsindikatoren nicht deuten. Damit werden die Aktien bei den großen Werten, bei denen nicht Casino gespielt wird (Russel 2000 und Modeaktien) ihre Signalfunktion wieder einmal unter Beweis stellen, bei allen Unwägbarkeiten.

Denn, wie bereits öfters angesprochen, die zahlreichen Insider an den Börsen können Wirtschaftsinformationen einpreisen, aber keine Ereignisse (wie zum Beispiel Virusmutationen). Ob das die Börsen in der Folge weiter antreiben kann, ist wieder eine andere Frage, denn in Kürze blickt man dort auf das Jahr 2022, auf Inflationsdaten, auf Zinsveränderungen (auf Kapiatalmarktbasis), später auch auf die ersten Veränderungen der Leitzinsen (Norwegen, Tschechien) – und was sehr bedeutsam werden kann, auf die opulente Kapitalzufuhr an den Märkten durch die Zentralbanken, die zumindest ein paar Gänge zurückgeschaltet könnten. Allein ein lautes Nachdenken darüber, wird Marktreaktionen auslösen, aber der Gesetzesauftrag (Fed: Maximum Employment and Price Stability) lässt auch die Notenbanken nicht im luftleeren Raum operieren. Aber soweit sind wir noch lange nicht, jetzt geht es zunächst um den Frühjahrsaufschwung in der Weltwirtschaft, mit all seinen Imponderabilien, wie man auf neudeutsch so schön sagt.

 

Die Weltwirtschaft könnte bald heiß laufen



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5 Kommentare

  1. Virus-Ereignisse ? Sie meinen den medialen hyperaufbau der Superpandemie ! Und die Nutzung dessen.
    Hier mal ein paar nette Zahlen aus Oregon /3,8 Mio Einwohner, ähnliche Klimazone .
    Recovery Rate / Deathrates , bezogen auf die Alterskohorte . Die Jungen aufgrund von Mehrkontakt stecken sich an ,werden immun ,sterben aber nicht. Und die Politik schützt die Alten nicht !!
    Diese Zahlen zeigen eindeutig wie verzehrt ,abgelenkt und vertuscht wird,um die eigentlichen Probleme aus dem Fokus zu rücken.Der Treppenwitz, Lockdownals verhinderung von Herdenimmunität !!

  2. Die Entwicklung der Transporte und vor allem deren Richtung (Leer von West nach Ost, voll von Ost nach West) zeigt vor allem eins: Das der Idee des „Rückgangs der Globalisierung“ jeder Grundlage entbehrt. Die Abwanderung der Wirtschaft nach Ostasien ist weiterhin ungebrochen und wird in der nächsten Zeit noch einmal Fahrt aufnehmen.

    Ein „Zurückschalten“ bei der Geldflutung befürchte ich nicht. Ein gelegentlicher Testballon wird zu einem Markteinbruch führen wodurch die Geldflutung sofort wieder aufgenommen wird.

    Ich sehe nicht mal eine explodierende Insolvenzquote. Hat die Krise doch vor allem kleine und kleinste Personengesellschaften getroffen. Da ist dann zwar die Altersversorgung verdampft und viele Vermieter (in der Regel private Kleinvermieter) schauen in die Röhre. Das sich dadurch die Gefahr von Altersarmut bei diesen Gruppen erhöht hat, fällt sowieso niemandem auf (außer den Betroffenen).
    Die Großen werden ohnehin mit Staatsknete durchgefüttert.

    Und so lange die Druckerpressen laufen und China Dollar und Euro akzeptiert gibt es keinen Grund warum das nicht so weitergehen sollte.

    P.S. Vielleicht könnten diejenigen, die immer von „stark ansteigender“ Inflation sprechen, selbige mal definieren. 2% sind für mich keine „starke Inflation.“ Ab 10% über alle Gütergruppen hinweg wird es dann langsam interessant.

  3. Schon fast wie aus dem Lehrbuch ! Zuerst Deflation,verstärkt sogar noch durch
    Einsperren zu Hause und Einkaufs-+Reiseverbote.Jetzt bei angesparten Geldern auf den Giros
    ein krampfhafter „Nachholzwang“.Warenmenge zu Geldmenge ? – Es wird zwar wie verrückt nachgeliefert was geht,Reisen,Restaurantbesuche,Theater-und Konzertbesuche in 2020 ? Diese sind unwiederuflich verloren.
    Und jetzt „Himmelhoch jauchzend – und zu Tode betrübt“ – die Psychologie der Massen.
    Nicht steuerbar-von keinem Staat oder Notenbank.Bessere Voraussetzung für eine Hyperinflation gibt es kaum !

  4. Die dritte Welle wird noch alle Hoffnungen über den Haufen schmeißen… Schließlich handelt es sich hier um eine Tragödie in drei Akten…

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