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Weltwirtschaftsforum Davos 2017: Vorab schon mal die große Heuchelei

Am nächsten Dienstag den 17. Januar 2017 beginnt das alljährliche Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos in der Schweiz. Wie immer werden weltweit wichtige Politiker und Wirtschaftsbosse erscheinen und...

FMW-Redaktion

Am nächsten Dienstag den 17. Januar 2017 beginnt das alljährliche Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos in der Schweiz. Wie immer werden weltweit wichtige Politiker und Wirtschaftsbosse erscheinen und über die großen Zusammenhänge und Probleme des Planeten diskutieren. In Vorbereitung hierauf hat die dahinter stehende Organisation einen Vorab-Bericht veröffentlicht. Darin beurteilen in einer Umfrage laut WEF 750 Fachleute 30 aktuelle Risiken. Daraus hat man ein Fazit gezogen und vorab präsentiert jetzt, was wohl ab Dienstag als Gesprächsgrundlage für die „Entscheider“ dienen wird.


Klaus Schwab ist der Gründer des Weltwirtschaftsforums. Foto: WEF / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Die drei problematischen Schwerpunktthemen seien erstens der Klimawandel, zweitens die verfestigte globale Ungleichheit bei Einkommen und Wohlstand, und drittens der Umstand, dass „die Gesellschaft“ (also alle Menschen auf diesem Planeten) mit dem technologischen Wandel nicht schritthalten könnten. Wenn man Punkt 2 und 3 als WEF nacheinander aufführt als Problem, dann ist das als Heuchelei zu bezeichnen, möchten wir meinen. Denn erst beim WEF 2016 war das große Leitthema „Automatisierung der Dienstleistungsindustrie“. Die wird seitdem in extrem hohem Tempo umgesetzt, bei Versicherungen und Banken etc werden in enorm hohem Tempo Jobs gestrichen, was in den USA aber auch in Europa die monatlichen Arbeitsmarktdaten belegen. Zitat WEF:

Strukturen bleiben bestehen. Wachsende Einkommens- und Wohlstandsdisparität sowie zunehmende gesellschaftliche Polarisierung rangieren auf den Plätzen eins bzw. drei der zugrunde liegenden Trends, die globale Entwicklungen in den kommenden zehn Jahren bestimmen werden. Es überrascht daher nicht, dass das am stärksten miteinander verknüpfte Risikopaar in der diesjährigen Befragung hohe strukturelle Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung und tiefgreifende gesellschaftliche Instabilität ist. Die Gesellschaft hält nicht mit dem technologischen Wandel Schritt. Von den 12 neuen Technologien, die im Bericht beurteilt wurden, können aus Sicht der Fachleute künstliche Intelligenz und Robotik die größten potenziellen Vorteile bringen.

Dann zu behaupten der Mensch halte eben nicht Schritt mit dem technologischen Wandel, da fällt uns wie eben gesagt nur das Wort Heuchelei ein. Das wäre ungefähr so, als würde man ein Haus in Brand setzen, und dann dem Bewohner am nächsten Tag vorwerfen, warum er es denn nicht schafft in diesem Haus weiter zu leben. Er müsse sich eben anpassen. Und dann fordert man auch noch endlich etwas gegen diese ganzen Brandstifter zu unternehmen, denn das sei ja schon ziemlich schlimm mit diesen brennenden Häusern. So ungefähr stellt man sich beim WEF auch die zukünftige Arbeitswelt vor, oder wie? Wir meinen ganz eindeutig: Technologischer Fortschritt ist nicht aufzuhalten, und unumkehrbar. Aber wenn jemand Lösungen präsentieren sollte wie sich der Mensch zukünftig ernähren soll, der gerade durch eine Software oder einen Roboter ersetzt wurde – die Antwort darauf soll doch bitte derjenige geben, der voller Elan diesen Zustand herbeigeführt hat.

In einer Presseerklärung den Eindruck zu erwecken die Gesellschaft käme eben nicht schnell genug mit beim Automatisierungs-Wettlauf, das ist mehr als grotesk. Wenn zukünftig für immer mehr Menschen auf dem Erdball einfach nicht mehr genug Jobs zur Verfügung stehen, sagt man den Menschen dann im FDP-Slang „mehr Bildung, mehr Bildung, dann wird das schon“? Aber was, wenn trotz Bildung eben nicht genug Jobs vorhanden sind, weil die Automatisierung alles weggefegt hat? Die Frage sollte besser mal schleunigst zur Diskussion gestellt werden von denjenigen, die gerade dabei sind diesen Zustand voller Elan und Begeisterung herbeizuführen! Wir lassen an dieser Stelle erneut den WEF zu Wort kommen:

Entwicklungen wie wachsende Einkommensungleichheit und gesellschaftliche Polarisierung haben 2016 zu politischen Umbrüchen geführt und könnten 2017 globale Risiken weiter verschärfen, falls die dringend nötigen Maßnahmen nicht ergriffen werden. Zu diesem Ergebnis kommt der Global Risks Report 2017. Hauptrisikofaktoren können gestoppt oder umgekehrt werden, indem man für mehr gesellschaftliche Inklusion sorgt. Entscheidend sind dabei internationale Zusammenarbeit und langfristige Planung.

Dazu meinen wir: Aber liebe Leute, ihr (also die WEF-Teilnehmer) treibt doch die Automatisierung immer schneller voran, und beschwert euch gleichzeitig über immer mehr Ungleichheit und Polarisierung. Vielleicht solltet ihr euch nicht darüber beschweren, sondern mal überlegen, ob ihr als Verursacher daran etwas ändern wollt. Ja, das klingt alles leider verdammt stark nach Sarah Wagenknecht oder Lafontaine, aber es geht um ökonomische Realitäten. Wo nicht mehr genug Jobs vorhanden sind um alle Menschen zu ernähren, müssen die hierfür Verantwortlichen eben Lösungen finden, wie sie zukünftig über die Runden kommen sollen. Das plumpe Rufen nach mehr Bildungschancen ist wie gesagt sinnlos, wenn insgesamt nicht genug Jobs vorhanden sind. So schön und angenehm viele technische Neuerungen sein mögen: Was haben wir alle davon, wenn wir am Konsumrausch nicht mehr teilnehmen können?

Was man da letztes Jahr in Davos besprochen hat (mehr Automatisierung bitte), und worüber man sich heute beschwert, da scheint man beim WEF anscheinend keine Relationen herstellen zu können. Daher hoffen wir, dass wir mit diesen Zeilen etwas nachhelfen konnten? Vielleicht eine naive Hoffnung. Wir vermuten: Ab Dienstag heißt es wieder im alten FDP-Slang in Davos: Wir müssen die Ungleichheit abschaffen, in dem wir den unteren Einkommensbeziehern mehr Bildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten geben. Dazu nochmal unsere Meinung: Ja super, mehr Bildung hört sich gut an. Und wohin dann mit den ganzen Hochschulabsolventen, wenn die Jobs weg-automatisiert wurden? „Diplom-Taxifahrer“ soll es angeblich ja heute schon genug geben in Deutschland (nichts gegen Taxifahrer!).



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4 Kommentare

  1. @Redaktion
    Mal wieder ein super guter Beitrag.
    Klitzekleine Kritik, ganz vorsichtig:
    „Ja, das klingt alles leider verdammt stark nach Sarah Wagenknecht oder Lafontaine…“
    Liebe Leute von der Redaktion:
    Hier wird zu (jedenfalls gefühlt) 95% Klartext geredet – deshalb bin ich da und ich denke, nicht wenige andere auch!
    Mein Rat: Verabschiedet Euch doch einfach von Entschuldigungen!
    Ein „Leider“ in diesem Falle akzeptiere ich nur, wenn damit (in obigen Fall)die „Mitte, das Establishments“ gemeint ist, Die kriegen es ja nicht „auf die Reihe“, oder haben gar nicht die Absicht…
    Okay, was ich sagen will – SOVERAIN SEIN würde in der Praxis bedeuten:

    Sarah Wagenknecht hat gesagt… (und jetzt nicht leider, sondern: wir meinen dazu…)
    Angela Merke hat gesagt…(„, Eure Stellungsname)
    Donald Trump hat gesagt („,“)
    Frauke Petri hat gesagt („,“)
    Vladimir Putin hat gesagt („,“)
    usw.
    Das die Linke, die Rechte oder die Mitte vielleicht keine (direkte) Lösung anbieten kann, ändert meiner Meinung nach nichts an einer „interessanten“ Aussage, die es zu beleuchten gilt. Ideologie hat auf einer guten Finanzseite nix zu suchen.
    Diese Seite hier bringt Themen, die schon längst umsetzt:
    Es gibt nicht „rechts“ oder „links“ – nur „oben“ und „unten“. Ihr macht das ja schon alles super gut. Nur ist es Euch noch nicht ganz bewusst! Einfach auch verbal / in der Kommunikation dazu stehen!
    Leute (der Redaktion dieser Seite), wer will Euch dann im Netz (jedenfalls was Finanzseiten in Deutschland betrifft) noch das Wasser reichen können???
    (ich beobachte Finanzseiten seit einem 1/4 Jahrhundert)
    LG
    Günter

  2. Am Rande: Man darf sich wieder freuen auf Klaus Schwab: Schmeisst den Laden seit 1971 und kann noch immer kein Englisch, bestenfalls schwenglisch. Wie und warum der da hingekommen ist, wissen wohl auch nur die Hauptsponsoren.

  3. Eine Lösung, wie sich der Mensch zukünftig ernähren soll, der gerade durch eine Software oder einen Roboter ersetzt wurde? Soylent Green.

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