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Wem gehört eigentlich der IWF?

Es ist letztlich wie in der Kneipe. Wer das Geld in die Musikbox steckt, bestimmt letztlich auch, welche Musik gespielt wird. So auch beim IWF. Irgendwoher muss das Geld für all die IWF-Kredite kommen. Und da sind nun mal die...

FMW-Redaktion

Es ist letztlich wie in der Kneipe. Wer das Geld in die Musikbox steckt, bestimmt letztlich auch, welche Musik gespielt wird. So auch beim IWF. Irgendwoher muss das Geld für all die IWF-Kredite kommen. Und da sind nun mal die Mitgliedsstaaten, die anteilig einzahlen. Je mehr man beisteuert, desto mehr Stimmrechtsanteil beim IWF hat man, und kann daher auch mehr mitreden. Das ist vom Grundprinzip her nicht anders als bei Aktionären, die bei großem Anteil an einer AG die Besetzung des Aufsichtsrats mit bestimmen und somit auch indirekt die Tätigkeit der AG lenken können.

Die USA haben mit 17,46% Zahlungsanteil (Quota) und 16,53% Stimmrechtsanteil den mit Abstand größten Einfluss beim IWF. Danach folgt Japan mit 6,48% bzw. 6,16%. China folgt nach der jüngsten Anpassung mit einem fast verdoppelten Anteil mit 6,41% und 6,09% Stimmrechtsanteil. Deutschland kommt auf 5,6% Quota und 5,32% Stimmrechtsanteil. Was China dazu bekam, büßten EU-Staaten zuletzt ein nach einem Reform-Beschluss, dem auch die USA zustimmten.

Warum, werden Sie sich jetzt fragen, weichen die Zahlungsanteile von den Stimmrechtsanteilen ab? Die Zahlungsanteile, also die Quoten (Englisch „Quota“) sind vergleichbar mit Aktienanteilen an einer AG. Die 189 IWF-Mitgliedsstaaten erwerben sozusagen ihre Anteile anhand der Höhe ihres Finanzbeitrags zum IWF, der die relative Größe des Landes an der Weltwirtschaft darstellen soll. Deswegen war auch die Anpassung Chinas so wichtig, auch wenn die Relationen zum Beispiel zu den USA immer noch nicht ganz einleuchten wollen!

Die Quotas der großen Mitglieder liegen allesamt über den letztlichen Stimmrechtsanteilen. Die Großen haben also weniger Stimmrechte, als sie eingezahlt haben. Die kleinen Mitglieder haben dafür spürbar mehr Stimmrechte also Quotas. Je kleiner und wirtschaftlich unbedeutender das Land, desto höher fällt der Stimmrechtsaufschlag über der Quota aus. Anscheinend will der IWF hier dafür sorgen, dass die Kleinen überhaupt noch prozentual sichtbar sind bei Abstimmungen. Dies ist gut erkennbar in dieser beispielhaften Grafik. Die USA sind hier rot markiert mit weniger Votes als Quotas. Uganda mit gerade mal 0,08% Quota hat aber 0,10% Stimmrechte.


Grafik: IWF

Dazu hat der IWF auch dieses Erläuterungsvideo veröffentlicht.

Für wichtige Entscheidungen im IWF-Direktorium benötigt man 85% der Stimmen. Somit können die USA mit ihren 16,53% Stimmenanteil nicht viel ausrichten. Aber umgekehrt heißt das auch, dass die USA letztlich alle Beschlüsse blockieren können, da ohne den US-Anteil die 85% nie erreicht werden! Also haben die Amerikaner stets die sogenannte Sperrminorität, einen Anteil der ausreicht um alles lahmzulegen. Diese Macht kann man auch umgedreht als „bestimmenden Einfluss“ bezeichnen. Für die Wahl des IWF-Chefs reicht aber die einfache Mehrheit von mehr als 50%. Verbünden sich die USA und Europa wie jedes Mal üblich, kommt man stets locker über diese Marke.

Eine Übersicht aller Quotas und Stimmrechte beim IWF finden Sie hier im Detail.

Wer die Organisationsstruktur innerhalb des IWF genauer verstehen will: Vielleicht hilft dieses Organigramm weiter?



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4 Kommentare

  1. Wem gehört eigentlich der IWF? Das ist eine gute Frage, die in dem Artikel auch gut beantwortet wird.

    Interessanter ist aber m.E. die Frage, wozu gibt es den IWF überhaupt? Wen das interessiert, findet hier https://fassadenkratzer.wordpress.com/2015/02/13/der-internationale-wahrungsfonds-iwf-und-die-ausbeutung-der-entwicklungslander/ und hier https://fassadenkratzer.wordpress.com/2015/02/20/die-raubzuge-des-iwf-in-europa/ ergänzende Infos.

    1. Sehr interessant!

  2. Das ist doch ein alter Hut – die tatsächliche Frage ist, wie lange ist der IWF noch relevant, wenn er nicht sein Stimmvergabesystem den ökonomischen Verhältnissen anpasst. Die NDB und AIIB stehen schon in den Startlöchern und können sich großer Beliebtheit vor allem in Entwicklungsländern erfreuen. Besonders in Asien wird die AIIB den IWF sehr schnell verdrängen.

  3. Nahezu zehn Prozent des IWF werden von deutschsprachigen Ländern finanziert. Doch auf deutsch veröffentlicht werden die meisten Berichte des IWF nicht, dafür auf indonesisch usw. So blöd, sich das als Nation bieten zu lassen, sind auch nur wir.

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