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Aktien

Wem wäre mit geschlossenen Börsen geholfen?

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Shortselling als großes Problem für die Börse?

Wenn die Aktienkurse fallen, kommen sehr schnell Rufe nach Verboten auf. Shortselling (Leerverkäufe als Wette auf fallende Kurse) wäre Schuld und müssen verboten werden. Keinesfalls sollte irgendjemand davon profitieren dürfen, dass Kurse fallen. Oder es wird wie in China das Verkaufen von Aktien gleich ganz verboten – auch von denen, die man im Depot hat. Oder warum nicht den Börsenhandel gleich ganz absagen, bis die Krise vorüber ist? All diese Forderungen kranken daran, dass die Folgewirkungen nicht bedacht werden.

Fangen wir beim Verbot von Shortselling an, das erstaunlich oft umgesetzt wird, obwohl es keinen Beweis dafür gibt, dass dadurch irgendein Vorteil für die Gesellschaft erzielt wird. Shortselling oder Leerverkauf bezeichnet man den Verkauf von Aktien, die der Verkäufer nicht im Eigentum hat. In der Regel leiht sich der Verkäufer die Aktien. Aber auch nackte Shorts sind möglich, bei dem sich der Verkäufer die Aktien nicht einmal lieh. Ziel ist stets, die Aktien später günstiger wieder zu erwerben und die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis als Gewinn einzustreichen. Es ist das Gegenteil vom Aktienkauf, bei dem auch die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis als Gewinn angestrebt wird – nur dass der Kauf vor dem Verkauf stattfindet und nicht umgekehrt.

Shortselling ist (meistens) nützlich

Nacktes Shortselling zu verbieten, dürfte die wenigstens Widersprüche hervorrufen, da diese Art des Handels ernsthafte Probleme verursachen kann. Dann nämlich, wenn der Verkäufer die verkauften Aktien nicht rechtzeitig bis zur zugesagten Lieferung beschaffen kann. In der Regel sind das zwei Tage. Kommt der Verkäufer seiner Lieferverpflichtung nicht nach, so wie derzeit auf dem Goldmarkt, ist die Funktion der Börse an sich in Gefahr. Doch die meisten Leerverkäufe erfolgen mit geliehenen Papieren, so dass der Verkäufer seinen Lieferverpflichtungen nachkommen kann.

Wird nun das Leerverkaufen verboten, sind damit gleichzeitig auch die meisten Absicherungsstrategien unmöglich geworden. Wer nun sein Risiko austarieren möchte, MUSS seine Wertpapiere verkaufen. So sind zum Beispiel Futureverkäufe ebenso wenig möglich wie der Kauf von Put-Optionsscheinen, da sich die Verkäufer dieser Derivate durch Verkäufe des Basiswerts abzusichern pflegen. Insbesondere Put-Optionen stellen in der Regel eine akut kursschonende Methode der Absicherung dar, da für die Absicherung der meisten Optionen nur ein Bruchteil der damit abgesicherten Aktien verkauft werden muss.

Schwieriger wird auch die Ausgabe neuer Aktien in der Krise, wie sie zuweilen nötig wird, um das Eigenkapital zu stärken. Banken könnten geneigt sein, auf die Zeichnung neuer Aktien zu verzichten, wenn diese nicht abgesichert werden können. Auch die Ausgabe neuer Wandelanleihen ist ohne Leerverkauf von Aktien anspruchsvoller. Wandelanleihen bestehen aus der Kombination einer klassischen Anleihe mit einer Long-Call-Option. Viele Käufer dieser Wertpapiere splitten das Papier anschließend auf, indem sie die Call-Option durch den Verkauf absichern. Doch verkaufte Call-Optionen profitieren wovon? Von fallenden Kursen.

Der Zugang zu gerade in der Krise dringend nötigem Kapital wird also durch das Verbot von Leerverkäufen erschwert. Zudem sinkt die Liquidität des Marktes insgesamt, was weniger faire Preise, höhere Transaktionskosten und unter Umständen den Handel sogar gänzlich unmöglich macht. Weiterhin fehlt am Tief dann das Käufervolumen, wenn zuvor auf höherem Kursniveau der Leerverkauf verboten wurde. Auf jeden Leerverkauf folgt irgendwann auch wieder ein Kauf zum Eindecken. Leerverkäufe glätten also insofern den Kursverlauf, als dass bei Überbewertungen durch Leerverkäufe der weitere Kursanstieg gebremst wird. Und bei fallenden Kursen bremsen die Eindeckungskäufe den Kursverfall. Mit dem Verbot von Leerverkäufen fehlt diese Bremse auf der Unterseite.

Verkaufsverbote maximieren nur die Zahl der Insolvenzen

Das gänzliche Verbot von Verkäufen, wie es China während der Hochphase der Coronavirus-Epidemie im Land einführte, oder gar die gänzliche Einstellung des Handels, potenziert all diese Probleme natürlich noch. Unternehmen ist es dann völlig unmöglich, am Kapitalmarkt dringend benötigtes Kapital aufzunehmen. Und jeder andere Anleger, der aus welchen Gründen auch immer Liquidität benötigt, sie mangels Verkaufsmöglichkeit für seine Wertpapiere aber nicht beschaffen kann, steht mit einem Bein in der Insolvenz. Denn auch Banken dürften unverkäufliche Wertpapiere in einer schweren Krise nur mit extremen Kursabschlägen als Kreditsicherheit akzeptieren, wenn sie es überhaupt tun.

Kapitalmarktverbote lösen also keine Probleme, sondern schaffen sie. Aus falsch verstandenen moralischen Gründen („Niemand soll von fallenden Kursen profitieren dürfen“) den Marktmechanismus zu beeinflussen oder den Markt sogar zu schließen, verursacht letztendlich nur noch mehr Schäden.

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Aktien

SAP meldet Quartalszahlen – Aktie fällt dramatisch! Übertrieben? Kaufchance?

Claudio Kummerfeld

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Frau arbeitet an Schreibtisch in Büro

SAP hat heute seine Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 6,53 Milliarden Euro (Vorjahresquartal 6,79). Der Gewinn nach Steuern liegt bei 1,65 Milliarden Euro (Vorjahresquartal 1,26 Milliarden Euro).

Während die Finanzdaten des letzten Quartals halbwegs ok sind, scheint die Börse regelrecht geschockt zu sein von einem anderen Aspekt der Veröffentlichung von SAP. Denn die Aktie verliert heute dramatische 20 Prozent, wegen der Aussichten für das laufende Gesamtjahr 2020. Umsatz- und Gewinnerwartungen werden nur ganz leicht nach unten revidiert, aufgrund der zweiten Corona-Welle und den damit einhergehenden neuen Restriktionen, die sich auch auf Unternehmen und ihre Aufträge auswirken. Und dafür gleich 20 Prozent Bestrafung im Aktienkurs? Ist das nicht zu viel? Hier könnten sich die Anleger mal überlegen, ob das eine Kaufchance für die Aktie ist (das ist keine Kaufempfehlung unsererseits, sondern nur ein Gedankenspiel).

SAP auszugsweise im Zitat zur Gesamtjahresaussicht:

Der bisherige, am 8. April 2020 veröffentlichte Ausblick der SAP für das Gesamtjahr 2020 spiegelte die bestmögliche Schätzung der SAP hinsichtlich des Zeitpunkts und der Geschwindigkeit einer Erholung von der Corona-Krise wider. Dieser Ausblick
ging davon aus, dass die Länder ihre Wirtschaft hochfahren und die Einschränkungen für die Bevölkerung gelockert würden,
sodass sich die Nachfrage im dritten und vierten Quartal allmählich verbessert.

Auch wenn weiterhin ein stabiles Interesse an den Digitalisierungslösungen der SAP besteht, da Kunden widerstandsfähiger
und agiler aus der Krise hervorgehen möchten, wurde kürzlich in manchen Regionen das öffentliche und wirtschaftliche Leben erneut eingeschränkt, und die Belebung der Nachfrage fiel verhaltener aus als erwartet. Des Weiteren geht die SAP aus
denselben Gründen nicht mehr davon aus, dass sich die SAP-Concur-Erlöse aus Geschäftsreisen in den verbleibenden Monaten des Jahres 2020 deutlich erholen werden.

Die SAP aktualisiert deshalb ihren Ausblick für das Gesamtjahr 2020 und erwartet nun, dass:

• die Clouderlöse (Non-IFRS, währungsbereinigt) in einer Spanne zwischen 8,0 Mrd. € und 8,2 Mrd. € liegen werden (zuvor
zwischen 8,3 Mrd. € und 8,7 Mrd. €).
• die Cloud- und Softwareerlöse (Non-IFRS, währungsbereinigt) in einer Spanne zwischen 23,1 Mrd. € und 23,6 Mrd. € liegen werden (zuvor zwischen 23,4 Mrd. € und 24,0 Mrd. €).
• die Umsatzerlöse (Non-IFRS, währungsbereinigt) in einer Spanne zwischen 27,2 Mrd. € und 27,8 Mrd. € liegen werden
(zuvor zwischen 27,8 Mrd. € und 28,5 Mrd. €).
• das Betriebsergebnis (Non-IFRS, währungsbereinigt) in einer Spanne zwischen 8,1 Mrd. € und 8,5 Mrd. € liegen wird (zuvor zwischen 8,1 Mrd. € und 8,7 Mrd. €).

CEO-Kommentar im Wortlaut:

Aufgrund der Corona-Krise befinden sich unsere Kunden an einem Wendepunkt. Für Unternehmen ist der Umstieg in die Cloud, verbunden mit einer echten Neuausrichtung ihres Geschäfts, unerlässlich geworden. Denn nur so können sie widerstandsfähiger werden und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie gestärkt aus der Krise hervorgehen können. Gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern werden wir Innovationen entwickeln und Unternehmen neue Möglichkeiten für die Abwicklung von Geschäftsprozessen in einer digitalen Welt bieten. Die SAP wird ihr Wachstum in der Cloud auf über 22 Mrd. € im Jahr 2025 steigern und den Anteil der besser planbaren Umsätze auf etwa 85 % ausbauen.“

Details der Quartalszahlen von SAP

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Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Corona und SAP

Redaktion

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Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die Corona-Anstiege in den USA und Europa sind heute ein Thema. Aber auch die aktuelle Revision der Aussichten von SAP sind in New York aktuell Thema.

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Tesla krempelt die Autoindustrie um – Werbung

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Lieber Börsianer,

Tesla hat gerade den fünften Quartalsgewinn in Folge gemeldet. Während die Gewinne in der Vergangenheit vor allem den Erlösen aus dem Zertifikatehandel zu verdanken waren, erwirtschaftet Tesla mittlerweile auch im operativen Geschäft einen Überschuss. Der Elektropionier straft damit die Kritiker Lügen.

Bisher musste sich Tesla die Kritik gefallen lassen, dass der Autobauer zwar die Mobilität revolutioniert, jedoch unprofitabel arbeitet. Tatsächlich fielen in der Aufbauphase des Unternehmens horrende Verluste an, die manchen Beobachter auf einen baldigen Untergang von Tesla wetten ließ. Mittlerweile hat sich das Blatt jedoch gewendet. Tesla ist der höchstbewertete Autobauer der Welt.

Tesla treibt eine ganze Branche vor sich her

Die Zeit des klassischen Verbrennungsmotors ist vorbei. Tesla präsentiert sich als Vorreiter einer neuen Zeit. Sicher ist, dass die Automobilbranche vor einer beispiellosen Transformation steht. Tesla hat die technische Entwicklung maßgeblich vorangetrieben und beim Elektromotor und der Batterietechnik mittlerweile einen Vorsprung von mehreren Jahren vor der Konkurrenz. Deshalb pumpen die Anleger viel Geld in Tesla.

Ob sich der Vorsprung verteidigen lässt, ist allerdings noch lange nicht ausgemacht. Klar ist jedoch schon jetzt, dass einige etablierte Konzerne auf der Strecke bleiben werden, wenn sie sich nicht schnell genug anpassen. Gleichzeitig kann aber auch einer der alteingesessenen Autohersteller durch seine enormen Finanzreserven plötzlich zum Marktführer im E-Auto-Segment werden. Entsprechende Strategien gibt es mittlerweile nicht nur bei den Volumenherstellern wie Volkswagen oder Renault, sondern auch im Luxussegment bei Daimler und BMW.

Der Elektromotor ist nicht das einzige Erfolgsgeheimnis von Tesla

Tesla hat nicht nur bei der Entwicklung des Antriebs für seine Fahrzeuge Neuland betreten. Die gesamte Organisation des Unternehmens stellt die Branche auf den Kopf. Es ist verrückt, dass dies die meisten Analysten übersehen.

Üblicherweise ist die Autoindustrie sehr stark von Zulieferbetrieben abhängig. Die Produktion der Einzelteile ist auf der ganzen Welt verteilt. Im Autowerk eines klassischen Konzerns wie BMW, Volkswagen oder Daimler werden die Teile, die aus aller…..

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