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Banken können in New York kein physisches Gold mehr liefern

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Beispielfoto für Gold-Barren

Bereits gestern berichtete ich über signifikante Preisabweichungen zwischen Papiergold und physisch zu lieferndem Gold an der US-Börse Comex. Der Preisabstand dehnte sich im Tagesverlauf auf über 80 US-Dollar aus und stellte einen neuen Rekord dar. Klar war bereits, dass es eine massive Knappheit an sofort lieferbarem Gold gegeben haben muss. Im Laufe der Nacht stellte sich heraus, wie drastisch die Knappheit wirklich war. So groß, dass mehrere Banken den Handel an der Comex ganz einstellen und die Börse zur Änderung ihrer Geschäftsbedingungen bewegen wollen.

Börse soll nicht kontraktspezifikationsgerechte Goldbarren akzeptieren

In gewöhnlichen Zeiten gibt es keinen nennenswerten Preisunterschied zwischen sofort lieferbarem, physischen Gold und reinen Lieferansprüchen in der Zukunft. Gold ist in ausreichender Menge verfügbar, um die Nachfrage zu decken. Dass das in Krisenzeiten anders kommen könnte, sagen Goldbullen seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Als ich 2006 damit begann, in größeren Mengen physisches Gold zu kaufen, war das bereits ein von allen Goldfans wiederholtes Mantra. Nur physisches Gold schütze in der Krise wirklich, während reine Lieferversprechen, Papiergold, praktisch wertlos sei.

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Gestern war es schließlich soweit, dass sich diese Prophezeiung teilweise erfüllte. Zwar wurde Papiergold nicht wertlos. Aber sofort zu lieferndes Gold war an der Comex nicht mehr zu bekommen. Die London Bullion Market Association (LBMA) sowie mehrere Großbanken mussten daher bei der Comex bzw. deren Muttergesellschaft CME anfragen, ob ersatzweise in London lagernde Goldbarren für die Erfüllung von Lieferzusagen verwendet werden dürften. Das ist insofern pikant, als dass LBMA Barren nicht den Spezifikationen entsprechen, die Barren zur Erfüllung von Comex Lieferzusagen einhalten müssen. So schreibt die Comex vor, dass pro Futurekontrakt ein 100 Unzen oder alternativ drei 1kg wiegende Barren zu liefern seien, die mit einem Logo der Börse versehen sind. Die LBMA hingegen schreibt Barren vor, die mindestens 350 und maximal 430 Feinunzen enthalten müssen. Selbst wenn die ein Logo der CME besäßen, wären sie schlicht viel zu groß.

Kleine, unwichtige Details, möchte man meinen. Gold bleibt schließlich Gold. Doch so einfach ist es nicht. Die Barren müssten zunächst aus London in die USA gebracht werden. Dort wären sie jedoch nicht mehr an der Börse handelbar, solange die Barren nicht umgeschmolzen und entsprechend der Vorgaben der Comex neu gefertigt werden. Sollte sich die Börse sogar darauf einlassen, nicht zuvor umgeschmolzene LBMA Barren zur Erfüllung der Lieferversprechen zu akzeptieren, wäre das eine rückwirkende Vertragsänderung. Käufern der Goldfutures würden dann Barren aufs Auge gedrückt, die nicht der Spezifikation entsprechen, die beim Vertragsabschluss vereinbart wurde. Die damit einhergehenden Probleme würden dann auf die Käufer abgewälzt.

Die Banken verkauften Gold, das sie weder besaßen, noch liehen, noch sich beschaffen konnten

Ein viel größeres Problem ist jedoch, dass gleich mehrere Großbanken sprichwörtlich mit heruntergelassenen Hosen erwischt wurden. Der Handel an der Börse basiert auf dem Vertrauen, dass der Handelspartner die von der Börse aufgestellten Regeln jederzeit einhält. Doch gleich mehrere der größten Marktteilnehmer der Welt haben zwar versprochen, die Regeln einzuhalten, haben jedoch de facto nacktes Shortselling betrieben – also Gold verkauft, dass sie weder besaßen, noch sich liehen, noch sich in der gebotenen Zeit besorgen konnten. Oder anders gesagt: Sie haben genau das getan, was Goldbugs ihnen seit Jahrzehnten vorwerfen. Nämlich durch den Verkauf gar nicht wirklich vorhandenen Goldes den Preis gedrückt.

Dabei wurden sie nun erwischt, und zwar gleich mehrere auf einmal. Das verursachte nicht nur Reputationsschäden für die Banken und die Börse, sondern auch erhebliche Verluste für die betroffenen Banken. Der massiv ausgeweitere Spread zwischen sofort lieferbarem Gold und Papiergold beruhte schließlich darauf, dass die Banken in ihrer Panik versuchten, durch massive Preisaufschläge das nötige Gold einzukaufen. Bei 80 US-Dollar Aufpreis pro Unze entstanden pro Kontrakt bereits 80.000 US-Dollar Verlust. Wie viele Kontrakte betroffen waren, dürfte das Geheimnis der Banken bleiben.

Laut Roy Sebag von Goldmoney werden sich mehrere Banken aus dem Goldhandel an der Comex zurückziehen. Unklar ist, ob sich die Banken angesichts der verbrannten Finger freiwillig von der Börse zurückzogen, oder ob die Comex die Zulassung zum Goldhandel widerrief. Dass sich gleich mehrere Großbanken zurückziehen, können Goldfans mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. Lachend, weil nun offensichtlich weniger Marktteilnehmer nackte Leerverkäufe einsetzen können, um den Goldpreis niedrig zu halten. Weinend, weil dadurch natürlich auch die Liquidität auf dem Goldmarkt sinkt.

Allerdings handelte es sich dabei offensichtlich auch nur um den Anschein von Liquidität. Ausgerechnet in dem Moment, in dem die Nachfrage besonders groß war und Liquidität daher stärker benötigt wurde denn je, fiel die Liquidität mangels tatsächlich vorhandenen Goldes urplötzlich in sich zusammen. Insofern wird künftig ein illiquiderer Markt die Realität besser abbilden, als er es bisher tat.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Pingback: Nachrichten & Meldungen vom 25.03.2020 | das-bewegt-die-welt.de

  2. Pingback: Banken können in New York kein physisches Gold mehr liefern – Unser Geld- und Zinssystem

  3. Avatar

    Siegfried Riecker

    25. März 2020 22:06 at 22:06

    Täusche ich mich, oder sind es pro Kontrakt ’nur‘ 8.000$ Verlust?
    80 x 100 = 8.000

    • Avatar

      Sepp

      26. März 2020 09:12 at 09:12

      österr.Banken verlangen seit gestern schon einen beträchtlich erhöhten
      variablen aufschlag auf phys. Gold 90-110€ Unz.
      tendenz steigend

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Gold/Silber

Gold: Angebot und Nachfrage auf Talfahrt laut World Gold Council

Jörg Bernhard

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Am frühen Morgen veröffentlichte die internationale Interessenvertretung der Goldindustrie World Gold Council (WGC) aktuelle Quartalszahlen zur weltweiten Entwicklung von Angebot und Nachfrage bei Gold – mit interessanten Erkenntnissen.

Gold: Licht und Schatten im dritten Quartal

Aufgrund der Pandemie gab es im dritten Quartal sowohl beim Angebot als auch bei der Nachfrage negative Vorzeichen zu vermelden. Insgesamt sank das Angebot an Gold gegenüber dem Vorjahresquartal um drei Prozent auf 1.223,6 Tonnen, was vor allem auf den Rückgang der Minenproduktion zurückzuführen war.

Überraschenderweise hat sich trotz der gestiegenen Unsicherheit an den Finanzmärkten auch die Nachfrage nach Gold markant reduziert. In den Monaten Juli bis September sank diese mit 892,3 Tonnen sogar auf den niedrigsten Wert seit Q3 2009 und verbuchte damit ein Minus von 19 Prozent p.a. Doch in den diversen Marktsegmenten gab es mitunter kräftige Verwerfungen zu beobachten.

Einen regelrechten Nachfrageboom gab es zum Beispiel im Investmentsektor zu beobachten, wo summa summarum ein Anstieg um 21 Prozent auf 494,6 Tonnen gemeldet worden war. Bei Gold-ETFs beschleunigten sich zum Beispiel die Nettozuflüsse von 258,7 auf 272,5 Tonnen und trieben damit deren gehaltene Goldmenge Ende September mit 3.880 Tonnen auf einen neuen Rekordwert. Noch deutlicher bergauf ging es bei Barren & Münzen, wo ein Nachfrageplus von 149,4 auf 222,1 Tonnen (+49 Prozent) registriert worden war.

Besonders schlimm hat es in Q3 allerdings den Schmucksektor erwischt, der auf Jahressicht von 468,1 auf 333,0 Tonnen (-29 Prozent) regelrecht eingebrochen ist, was vor allem auf den Absatzeinbruch in Indien (-48 Prozent) und China (-25 Prozent) zurückzuführen war. Und auch der Notenbankensektor ist im dritten Quartal eher negativ in Erscheinung getreten. Weil sich die Notenbanken der Türkei (22 Tonnen) und Usbekistans (35 Tonnen) von signifikanten Goldmengen getrennt haben, gab es im Notenbanksektor mit minus 12,1 Tonnen erstmals seit Q4 2010 wieder Nettoverkäufe zu vermelden, nachdem im Vorjahresquartal netto 141,9 Tonnen Gold gekauft wurden.

Wichtig zu wissen: Trotz der negativen Tendenz der WGC-Quartalszahlen sollten Anleger auf keinen Fall außer Acht lassen, dass bei einer massiven Kapitalflucht in den „sicheren Hafen“ Gold erhebliche Versorgungsengpässe auftreten dürften. Vergleicht man zum Beispiel den Marktwert sämtlicher Gold-ETFs mit dem Billionen-Dollar-Unternehmen Apple fällt auf, dass das US-Technologieunternehmen um den Faktor 8,6 höher bewertet wird. Massive Umschichtungen aus Aktien, Immobilien oder Anleihen würde der Goldmarkt höchstwahrscheinlich gar nicht verkraften.

Die Nachfrage nach Gold ist gefallen

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Goldpreis reagiert nicht wie gedacht – was ist da los? Expertenkommentare

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren Gold

Der Goldpreis fungierte diese Woche eindeutig nicht als sicherer Fluchthafen für Anleger, die vor Unsicherheit am Aktienmarkt fliehen wollen aufgrund der sich deutlich verschärfenden Corona-Lage, wodurch die globale Konjunktur in Mitleidenschaft gezogen wird. Gestern berichteten wir schon über den Absturz im Goldpreis zusammen mit dem Absturz an den Aktienmärkten. Ein ähnlicher Verlauf wie schon im März. Aktien, Öl und Goldpreis fielen kräftig, der US-Dollar als weltweit großer vermeintlicher sicherer Hort konnte profitieren. So auch gestern.

Goldpreis weiter unter der Fuchtel des starken US-Dollar

Der Goldpreis fiel von 1.910 Dollar im Tief bis auf 1.869 Dollar. Über Nacht konnten sich Märkte wie Aktien und Gold beruhigen, und das Edelmetall notiert jetzt bei 1.877 Dollar. Aber es kann weiter bergab gehen. Im Chart sehen wir im Vergleich seit Ende letzter Woche in blau den Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) gegen den fallenden Goldpreis in rot-grün. Es ist wie schon im Frühjahr erstaunlich, dass Gold als Fluchthafen überhaupt nicht funktioniert. Braucht es an den Aktienmärkten erst wieder eine gewisse Beruhigung, bis die Gold-Bullen voll auf steigende Kurse setzen? Heute um 13:45 Uhr steht die EZB-Zinsentscheidung an, und wichtiger wird dann die PK der EZB ab 14:30 Uhr sein. Aussagen von Christine Lagarde könnten Aktienmärkte, Devisenkurse und auch den Goldpreis in Bewegung bringen.

Expertenkommentare

Daniel Briesemann von der Commerzbank kommentiert ganz aktuell die Entwicklung bei Gold. Die Risikoaversion an den Finanzmärkten nehme dramatisch zu, und Gold befinde sich im Abwärtssog der Finanzmärkte. Der Goldpreis habe gestern nicht von der hohen Risikoaversion der Marktteilnehmer im Zuge der Ankündigung neuer Lockdown-Maßnahmen in verschiedenen europäischen Ländern profitiert, und sei mit in den Abwärtssog der Finanzmärkte geraten. Dabei sei der Goldpreis auch unter die charttechnisch wichtige 100-Tage-Linie gerutscht, was zu Anschlussverkäufen führte. Anzulasten sei der Preisrutsch dem festen US-Dollar, der als sicherer Hafen gefragt war. Dass Gold von dieser Eigenschaft nicht profitiert hat, erstaunt uns, so Daniel Briesemann. Der Preisrückgang sei diesmal nicht als Kaufgelegenheit erachtet worden. Die ETFs verzeichneten mit 7,6 Tonnen sogar die höchsten Abflüsse seit fünf Wochen. Die industriellen Edelmetalle seien wesentlich stärker gefallen als Gold. Silber brach zeitweise um 5,5% auf 23 USD je Feinunze ein. Palladium rutschte im selben Ausmaß ab. Platin hielt sich mit einem Minus von 3% noch halbwegs. Erst im späten Handel haben sich Gold und Co. etwas erholt.

Jasper Lawler von der London Capital Group kommentiert die Lage bei Gold aktuell so, dass der US-Dollar der klare Nutznießer gewesen sei – er habe einen fallenden Goldpreis und fallende Kurse bei wichtigen Devisen verursacht. EUR/USD fiel trotz 1,18 und GBP/USD schloss unter 1,30. Sogar Bitcoin fing etwas Flak ein und zog sich von einem 18-Monats-Hoch zurück, so Jasper Lawler.

Chart zeigt Kursverlauf von Goldpreis gegen US-Dollar

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Devisen

Aktuell: Goldpreis fällt spürbar auf 1.878 Dollar

Claudio Kummerfeld

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Jetzt wo immer konkreter wird, dass Deutschland in Kürze die Corona-Restriktionen stark anzieht, verschärfen sich international die Ängste. Die Aktienkurse fallen weiter, und der US-Dollar als zentraler Fluchthafen zieht weiter an (wir berichteten vorhin bereits). Der Dollar steigt, und der Goldpreis rauscht aktuell runter auf 1.878 Dollar. Gold fällt aktuell gemeinsam mit den Aktienmärkten. Dies ist ein Phänomen, das man bereits im März beobachtete – auch damals funktionierte der US-Dollar kurzzeitig als Fluchthafen.

Goldpreis gegen US-Dollar-Verlauf im Chart

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