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Dax: Gibt es wieder Hoffnung für den deutschen Leitindex?

Als der deutsche Leitindex Dax in der letzten Woche in der allgemeinen Panik bis auf 8255 Punkte abstürzte, sprachen einige von einer Auffangzone, die sich aus den Hochpunkten der Toppunkte der Jahre 2000 und 2007 ergibt und einer Zone, in der der Dax schon in den letzten Krisen gestoppt hat.

Das Kurs/Buch-Verhältnis beim Dax

Das so genannte KBV (Kurs-Buch-Verhältnis) scheint sich zu so etwas wie eine Haltelinie bei den großen Kurseinbrüchen des Index im Zusammenhang mit einem Wirtschaftseinbruch herauszukristallisieren. So war es zumindest in den letzten 20 Jahren. In der Finanzkrise hat der Dax am 6. März 2009 sein Tief von 3666 Punkten erreicht, der Buchwert für den Dax betrug zu dieser Zeit 3600 Punkte und im Verlauf des Tages war er auch kurz unter dieses Niveau gerutscht.

Auch nach der Dotcom-Krise und den Folgen des 11. September fiel der deutsche Leitindex auf unglaubliche 2202 Punkte, von 8047 Punkten im Hoch kommend. Auch damals bildete der Buchwert von 2300 Punkten so etwas wie einen Bremsfallschirm. Auch beim Kurseinbruch im Umfeld der Eurokrise 2012 stoppte der Dax kurz vor dem Bereich des Kurswertes. Und heute?

Vor 11 Tagen stürzte der Index in der allgemeinen Panik auf sein Mehrjahrestief von 8255 Punkten, ebenso wie am darauffolgenden Tag, wo er bei 8440 Punkten schloss. Ja, und der aktuelle Buchwert der 30 Dax-Titel? Dieser liegt bei 8340 Punkten. Die Frage ist nur, ob das Coronavirus nicht den inneren Wert von Firmen in ihrer Substanz zertrümmert?

Ein fundamentaler Grund

Der Buchwert von Unternehmen soll den Wert abbilden, der sich aus dem Vermögen der Firma ergibt, wie Grundstücken, Anlagen, Maschinen, aber auch Immaterielles wie Patente. Im Dax gibt es eine große Streuung bei diesem Wert von einer Deutschen Bank mit einem KBV von 0,2 und einer Adidas mit einem Wert von 5,4. Bei einer 1,0 würde eine Aktie bei ihrem Substanzwert notieren. Damit sieht man auch, worauf es auch ankommt, nämlich auf das Vertrauen in das Geschäftsmodell einer Firma. Auch wenn dieser Wert bei vielen Aktien sehr unterschiedlich ist, so scheint der Buchwert in der Summe bei allen Titeln so etwas wie eine natürliche Untergrenze darzustellen. Sonst könnte man eine Firma unter Buchwert aufkaufen, sie filetieren und die Bestandteile zu einem höheren Gesamtwert versilbern. Im Übrigen ist der Buchwert eine Kennziffer, an dem sich der Meister des Value Investings, Warren Buffett, sehr gerne orientiert.

Fazit

Vielleicht ist es ein Zufall, aber augenfällig ist es schon, dass der Dax bei den letzten drei Aktiencrashs innerhalb von zwei Dekaden gerade bei dieser Berechnungsgröße zum Halten kam. Während diese bei Einzelwerten eine recht ungeeignete Indikation darstellt, um den inneren Wert eines Dividendenpapieres zu beurteilen (Negativbeispiel Deutsche Bank), scheint sie in der Summation aller Titel schon eine Bedeutung zu haben. Der Substanzwert von Firmen, unter dem man praktisch etwas geschenkt bekommen würde-  und dies ist an der Börse selten der Fall.

Der Dax nähert sich derzeit seinem Buchwert



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