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Wohlstand in USA abhängiger denn je von Aktienmärkten Zinsen: Wenn Aktienmärkte stark fallen, wird die Fed senken!

Zinsen Aktienmärkte Fed
Foto: EyeEm - Freepik.com

Derzeit fallen die Aktienmärkte, hauptsächlich aufgrund der stark gestiegenen Kapitalmarkt-Zinsen: Sollte sich das zu einer echten Korrektur ausweiten, was wäre dann für die US-Notenbank Fed prioritär?

US-Notenbank, Aktienmärkte und Zinsen: Noch geht es um die Inflation

Gegenwärtig geht es der US-Notenbank Fed bei ihrer Geldpolitik zweifelsohne um die Inflationsbekämpfung und um die Beseitigung der großen Schäden, die es nach der US-Geldorgie im Zusammenhang mit der Corona-Krise gegeben hat: Als der Staat Unternehmen und Konsumenten mit billionenschweren Hilfspaketen stützte und auch die Bilanz der US-Notenbank Fed über die Käufe von Anleihen bis auf fast neun Billionen Dollar anschwoll. Mit Letzterem ist es schon länger vorbei, die US-Notenbank hat über ihr Quantitative Tightening die Bilanz bereits um 1,5 Billionen Dollar verringert und die Leitzinsen im Rekordtempo um 5,25 Basispunkte angehoben. Eben um eine ausgeuferte Inflation wieder einzudämmen, die ganz eindeutig auf diese Politik zurückzuführen ist – initiiert durch das Mismatch von Angebot und Nachfrage.

Anders jedoch der Staat, der weiterhin Schulden macht, als ob es kein Morgen gäbe. Doch welche Faktoren sind neben der Inflationsbekämpfung eigentlich die wichtigsten für die US-Notenbank? Eine seltsame Frage, denn eigentlich lautet deren Mandat: Preisstabilität und maximale Beschäftigung. Aber die Aktienmärkte sind für die Wirtschaft der USA zu einem großen Faktor geworden.

Die gigantisch gewachsene US-Aktienmärkte

Thema Nummer eins dürfte dann für die Fed und die US-Gesellschaft überraschenderweise tatsächlich die Aktienmärkte sein. Der US-Aktienmärkte stehen mehr als fünfmal höher als 2009 bei über 50 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung, alleine der S&P 500 ist seit seinem Tief vom 9. März 2009 um über 670 Prozent in der Spitze gestiegen. Ein (extremer) Einbruch von 50 Prozent würde damit fast ein ganzes Bruttoinlandsprodukt eines Jahres auslöschen. Was dann mit den Steuereinnahmen los wäre, kann man sich vorstellen – bei fast 35 Billionen Dollar Staatsschulden, in einer mit 100 Billionen Dollar verschuldeten US-Gesellschaft. 50 Prozent der Amerikaner hängen am Aktienmarkt, auch künftige Pensionäre, die sich schon vorher extrem im Konsum zurückhalten müssten, wenn die Aktienmärkte einbrächen.

Historische Betrachtungen haben gezeigt, dass die Fed zumeist bereits das Wording änderte, wenn die Aktienmärkte zwischen zwei Fed-Sitzungen um 10 Prozent verloren hatten.

In der großen Finanzkrise 2007/2008 hatte der S&P 500 zwar 56 Prozent seiner Marktkapitalisierung eingebüßt, aber der Anteil am Bruttoinlandsprodukt war ein ganz anderer als heute.

Kurzum: Der Wohlstand in den USA ist abhängiger denn je vom Zustand der Aktienmärkte!

Die US-Arbeitslosigkeit, bereits seit 26 Monaten unter vier Prozent

Thema Nummer zwei für die Fed und erst recht für die Regierung, ist sehr wahrscheinlich der Arbeitsmarkt. Bedingt durch mehrere Faktoren (hohe Zahl an Frühpensionierungen, demographischer Wandel, starke Migration), liegt die Arbeitslosenquote bereits seit über zwei Jahren auf einem 55-Jahrestief. Zwischen 3,4 und 3,9 Prozent Arbeitslosenrate schwankend. Sollte die Arbeitslosigkeit aber deutlich über vier Prozent steigen, hat die aktuelle Administration ein Riesenproblem bei ihrer Wählerschaft. Außerdem wird stante pede der Konsum leiden und damit Wirtschaft und Steuereinnahmen einbrechen.

Die US-Inflation, schon 36 Monate in Folge über drei Prozent

Thema Nummer drei ist vermutlich die Inflation, die Steuer für den kleinen Mann, die natürlich auch nicht weit über zwei Prozent auf längere Zeit toleriert werden kann. Dem Staat kämen aber bei der gegenwärtigen Verschuldung tiefe Inflationsraten äußerst in die Quere, denn wie soll man von dieser gigantischen Schuldenlast anders herunterkommen, als durch moderate Inflation und mittels höherer nominaler Staatseinnahmen? Eine Deflation wäre ein noch größeres Übel als in früheren Zeiten. Die Staatsschulden lagen seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie so hoch wie aktuell und die jährlichen Defizite schwanken bereits seit Corona auf absurd hohen Niveaus. Auf sieben bis neun Prozent zum Bruttoinlandsprodukt – und weder Demokraten noch Republikaner scheinen hieran etwas ändern zu wollen.

Das Thema Staatsschulden und deren Bewältigung ist etwas, was man sehr geschickt vor der Öffentlichkeit verbirgt – noch.

Die Vergangenheit hat außerdem gezeigt, dass sich deie Aktienmärkte bei Inflationsraten zwischen 2 und 4 Prozent sehr gut entwickelt hatten. Das Jahr 2024 wird in dieser Hinsicht extrem spannend und man sollte damit rechnen, dass alles, was in den ersten drei Monaten bedeutsam war, nach der zweiten Hälfte des Jahres zur Makulatur werden könnte.

Die Welt ist mit 350 Prozent zum Weltsozialprodukt verschuldet, 73 Prozent der Notenbanken global senkten bereits die Zinsen – oder denken darüber nach. Das Schulden Thema wird bald an Bedeutung gewinnen, an erster Stelle die USA, auf die fast ein Drittel der Gesamtverschuldung fällt.

Fazit

Die zu lange Nullzinsphase der Fed ist weiterhin ein Experiment mit unbekanntem Ausgang. Daher halte ich es für sehr vermessen, Prognosen über die Entwicklung der Zinsen über die nächsten zwölf Monate zu tätigen. Sowohl die Federal Reserve mit ihrer Zinspolitik, als auch der Staat mit seiner unhaltbaren Verschuldungsorgie haben der US-Gesellschaft eine extrem knifflige Perspektive beschert. Jerome Powell wird fast nicht anderes übrig bleiben, als sich politischem Druck zu beugen.

Spätestens dann, wenn sich eine Korrektur der Aktienmärkte stärker ausweiten sollte. In Richtung Bärenmarkt – wir erinnern uns an den Dezember 2018/Januar 2019, als Fed-Chef Powell nach einem Einbruch der Aktienmärkte plötzlich seine Aussagen zur Entwicklung der Zinsen abrupt änderte..



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3 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Na der ja berühmte „FED Put “ soll es also wieder alles richten. Kann sein, muss nicht sein. Schauen wir uns deshalb das Bild im September 2007 an.

    Im September 2007 senkt die FED zum ersten mal die Zinsen. Die Märkte jubeln, der Dow erreicht bei über 14 000 ein neues All Time High….

    Aber erst im März 09 ,sollte die Abwärtsbewegung bei rund 6550 Punkten ein Ende finden. Leitzinssenkungen sind also kein Allheilmittel.

    Leitzinssenkungen mit einer Ausweitung der Geldmenge ( QE) …ja…nur unendlich geht das nicht…

    Im Hintergrund lauert schon die Inflation…

    Die Inflation ist immer noch nicht besiegt, das haben die jüngsten Daten bewiesen. Es kömmt nun drauf an ob die FED Wort hält oder wieder vor den Märkten einknickt…

    Langfristig orientierte Anleger lieben den Crash, denn im Einstieg liegt der Gewinn…

  2. Es könnte auch sein ,dass die Finanzmafia lieber Trump als Biden möchte und darum den Biden mit einem kleinen Crash vor den Wahlen abschiesst. Biden, der schon von höheren Steuern für Reiche und grosse Firmen gesprochen hat ,hat sich wohl selber abgewählt. Ohne Unterstützung der Finanzindustrie wird bei den Amis keiner Präsident. Somit könnte man die Korrektur Biden in die Schuhe schieben, irgendwann wird sie sowieso kommen müssen, auch Trump könnte sie höchstens hinausschieben. ALSO LIEBER VOR DEN WAHLEN, und Trump könnte dann wieder als grosser Aktientreiber auf tieferem Niveau glänzen.

  3. Pingback: Nasdaq: KI-Blase platzt weiter - und Verfalls-Erscheinungen! - wealthflow.ch

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