Das große Bankensterben in Deutschland – es gibt Vorteile und Nachteile

FMW-Redaktion

Die Zahl der Banken in Deutschland geht in der Langfristbetrachtung dramatisch zurück, liegt aber dank unseres Systems aus Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Relation immer noch deutlich höher als in vielen Nachbarländern. Gab es 1990 noch mehr als 4.000 Banken in Deutschland, waren es zur Jahrtausendwende nur noch 3.000. Aktuell sind es nur noch 1.950 Banken. Rein rechnerisch kann man grob sagen, dass es in Frankreich auf 100.000 Einwohner eine Bank gibt, in Deutschland immer noch zwei.

Das ist natürlich kaum ein Trost gerade für ältere Menschen, die schon jetzt zum Geldabheben eine kleine Weltreise in Nachbarstädte machen müssen. 32.000 Bankfilialen gibt es noch insgesamt in Deutschland. Auch diese Zahl sinkt rasant. Lustigerweise wird dann immer von Zusammenlegungen und Restrukturierungen von Filialen gesprochen, und nie von Schließungen. Mit Abstand am Stärksten wirkt das Negativzins-Umfeld auf die Genossenschaftsbanken (Volks- und Raiffeisenbanken).

Sie sind in der Regel die kleinsten Banken, mit wenig Filialen und wenig Einlagevolumen. Daher müssen sie zusehen, wo sie abbleiben. Die Zahl dieser Banken sank von 1.800 zur Jahrtausendwende auf zuletzt 972. Die Zahl der Filialen sank von 17.500 auf 11.800. Die Zahl der Fusionen von kleinen Genossenschaftsbanken hin zu größeren und finanzstärkeren Banken war zuletzt schon hoch, und soll laut dem Branchenverband BVR auch noch weitergehen. Filialen können geschlossen und Mitarbeiter entlassen werden – das spart viele Kosten. Und da die Konkurrenz bei Sparkassen, Deutsche Bank und Co genau so vorgeht, haben enttäuschte Kunden kaum einen Vorteil durch einen Bankwechsel.

So geht die Kosteneinsparung letztlich zulasten des Kunden. Die Sparkassen hatten zur Jahrtausendwende noch 563 Institute, zuletzt noch 403. Die deutschen Landesbanken (Dachinstitute der Sparkassen) sterben aufgrund von bekannten Gründen nach und nach aus. Vielleicht bleiben von elf Stück zur Jahrtausendwende am Ende noch drei oder vier übrig? Zuletzt fusionierten bei den Genossenschaftsbanken auch die Dachinstitute WGZ und DZ Bank. Das spart Kosten und Mitarbeiter. Der Abbau der Mitarbeiter ist übrigens Monat für Monat im Bericht der Bundesagentur für Arbeit ein auffälliger Posten, wenn es darum geht, in welchen Branchen neue Stellen geschaffen werden, und wo Stellen abgebaut werden.

Banken und Versicherungen bauen Monat für Monat deutlich Stellen ab – eine aussterbende Branche, die von der Automatisierung anscheinend zum großen Teil vernichtet wird, wenn es um Menschen als Mitarbeiter geht. Verlieren tun beim Bankensterben also die Mitarbeiter, und vor allem Kunden, die auf ein großes Filialnetz in der Fläche angewiesen sind. Ob die (dank weniger Filialen und Mitarbeitern) wohl weniger stattfindende „Bankberatung“ ein Nachteil oder nicht eher ein Vorteil für die Kunden ist, kann sich jeder selbst beantworten. Profitieren werden wohl vor allem technikbegeisterte Kunden, die dank Digitalisierungsdruck ihre Bankangelegenheiten am liebsten nur noch per App abwickeln wollen.

Diese Lawine ist gerade voll am Laufen. Die (auch nach EZB-Aussagen) immer noch deutlich zu große Zahl der Banken in Deutschland hat aber auch Vorteile. Gerade dank Sparkassen und Genossen verteilt sich hierzulande das Risiko stärker als anderswo. Natürlich ist die gigantische zentral systemrelevante Deutsche Bank ein echtes Problem – vielleicht schon bei der nächsten großen Krise? Aber insgesamt gesehen vereinen die deutschen von der EZB beaufsichtigten systemrelevanten Banken „nur“ 65% der Gesamtaktiva aller Banken im Land. Andernorts in Europa sind es oft über 80%.

Vor allem das zur Zentralisierung neigende Frankreich verteilt das Risiko auf weniger Schultern. Dort vereinen die fünf größten Banken 80% der Bilanzsumme des Bankensektors auf sich, in Deutschland sind es nur 50%. Wie gesagt… wenn hier zulande nur die beiden großen Brocken Commerzbank und vor allem Deutsche Bank nicht wären, dann wäre da systemische Risiko hier wunderbar breit gestreut. Aber wie bekommt man die Deutsche klein und unbedeutend? Braucht man dafür erst einen neuen großen Crash, der die Politik aufrüttelt mit dem Entschluss „die Deutsche Bank ist zu relevant, sie muss aufgeteilt werden“?


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