Ölpreis: Die Saudis sollen die Fördermenge senken? Warum?

Von Claudio Kummerfeld

Der Ölpreis fällt weiter. Die Saudis sollen die Fördermenge senken, so der Wunsch, die Hoffnung, die unterschwellig Aufforderung der Marktteilnehmer und Kommentatoren. Aber warum die Saudis? Haben Sie die Explosion der Fördermenge der letzten Jahre zu verantworten? Nein.

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Fracking im „Bakken“-Ölfeld in North Dakota, USA
Foto: Joshua Doubek / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Nomalerweise zwingt oder drängt man denjenigen ein Problem zu beheben, der es verursacht hat. Wer ist für den explosionsartigen Anstieg der Öl-Fördermenge in den letzten 5 Jahren verantwortlich? Die Saudis? Nein – es ist die nordamerikanische Fracking-Industrie und die Ölsand-Industrie in Kanada. Warum also fordern Kommentatoren, Zeitungsschreiber und unterschwellig auch Politiker und Wirtschaftsbosse gerade die Saudis auf, doch bitte endlich die Fördermenge zu reduzieren, damit der Ölpreis steigen kann? Kaum verständlich. „Ich schaffe ein Problem – kümmer Du dich drum“.

Zuerst da gewesen

Die Saudis waren zuerst da mit ihrer Ölproduktion und fördern genau so ihr Öl wie vor 10 Jahren. Die amerikanische Fracking-Industrie hat gewartet, bis Fracking durch den steigenden Ölpreis rentabel wurde, und hat dann angefangen immer mehr Bohrstellen zu erschließen und immer mehr Öl zu fördern – aktuell sogar so viel Öl, dass die USA komplett auf Ölimporte verzichten können. Das Öl der externen Produzenten muss dann ja irgendwo anders untergebracht werden. Die normale marktwirtschaftliche Reaktion: viel zu viel Angebot, die Nachfrage bleibt gleich oder fällt sogar geringfügig…. der Preis fällt, und fällt, und fällt, immer weiter. Nur der Verursacher kümmert sich nicht darum das Problem, dass er geschaffen hat, zu beheben, in dem erst selbst die Fördermenge reduziert. Nein, er verweist auf die Saudis, warum die denn nicht endlich mal ihre Fördermenge senken. Paradox, merkwürdig, peinlich, diese Argumentation.

Das eigene Grab geschaufelt

Wenn man selbst, sagen wir mal ganz simpel, drei Mal so teuer produziert wie die Saudis (60 statt 20 Dollar pro barrel) und mit einer Öl-Schwemme den Preis immer weiter zum Einstürzen bringt, macht es keinen Sinn sich über den niedrigen Preis zu beschweren. Wenn Sie ein Haus in Brand stecken und immer weiter Brandbeschleuniger ins Feuer kippen, ist es ja auch Quatsch da zustehen und sich zu wundern, warum das Haus immer schneller abfackelt.


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