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100% Systemrelevanz: Fusion von UniCredit mit Societe Generale wäre ein genialer Schachzug

Redaktion

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Angeblich gibt es derzeit Gedankenspiele seitens der HypoVereinsbank-Mutter UniCredit aus Italien mit der zweitgrößten französischen Bank Societe Generale zu fusionieren. Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier soll die treibende Kraft hinter dieser Idee sein, so hat es die FT vermeldet. Das wäre logisch, denn Mustier ist erstens selbst Franzose, und außerdem leitete er früher das Investmentbanking von SocGen. Aber warum gerade das Gedankenspiel mit einer französischen Bank zu fusionieren?

Positive Aussagen zu so einer Fusionsidee gibt es von beiden Banken derzeit nicht. Von daher könnte es nur ein Gerücht und/oder ein Gedankenspiel von Mustier bleiben. Aber wenn es zu dieser Fusion kommen sollte, wäre es aus Sicht vor allem von UniCredit wohl ein genialer Schachzug. Denn damit wäre die fusionierte Bank die absolute 100%ige Systemrelevanz in der Eurozone. Mehr ginge nicht. UniCredit als Nummer 1 in Italien ist quasi die „Deutsche Bank“ des Landes. Die Italiener können sie auch jetzt schon nicht fallen lassen.

UniCredit hatte sich jüngst durch Kapitalmaßnahmen zwar gestärkt. Aber gerät Italien als Volkswirtschaft weiter ins Wanken, wie will UniCredit das überleben? Und die französischen Banken sind in Italien auch ordentlich vertreten in Form von Krediten. Durch eine Fusion würde das „Exposure“ der neuen Bank in italienischen Schulden stark anwachsen. Was wäre der große Vorteil? Auch der französische Staat hätte dann zukünftig aus Sicht der eigenen Staatsraison die unausgesprochene Pflicht dieses Institut zu retten, komme was da wolle.

Von daher hätte UniCredit zukünftig nicht nur den italienischen, sondern auch den französischen Staat im Rücken, wenn es darum geht einen letzten großen Rettungsanker zu haben. Der neue moderne französische Präsident Macron mag auch noch so marktliberal sein – aber eine Societe Generale (von der Bedeutung her grob vergleichbar mit der Commerzbank in Deutschland) im Strudel der Italiener crashen zu lassen, das würde auch er nicht zulassen. Auch er würde französische Steuergelder in die fusionierte Bank pumpen, genau wie die italienische Regierung.

Dies gilt natürlich immer nur für das Szenario eines richtigen Zusammenbruchs, durch den eine fusionierte Bank UniCredit/SocGen kräftig ins Strudeln gerät. Man wäre dann in beiden Ländern derart wichtig („Systemrelevanz“), dass man sich auf eine doppelt staatliche Rettung verlassen könnte. Es könnte sein, dass Mustier genau auf diese Verknüpfung und Systemrelevanz abzielt. So eine fusionierte Bank hätte ein enormes Erpressungspotenzial gegenüber der Eurogruppe. Lasst ihr uns fallen, geht hier (in Euroland) alles den Bach runter.

Unicredit-Aktie seit Januar
Die Unicredit-Aktie seit Januar. Sie wurde arg verprügelt durch die Italien-Wahl sowie die anschließende Regierungsbildung.


Foto: Walter J. Rotelmayer; https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons (CC BY-SA 3.0)

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    frank

    4. Juni 2018 09:40 at 09:40

    Nachtigall ick hör dir trapsen… Deutschland wäre der große Verlierer der Fusion. Eurobonds und Haftungsunion wären die Folge. UC u. SG wären zusammen zu groß und stark. Dabei vereinen sich italienische Überschuldung und maßloser imperialer französischer Expansionswille. Das ganze wird von den soliden Deutschen und Österreichern getragen über HVB und Bank Austria getragen.

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    Wolfgang M.

    4. Juni 2018 10:06 at 10:06

    Was habe ich als Fazit zu meinen Italienüberlegungen vom Samstag gezogen? Euroaustritt nein, aufgrund extremer wirtschaftlicher Verwerfungen. „Vergemeinschaftung“ von Schulden in der Eurozone durch zahlreiche rechtliche Konstrukte – die Lösung, im Zeitraum der politischen Karriere der verantwortlichen Politiker. Nach uns die Sintflut.

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      Columbo

      4. Juni 2018 11:08 at 11:08

      Italien, ein Sturm im Wasserglas, ein Medienspektakel, das glauben die Märkte immer mehr. Es perlt einfach alles ab, Trump, Brexit, Italien, keine Problem, die Konjunktur läuft.
      So paradox es scheint, aber vielleicht schafft gerade die neue Regierung in Rom die Wende vor dem Untergang.
      Das einzig verläßliche Untergangsbarometer ist der Goldpreis. Damals während der Griechenlandkrise stieg er, danach ließen ihn alle Ereignisse kalt, es waren eben nur Stürme im Wasserglas.

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    Beobachter

    4. Juni 2018 10:59 at 10:59

    Eine gute Idee aus zwei schlechten kleineren Banken eine schlechte grosse zu machen, die dann gerettet werden müsste.Dies würde natürlich den Bestrebungen „ Too big to fail“ die nach der letzten Krise ein Thema waren, das man bekämpfen wollte, grobfahrlässig entgenlaufen.Wenn die Plolitiker das zulassen würden,wäre das der Beweis, das sich die Lage trotz langer Tiefzinspolitik, oder gerade deswegen, nicht verbessert hat.

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    Denker

    4. Juni 2018 11:20 at 11:20

    Man überlege sich folgendes. Banken schöpfen Geld aus dem Nichts durch Kreditvergabe. Dieses Nichts besteht aus Einsen und Nullen. Fusionieren jetzt Einsen und Nullen dann wird ja quasi aus Nichts auch nicht mehr, oder? Und wenn Nichts in Gefahr läuft sich aufzulösen dann erpresst man Menschen die glauben Nichts hätte einen Wert, um sich wiederum aus dem Nichts, Nichts zu leihen. So türmt sich Nichts immer weiter auf. Zum Schluß bringen sich viele wegen Nichts um, weil sie zu viel aus dem Nichts geliehen haben und die Banken ihr Nichts wieder haben wollen. Geiles Geschäftsmodell oder nur totaler Wahnsinn.

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      frank

      4. Juni 2018 14:16 at 14:16

      Schwachsinn! Geld entsteht durch Kreditvergabe und mit den Krediten werden Immobilien gebaut oder Maschinen gekauft. Somit landet das „Nichts“ in der Realwirtschaft.

      • Avatar

        Denker

        4. Juni 2018 16:06 at 16:06

        OMG… Nichts verstanden!!!

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    Marcus

    4. Juni 2018 12:00 at 12:00

    Wieso ist das ein genialer Schachzug ? Wollte man nicht nach der Finanzkrise Banken nie wieder so groß werden lassen das sie too big to fail sind ? Hier wird das genau Gegenteil praktiziert ! Meiner Ansicht nach ist das genau der falsche Weg, und das wird sich Zukunft bitter rächen nämlich das der Steuerzahler noch viel mehr Geld in die Banken einschießen muss.

    Absolut nichts gelernt aus der Finanzkrise !

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    Wolfgang M.

    4. Juni 2018 12:02 at 12:02

    Auch wenn ich schon mehrfach die Konterkarierung des Leistungsprinzips bei der deutschen Bank kritisiert habe – 24 Mrd. € an Boni seit 2008, 4 Kapitalerhöhungen, zuletzt Ausschüttung von 1 Mrd. Bonus an die Händler als Halteprämie, jetzt Abfindungen an diese Mitarbeiter, um sie aus ihren Verträgen zu bekommen – ist jetzt eine interessante Konstellation für dieses systemrelevante Institut entstanden. Die Bewertung der Bank (Kurs/Buchverhältnis ist auf ein absolut extremes Tief gefallen und eine Zerschlagung/Fusion steht plötzlich als früher undenkbare Option im Raum. Aber kurzfristig sehr interessant ist auch die Shortquote von sagenhaften 5,1 auf die ausstehenden Aktien. Diese müssen ja zurückgekauft werden, mit entsprechender Kursreaktion. Was hat man alles gemutmaßt, als Bridgewater auf Dax-Werte im Januar eine Shortquote von 1,5 auf Dax-Unternehmen hielt. Da könnte es in Bälde eine heftige Gegenbewegung geben.

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      philotos

      4. Juni 2018 13:36 at 13:36

      „Aber kurzfristig sehr interessant ist auch die Shortquote von sagenhaften 5,1 auf die ausstehenden Aktien.“
      Woher kommt denn diese Zahl? Dem Bundesregister kann man momentan ein Leerverkauf-Minimum von 2,96% entnehmen.

      „Diese müssen ja zurückgekauft werden, mit entsprechender Kursreaktion.“
      Ist Börse wirklich so einfach? ;-)

      • Avatar

        Wolfgang M.

        4. Juni 2018 14:30 at 14:30

        @Philotos. Die Daten über die Leerverkaufsquote stammen von IHS Markit und wurden vom Handelsblatt veröffentlicht. Dieses internationale Analysehaus kann man natürlich anzweifeln. Und wer behauptet, dass Börse einfach ist?
        Eigentlich noch interessanter ist die Leerverkaufsquote von Tesla. Für mich ein Grund, warum es bei diesem Unternehmen noch nicht zu einem richtigen Einbruch kam.
        Gruß

        • Avatar

          philotos

          4. Juni 2018 18:08 at 18:08

          Könnten Sie diese These erläutern? Dass eine ‚hohe‘ Shortquote die Kurse von einem Einbruch abhält.

          • Avatar

            Wolfgang M.

            4. Juni 2018 19:19 at 19:19

            @Philotos. Beispiel: Wenn bei Tesla bis zu 30% der Aktien leerverkauft wurden, kann man davon ausgehen, dass diese an unterschiedlichen Tagen und zu unterschiedlichen Preisen erworben wurden. Dadurch entstehen unterschiedliche Gewinnprofile durch Preisdifferenzen beim Rückkauf und unterschiedliche Leihgebühren (Dauer der Leihe). Wenn bei einem Kursrutsch Anleger die Aktie zurückkaufen, entsteht tendenziell ein Preisanstieg, der um so größer wird, desto mehr Aktien „eingedeckt“ werden. Dieses bietet damit einen gewissen Schutz vor dem richtigen Absturz. Wenn bei einem richtigen Crash aber auch andere Anleger in Panik verkaufen, wird der Effekt des Rückkaufs geringer, andererseits ist eine Shortsqeeze unglaublich aufregend (aufgrund eines Gerüchts z.B. einer Übernahme), weil der Rückkauf sehr verlustreich wird. Ich erinnere mich an das Jahr 2005 als Porsche Vw übernehmen wollte und still und heimlich Aktien von Vw einsammelte. Hedgefonds setzten heftig auf Leerverkäufe, es gab aber nur noch wenig Stücke am Markt. Ergebnis: Der Kurs der Vw-Aktie stieg in kurzer Zeit von 200 auf über 1000€ und war kurzzeitig die teuerste Aktie der Welt. Ein schwäbischer Großindustrieller (Merckle) verlor 1 Mrd. € und nahm sich das Leben. Zugegeben ein Extrembeispiel, aber bei Leerverkäufen muss halt zurückgekauft werden, egal zu welchem Preis. Aktuell, bei der deutschen Bank, könnte ein Gerücht (Fusion mit Co-Bank oder einer ausländischen Bank) eine Shortsqueeze auslösen. Die Aktie hat nach verlustreichen Jahren seit Januar schon wieder 40% verloren. Es kann natürlich noch eine Etage tiefer gehen, aber aus meiner Sicht wäre, wie heute erwähnt, zumindest ein temporärer Befreiungsschlag wahrscheinlich (Shortquote 5,1%).
            Gruß

        • Avatar

          philotos

          4. Juni 2018 20:00 at 20:00

          Vielen Dank für die Gedanken im Beitrag unten!

          Schon erstaunlich, dass die Shortquote dann dauerhaft so extrem hoch ist. Bei so vielen Hasenfüßen, die die Position beim geringsten Rücksetzer liquidieren. :-)

          Aber gut. Die werden sicherlich ihre mathematischen Modelle haben, durch die ihre break even Kurse dem Preis-Kurs mit nach oben folgen.

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Atemmasken: Deutschland produziert sie ab Mitte 2021

Wolfgang Müller

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am

Es klingt ein bisschen wie ein Scherz, dass man jetzt den ersten Förderbescheid für die Produktion von Atemmasken seitens der Regierung erteilt hat, eine Allzweckwaffe für die Eindämmung von Covid-19. Im Frühjahr hatte man schmerzlich die Abhängigkeit von China in Sachen medizinischer Schutzausrüstung erkennen müssen. Der kleine Schönheitsfehler dabei: Die Produktion von Atemmasken beginnt erst im Sommer des neuen Jahres.

Der unvorhergesehene Mangel bei Atemmasken

Es war im Frühjahr ein kleiner Schock für das Hochtechnologieland Deutschland: Wir haben hierzulande zwar einen der Weltmarktführer für Beatmungsgeräte (Drägerwerk in Lübeck – Nummer drei für Intensivstationen, Nummer eins für mobile Geräte), aber bei Atemmasken war man in großem Maße abhängig von China. Die weltweite Ausbreitung von Covid-19 sorgte rasch für Ausfuhrverbote medizinischer Schutzausrüstungen und der Bundesregierung wurde klar, dass man handeln musste. Es wurde im Frühjahr ein Förderprogramm für alle Arten von Schutzmasken aufgelegt – und jetzt wurde der erste Förderbescheid an ein deutsches Unternehmen von Wirtschaftsminister Peter Altmaier übergeben. Vorher wurden notfallmäßig Mund-Nasen-Schutzmasken produziert. Unglaublich, wer sich dabei alles an der Produktion beteiligt hat.

Die erste Firma ist Skylotec aus dem rheinland-pfälzischen Neuwied, ein Unternehmen, welches vorher hauptsächlich Absturzsicherungen für Kletterer in der Industrie und im Freizeitbereich hergestellt hat.

Der Bund gab 3,2 Millionen Euro an Fördermitteln, zur Produktion von einer halben Milliarde Masken, ab Sommer diesen Jahres. Anschließend sollen auch die effektiveren FFP2- Masken hergestellt werden, 54 Millionen Stück. Skylotec bekommt damit ein Drittel der Investitionssumme vom Staat. Insgesamt liegen dem Wirtschaftsministerium 270 Anträge für eine staatliche Unterstützung in dieser Produktion vor. Wirtschaftsminister Peter Altmaier weiß natürlich, dass es kritische Fragen geben wird, warum es so lange dauert, bis ein so einfaches Produkt in die Massenfertigung geht. Seine Antwort:

„Man kann solche Programme nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen. Wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis wir alle, die geimpft werden wollen, auch impfen können.“ Die Atemmasken würden in jedem Fall gebraucht werden. „Ob Corona oder nicht, es wird auch künftig Pandemien geben“, so der Minister.

Aber anscheinend hätte die Firma auch ohne Fördergelder mit der Investition begonnen, so der Geschäftsführer von Skylotec, Kai Rinklake.

Ob man im Spätherbst wirklich gleich noch Millionen an Atemmasken (zusätzlich) benötigen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Fazit

Inmitten der Euphorie um die Impfstoffzulassungen, bereits mit ganz konkreten Zahlen – in Hamburg plant man anfangs mit 7000 Impfungen pro Tag, in Berlin mit 5000 -, kommt die Meldung über die ersten Subventionsbescheide der Regierung in Sachen Atemmasken. Irgendwie ein grotesker Widerspuch: Eine Impfstoffentwicklung in noch nie gesehener Geschwindigkeit und die planerische Vorbereitung eines „Hightech-Produktes“ mit Produktionsbeginn in ein paar Quartalen. Ein Gutes hat die Sache: Laut dem Countrymeter liegt die Weltbevölkerung aktuell bereits bei über 7,85 Milliarden Menschen, der Zuwachs 2020 beträgt schon fast 89 Millionen neue Erdenbürger. Da ist es nicht verkehrt, sich prophylaktisch mit Infektionsschutzgerät auszurüsten: nach dem Virus ist vor dem Virus.

Deutschland produziert Atemmasken ab Sommer 2021

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Autoindustrie: Alles Euphorie oder was? Nur Tesla boomt!

Claudio Kummerfeld

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Autos auf Parkplatz

Tesla boomt, aber so richtig! Aber dazu später mehr in diesem Artikel. Haben wir uns geirrt? Was ist hier los? Nein, schauen wir genauer hin. Gestern berichteten wir über die Meldung des ifo-Instituts zu den Geschäftsaussichten (!) der Autoindustrie für die nächsten Monate. Und die haben sich übelst verschlechtert dank dem zweiten Corona-Lockdown. Sie werden von ifo in einem Punkte-Index gemessen. Die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sanken demnach dramatisch von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November (hier die Details).

Verband der Autoindustrie erwähnt bei Inlandsproduktion erstes Plus in diesem Jahr

Aber die stark verfinsterten Aussichten der Autoindustrie sind ja etwas anderes als der derzeitige Zustand der Branche. Und geht man danach, dann ist die Laune gerade heute am 3. Dezember ziemlich gut. Da wäre zunächst der Automobilverband VDA mit seiner ganz frischen Meldung zu nennen. Die deutsche Autoindustrie hat im November zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Im abgelaufenen Monat liefen – unterstützt durch einen zusätzlichen Arbeitstag – 7 Prozent mehr Pkw in Deutschland vom Band (449.900 Einheiten). Damit wurde erstmals in diesem Jahr das Produktionsniveau eines Vorjahresmonats übertroffen. Zwar erwartet der VDA für das Gesamtjahr 2020 ein Volumen von rund 2,9 Millionen Neuzulassungen. Das sei ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber für den Pkw-Inlandsmarkt erwartet man im kommenden Jahr ein Wachstum von 9 Prozent auf 3,1 Millionen Neuzulassungen. Damit sei das Vor-Krisenniveau allerdings noch in weiter Ferne.

Analysten mit aktuellem Kommentar

Die Analysten der Commerzbank sehen in ihrem aktuellen Kommentar die Lage für die Autoindustrie recht optimistisch. Die deutsche Automobilindustrie habe den Einbruch aus dem Frühjahr wettgemacht. Im November wurden in Deutschland zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Dies sei ein weiterer Hinweis darauf, dass zumindest die Industrie bisher durch die gestiegenen Infektionszahlen und die neuerlichen Corona-Einschränkungen nicht spürbar beeinträchtigt wurde, so der Analyst Dr. Ralph Solveen. Er erwähnt, dass auf Basis einer Saisonbereinigung fast 19 Prozent mehr Autos produziert worden seien als im Oktober. Damit seien die saisonbereinigten Produktionszahlen sogar etwas höher ausgefallen als im Durchschnitt des Jahres 2019, also vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Weiter sagt er, hier auszugsweise im Wortlaut: Zunächst einmal zeigen die heutigen Zahlen aber einmal mehr, dass die Industrie von den deutlich gestiegenen Infektionszahlen und den neuerlichen von der Politik verhängten Corona-Einschränkungen kaum beeinträchtigt wird.

Autozulassungen

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat heute Mittag Daten für die Autozulassungen im November veröffentlicht. Die zeigen einen guten Ist-Zustand für die Autoindustrie. Im November wurden in Deutschland 290.150 Neuwagen zum Straßenverkehr zugelassen. Damit liegt man 3,0 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahresmonats. Die Anzahl privater Zulassungen nahm um +22,8 Prozent zu, ihr Anteil betrug 39,4 Prozent. Die gewerblichen Zulassungen gingen um -14,7 Prozent zurück. Die Autozulassungen bei Tesla explodieren mit +500 Prozent! Hier weitere Details des KBA, auszugsweise im Wortlaut:

Die deutschen Marken Opel (+17,1 %), Audi (+3,1 %) und Mercedes (+0,5 %) erzielten Zulassungssteigerungen. Bei den weiteren deutschen Marken zeigten sich Rückgänge, die bei Smart (-49,2 %), VW (-18,4 %) und Ford (-15,8 %) zweistellig ausfielen. Mit 17,6 Prozent erreichte VW erneut den größten Neuzulassungsanteil.

Bei den Importmarken fiel die Neuzulassungsbilanz im November überwiegend positiv aus. Zweistellige Zuwächse von mehr als 30 Prozent zeigten sich bei Tesla (+500,0 %), Fiat (+42,7 %) und Toyota (+33,1 %). Um mehr als 20 Prozent waren die Zulassungen bei Renault (+29,2 %) und Citroen (+28,6 %) gestiegen. Ein Zulassungsminus von mehr als 20 Prozent zeigte sich hingegen bei Ssangyong (-48,0 %), Jaguar (-34,8 %), Mitsubishi (-27,0 %), Alfa Romeo (-21,9 %) und Seat (-21,6 %). Den größten Neuzulassungsanteil verzeichnete hier Skoda mit 5,9 Prozent.

Neuzulassungen mit alternativen Antrieben erfuhren im November eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vergleichsmonat. Mit 28.965 Elektrofahrzeugen legte diese Antriebsart um +522,8 Prozent zu. 71.904 Hybridfahrzeuge bescherten ein Plus von +177,2 Prozent, darunter 30.621 Plug-in-Hybride, die einen Zuwachs von +383,4 Prozent erreichten. Flüssig- und Erdgasfahrzeuge erzielten zusammen ein Plus von +51,9 Prozent wobei der Anteil 0,5 Prozent betrug. Den größten Anteil bildeten dennoch mit 40,4 Prozent die Benziner, deren Neuzulassungsvolumen gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um -32,3 Prozent zurückging, gefolgt von den Diesel-Pkw, deren Anteil nach einem Minus von -25,2 Prozent 24,3 Prozent betrug.

Die folgende Grafik zeigt vor allem ganz rechts mit den roten Balken, wie alle Hersteller bei den Neuzulassungen (teils dramatisch) verlieren im Vergleich Januar-November 2020 zu Januar-November 2019. Nur Tesla boomt mit +37,2 Prozent!

Heute Statistik zeigt im Zulassungsrückgänge für die Autoindustrie

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Finanzaufseher reaktivieren den „legalen Bilanzbetrug“ bei Banken

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken in Frankfurt

Vom legalen Bilanzbetrug bei den Banken sprach schon vor Monaten Markus Krall. Ja und auch Nein, kann man dazu sagen. Wenn der Staat durch neue Gesetze oder Verordnungen eine Änderung vornimmt, wird eben aus einer Straftat oder einem Vergehen eine legale Vorgehensweise – so kann man es auch sehen. Werden Kreditforderungen bei Banken uneinbringbar, und der Kreditnehmer zahlt monatlich Tilgung und Zins nicht mehr, müssen die Banken die Forderung unter normalen Umständen eigentlich abschreiben.

Damit entsteht ein Verlust, der aus dem Eigenkapital der Bank ausgeglichen werden muss. Da die Finanzaufseher von BaFin und EBA (europäische Aufsichtsbehörde) aber richtigerweise annahmen, dass die Coronakrise massenweise Kreditausfälle und somit gigantische Verluste bei den Banken bescheren könnte, entschloss man sich im April dazu, den Banken europaweit eine kleine und unauffällige, aber extrem wichtige Erleichterung zuzugestehen. Sie waren von April bis Ende September nicht verpflichtet, bei gestundeten Krediten Abschreibungen vorzunehmen beziehungsweise Rückstellungen zu bilden.

Oder um es klarer auszudrücken: Schrottkredite mussten nicht länger als Verlust verbucht werden, womit die Bankbilanzen keine milliardenschweren Verluste ausweisen mussten. Und das, obwohl die Kreditforderungen in den Büchern Schrott waren. In welchem Umfang dies der Fall ist und war, wissen wir nicht. Denn wenn die Banken in ihren Büchern wertlose Forderungen weiter als werthaltig deklarieren, wie soll ein externer Beobachter dann wissen können, wie groß der Umfang des Schrotts ist?

„Legaler Bilanzbetrug“ bei Banken wieder erlaubt

Und nun lief diese Sonderregel bis Ende September. Von da an mussten auch diese wackligen Forderungen wieder wie früher sauber verbucht werden. Aber nun läuft ja die zweite Corona-Welle durch Europa. Viele neue Insolvenzen und damit ausgefallene Kredite drohen. Und was sehen wir da? Zack, EBA und BaFin veröffentlichten gestern die „Reaktivierung der Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien“. Dass es im Kern darum geht, dass Banken Schrott erneut nicht mehr als Schrott deklarieren müssen und daher auch keine Verluste ausweisen müssen, das wird so nicht direkt erwähnt. Man verweist nur auf die Reaktivierung einer alten Leitlinie (aber dort kann man es bei genauem Hinschauen nachlesen).

Zitat EBA aus April:

The aim of these Guidelines is to clarify the requirements for public and private moratoria, which if fulfilled, will help avoid the classification of exposures under the definition of forbearance or as defaulted under distressed restructuring.

Zitat BaFin im März:

So ist beispielsweise ein Schuldner nicht zwingend als ausgefallen einzustufen, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden.

Das Gute an dem Zeitpunkt könnte auch sein, dass sie über den Jahreswechsel (Stichtag 31.12.) gültig sind. Könnten Banken so die Chance haben, für das Gesamtjahr 2020 massenweise Schrottkredite als vollwertige Forderung im Jahresabschluss auszuweisen, womit gigantische Verluste vermieden werden können, obwohl sie real vorhanden sind? Denn die von nun an erfolgte Reaktivierung bedeutet, dass die Banken bis März 2021 wieder so tun können, als würden Schrottkredite vollwertige Forderungen in ihren Büchern darstellen. Ohne diese Reaktivierung müssen Banken automatisch damit beginnen Rückstellungen zu bilden für ausgefallene Kredite, bei denen die Kunden mit ihren Zahlungen mehr als 90 Tage im Verzug sind. Laut EBA können auch Kredite, die bislang nicht in den Genuss dieser „Erleichterungen“ kamen, nun auch von Zahlungsaufschüben profitieren.

Die BaFin erwähnt dazu, dass problematische Kredite auch weiterhin als solche in den Büchern ausgewiesen werden sollen. Aber hey, wenn ich Problemkredite als saubere Kredite deklarieren darf, dann nutze ich diese Gelegenheit doch? Zitat BaFin:

Die Reaktivierung werde sicherstellen, dass Darlehen, die bisher nicht in Zahlungsmoratorien einbezogen waren, nun auch einbezogen werden können. Die EBA will erreichen, dass die Institute weiter Kredite an die Realwirtschaft vergeben. Problematische Engagements sollen sie aber sauber in ihren Bilanzen abbilden. Daher darf eine neue Zahlungsentlastung – einschließlich ggf. bereits schon gewährter Zahlungsentlastungen – nur innerhalb von insgesamt neun Monaten fällige Zahlungen betreffen.

Die EBA erlaubt den Banken neue Zahlungsziele ohne genaue Prüfung jeden Kredits zu akzeptieren. Die neue Regelung soll wie gesagt bis Ende März 2021 gelten. Wohl um so zu tun, als würde man die Zügel diesmal enger anziehen und die Lage genau im Griff haben, führt man zwei verschärfende Beschränkungen ein, die aber auch für bereits bestehende Moratorien schon gelten.

So sollen die Banken ihrer jeweiligen Aufsichtsbehörde (in Deutschland der BaFin) Pläne vorlegen, aus denen hervorgehen soll, wie man sicherstellen will, dass man rechtzeitig die Zahlungsunfähigkeit eines Kreditkunden in Bezug auf die dem Moratorium unterliegenden Kredite bemerkt. Klingt doch ziemlich nach Erstellung von ein paar schönen Seiten Papier, die abgeheftet werden. Wir denken uns einen Notfallplan aus, reichen den beim Amt ein, und hoffen das Beste. Die Aufsichtsbehörde hofft auch das beste, und ist froh, dass wie vorgeschrieben ein „Plan“ eingereicht wurde?

Und noch was. Wenn im Rahmen eines allgemeinen Zahlungsmoratoriums durch Banken neue Zahlungsziele vereinbart werden, dann dürfen sie nicht länger als neun Monate dauern. Damit wird die Dauer eines Moratoriums gegenüber einem Kreditnehmer ab 30. September insgesamt gekappt. Dabei sollen auch die vor dem 30. September bestehenden Moratorien mit einbezogen werden. Auch für sie gelten die neuen Regeln, selbst wenn dann die Spanne von neun Monaten überschritten werden sollte.

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