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100% Systemrelevanz: Fusion von UniCredit mit Societe Generale wäre ein genialer Schachzug

Redaktion

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Angeblich gibt es derzeit Gedankenspiele seitens der HypoVereinsbank-Mutter UniCredit aus Italien mit der zweitgrößten französischen Bank Societe Generale zu fusionieren. Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier soll die treibende Kraft hinter dieser Idee sein, so hat es die FT vermeldet. Das wäre logisch, denn Mustier ist erstens selbst Franzose, und außerdem leitete er früher das Investmentbanking von SocGen. Aber warum gerade das Gedankenspiel mit einer französischen Bank zu fusionieren?

Positive Aussagen zu so einer Fusionsidee gibt es von beiden Banken derzeit nicht. Von daher könnte es nur ein Gerücht und/oder ein Gedankenspiel von Mustier bleiben. Aber wenn es zu dieser Fusion kommen sollte, wäre es aus Sicht vor allem von UniCredit wohl ein genialer Schachzug. Denn damit wäre die fusionierte Bank die absolute 100%ige Systemrelevanz in der Eurozone. Mehr ginge nicht. UniCredit als Nummer 1 in Italien ist quasi die „Deutsche Bank“ des Landes. Die Italiener können sie auch jetzt schon nicht fallen lassen.

UniCredit hatte sich jüngst durch Kapitalmaßnahmen zwar gestärkt. Aber gerät Italien als Volkswirtschaft weiter ins Wanken, wie will UniCredit das überleben? Und die französischen Banken sind in Italien auch ordentlich vertreten in Form von Krediten. Durch eine Fusion würde das „Exposure“ der neuen Bank in italienischen Schulden stark anwachsen. Was wäre der große Vorteil? Auch der französische Staat hätte dann zukünftig aus Sicht der eigenen Staatsraison die unausgesprochene Pflicht dieses Institut zu retten, komme was da wolle.

Von daher hätte UniCredit zukünftig nicht nur den italienischen, sondern auch den französischen Staat im Rücken, wenn es darum geht einen letzten großen Rettungsanker zu haben. Der neue moderne französische Präsident Macron mag auch noch so marktliberal sein – aber eine Societe Generale (von der Bedeutung her grob vergleichbar mit der Commerzbank in Deutschland) im Strudel der Italiener crashen zu lassen, das würde auch er nicht zulassen. Auch er würde französische Steuergelder in die fusionierte Bank pumpen, genau wie die italienische Regierung.

Dies gilt natürlich immer nur für das Szenario eines richtigen Zusammenbruchs, durch den eine fusionierte Bank UniCredit/SocGen kräftig ins Strudeln gerät. Man wäre dann in beiden Ländern derart wichtig („Systemrelevanz“), dass man sich auf eine doppelt staatliche Rettung verlassen könnte. Es könnte sein, dass Mustier genau auf diese Verknüpfung und Systemrelevanz abzielt. So eine fusionierte Bank hätte ein enormes Erpressungspotenzial gegenüber der Eurogruppe. Lasst ihr uns fallen, geht hier (in Euroland) alles den Bach runter.

Unicredit-Aktie seit Januar
Die Unicredit-Aktie seit Januar. Sie wurde arg verprügelt durch die Italien-Wahl sowie die anschließende Regierungsbildung.


Foto: Walter J. Rotelmayer; https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons (CC BY-SA 3.0)

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    frank

    4. Juni 2018 09:40 at 09:40

    Nachtigall ick hör dir trapsen… Deutschland wäre der große Verlierer der Fusion. Eurobonds und Haftungsunion wären die Folge. UC u. SG wären zusammen zu groß und stark. Dabei vereinen sich italienische Überschuldung und maßloser imperialer französischer Expansionswille. Das ganze wird von den soliden Deutschen und Österreichern getragen über HVB und Bank Austria getragen.

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    Wolfgang M.

    4. Juni 2018 10:06 at 10:06

    Was habe ich als Fazit zu meinen Italienüberlegungen vom Samstag gezogen? Euroaustritt nein, aufgrund extremer wirtschaftlicher Verwerfungen. „Vergemeinschaftung“ von Schulden in der Eurozone durch zahlreiche rechtliche Konstrukte – die Lösung, im Zeitraum der politischen Karriere der verantwortlichen Politiker. Nach uns die Sintflut.

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      Columbo

      4. Juni 2018 11:08 at 11:08

      Italien, ein Sturm im Wasserglas, ein Medienspektakel, das glauben die Märkte immer mehr. Es perlt einfach alles ab, Trump, Brexit, Italien, keine Problem, die Konjunktur läuft.
      So paradox es scheint, aber vielleicht schafft gerade die neue Regierung in Rom die Wende vor dem Untergang.
      Das einzig verläßliche Untergangsbarometer ist der Goldpreis. Damals während der Griechenlandkrise stieg er, danach ließen ihn alle Ereignisse kalt, es waren eben nur Stürme im Wasserglas.

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    Beobachter

    4. Juni 2018 10:59 at 10:59

    Eine gute Idee aus zwei schlechten kleineren Banken eine schlechte grosse zu machen, die dann gerettet werden müsste.Dies würde natürlich den Bestrebungen „ Too big to fail“ die nach der letzten Krise ein Thema waren, das man bekämpfen wollte, grobfahrlässig entgenlaufen.Wenn die Plolitiker das zulassen würden,wäre das der Beweis, das sich die Lage trotz langer Tiefzinspolitik, oder gerade deswegen, nicht verbessert hat.

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    Denker

    4. Juni 2018 11:20 at 11:20

    Man überlege sich folgendes. Banken schöpfen Geld aus dem Nichts durch Kreditvergabe. Dieses Nichts besteht aus Einsen und Nullen. Fusionieren jetzt Einsen und Nullen dann wird ja quasi aus Nichts auch nicht mehr, oder? Und wenn Nichts in Gefahr läuft sich aufzulösen dann erpresst man Menschen die glauben Nichts hätte einen Wert, um sich wiederum aus dem Nichts, Nichts zu leihen. So türmt sich Nichts immer weiter auf. Zum Schluß bringen sich viele wegen Nichts um, weil sie zu viel aus dem Nichts geliehen haben und die Banken ihr Nichts wieder haben wollen. Geiles Geschäftsmodell oder nur totaler Wahnsinn.

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      frank

      4. Juni 2018 14:16 at 14:16

      Schwachsinn! Geld entsteht durch Kreditvergabe und mit den Krediten werden Immobilien gebaut oder Maschinen gekauft. Somit landet das „Nichts“ in der Realwirtschaft.

      • Avatar

        Denker

        4. Juni 2018 16:06 at 16:06

        OMG… Nichts verstanden!!!

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    Marcus

    4. Juni 2018 12:00 at 12:00

    Wieso ist das ein genialer Schachzug ? Wollte man nicht nach der Finanzkrise Banken nie wieder so groß werden lassen das sie too big to fail sind ? Hier wird das genau Gegenteil praktiziert ! Meiner Ansicht nach ist das genau der falsche Weg, und das wird sich Zukunft bitter rächen nämlich das der Steuerzahler noch viel mehr Geld in die Banken einschießen muss.

    Absolut nichts gelernt aus der Finanzkrise !

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    Wolfgang M.

    4. Juni 2018 12:02 at 12:02

    Auch wenn ich schon mehrfach die Konterkarierung des Leistungsprinzips bei der deutschen Bank kritisiert habe – 24 Mrd. € an Boni seit 2008, 4 Kapitalerhöhungen, zuletzt Ausschüttung von 1 Mrd. Bonus an die Händler als Halteprämie, jetzt Abfindungen an diese Mitarbeiter, um sie aus ihren Verträgen zu bekommen – ist jetzt eine interessante Konstellation für dieses systemrelevante Institut entstanden. Die Bewertung der Bank (Kurs/Buchverhältnis ist auf ein absolut extremes Tief gefallen und eine Zerschlagung/Fusion steht plötzlich als früher undenkbare Option im Raum. Aber kurzfristig sehr interessant ist auch die Shortquote von sagenhaften 5,1 auf die ausstehenden Aktien. Diese müssen ja zurückgekauft werden, mit entsprechender Kursreaktion. Was hat man alles gemutmaßt, als Bridgewater auf Dax-Werte im Januar eine Shortquote von 1,5 auf Dax-Unternehmen hielt. Da könnte es in Bälde eine heftige Gegenbewegung geben.

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      philotos

      4. Juni 2018 13:36 at 13:36

      „Aber kurzfristig sehr interessant ist auch die Shortquote von sagenhaften 5,1 auf die ausstehenden Aktien.“
      Woher kommt denn diese Zahl? Dem Bundesregister kann man momentan ein Leerverkauf-Minimum von 2,96% entnehmen.

      „Diese müssen ja zurückgekauft werden, mit entsprechender Kursreaktion.“
      Ist Börse wirklich so einfach? ;-)

      • Avatar

        Wolfgang M.

        4. Juni 2018 14:30 at 14:30

        @Philotos. Die Daten über die Leerverkaufsquote stammen von IHS Markit und wurden vom Handelsblatt veröffentlicht. Dieses internationale Analysehaus kann man natürlich anzweifeln. Und wer behauptet, dass Börse einfach ist?
        Eigentlich noch interessanter ist die Leerverkaufsquote von Tesla. Für mich ein Grund, warum es bei diesem Unternehmen noch nicht zu einem richtigen Einbruch kam.
        Gruß

        • Avatar

          philotos

          4. Juni 2018 18:08 at 18:08

          Könnten Sie diese These erläutern? Dass eine ‚hohe‘ Shortquote die Kurse von einem Einbruch abhält.

          • Avatar

            Wolfgang M.

            4. Juni 2018 19:19 at 19:19

            @Philotos. Beispiel: Wenn bei Tesla bis zu 30% der Aktien leerverkauft wurden, kann man davon ausgehen, dass diese an unterschiedlichen Tagen und zu unterschiedlichen Preisen erworben wurden. Dadurch entstehen unterschiedliche Gewinnprofile durch Preisdifferenzen beim Rückkauf und unterschiedliche Leihgebühren (Dauer der Leihe). Wenn bei einem Kursrutsch Anleger die Aktie zurückkaufen, entsteht tendenziell ein Preisanstieg, der um so größer wird, desto mehr Aktien „eingedeckt“ werden. Dieses bietet damit einen gewissen Schutz vor dem richtigen Absturz. Wenn bei einem richtigen Crash aber auch andere Anleger in Panik verkaufen, wird der Effekt des Rückkaufs geringer, andererseits ist eine Shortsqeeze unglaublich aufregend (aufgrund eines Gerüchts z.B. einer Übernahme), weil der Rückkauf sehr verlustreich wird. Ich erinnere mich an das Jahr 2005 als Porsche Vw übernehmen wollte und still und heimlich Aktien von Vw einsammelte. Hedgefonds setzten heftig auf Leerverkäufe, es gab aber nur noch wenig Stücke am Markt. Ergebnis: Der Kurs der Vw-Aktie stieg in kurzer Zeit von 200 auf über 1000€ und war kurzzeitig die teuerste Aktie der Welt. Ein schwäbischer Großindustrieller (Merckle) verlor 1 Mrd. € und nahm sich das Leben. Zugegeben ein Extrembeispiel, aber bei Leerverkäufen muss halt zurückgekauft werden, egal zu welchem Preis. Aktuell, bei der deutschen Bank, könnte ein Gerücht (Fusion mit Co-Bank oder einer ausländischen Bank) eine Shortsqueeze auslösen. Die Aktie hat nach verlustreichen Jahren seit Januar schon wieder 40% verloren. Es kann natürlich noch eine Etage tiefer gehen, aber aus meiner Sicht wäre, wie heute erwähnt, zumindest ein temporärer Befreiungsschlag wahrscheinlich (Shortquote 5,1%).
            Gruß

        • Avatar

          philotos

          4. Juni 2018 20:00 at 20:00

          Vielen Dank für die Gedanken im Beitrag unten!

          Schon erstaunlich, dass die Shortquote dann dauerhaft so extrem hoch ist. Bei so vielen Hasenfüßen, die die Position beim geringsten Rücksetzer liquidieren. :-)

          Aber gut. Die werden sicherlich ihre mathematischen Modelle haben, durch die ihre break even Kurse dem Preis-Kurs mit nach oben folgen.

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Donald Trump und die Deutsche Bank – hochinteressante Doku

Redaktion

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Von

Warum hat Donald Trump von der Deutschen Bank immer wieder Geld bekommen? Das ist vielleicht die interessanteste Frage, die in der folgenden Doku besprochen wird. US-Banken wollten Donald Trump offenbar kein Geld mehr leihen. Aber die Deutsche Bank tat es, und gab immer mehr Geld, für immer mehr Immobilienprojekte des heutigen US-Präsidenten. Und das, obwohl er vorher zahlreiche Projektpleiten hingelegt hatte. Gab es Sicherheiten aus Russland?

Die Doku beleuchtet im Detail die Beziehungen von Donald Trump nicht nur zur Deutschen Bank, sondern auch wie eng tatsächlich seine Verbindungen zu russischen Geschäftskreisen in New York und in Russland selbst waren. Bisher kam der Präsident selbst bei den Mueller-Ermittlungen in den USA ungeschoren davon. Der Schlüssel liegt wohl in den Geschäftsunterlagen der Deutschen Bank. Wer machte mit wem Geschäfte? Wer hat eventuell Geld gewaschen? Auffällig oft haben russische Käufer bei Trump-Projekten Wohnungen gekauft. Beispielhaft beleuchtet wird dieses Lizenz-System an einem Hochhaus in New York, für das er nur seinen Namen gab, und dafür 18 Prozent der Einnahmen kassierte.

Wusste Donald Trump, dass über seinen Namen und seine Projekte womöglich in gigantischem Umfang Geldwäsche zwielichtiger russischer Kreise abgewickelt wurde? Nachweisen lässt sich bis jetzt definitiv nichts, aber die Dokumentation der Geschäftsabläufe, wie es im folgenden Beitrag gezeigt wird, ist doch sehr aufschlussreich.

Donald Trump im Jahr 2020
Donald Trump

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Immobilienpreise steigen kräftig an – keine Spur von Corona!

Claudio Kummerfeld

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am

Hausbau

Bei Immobilien ist keinerlei Spur von der Coronakrise zu entdecken. Unfassbar. Die Immobilienpreise klettern weiter nach oben wie in den letzten Jahren auch. Im zweiten Quartal sind die Preise für Wohnimmobilien nämlich im Vergleich zum 2. Quartal 2019 um 6,6 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute meldet. Die folgende Grafik zeigt den Häuserpreisindex seit dem Jahr 2015. Es ist keinerlei Einbruch erkennbar in den letzten beiden Quartalen. Nochmal… unfassbar, dass bei 10 Millionen Kurzarbeitern im Höhepunkt der Krise kein Einbruch der Immobilienpreise erkennbar war. Die Statistiker melden aktuell auch, dass die Preise für Wohnungen sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser gegenüber dem Vorquartal um 2 Prozent gestiegen sind. Damit verteuerten sich Wohnimmobilien trotz Corona-Krise weiterhin sowohl in der Stadt als auch auf dem Land.

Immobilienpreise klettern mitten in der Coronakrise immer weiter nach oben

Hier weitere Details von den Statistikern im Wortlaut:

Im 2. Quartal 2020 waren in den sieben größten Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf) Ein- und Zweifamilienhäuser 6,5 % und Eigentumswohnungen 6,1 % teurer als im Vorjahresquartal. Damit setzte sich der Anstieg der Preise für Wohnimmobilien in Metropolen zwar fort, jedoch weiterhin mit einer abnehmenden Dynamik bei Wohnungen. Für Eigentumswohnungen hatte die Veränderungsrate zum Vorjahresquartal im 2. Quartal 2019 noch 7,9 % betragen, im 2. Quartal 2018 lag sie bei 11 %. In den anderen Großstädten ab 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern stiegen im 2. Quartal 2020 die Häuserpreise um 7,3 % und die Preise für Eigentumswohnungen um 8,2 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auch in ländlichen Kreisen wurden Wohnimmobilien im Durchschnitt teurer. So erhöhten sich die Preise für Häuser in dichter besiedelten ländlichen Kreisen um 8,9 % und für Eigentumswohnungen um 5,9 %. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 4,8 %, Wohnungen verteuerten sich um 6,6 %.

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US-Wirtschaft: Warum es ohne KMUs keine Erholung gibt

Hannes Zipfel

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US-Wirtschaft ist angewiesen auf Arbeiter bei den KMUs

Die kleinen und mittleren Unternehmen sind für die US-Wirtschaft von besonderer Bedeutung. Sie stellen einen Großteil der Arbeitsplätze, stehen aber vor enormen Herausforderungen und viele sogar vor dem Aus. Ohne die KMUs wird es keine nachhaltige Erholung und erst recht keinen Wirtschaftsboom in den USA geben.

US-Wirtschaft braucht dringend neue Finanzhilfen

Als Steven Terner Mnuchin (Rep.), seit Februar 2017 US Finanzminister, am Dienstagnachmittag vor dem US-Repräsentantenhaus vom kommenden Boom der US-Wirtschaft im vierten Quartal schwärmte, muss dem ehemaligen Chef der Investmentbank Goldman Sachs die zuvor veröffentlichte Umfrage zum Paycheck Protection Program (PPP) seines früheren Arbeitgebers entgangen sein. Das Ergebnis der Umfrage kontrastiert die Jubelstimmung, die auch von seinem Amtskollegen Olaf Scholz (SPD) in Deutschland immer häufiger zu vernehmen ist.

Nüchterner war da schon die dringende Empfehlung des US-Notenbankchefs Jerome Powell an die Abgeordneten im US-Kongress, die kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) des Landes mit zusätzlichen fiskalischen Maßnahmen zu unterstützen, da ansonsten eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft nicht möglich sei.

Gemäß der jüngsten verfügbaren Daten gab es in den USA im Jahr 2019 gut 31 Millionen Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Diese sogenannten „Small Businesses“ repräsentieren 99,9 Prozent aller Unternehmen und sind größter Arbeitgeber im privaten Sektor der US-Wirtschaft. Die amerikanischen KMUs schufen im letzten Jahr mehr als 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze. Daher ist das Schicksal der kleinen und mittleren Unternehmen bei der Wiederherstellung der wirtschaftlichen Erholung von so großer Relevanz.

Weil das so ist, hat die Trump-Administration Ende April im Rahmen des CARES Act (Coronavirus Aid, Relief and Economic Security Act) das Paycheck Protection Program (PPP) über 659 Milliarden US-Dollar verabschiedet. Das ermöglichte es vor allem kleinen und mittelgroßen Unternehmen, zinsgünstige Privatkredite zu beantragen, um ihren Gehaltsverpflichtungen trotz Coronakrise weiter nachzukommen.

Die Höhe eines PPP-Darlehens entsprach dabei ca. dem Zweieinhalbfachen der durchschnittlichen monatlichen Lohnkosten des Unternehmens. Die Darlehen können neben der Zahlung von Löhnen (Paychecks) auch für Mieten, Zinsen und Nebenkosten verwendet werden. Das Darlehen wurde aber nur dann gewährt, wenn das Unternehmen versprach, die Anzahl seiner Mitarbeiter und die Löhne stabil zu halten. Die ursprüngliche Frist für die Beantragung eines PPP-Darlehens war zunächst der 30. Juni dieses Jahres und wurde später bis zum 8. August 2020 verlängert.

Der PPP-Stimulus läuft aus

Nachdem das Gesetz seit fünf Monaten in Kraft ist, läuft die Hilfe nun aus und kann wegen der Blockade im US-Kongress für ein fünftes Konjunkturpaket nicht aufgestockt und verlängert werden. Das bringt viele KMUs an den Rand des Ruins – ein enormes Problem für die US-Wirtschaft!. Gemäß einer aktuellen Umfrage von Goldman Sachs unter US-KMUs haben 88 Prozent ihre PPP-Kredite bereits vollständig ausgeschöpft. Ein Drittel der befragten Unternehmen sah sich bereits gezwungen, die Löhne zu kürzen oder Entlassungen vorzunehmen. Weitere ca. 30 Prozent gaben an, dass ihnen ohne weitere Finanzhilfen bis zum Ende des Jahres das Geld ausgeht.

Anders als Großkonzerne können sich kleine Unternehmen nicht direkt über den Kapitalmarkt refinanzieren und kommen somit auch nicht in den Genuss der Unternehmensanleihekäufe durch die US-Notenbank (Fed), die in diesem Jahr ein neues Rekordvolumen erreicht haben.

Die auf Banken zur Refinanzierung angewiesenen KMUs haben ein weiteres, sich verschärfendes Problem: Wegen der anhaltend schlechten geschäftlichen Situation, aufgebrauchter Rücklagen und ausgeschöpfter Kreditlinien sind die Perspektiven für viele potenzielle Kreditnehmer so schlecht, dass die Banken sie als zu risikoreich einstufen und weitere Kredite verweigern. Schattenbanken, v. a. Hedgefonds, die in diese Lücke springen, verlangen dem Risiko angemessene hohe Zinsen, die für die in Not geratenen KMUs nicht zu stemmen sind.

Da gleichzeitig die im Sommer vom US-Finanzministerium an US-Bürger mit geringen und mittleren Einkommen verteilten Schecks in Höhe von 1.200 US-Dollar pro Person zunehmend eingelöst und aufgebraucht sind, haben viele Kleinunternehmer, Soloselbstständige und Freiberufler auch immer stärker eingeschränkte private Finanzspielräume.

US-Wirtschaft mit Entlassungswelle ab 1. Oktober

Ohne neue Fiskalstimuli droht der US-Wirtschaft im Abschlussquartal eine sich wieder verstärkende Entlassungswelle. Zumal ab 1. Oktober auch die US-Fluggesellschaften trotz vorheriger finanzieller Unterstützung aus dem PPP wieder Massenentlassungen vornehmen dürfen und dies auch bereits für Anfang Oktober angekündigt haben. Allein die größte US-Fluggesellschaft American Airlines will ab diesem Stichtag 20 Prozent ihrer Belegschaft abbauen – also jeden fünften Mitarbeiter. Ähnliche Ankündigungen gibt es von der zweitgrößten US-Fluggesellschaft Delta Airlines und kleineren Fluggesellschaften. Damit wird in den USA das nachgeholt, was bei deutschen und europäischen Airlines wie Lufthansa oder Ryanair bereits Realität ist.

Besonders betroffen von dem Auslaufen des PPP sind neben den Branchen Verkehr und Touristik vor allem Gastronomen, Konzert-Veranstalter, Kreuzfahrt Reedereien, stationäre Einzelhändler, Unterhaltungskünstler, Wedding Planner und andere Event-Manager. Besonders in der US-Gastronomie sind viele KMUs tätig. Generell wird der Dienstleistungssektor von KMUs dominiert. Für die US-Wirtschaft hat dieser Sektor eine besondere Bedeutung: 79,4 Prozent aller Erwerbstätigen ist hier angestellt, davon über 90 Prozent bei KMUs (Daten von 2019, Quelle: Statista).

Fazit

Die Indizien verdichten sich, dass es im vierten Quartal entgegen der Beschwichtigungsrhetorik mancher Politiker statt eines Booms einen Pleite-Tsunami und Massenentlassungen in der US-Wirtschaft geben könnte. Das Erschreckende dabei ist, dass diese Entwicklung noch keine zweite Pandemie-Welle berücksichtigt, die den Schaden in der US-Wirtschaft nochmals maximieren würde. Es bleibt für die KMUs Amerikas zu hoffen, wenn aus heutiger Sicht auch unwahrscheinlich, dass sich der US-Kongress nach dem Wahltermin Anfang November schnell auf ein neues, billionenschweres Hilfspaket einigen kann.

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