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Kanadische Ölsandproduzenten zittern vor neuer linker Regionalregierung

Von Claudio Kummerfeld

In der Provinz Alberta, dem Hauptzentrum der kanadischen Ölindustrie (Ölsand), zittert man vor der frisch gewählten eher linken Regierung. Die jetzt gewählte Ministerpräsidentin der Provinz versprach im Wahlkampf eine Steuererhöhung für die Ölindustrie sowie eine Überprüfung der Höhe der Lizenzgebühren, die die Ölsandkonzerne größtenteils an die Provinz Alberta dafür entrichten müssen, dass sie auf staatlichem Grund den Boden umpflügen und Öl aus dem Ölsand extrahieren.

Mit einer evtl. Erhöhung von Steuern + Lizenzgebühren wird die neue Regierungschefin versuchen das stetig größer werdende Haushaltsloch in der Provinz Alberta zu stopfen. Irgendwie ein Teufelskreislauf: Bleibt der Ölpreis lange so tief, ist die Produktion von Öl aus Ölsand strukturell ein kräftiges Verlustgeschäft. Daher geht die Produktion in Alberta zurück. Dies zeigen auch die Einnahmen aus den Lizenzgebühren. Laut der Energiebehörde von Alberta lagen sie in 2013 bis 2014 bei 5 Milliarden kanadischen Dollar – in 2015 bis 2016 sollen es nur noch etwas mehr als 1 Milliarde werden. Die Differenz soll die Ölindustrie, so hat es den Anschein, durch höhere Lizenzgebühren zahlen. Dadurch wird das Geschäft aber noch defizitärer und immer mehr Förderer geben wohl auch. Vielleicht müssen die dann verbliebenen Förderer noch höhere Abgaben zahlen und werden selbst ebenfalls immer unrentabler? Ein Teufelskreislauf.

Die durchschnittlichen Produktionskosten für ein barrel Öl, das aus Ölsand gefördert wird, liegen bei ca. 80 US-Dollar. D.h. derzeit macht die kanadische Ölindustrie pro barrel derzeit 20 US-Dollar Verlust. Dazu jetzt noch wahrscheinlich höhere Steuern + Lizenzgebühren, und weiter dreht sich die Abwärtsspirale nach unten. Nicht dass man Mitleid mit Ölsandförderern haben sollte – es ist nun mal schlecht, wenn sich eine ganze Region abhängig von einer einzigen Industrie macht, die wiederum von einem stark schwankenden Produktpreis abhängig ist.



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