Asien

China: Wachstum? Provinzen geben Fälschungen der Daten zu

FMW-Redaktion

Man staunt ja immer wieder über die offiziellen Zahlen zum BIP Chinas, das angeblich bei 6,9% liegen soll. So ziemlich alle anderen Konjunkturdaten widersprechen dem, das Vertrauen der Märkte zu den BIP-Zahlen hält sich daher nachvollziehbarerweise in Grenzen. Nun aber zeigt sich, dass es vermutlich nicht (oder nicht nur) die Zentralregierung ist, die die Daten frisiert, sondern die Lokalverwaltungen in den Provinzen.

So berichtet heute die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, dass Offizielle vor allem in den nordöstlichen Provinzen des Landes zugegeben haben, die Wachstumszahlen ihrer Region massiv nach oben manipuliert zu haben. Nachdem diese Praxis aber zuletzt nicht mehr angewendet worden war, war Peking der drastische Abfall der aktuellen Daten einiger Provinzen von Daten in der Vergangenheit aufgefallen. So waren etwa in der Provinz Liaoning die gemeldeten Zahlen 16mal höher als die aktuellen Wirtschaftszahlen – in anderen Provinzen wurden die Daten offenkundig um mindestens 20% zu hoch angegeben.

Grund für die Fälschungen dürfte sein, dass die Karrieren von lokalen Verwaltungschefs stark auch von der ökonomischen Performance der von ihnen verwalteten Region abhängig sind. Wer aufsteigen will muß zeigen, dass er erfolgreiche Politik in seinem Distrikt macht. Hinzu kommt, dass die lokalen Verwaltungen auch die Zahl der Einwohner meist übertreiben, da sie pro Einwohner Zuschüsse von Peking bekommen. Im Umkehrschluß bedeutet das, dass die Abwanderung aus den Provinzen ihren Höhepunkt längst überschritten hat – aber die offiziellen Statistiken eben von einer Fortsetzung der Bewegung in die große Städte des Landes ausgeht, die so gar nicht mehr stattfinden kann, weil die Daten eben gefälscht sind. Die BIP-Erwartung für China insbesondere auch von westlichen Ökonomen basiert aber auf der Annahme, dass der Zuzug in die Mega-Städte des Landes unverändert anhalten werde.

Des Rätsels Lösung für die fragwürdigen BIP-Statistiken Chinas liegt also eindeutig bei den Provinzen des Landes. Nun ist erstmals indirekt dieser Zusammenhang offziell bestätigt worden. Wir werden in nächster Zeit wohl noch sehr viel hören von den Lokalverwaltungen – Schauprozsse für die lokalen Manipulatoren der Daten inklusive.



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2 Kommentare

  1. Sehen wir dann die nächste Verhaftungswelle in den Lokalverwaltungen?

    1. @V,

      genau das wird passieren – ist nur die Frage, ob und wie die Presse in China darüber berichtet!

      Viele Grüsse!

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