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Brexit: Der UK-Finanzminister und seine Horror-Visionen für die Bürger

FMW-Redaktion

Am 23. Juni steht die Brexit-Abstimmung in Großbritannien an. Finanzminister George Osborne schürt die Angst gegen den Brexit mit ganz konkreten Horror-Visionen. Wir sind begeistert über seine Kalkulationssicherheit, die es ihm erlaubt auf das Pfund genau zu schätzen, welche Auswirkung der Brexit auf den einzelnen britischen Bürger haben wird.

Zunächst waren da Osborne´s Warnungen an alle Briten vor drei Wochen. Jeder Haushalt werde beim Brexit im Schnitt pro Jahr 4.300 Pfund verlieren, aufgrund einer deutlich schlechteren Wirtschaftsentwicklung, wenn UK außerhalb der EU stehe. 4.300 Pfund??? Das sind 358 Pfund pro Monat – wie kommt der gute Mann auf so eine Zahl? Sie basiert auf einer Studie für langfristige Auswirkungen. Uns wäre nicht bekannt, wie man auch nur annähernd so etwas halbwegs seriös errechnen könnte, und dann noch eine derart hohe monatliche Summe… da geht´s wohl um das Motto „Angst wirkt“. Ohne EU-Mitgliedschaft werde es UK-Unternehmen deutlich schwerer fallen in die EU zu verkaufen, und unter Umständen auch nach außerhalb der EU. Auch werde die Insel als Investitionsstandort an Attraktivität verlieren.

Langfristig werde man in UK weniger hochgebildete HighTech-Unternehmer haben die exportieren – dafür aber mehr weniger Gebildete, die sich dann auf die Inlandsnachfrage konzentrieren. Dies würde weniger Jobs und niedrigere Gehälter mit sich bringen. Laut Osborne werde im Jahr 2030 die UK-Wirtschaft um 4% pro Jahr wachsen, wenn man in einer reformierten EU bleibe – bei der Mitgliedschaft in einer unreformierten EU gäbe es ein Nullwachstum. Bei einem Brexit und einem relativ freien Marktzugang zur EU wie im Fall Norwegen werde das UK-BIP um 3,8% pro Jahr schrumpfen. Bei einem Brexit und zwischenstaatlichen Verträgen wie im Fall EU-Kanada werde die UK-Wirtschaft um 6,2% schrumpfen. Im Worst Case-Szenario, bei einem Brexit ohne Marktzugang, ohne Handelsabkommen usw, werde die Wirtschaftsleistung um 7,5% schrumpfen.

Hier geht´s zur jüngst veröffentlichten Studie über die Langzeitauswirkungen einer Mitgliedschaft oder Nicht-Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU.

Gestern nun legte Osborne beim britischen TV-Sender ITV nach und nahm sich die britischen Hausbesitzer vor. Der Wert ihrer Häuser werde bei einem Brexit kräftig sinken, und auch die Kosten für Immobilienfinanzierungen würden steigen. Rechtzeitig vor der Brexit-Abstimmung will sein Finanzministerium noch eine Studie veröffentlichen, wie negativ sich der Brexit kurzfristig auf Großbritannien auswirke – man kann sich jetzt schon vorstellen, was bei der Studie herauskommt. Nochmal konkret nachgefragt durch den Interviewer von ITV, sagte Osborne bestätigend:

„I am pretty clear there will be a significant hit to the value of peoples‘ homes and to the cost of mortgages.“

Wir sind keine Gurus wie George Osborne. Wir sind nur generell der Meinung, dass ein Brexit tendenziell Großbritannien schaden wird – aber so konkrete Aussagen zu treffen, das dürfte wohl auch die Glaskugel-Fähigkeiten eines Finanzministers überschreiten. Es ist recht wahrscheinlich, dass Einkommen und Kaufkraft in einem abgeschotteten Markt eher sinken als steigen. Aber diese so klaren Aussagen, das klingt doch ziemlich stark nach einem Horrorszenario um Angst zu erzeugen.



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2 Kommentare

  1. Avatar
    Helmut Josef Weber

    Man sollte sich mal die Frage stellen:
    Was passiert bei einem EU Abstritt den Briten, die in den anderen EU Ländern leben?
    Müssen sie dann ein Visum haben für die Länder der EU;
    eine Arbeitserlaubnis;
    auf die Sozialvereinbarungen verzichten:
    als Rentner z. B. keinen Anspruch auf Mitglied in der nationalen Rentenversicherung eine EU-Landes;
    keine Anrechnung der Rentenbeitragsjahre eines anderen EU Landes usw, usw.
    Oder dürfen die Briten dann alle Annehmlichkeiten behalten, die Ihnen die EU gebracht hat und dürfen nur auf die Pflichten verzichten?
    Wenn die Briten aus der EU austreten, dann sollten sie auch so behandelt werden, wie ein Land, das nicht der EU angehört.
    Nur, dann ist aber auch der größte Handelsplatz, in dem mit Euro gehandelt wird, außerhalb der EU.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

    1. @Josef, sehr wichtiger Punkt, den Sie da ansprechen!
      Bezüglich des Euro im Falle eines Brexits trifft die EZB schon Vorbereitungen, dass der Euro vorwiegend dann nicht mehr in London gehandelt werden wird..

      Grüsse nach Andalusien!

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