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Die Golfstaaten und ihr Umschwenken hin zur „normalen Staatsfinanzierung“

FMW-Redaktion

Die Golfstaaten rund um Saudi-Arabien passen sich der Art und Weise der Staatsfinanzierung, wie er in westlichen Industrienationen Standard ist, immer mehr an. Staatsanleihen ausgeben, Schulden machen um Haushaltslöcher zu stopfen. Irgendwann wird man dazu übergehen mit neuen Schulden alte Schulden abzulösen. Aber so weit ist es noch nicht.

Mehrfach hatten wir in den letzten Wochen über die massiven Haushaltsdefizite und BIP-Rückgänge der Golfstaaten berichtet. Stand heute ist der Start von Anleiheemissionen dieser Länder kein Problem, da sie als Gegengewicht noch beträchtliches Vermögen in Auslandsinvestitionen geparkt haben. Aber wie das Beispiel Saudi-Arabien nur all zu gut zeigt, schmilzt dieser Berg in Rekordzeit ab. Das Land hat seit dem 2014er-Hoch im Ölpreis gut 20% seiner Vermögensreserven zu Cash gemacht um seine Haushaltslücke zu schließen. Man plant derzeit auch konkret einen Teil des staatlichen Ölkonzern Saudi-Aramco an die Börse zu bringen – kurzfristiger plant man Anleihen auszugeben – aktuell steht man kurz davor zum ersten Mal eine global kaufbare Anleihe zu emittieren.

Der winzige Nachbarstaat Bahrain hatte vor Kurzem für 750 Millionen Dollar Anleihen emittiert, machte diese Transaktion aber kurzfristig wieder rückgängig, weil S&P das Rating auf Junk abstufte. Man gab die Anleihe neu aus zu höheren Zinssätzen. Abu Dhabi, das noch reiche und tatsächlich bestimmende Emirat innerhalb der Vereinigten Arabischen Emirate, hatte vor Kurzem eine dreifache Überzeichnung seine Anleihe-Angebots zur verzeichnen. Bei Saudi-Arabien wird es wohl kaum anders sein. Gleichzeitig aber werden die Golfstaaten reihenweise runter geratet – neben Bahrain wurde auch Saudi-Arabien zuletzt mehrmals runtergestuft – erst kürzlich auch Katar durch Moodys.

Noch aber ist die Welt in Ordnung – schlechtere Ratings, schmelzende aber noch reichlich vorhandene Staatsreserven, und problemlos über die Bühne gehende Anleiheemissionen. Aber irgendwann haben auch die westlichen Industrienationen mal klein angefangen mit ihren Schuldenbergen. Auch von mehreren privaten Immobilienentwicklern aus den vorher aufgeführten Golfstaaten hört man in den letzten Monaten vermehrt die eindeutigen Absichten, dass man zum ersten Mal Anleihen in Euro oder US-Dollar emittieren will – der Grund ist klar: So kann man internationalen Geldgebern eine Bond-Investition ohne Währungsrisiko bieten – und da die regionalen Banken tendenziell weniger liquide zu sein scheinen, schwenkt man auf internationale Kreditmärkte um.

Noch ist es ein recht langer Weg um genau so schlecht dazustehen wie westliche Staatshaushalte, aber das kann schneller gehen als man denkt. Retten können sich die Golfstaaten mit höheren Ölpreisen. Aber wie wir diesbezüglich schon mal erwähnt hatten: Zu hoch darf der Ölpreis auch wieder nicht steigen, sonst kommen die Fracker aus den USA wieder hervorgekrochen, fahren ihre Produktion hoch um den Golf-Produzenten ihre Marktanteile streitig zu machen.



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