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Wirtschaftskrise, Weltmeisterschaft und Olympia – Brasilien nach den Spielen

Das Olympische Feuer in Rio ist erloschen und die Probleme des Alltags halten wieder Einzug in Brasiliens traumhafter Küstenstadt. Doch Olympia bietet auch Chancen für einen Neuanfang.

Redaktion

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Gastkommentar von Moschos Moschokarfis

Das Olympische Feuer in Rio ist erloschen und der Alltag hält wieder Einzug in Brasiliens traumhafter Küstenstadt. Geblieben sind allerdings die tiefliegenden Probleme des Landes. Wirtschaftskrise, Armut und eine völlig verunsicherte Politik können auch von dem zweiten gelungenen sportlichen Großereignis binnen weniger Jahre nicht verdeckt werden. Doch Olympia kann auch neue Wege, Möglichkeiten und Chancen für die Region eröffnen.

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Athlet hält eine olympische Flagge vor der Skyline von Corcovado Mountain in die Luft. Bild: Auch die traumhafte Kulisse in Rio bei den Olympischen Spielen kann nicht über die tiefliegenden Probleme des Landes hinwegtäuschen. Bildquelle: lazyllama – 415610152 / Shutterstock.com

Schlechte Nachrichten aus allen Bereichen

Spiele für das Volk oder doch für die Welt? Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sind vorbei und beenden die Anstrengungen Brasiliens in den letzten Jahre, trotz der schweren politischen und wirtschaftlichen Krise mit der Fußball-Weltmeisterschaft und Olympia zwei sportliche Großereignisse auszutragen. Endete die WM mit dem Halbfinalaus gegen Deutschland beim 7:1 noch als historische, nationale Katastrophe, die das Selbstverständnis des fußballbegeisterten Brasilianers bis ins Mark erschütterte und eine regelrechte Staatstrauer verursachte, konnten die Olympischen Spiele in vielen Belangen für positive Stimmung sorgen.

Zwar steht der Olympische Stern aufgrund der zahlreichen Dopingvergehen und dem IOC-Skandal unter keinem besonders guten Licht, doch für dieses Problem ist nicht Brasilien verantwortlich. Schon eher schockten die Bilder in Rio von massiv verschmutztem Wasser oder die von den Athleten oft kritisierten schlechten Zustände im Olympischen Dorf.

Im Vorfeld der Spiele musste gar befürchtet werden, dass Brasilien sich mit dem zweiten Mammutprojekt nach der WM innerhalb von zwei Jahren übernommen hat. Zwar ermutigte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, die Menschen vor den Spielen mit den Worten: „Die Cariocas sind bereit, die Brasilianer sind bereit, die Sportstätten sind bereit“, ob er aber tatsächlich von der Organisation in Brasilien überzeugt war, sei dahingestellt.

Jedenfalls war Bach vor dem Beginn der Spiele viele Male gezwungen, persönlich nach Brasilien zu fliegen, um den Stand des Großprojekts zu überprüfen und zuständige Politiker an ihre Pflichten zu erinnern. Hochqualifizierte Mitarbeiter des IOC wurden den brasilianischen Behörden und dem Organisationskomitee im Zuge dessen zur Seite gestellt – und dennoch schienen die schlechten Nachrichten nicht abzureißen.

Zwei Todesfälle bei einem abgestürzten Radweg, der zuvor extra für die Spiele gebaut worden war, die Verbreitung des Zika-Virus und die damit verbundenen Absagen vieler Teilnehmer, die demonstrierenden Polizisten auf Flughäfen aufgrund ausbleibender Besoldung und die Wasserverschmutzung waren nur einige der zentralen Probleme. Zu guter Letzt erklärte sich Rio sogar für zahlungsunfähig, um Gelder vom Staat zu erhalten. Brasilien schien nicht nur finanziell überfordert und das Gefühl wuchs, dass das südamerikanische Land den temporären Glücksgefühlen der wirtschaftlichen Scheinblüte seit der Jahrtausendwende erlegen ist und die Gastgeberrolle nicht werde wahrnehmen können.

Der politische Zustand Brasiliens ließ sich unterdessen mit der Sessions-Eröffnung prägnant einfangen, an der nicht ein einziger Repräsentant der brasilianischen Regierung anwesend war. Hinzu kamen soziale Disparitäten. Die extreme Kluft in der Gesellschaft, die sich zwischen den fantastischen Fernsehbildern von neugebauten und hochmodernen Stadien und der bitterarmen Bevölkerung manifestierte, die zu einem Großteil in hochkriminellen Armenvierteln leben muss, wurde bereits vor, aber auch während der Spiele deutlich. Doch Olympia birgt auch Chancen für einen Neuanfang.

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Infografik zu den Ausgaben im Vorfeld der Olympischen Spiele. Bild: Großartige Spiele – horrende Ausgaben. Olympia offenbart wie seine Medaillen im Rückblick zwei Seiten. Bildquelle: eigene Darstellung

Kosten, Krise – Kehrtwende?

Das Olympische Turnier offenbarte, was das südamerikanische Land so alles zu bieten hat. Zum einen begeisterte es mit einer traumhaften Kulisse auf die schönsten Städte der Welt, zum anderen mit der multikulturellen, lebensfrohen und feiernden Bevölkerung der Stadt sowie den weinenden und jubelnden Sportlern aus aller Welt. Eine bessere globale Werbung für den Tourismus in Brasilien, speziell in Rio de Janeiro, kann es wohl kaum geben. Die Stadt dürfte sich zukünftig zum touristischen Hotspot Brasiliens entwickeln. Und auch bei den Bewohnern ist vielerorts eine Aufbruchsstimmung zu spüren.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich verschiedene Start-up-Unternehmen ganz bewusst für Rio de Janeiro entscheiden, anstatt in die Wirtschaftsmetropole Sao Paulo zu gehen. Hohe Zinsen für Kredite werden von vielen Jungunternehmern dabei bewusst akzeptiert, da viele an eine wirtschaftliche Kehrtwende glauben.

Erfolgreiche Olympische Spiele, die ohne Sicherheitslücken verliefen, die internationale Werbung für Land und Leute sowie eine Goldmedaille in der national wichtigsten Sportart Fußball, die den Schmerz des WM-Traumas lindert, haben das geschundene Selbstvertrauen und die Zuversicht der Brasilianer deutlich angehoben. Psychologie spielt eben auch in der Wirtschaft eine ganz große Rolle.

Kosten der vergangenen Olympischen Spiele:

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Die Wut vieler Bürger, besonders aus der armen Bevölkerung, über die astronomischen Ausgaben ist trotzdem nachvollziehbar. Bei einem Blick auf die vergangenen Spiele der letzten 20 Jahre zeigt sich aber, dass trotz einer Budgetüberschreitung von 51 Prozent und finanzieller Engpässe, die nur mithilfe eines Sonderkredits durch die Landesregierung behoben werden konnten, sich die Gesamtkosten der Spiele in Höhe von ca. 4,58 Milliarden Dollar im internationalen Durchschnitt bewegen und die letzten Spiele deutlich unterbieten.

Wird die Stadtmodernisierung mit einberechnet, belaufen sich die Gesamtausgaben auf mehr als zehn Milliarden Dollar. Für die normalerweise teureren Sommerspiele nehmen diese Ausgaben einen bescheidenen Wert an, für ein wirtschaftlich, politisch und finanziell gebeuteltes Land allerdings bedeuten sie eine gewaltige Summe.

Über ein Viertel der Brasilianer sind verschuldet. Etwa die Hälfte wird nicht in der Lage sein, noch in diesem Jahr ihre Rechnungen zu bezahlen. Banken und private Institute bieten unbürokratisch die Aufnahme von großen und kleinen Krediten an, Geschäfte werben mit Ratenzahlungen. Allerdings verlieren die Brasilianer immer mehr den Überblick über ihre ausstehenden Zahlungen.

Trotz allem wird speziell die ausgebaute und verbesserte Infrastruktur der Stadt zugutekommen, denn sie war dringend notwendig. So entlastet die extra neu angelegte U-Bahn-Linie zwischen Barra da Tijuca und der Copacabana den ansonsten stockenden Stadtverkehr spürbar. Die neun neuerrichteten Stadien werden weiterhin genutzt. Teilweise etwas zweckentfremdet dienen sie zukünftig auch der Sport- und Sportlerförderung und werden vielleicht in ein paar Jahren den Ausschlag geben für ein weiteres sportliches Großereignis in Brasilien.



Artikel mit Update vom 20.10.2016

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Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

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Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

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USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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