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EZB mit direkter Finanzierung von Konzernen, 52% der für 93 Mrd Euro gekauften Unternehmensanleihen haben nur ein BBB-Rating

Die EZB hat vor einem Jahr angefangen Unternehmensanleihen aufzukaufen (corporate sector purchase programme / CSPP). Dadurch sollen Banken aus dem Markt gedrängt werden, und das frei werdende…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die EZB hat vor einem Jahr angefangen Unternehmensanleihen aufzukaufen (corporate sector purchase programme / CSPP). Dadurch sollen Banken aus dem Markt gedrängt werden, und das frei werdende Geld an Kreditkunden herausreichen. Und auch sollen die Zinsen der Emittenten und Kreditkunden weiter sinken. Die EZB hat nun eine Information veröffentlicht zum Stand der Dinge. Sie besitzt aktuell 952 Wertpapiere mit einem Wert von 93,7 Milliarden Euro.

Damit besitze man 11% aller Unternehmensanleihen in Europa, die gemäß der eigenen Kriterien für die Aufkäufe in Frage kommen. Und da kommen wir schon zu einer interessanten Frage: Was kommt denn für die EZB in Frage? Nämlich nur Unternehmensanleihen, die von mindestens einer der vier wichtigen Ratingagenturen ein „Investment Grade-Rating“ erhalten. Damit gibt die Ratingagentur quasi ein Siegel, dass die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls durch einen bestimmten Schuldner relativ gering ist.

Wie die folgende Grafik zeigt (rechte Spalte), geht die EZB an ihre Schmerzgrenze. Das beste Rating lautet stets AAA, danach A, B usw. Ein Rating mit der Bezeichung „BBB“ bedeutet vereinfacht gesagt, dass es gerade eben noch so das niedrigste Rating ist, dass man für akzeptabel erachtet. Und genau auf diese Ratinggruppe entfällt der größte Teil der gekauften Anleihen (oranger Balken).

52% der von der EZB gehaltenen Unternehmensanleihen haben ein BBB-Rating. Glückwunsch! Es gibt aber ein grundsätzliches Problem. Die EZB kauft dank der Voraussetzung eines Ratings nur Anleihen großer Konzerne, und mindert damit massive ihre Zinskosten. Auch wissen die Konzerne, dass sie damit aktuell Zugang zu mehr Geld haben als je zuvor – deswegen auch die zahlreichen Übernahmen von Konkurrenten. Kleinstbetriebe und Mittelständler werden arg benachteiligt, weil Konzerne sich fast umsonst verschulden können, die Kleinen aber nicht. Sie haben keinen Zugang zum EZB-Geld, und geraten arg in eine nachteilige Position. Es ist eine massive Wettbewerbsverzerrung verursacht durch die EZB.

Mit insgesamt 55% der gekauften Anleihen bilden Deutschland und Frankreich sozusagen die Kernländer, wo die EZB aufkauft. Italien und Spanien folgend mit 11% und 10%. Wie der folgende Chart zeigt, kauft die EZB Unternehmensanleihen auch am Primärmarkt (blaue Balken). Das bedeutet, dass die EZB anders als bei Staatsanleihen direkt in der Auktion, also bei der Erstausgabe der Anleihen, kauft. Also fließt EZB-Geld unmittelbar und direkt an die Unternehmen, wodurch die EZB unmittelbar die Zinskosten der Unternehmen senken kann!

Bei Staatsanleihen kauft die EZB nicht in der Erstauktion, weil sonst unmittelbar Geld von der EZB an die Staaten fließen würde, was eine direkte Staatsfinanzierung darstellen würde. Und genau das will die EZB ja vermeiden, weil das nicht ihr Auftrag ist. Aber bei Unternehmensanleihen, direkt und unmittelbar Konzernen billiges Geld zukommen lassen, das scheint in Ordnung zu sein. Zur vorher angesprochenen Wettbewerbsverzerrung sagt die EZB, dass auch kleine und mittelgroße Unternehmen von ihren Anleihekäufen profitiert hätten, denn durch die Verdrängung der Banken aus dem Markt für Unternehmensanleihen hätten diese mehr Geld gehabt um über Bankkredite Geld an kleinere Unternehmen herauszureichen. Na dann… Zitat:

The CSPP has also benefitted companies which do not rely on capital markets for their financing. This is particularly so in the case of small and medium-sized enterprises (SMEs), since favourable bond market conditions have resulted in positive spill-over effects which have supported bank lending through various channels. For example, when large corporations increasingly finance themselves
through bond issuances (rather than bank loans) this releases capacity in the balance sheets of banks for potential lending to SMEs. The results of the Survey on the Access to Finance of Enterprises in the euro area – October 2016 to March 2017 confirm that SMEs continued to benefit from the increased availability of bank loans at lower interest rates than reported in the previous survey.

Ach ja, die EZB schreibt auch, dass als Resultat des CSPP viele Marktteilnehmer berichtet hätten, dass sie ausweichen würden auf risikoreichere Geldanlagen, oder dass sie gleich ganz ins außereuropäische Ausland ausweichen. Das wird kaum im Sinne des Erfinders gewesen sein.

Quelle: EZB

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Michael

    22. Juni 2017 10:26 at 10:26

    …dass auch kleine und mittelgroße Unternehmen von ihren Anleihekäufen profitiert hätten, denn … über Bankkredite Geld an kleinere Unternehmen herauszureichen.“
    Wenn ein kleineres Unternehmen überhaupt einen Kredit erhält, dann aber zu 7 oder 8% Zinsen. Während es die EZB gleichzeitig den BBB-Konzernen nur so reinstopft, und das fast kostenlos.
    Nachdem der Maestro die Sparer enteignet hat (die sollen gefälligst in Aktien investieren), macht er sich nun über die Kleinbetriebe her (die sollen gefälligst wachsen). Aber das macht ja auch der Rasende Rollstuhl, man bedient sich halt lieber bei denen, die sich nicht zur Wehr setzen können.

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Bundesbank veröffentlicht erschreckende Zahl für deutsche Banken

Claudio Kummerfeld

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Banken in Frankfurt

Die Coronakrise trifft die Wirtschaft und auch die Banken, das ist verständlich. Aber bei der folgenden Zahl möchten wir betonen, dass es um das Gesamtjahr 2019 geht, also die Zeit noch vor dem Ausbruch der Coronakrise. Las man die großen Medienpublikationen, dann lief ja noch in 2019 alles total rosig in der Wirtschaft. Gut, hier und da eine „kleine Delle“ bei den Autoherstellern. Aber es gab doch de facto Vollbeschäftigung, die Steuereinnahmen sprudelten. Alles war doch irgendwie in Ordnung?

Nein, einige Kritiker wie zum Beispiel Markus Krall weisen seit Jahren auf eine schwelende Krise hin, und auch speziell auf den sich immer weiter fortsetzenden Niedergang der Banken. Und dieser Niedergang sei eine sehr, sehr ernste Angelegenheit für die ganze Volkswirtschaft. Denn wenn Banken Verluste machen, schrumpft ihr Eigenkapital. Und je weniger Eigenkapital, desto weniger neue Kredite können Banken vergeben. Denn jeder Kredit muss mit einem gewissen Eigenkapital-Anteil als Sicherheit für Kreditausfälle hinterlegt werden.

Bundesbank präsentiert Jahresverlust für deutsche Banken

Und jetzt sehen wir was? Die Bundesbank schreibt ganz frisch in ihrem heute veröffentlichten Monatsbericht September, dass die deutschen Banken in der Gesamtbetrachtung (im Jahr 2019) 2,2 Milliarden Euro Verlust nach Steuern gemacht haben. Und das nach einem Gewinn in 2018 in Höhe von 12,2 Milliarden Euro. Und wie gesagt, in diesen 2,2 Milliarden Euro Verlust im deutschen Bankensystem war die gesamte Coronakrise ja noch überhaupt nicht berücksichtigt. Die kommt erst im folgenden Jahr 2020 noch oben drauf.

Der Chart im folgenden Tweet der Barkow Consulting zeigt, wie die deutschen Banken also zu Ende letzten Jahres insgesamt ins Defizit gerutscht sind, nach jahrelangen Gewinnen. Zuletzt waren sie im Zuge der Finanzkrise 2008 zwei Jahre im Minus gewesen. Zur Ehrenrettung der Bankenbranche darf man erwähnen, dass die Großbanken diesen Verlust im Jahr 2019 verursacht haben. Die große Bundesbank-Tabelle zeigt Finanzdaten nach Bankensektoren. Nur die Großbanken machten Verlust. Sparkassen, Volksbanken etc lagen in der Gewinnzone. Aber abwarten, wie das Gesamtjahr 2020 aussehen wird! Können die Zahlen möglicherweise optisch deutlich besser ausfallen, als sie es tatsächlich sind? Denn bis Ende September gilt eine Sonderregel, nach der Banken wegen Corona gestundete Kredite nicht als Kreditausfall abschreiben müssen. Wird diese Sonderregel bis Jahresende verlängert, könnten die Jahreszahlen der Banken für 2020 rein optisch weniger katastrophal aussehen.

Grafik zeigt Finanzdaten deutscher Banken im Jahr 2019

Hier auszugsweise Aussagen der Bundesbank im Wortlaut:

Die Betrachtung der einzelnen Bankengruppen zeigt, dass die Gesamtentwicklung wesentlich durch die Großbanken getrieben wurde. Vor allem aufgrund eines negativen Sondereffekts infolge des strategischen Umbaus bei einem Institut verringerten sich bei den Großbanken der Zins- und Provisionsüberschuss, wodurch die Großbanken einen starken Rückgang ihrer operativen Erträge um 3,1 Mrd € auf 27,6 Mrd € verzeichneten. Die Sparkassen wiesen 2019 mit 29,7 Mrd € um 0,9 Mrd € geringere operative Erträge aus als noch im Jahr zuvor. Die Kreditgenossenschaften konnten hingegen ihre operativen Erträge im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,2 Mrd € auf 22,1 Mrd € steigern. Den mit 1,6 Mrd € größten Anstieg bei den operativen Erträgen auf 20,8 Mrd € im Jahr 2019 verzeichneten die Regional- und sonstigen Kreditbanken.

Auch die Entwicklung der Eigenkapitalrentabilität wurde wesentlich durch den Sondereffekt bei einem Institut aus der Gruppe der Großbanken getrieben. Die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern in dieser Bankengruppe brach von 1,14 % im Vorjahr auf – 16,63 % im aktuellen Berichtsjahr ein.

Die Eigenkapitalrentabilität der Sparkassen sank

leicht um 0,33 Prozentpunkte auf 6,86 %. Dagegen steigerten die Kreditgenossenschaften ihre Eigenkapitalrentabilität um 1,04 Prozentpunkte auf 9,23 % und näherten sich damit anders als die Sparkassen ihrem langfristigen Mittel (10,76 %) an.

Chart zeigt Eigenkapitalrentabilität der Banken

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Warum wir technische Innovationen unterschätzen – Werbung

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Lieber Börsianer,

als damals zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts die ersten Autos über die Straßen rollten, wollte niemand so richtig an die Zukunft dieser Vehikel glauben. Sie waren schmutzig, laut und nicht besonders zuverlässig. Lediglich besonders wohlhabende Menschen und technikaffine Bastler interessierten sich für diese Entwicklung. Der Verkehrsalltag wurde, auch nach der Erfindung des Automobils von Kutschen und Pferdekarren dominiert. Die meisten Menschen glaubten daran, dass sich das wohl nie ändern würde. Kaiser Wilhelm II soll gesagt haben: „Ich glaube an das Pferd, das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“

Diese Geschichte lehrt uns, wie falsch die meisten Menschen die Tragweite von technischer Innovation beurteilen. Innerhalb weniger Jahrzehnte sind Autos und Lastkraftwagen zur Normalität geworden. Das Pferd als Transportmittel ist hingegen zu einem Exoten für Liebhaber geworden.

Die technische Innovation schreitet seit Menschheitsbeginn immer schneller voran und keine Branche ist davor geschützt, plötzlich obsolet zu werden. Die Kunst liegt darin, diese Veränderungen frühzeitig vorherzusehen. Allerdings ist das gar nicht so einfach, denn den meisten Menschen fällt es schwer das Potential neuer Technologien zu erkennen.

Während sich viele Unternehmen auf eine spezielle Branche fokussieren, kämpfen andere gleich an zahlreichen Fronten. Ein gutes Beispiel ist Apple, das wertvollste Unternehmen der Welt. Kaum ein Konzern hat die Entwicklung moderner PCs so maßgeblich beeinflusst wie das Unternehmen aus Cupertino. Seit der Jahrtausendwände dringt Apple regelmäßig in neue Märkte vor. Mit dem iPod hat Apple die Branche für mobile Mediaplayer quasi erfunden. Mit dem iPhone revolutionierte Apple den Handymarkt und drängte die großen Player wie Nokia und Blackberry in die Bedeutungslosigkeit. Auch das iPad war das erste massentaugliche Gerät seiner Klasse.

Vor fünf Jahren hat das Unternehmen mit der Apple Watch einen neuen Markt betreten. Anfangs wurde die Computeruhr von vielen belächelt. Geringe Akkukapazität, geringe Leistung. Jetzt auch noch die Armbanduhr jede Nacht ans Ladegerät hängen zu müssen, war für viele Menschen, die erst kurz zuvor von den alten Handys mit schier ewiger Akkuleistung auf die energiehungrigen Smartphones umgestiegen sind, eine Horrorvorstellung.

Die meisten dachten wohl, die Apple Watch wird ein Nischenprodukt für Technikfreaks. Niemand rechnete damit, dass Apple eine ernsthafte Konkurrenz für die altehrwürdige Luxusuhren oder für die Hersteller auf dem Massenmarkt werden könnte.

Wer so dachte, unterlag dem gleichen Irrtum wie einst Kaiser Wilhelm II. Innerhalb weniger Jahre stieg die Apple Watch zur meistverkauften Uhr der Welt auf. Im Jahr 2019 verkaufte Apple 31 Millionen Stück seiner…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Aktuell: Risk Off treibt US-Dollar – Dax, Goldpreis und Euro fallen

Claudio Kummerfeld

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Da hatten wir gerade erst darüber berichtet, dass man als Gold-Trader genauer auf den US-Dollar schauen sollte, dann bewegt er sich kurz darauf tatsächlich. Nur halt in die falsche Richtung, aus Sicht der Gold-Bullen. Der Dollar-Index (Währungskorb gegen Euro, Pfund, Franken etc) prallte bei 92,80 Indexpunkten zum siebten Mal in zehn Tagen nach oben ab, und steigt die letzten Stunden auf aktuell 93,32 Indexpunkte.

Risk Off beeinflusst US-Dollar

Risk Off nennt man das. Hat der Markt aufgrund bestimmter Umstände plötzlich Angst, flieht man in sichere Häfen. Und heute ist dies der US-Dollar. Euro, Pfund und Franken verlieren heute alle gleichzeitig gegen den US-Dollar. Und wenn er schnell steigt, leidet oft auch der Goldpreis. Manchmal ist beim Risk Off auch Gold als sicherer Hafen der große Gewinner. Aber schon seit Wochen schielt der Goldpreis in erster Linie auf den US-Dollar, und nimmt logischerweise die gegenteilige Positionierung ein. Der Goldpreis verliert daher seit heute früh von 1.954 auf aktuell 1.931 Dollar.

Dax, Euro und Goldpreis fallen gleichzeitig

Der Euro verliert seit heute früh gegen den US-Dollar von 1,1870 auf aktuell 1,1784. Von einem schwächeren Euro profitiert in der Regel der exportlastige Dax. Aber nicht so in einem Corona-Umfeld mit steigenden Infektionen und immer mehr Beschränkungen (ganz aktuell zum Beispiel in Bayern). Sowas macht auch in angelsächsischen Medien die Runde, dass sogar im so „erfolgreichen“ Deutschland nun wieder mehr Corona-Restriktionen um sich greifen! Der Dax verliert im Vergleich zu Freitag Abend gut 450 Punkte. Im Chart sehen wir seit Freitag den heute steigenden US-Dollar gegen den gleichzeitig fallenden Dax und Goldpreis.

Chart zeigt Kursverläufe von US-Dollar, Goldpreis, Dax

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