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Aktien: Allzeithochs trotz Hiobsbotschaften, was erwarten die Anleger?

Wehe, wenn eine oder mehrere eingepreiste Prämissen der Aktienmärkte sich nicht erfüllen werden!

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Aktien handeln auf Allzeithoch – trotz des Coronavirus! Drastisch steigende Zahlen aus China zu Erkrankungen und Todesfälle durch den Covid-19, Verlängerungen von Werkstilllegungen und Flugverbindungen, immer mehr Unternehmensmeldungen, die auf einen veritablen Einbruch bei Umsatz und Gewinn hindeuten. Von Großfirmen wie Apple, McDonalds, Nike, Starbucks, Exxon, Chevron, Boeing, Hyundai, Nissan und, und…. die Liste ließe sich noch deutlich verlängern.

China als Werkbank für die Welt, als Zulieferer und Abnehmer von unzähligen Produkten befindet sich im Stillstand und dennoch löst dies keine negativen Kursreaktionen bei Aktien aus. Ganz im Gegenteil, die Notierungen steigen sogar auf neue Allzeithochs, wie bei unserem Leitindex. Wie passt das zusammen?

Es sind vermutlich vier Hoffnungen, die für den Optimismus der Anleger verantwortlich sind: Zunächst einmal die Grundvoraussetzung, dass der Höhepunkt der Covid-19-Ausbreitung in den nächsten Wochen überschritten sein wird. Dann die Erwartung eines großen Nachholeffekts, die Hoffnung auf weitere Liquidität der Notenbanken und auf fiskalpolitische Maßnahmen der vom Coronavirus betroffenen Staaten.

Der Wirtschaftseinbruch und die Folgen

Die Prognosen der Volkswirte sind ein einziges Stochern im Nebel, mit großer Bandbreite für das erste Quartal. Insgesamt haben Ökonomen in den vergangenen Tagen ihre Prognosen für China von sechs auf fünf Prozent reduziert, bezogen auf das Gesamtjahr. Das ist der Versuch etwas in mathematische Größen zu fassen, was aber überhaupt noch nicht möglich erscheint, selbst Fed-Chef Powell hat bei seinem Humphrey-Hawkins-Testimony noch davon gesprochen, dass die Auswirkungen des Coronavirus derzeit nicht abschätzbar seien. Dass diese von Tag zu Tag schwerwiegender werden, wird deutlich, wenn man sich die Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft betrachtet.

Das Beratungsunternehmen Oxford Economics stellte in einer Analyse über die möglichen Folgen des Virus fest, dass der Anteil an Zwischenprodukten aus China an der Gesamtproduktion des Sektors Elektronik für die Welt bei 10 Prozent liegt. Da 13 Prozent aller Güterexporte aus China stammen, geht das Analysehaus davon aus, dass die Weltwirtschaft 2020 auf ein Wachstum von 2,3 Prozent zurückfallen könnte, auf den schwächsten Wert seit der Finanzkrise von 2009. Allerdings ohne zu präzisieren, wie lange der Ausfall Chinas hierfür dauern müsste. Einige Schäden sind allerdings jetzt schon messbar:

Nach einer Einschätzung der Luftfahrtorganisation ICAO haben die Fluggesellschaften wegen der gestrichenen Flüge bereits jetzt schon Umsatzausfälle von vier bis fünf Milliarden Euro.

So haben inzwischen 70 Airlines weltweit alle internationale Flüge von und nach China gecancelt und 50 weitere Airlines Beschränkungen der Flugpläne verhängt. Auch werden diese Maßnahmen nach und nach verlängert.

China steht mittlerweile für bis zu 17 Prozent der Weltwirtschaft. Es ist in der Textilwirtschaft führend, ebenso in der Elektronikbranche, zugleich hat sich die Pharmabranche zur Apotheke der Welt entwickelt.

So ist unschwer zu schlussfolgern, was der große Faktor in der Virusepidemie, neben den medizinischen Aspekten ist – es ist der Faktor Zeit.

Aktien: Die Notenbanken und die Liquidität

Der große Gegenspieler zu den katastrophalen fundamentalen Daten ist die Liquiditätshoffnung der Marktteilnehmer, die sich aus der Hoffnung auf ausreichende Maßnahmen der Notenbanken speist. Mit jedem Tag, den Covid-19 wütet, steigt die Wahrscheinlichkeit von geldpolitischen Maßnahmen der People ˋs Bank of China, der Federal Reserve, wie auch aller Notenbanken der Länder, die von der Pandemie betroffen sind. Allen voran China, das mit aller Macht versuchen wird, den Wirtschaftsabschwung abzumildern. Nichts fürchtet die allmächtige Führung mehr, als soziale Unruhe im Lande, mit einem Heer von Abermillionen Wanderarbeitern. In seltsam anmutender Allianz wird die US-Notenbank unterstützend eingreifen, mit dem Bestreben auch nicht die kleinste Wachstumsabschwächung Raum greifen zu lassen. Die Verschuldungsorgie der Wirtschaftssubjekte, vom Staat bis zum kleinen Kreditkarteninhaber erlaubt keine Veränderung der Zinslandschaft.

In „Fed we trust“ scheint die Devise bei Aktien zu sein, das US-Verbrauchervertrauen befindet sich auf dem höchsten Stand seit März 2918, die Aktienmärkte sind seit der theatralischen Verkündung des Phase 1-Deals zu einer angstfreien Anlagezone mutiert.

Jeder Rückschlag wurde bisher zu Nachkäufen genutzt, in schöner „Buy the Dip-Mentalität“, in der Angst etwas zu versäumen. Was angesichts eines Kursanstieges von circa 400 Prozent beim S&P 500 seit März 2009 schon etwas verwunderlich erscheint. Bleibt noch der Hinweis auf den größten Anlagenotstand in der neueren Wirtschaftsgeschichte, aber darüber habe ich bereits am Freitag in dem Artikel über Griechenlands Wunderzinsen berichtet.

Die Maßnahmen der Staaten

Was alle Staaten im Zusammenhang mit der Coronakrise eint, ist das Bestreben die Folgen für die eigene Wirtschaft abzufedern. Bereits seit geraumer Zeit laufen zwei große Wettbewerbe um den Globus. Ein Wettrennen um niedrige Unternehmenssteuern und um eine schwache Währung, dem Protektionismus sei Dank. Dies wird sich fortsetzen, denken wir nur an die Ankündigung der Steuerreform 2.0 in den USA, oder sogar an die ersten Ansätze in Deutschland. Gab es nicht am Freitag auf CNBC sogar das Gerücht, die USA könnten mit Steuererleichterungen die Bürger animieren, Aktien zu kaufen?

Fiskalpolitische und damit nachfrageunterstützende Maßnahmen könnten das Gebot der Stunde im Jahr 2020 sein, auch wenn sie manchmal unter einem anderen Zweck (Kampf gegen den Klimawandel) versteckt werden.

Die größte Sorge der Kommunistischen Partei Chinas scheint die Massenarbeitslosigkeit geworden zu sein. Hierzu gibt es auch eine Studie der chinesischen Personal-Agentur Zhaopin, über die die South China Morning Post berichtete: Derzufolge befinden sich aktuell zehn Prozent der untersuchten Firmen am Rand des Zusammenbruchs. 30 Prozent der Firmen planten Stellenkürzungen, weitere 30 Prozent fürchteten, sie könnten ihren Angestellten nicht rechtzeitig das Gehalt auszahlen. Deshalb auch die Forderung von Parteichef Xi nach dem Politbüro-Treffen, dass die Provinzregierungen nun alles dafür tun müssten, um die Stabilität des Jobmarkts zu garantieren.

Die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Covid-19

Mehr noch als das Mysterium Weltwirtschaft ist die medizinische Seite der Verbreitung sowie die Veränderung des Virus zu sehen. Für Laien völlig undurchsichtig, denn von absolut beherrschbar (die kommende warme Jahreszeit) bis zur globalen Katastrophe (zwei Drittel der Menschheit könnten sich mit dem Virus infizieren), divergieren die Meinungen von Virologen. Nach der Umstellung der Erfassung der Fälle in China lauten die aktuellen Zahlen nach dem Wochenende:

71336 Infizierte

1776 Todesfälle

11145 Personen, die als gesundet eingestuft werden

Das Coronavirus ist vermutlich ansteckender als erwartet, er wütet seit Ende Dezember (offiziell).

Allerdings gibt es in ganz Europa mit seinen über 500 Millionen Einwohnern erst knapp 50 Infizierungen und am Wochenende kamen keine neue Fälle hinzu, während schon 21 Erkrankte als geheilt eingestuft wurden.

Da mache sich jemand einen Reim daraus.

Fazit: Die Schere zwischen der Bewertung von Aktien und Fundamentalem

Was für eine Erwartungshaltung der Börsianer in Sachen Aktien: Der Coronavirus wird bereits in wenigen Wochen eingedämmt sein, der Nachholeffekt zu einem riesigen Nachfrageschub sorgen, die Notenbanken mit Zinssenkungen, Interventionen am Repo-und den Anleihemärkten für eine weitere Liquiditätsschwemme sorgen, die Regierungen mit Steuersenkungen und Konjunkturprogrammen unterstützen, die Inflation in Schach bleiben und die allgemeinen Kapitalmarktzinsen so niedrig bleiben, dass es weiterhin den großen Anlagenotstand gibt. Dazu noch ein US-Präsident im Wahlkampfmodus, der zusammen mit seiner Notenbank alles unternimmt, damit die US-Leitindizes vor den Novembertagen keine substanziellen Rückschläge erleiden. Von all dem gehen die jetzigen Käufer aus, die an den Börsen nicht die Situation von Mitte Februar einpreisen, sondern die Lage im Herbst 2020. Gemäß der Devise, es ist wie bei Rezessionen: Wenn es mit den Nachrichten am schlechtesten aussieht, sind die Kurse schon einen ganzen Schritt weiter.

Aber wehe, wenn eine oder mehrere dieser Prämissen sich nicht erfüllen werden. Dann müsste sich die Schere zwischen Bewertungen bei Aktien und den Kursniveaus rapide schließen. Die Schere zusammenklappen, um zu einem Dolch zu werden, der in den Rücken vieler Anleger gestoßen wird, um es etwas metaphorisch auszudrücken..

Derzeit herrscht trotz Coronavirus Euphorie der Anleger in Sachen Aktien

 

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Sven

    17. Februar 2020 09:08 at 09:08

    Gute Begründungen, warum der Markt immer höher laufen wird. Alles richtig eingeschätzt. Wie gesagt, charttechnisch ist beim DAX Platz bis erst mal über die 16.000er Marke. Mit den zurecht vorhandenen Erwartungen der Anleger ist diesem Markt eigentlich nichts anzuhaben. Entspannen und genießen.

  2. Avatar

    Johann Steinhaus

    17. Februar 2020 09:38 at 09:38

    Hallo Herr Müller,
    es ist schon ein „wenig“ krank wie die Märkte auf die derzeitigen Fundamentaldaten reagieren.
    Aber spiegelt das auch nicht wieder wie krank das gesamte Finanzsystem ist ?
    Es sind immer die Liquidität-Spritzen welche den Markt treiben und eine gesunde Marktentwicklung verhindern. Selbst der Grundsatz: Produktionausfall gleich Konsumausfall gleich Gewinnausfall wird nicht wirklich beachtet.
    Nun, die Party geht weiter bis aus der Schere wirklich ein Messer wird.
    Nur, was könnte der Auslöser sein? Vielleicht der erste Infizierte in Afrika.
    Wir werden sehen. Für mich jedenfalls gilt der Grundsatz, „man sollte gehen wenn die Party am schönsten ist “
    Grüße aus Köln

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      Columbo

      17. Februar 2020 09:59 at 09:59

      @Johann Steinhaus

      „Man sollte gehen, wenn die Party am schönsten ist“

      Mich würde interessieren, wohin Sie hingehen, wenn Sie die schöne Party verlassen haben. In den Euro, nachdem Sie Ihre Aktien verkauft haben? Aber wenn das Finanzsystem so krank ist, kommen Sie damit ja vom Regen in die Traufe. In Gold ? In eine Immobilie? Auswandern? Oder gehen Sie dann auf eine andere Party? Beispielsweise die von Mark Friedrich?

      • Avatar

        Johann Steinhaus

        17. Februar 2020 10:41 at 10:41

        Lieber Columbo,

        Geduld ist eine Tugend und was ist mit die größte Beschäftigung eines Trader ?
        Richtig: Warten auf den Einstieg.
        Persönlich brauche ich nicht den großen Kuchen, die Schnitte zum „satt werden“ reicht vollkommen aus.
        Zudem bin ich kein Crash-Apostel oder Weltuntergangs-Fanatiker.
        Allerdings stehen derzeit für mich die Zeichen auf Sturm und da stelle ich mich lieber an die Seitenlinie (auch auf die Gefahr hin das ich den ein oder anderen Punkt nicht mitnehme).

  3. Avatar

    Fetttony

    17. Februar 2020 10:01 at 10:01

    Alles richtig. Wann beginnt die Schere zu schließen, schwer zu sagen.
    Die Put´s warten schon

  4. Avatar

    Katja Wohmann

    17. Februar 2020 10:11 at 10:11

    Es ist klar, die Notanbanker sind selbst überzeugt, dass sie auf Wasser gehen können. Auf die Spietze trieb es der Notenbanker der Schweiz, der offiziell behauptete dass es nie mehr eine Krise geben werde, da die Notenbanker dies im Griff hätten. Nun wie wir sehen stimmt das ja auch insofern, dass keine Katastrophenmeldung mehr den Markt beeinflusst, da man sich auf den neuen Jesus Notenbanker verlässt.
    Die Zeche bezahlt dann unsere Jugend entweder mit einer Hyperinflation oder sozialen Unruhen. Aber das ist ja noch ein paar Höhenflüge der Börse entfernt.

  5. Avatar

    Wartebär

    17. Februar 2020 10:39 at 10:39

    @Columbo.Man könnte das ganze Vermögen in Bitcoin, Tesla Aktien u.Whisky umschichten u.mit E.Musk auf den Mars fliegen. Sven Fahnenstäng ist der Reiseführer, er lebt schon lange in den Wolken u.kennt das Ausserirdische.

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