Anleihen

Griechenland und die Zinsen – das Symbol für den Anlagenotstand

Die Akropolis ist das Symbol für Griechenland

Erfahrene Ökonomen schütteln nur noch den Kopf. 0,902 Prozent, das war die Rendite, die man gestern am Markt bekam, wenn man sich eine 10-jährige Staatsanleihe aus Griechenland ins Depot holte. Zum Vergleich: die wohl sicherste und liquideste Staatsanleihe der Welt, die 10-jährige US-Treasury, notierte gestern Abend bei 1,61 Prozent. Die Welt der Zinsen ist aus den Fugen geraten, ganz besonders in Europa.

Die schützende Hand über Griechenland

Wie kann ein Land wie Griechenland, dessen Staatsschulden 180 % zum Bruttoinlandsprodukt ausmachen, sich langfristig zu einem solchen Zinssatz verschulden? Man muss einen gewaltigen Schutzpatron oder sagen wir Sponsor haben, der nicht nur für das Land gewisse Sicherheiten gewährleistet, sondern auch für ein Zinsklima in mehr als zwei Dutzend EU-Staaten sorgt, damit diese Anomalie zustande kommt. Es ist die Europäische Zentralbank (jüngst mit klarer Warnung an die Politik), die mit ihren Leitzinssenkungen und den Anleihekaufprogrammen eine Zinslandschaft kreiert hat, in der es für die großen Kapitalsammelstellen (Pensionskassen, Versicherungen) kaum noch renditebringende Anlagenöglichkeiten gibt. Also weicht man in den Not auf die Länder aus, die noch etwas Zinsen bringen.

Griechenland war 2019 nicht nur der Star an den weltweiten Aktienmärkten mit einem Plus von 49 Prozent, auch die Anleihekäufer griffen beherzt zu. Die Zinsen fielen so rapide, dass die Kurse der Bonds um 30 Prozent nach oben schossen. Investoren verlassen sich auf die EU-Staaten, die mit ihren Garantien dem Land mindestens für die nächsten acht Jahre den Rücken freihalten.

Es läuft für Griechenland im Sinne der internationalen Investoren. Eine stabilere Regierung und ein Abbauprogramm der faulen Kredite bei den Banken in Höhe von 71 Milliarden Euro haben dazu geführt, dass die Ratingagentur Fitch im Januar Griechenlands Rating auf BB hochgestuft hat, gerade noch zwei Stufen unter Investmentgrade. Diese Entwicklung könnte dazu führen, dass das Land bald wieder so stabil eingestuft wird, dass es einen neuen und überaus zahlungskräftigen Käufer für die Staatspapiere geben könnte: Griechenland würde ins Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank rücken. Darauf hoffen die Investoren und kaufen „Ouzo-Bonds“. Eigentlich unglaublich für ein Land, dass so tief in den Schulden steckt.

Der einmalige Anlagenotstand

Das gerade geschilderte Phänomen beschränkt sich natürlich nicht nur auf Griechenland und ganz Europa. Japan hat vor mehr als zwei Jahrzehnten den Anfang gemacht. Jetzt läuft eine riesige Zinssenkungswelle über den Planeten mit über 100 Zinssenkungen weltweit im Jahr 2019, aber es ist noch nicht das Ende. Die weltweite Verschuldung erlaubt keinen Zinsanstieg derzeit. Dabei sind fallende Zinsen keine Spezialität des 21. Jahrhunderts. Eine wissenschaftliche Langzeit-Studie des Harvard-Wissenschaftlers Paul Schmelzing hat gezeigt. (siehe Artikel vom 11. Januar): Die Zinsen fallen in ihrer Tendenz schon seit dem Jahr 1300, aber jetzt ist ein kritischer Punkt erreicht. Wir sind Teil eines riesigen Experiments geworden.

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