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Aktien: Kurssturz in China – wird den Notenbanken die Rally zu heiß?

Wolfgang Müller

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Aktien in China fallen - Kulisse von Shanghai

Zuletzt waren etwas moderate Töne von den großen Notenbanken zu hören. EZB-Chefin Christian Lagarde sprach vom geldpolitischen Abwarten bis man konjunkturell klarer sieht, Fed-Chef Powell reduzierte still und heimlich etwas seine Notenbankbilanz und die chinesische Regierung? Auch hier glauben Beobachter das Bestreben zu erkennen, etwas Dampf aus dem Aktien-Kessel abzulassen.

Großer Rücksetzer an Chinas Börsen

Ähnlich wie am Montag an der Wall Street, als es bei Aktien innerhalb kürzester Zeit eine Kehrtwende gab, ein so genanntes Intraday-Reversal, so fielen auch am Donnerstag in China die Aktienmärkte. So stark wie seit Jahresbeginn nicht mehr an einem Tag. Konkret: Der CSI 300-Index fiel um 4,6 Prozent, der Shanghai Composite und der Shenzhen Composite um minus 4,3 Prozent beziehungsweise um minus fünf Prozent. Der ChiNext-Index, die chinesische Start-up-Börse und so etwas wie ein Pendant zum US-Index Nasdaq, verlor sogar mehr als sechs Prozent.

Erstaunt hatte man auch hier auf FMW zur Kenntnis genommen, dass noch vor zwei Wochen die chinesischen Staatsmedien zu Aktienkäufen aufgerufen hatten. Das Resultat war ein Anstieg des breiten CSI 300-Index um 16 Prozent, allein in diesem Monat. Und genau diese Medien in Gestalt von „People ˋs Daily“ kritisierten offen ein großes chinesisches Unternehmen, welches das Nationalgetränk Maotai herstellt, über dessen Preisgestaltung. Die Folge war ein Kursrutsch bis zur erlaubten 10-Prozentgrenze bei vielen Firmen aus der Branche. Benutzt man diese Methode, um den Markt etwas abzukühlen? Es wäre nicht das erste Mal.

Das Robinhood-Phänomen

Ob in den USA, oder sogar in Deutschland, wo die Depoteröffnungen von Kleinanlegern in die Höhe schießen, bis hin nach China. Privatanleger „zocken“ um die Wette und treiben zumindest einige Aktien in die Höhe. Auch in Fernost haben anscheinend viele Bürger die Banken überrannt, um sich eine Handelsplattform zuzulegen. Natürlich ist so etwas heutzutage über die Suchanfragen in den sozialen Netzwerken rasch aufzudecken. Die chinesischen Staatsmedien haben bereits reagiert und an die Rationalität der Investoren appelliert. Ob dies hilft? Die geopolitischen Spannungen mit den USA nehmen bekanntermaßen auch zu. Normalerweise für die Börsen kein großes Ereignis, aber wenn es in die Lage an den Märkten passt?

Kurzfazit

Auch wenn gerade heute gute Konjunkturdaten aus China vermeldet wurden, mit einer Rückkehr zum Wachstum, auch gegenüber der Vor-Coronazeit 2019 um 3,2 Prozent, scheint man gewillt zu sein, etwas Luft aus den Märkten ablassen zu wollen – soweit dies überhaupt steuerbar ist. Eine weitere ungebremste Rally mit Spekulationsexzessen wie man sie an vielen Märkten vor allem durch Kleinanleger zu beobachtet, birgt die Gefahr eines großen Kurseinbruchs mit sich. Damit wären wir wieder bei der Rolle der Märkte für den Konsum und die Konjunktur, nicht so sehr bei unserem Dax, mit seiner geringen Gewichtung, aber in Ost und West. Es riecht irgendwie nach dem berüchtigten Sommerloch, natürlich nur im übertragenen Sinne.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Axel

    16. Juli 2020 22:45 at 22:45

    Wer soll denn verkaufen und den Markt (USA), wenn die Milliardäre und die „Big Player“ (so Dirk Müller) schon längst aus dem Markt sind?

  2. Avatar

    Klempner

    17. Juli 2020 10:05 at 10:05

    Zuletzt verkauft immer die infantile Hoffnung!!

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Wall Street: Kommen jetzt Regulierungen durch die Biden-Regierung?

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Was passiert mit den Monopolen der großen Tech-Firmen?

Wolfgang Müller

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Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, wie eine demokratische Regierung den großen Techfirmen mit ihren monopolartigen Stellungen zu Leibe rücken wird. Schon die Bildung der Regierung wird Hinweise darauf geben, viele designierte Minister haben bereits in der Regierung unter Barack Obama politische Posten bekleidet.

Die Wall Street und der Abbau der Regulierungen

Die Ära Trump war für die Wall Street geprägt von Deregulierungen, insbesondere im Finanzsektor, was natürlich den oberen Einkommensklassen zugute kam – trotz seiner Beteuerungen dem Establishment auf den Leib rücken zu wollen. Joe Biden hat bereits im Wahlkampf davon gesprochen, gegen die wachsende Ungleichheit im Lande vorgehen zu wollen, was zwangsläufig auf einen Machtkampf mit der Wall Street hinauslaufen würde. Jetzt hat er aber mit der neuen Finanzministerin Janet Yellen, der einstigen Notenbankchefin, eine Entscheidung gefällt, die eher Kontinuität als Radikalität in Finanzfragen erwarten lässt. Sie unterstützt natürlich das Corona-Hilfspaket von 1,9 Billionen Dollar, zu dem die Ministerin vor dem Senat betonte, dass diese Verschuldung mehr nutze, als dass sie schade. Ihre Zielstellung seien mehr und besser bezahlte Jobs und höherer Wohlstand für mehr Amerikaner.

Die letzten Personalentscheidungen deuten aber daraufhin, dass man die Wall Street doch in Teilbereichen stärker regulieren wolle.

Chef der Börsenaufsichtsbehörde SEC soll Gary Gensler werden, ein Mann, der schon von 2009 bis 2014, also unter der Präsidentschaft von Barrack Obama, die Aufsicht über die Derivate CFTC innehatte. Er hatte damals die Untersuchungen bei den Manipulationen des Zinssatzes Libor geleitet und die Finanzreform umgesetzt. Er gilt als harter Hund in der Szene, aber wie könnte es auch anders sein – er hatte zuvor schon 20 Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet.

Die Aufgaben der SEC dürften gewaltig sein, im Stadium der derzeitigen Spekulationsauswüchse. Zum Beispiel bei den Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPAC genannt. Firmen, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um das Geld in die Übernahme eines noch nicht feststehenden Unternehmens zu investieren. Ein kaum regulierter Bereich, bei dem es wieder auf Kosten der Kleinanleger gehen könnte. Bereits in den ersten drei Wochen wurden im Bereich der SPACS schon wieder 56 solcher Mantelfirmen an die Börse gebracht und 16 Milliarden Dollar an Geldern eingesammelt. Nach 300 Firmen im Jahr 2020.

Was Gensler auch besonders auszeichnet, sind seine Kenntnisse im Bereich der Kryptowährungen – einem Thema, über welches er auch an seiner Universität gelehrt hat. Er hat sich zur Szene schon sehr kritisch geäußert und wird sich ganz besonders mit Fintech-Unternehmen und Kryptowährungen befassen.

Unterstützt wird Gensler von Rohit Chopra, der Chef der Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte (CFPB) werden soll, die nach der Finanzkrise gegründet wurde.

Der Mann hatte sich bereits in in seiner Zeit bei einer anderen Behörde gegen die Macht der großen Tech-Konzerne ausgesprochen. Er stimmte für die Klage der Behörde gegen Facebooks ungesetzliche Monopolisierung, der sich auch eine Gruppe von Generalstaatsanwälten angeschlossen. Unter Trump war der Einfluss der Verbraucherschutzbehörde deutlich zurückgefahren worden.

Chef der Bankenaufsicht (OCC) soll Michael Barr werden, ein Mann der auch schon im Finanzministerium zu Obamas Zeiten gearbeitet hatte und nun auf 1200 Banken ein Auge werfen soll.

Die Personalauswahl Bidens zeigt in jedem Fall, dass dem Schutz der Verbraucher zulasten der großen Firmen mehr Bedeutung zukommen wird – und das könnte ein Problem für die Wall Street werden.

Fazit

Wieder einmal stellt sich bei einer neuen Regierung die Frage, wie viel von den Programmpunkten aus dem Wahlkampf im politischen Kampf und vor allem gegen das mächtige Kapital der Wall Street in den USA umgesetzt werden kann. Wer glaubt, dass es jetzt zu einer größeren Umverteilung von Wall Street zu Main Street kommen würde, dürfte ein bisschen blauäugig sein. Bidens Mannschaft besteht aus vielen älteren Semestern, die schon unter Barrack Obama im Einsatz waren.

Außerdem spielen die Wall Street und die Kapitalmärkte in den USA eine viel dominantere Rolle als in allen anderen Industriestaaten der Welt. Es dürfte kaum Gouverneure, Senatoren und Politiker in führenden Positionen geben, die nicht auf einem großen Aktienpaket sitzen. Den Ast ansägen, auf dem man selbst sitzt? Das beste Beispiel ist doch die ehrwürdige Sprecherin der Demokraten, die bereits 80-jährige Nancy Pelosi. Wenn die Grande Dame der US-Demokraten sogar eine halbe Million Dollar für Optionen auf die Tesla-Aktie gesetzt hat, erst vor Kurzem und bereits in der Gewissheit in Regierungsverantwortung zu stehen, was werden wohl die anderen Abgeordneten in ihrem Vermögensdepots haben? Bestimmt kein gefülltes Girokonto, wie unser Finanzminister.

Ergo: Regulierungen an der Wall Street werden kommen, aber wohl immer noch mit Schonung des Aktien-Wunderlandes USA.

Wird die Biden-Regierung die Wall Street bald stärker regulieren?

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