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Aktienmärkte: Fondsmanager-Umfrage – was sie sagen und was sie tun

Wie geht es weiter für die Aktienmärkte? Vorgestern wurde die neueste Umfrage der Bank of America unter den großen Fondsmanagern publiziert und diskutiert. Diese wird zunehmend mit großem Interesse verfolgt, schließlich verwalten diese über 560 Milliarden Dollar, damit das „Smart Money“ – und da könnte man doch einige Hinweise für das eigene Investieren bekommen. Könnte man meinen, aber ich denke es gibt einen Unterschied zu dem was man sagt und dem was man tut, besonders in der Geldbranche.

Aktienmärkte: Die Ergebnisse der monatlichen Befragung der großen Fondsmanager

53 Prozent der befragten Manager gehen beim jetzigen Kursanstieg der Aktienmärkte von einer Bärenmarktrallye aus
78 Prozent sprechen davon, dass die Aktien überbewertet seien
64 Prozent erwarten eine U-oder W-förmige Erholung der Wirtschaft, nur 18 Prozent sprechen von einer V-förmigen

Die Cashquote in den Portfolios sank im letzten Monat von 5,7 auf 4,7 Prozent und damit so stark, wie seit 2009 nicht mehr.
Besonders stark sind Hedgefonds in den Markt gesprungen, von denen mehr als die Hälfte stärker in Aktien investiert ist, als normal.
Das heißt: Viele Fondsmanager haben in den letzen Wochen Aktien gekauft, obwohl sie es eigentlich für unsinnig erachteten. Hätten sie ihrer Einschätzung entsprechend gehandelt, hätte die Cashquote steigen und nicht fallen müssen.

Die Nöte der Fondsbranche

Erst gestern habe ich in einem Artikel meine Gedanken zur Situation in der Fondsbranche geäußert, in punkto Kampf aktiv gegen passiv. Die Umfrage der Bank of America hat einmal mehr ergeben, dass viele institutionelle Investoren die Corona-Rally verpasst haben. Seit dem großen Einbruch waren die Portfoliomanager bei Fondshäusern, Versicherern, Pensionskassen, Hedgefonds und Unternehmen in Summa in Aktien untergewichtet.

Damit verstärkt sich mein Bild, welches ich gestern in dem Artikel zu den Nöten der Fondsbranche skizziert habe. Einige der Anstiege Aktienmärkte der letzten Zeit waren aus der Not geboren, die Kurse kletterten an der berühmten „Wall of Worries“, sie verliefen unter Schmerzen „Pain Trades“: weil den Fondsmanagern natürlich klar ist, dass solche 30/40-Prozent-Rallys jederzeit wieder abverkauft werden können. Aber das Quartalsende mit der ungewöhnlichen Kursrally rückte unerbittlich näher.

Markus Koch hat gestern in seinem Video die Grafik gezeigt: Der Cash-Bestand der Fondsmanager liegt immer noch bei 4,6 Billionen Dollar. Trotz der erzwungenen Markteinstiege noch eine unglaublich hohe Summe, in Zeiten nicht mehr vorhandener Zinsen.

Also wartet immer noch viel Geld auf der Seitenlinie, dass noch nicht investiert wurde. Somit dürften viele aktive Fotos noch immer der Benchmark hinterherhinken. Die ungeliebte Rally ist kein Mythos, sie ist aus der Sicht der Fonds Realität.

Was bedeutet das für die Aktienmärkte?

Auch wenn es nach dem starken Kursanstiegen der letzten Wochen fast irreal erscheint, so zeigen die Fakten doch, dass noch immer viel Geld an der Seitenlinie parkt, welches noch in die Aktienmärkte fließen könnte. Könnte – denn das Quartal ist bald zu Ende und dann kommen schon die ersten Berichte über das Horrorquartal Q2 -2020.

Fazit

Die befragten Fondsmanager sind auf der einen Seite noch immer sehr skeptisch, was die Aktienmärkte betrifft. Man rechnet nur mit einer langsamen Erholung der Wirtschaft und ist in den letzten Wochen doch durch mehrere Pain Trades in die Märkte eingestiegen. Es passt also nicht allzu sehr zusammen zwischen dem, was man faktisch getan hat – und dem, wie man die Situation verbal einschätzt.

Dadurch, dass eine ehemalige Standardumfrage für die Geldanlage so populär geworden ist, verändert sich auch das Verhalten der Akteure. Man steht auf dem Präsentierteller der Öffentlichkeit und wird seinen Kunden mehr nach dem Mund reden, oder im Sinne des Mainstreams. Damit verliert der „Fund Manager Survey“ an Wert für eine Anlagestrategie, nicht nur durch die Tatsache, dass eine solche Umfrage bereits viel Vergangenes beinhaltet – sondern auch noch dadurch, dass man den Effekt der Aussage in der Öffentlichkeit berücksichtigt. Wo wir wieder beim Thema der Reflexivität in sozialen Systemen wären (George Soros). Aktuell in stark steigende Aktienmärkte einzusteigen, könnte man bei Neulingen in der Robinhood-Szene als „Denn sie wissen nicht was sie tun!“ bezeichnen. In der Fondsbranche dagegen eher „Sie wissen was sie tun, aber..!“

Die Aktienmärkte und die Nöte der Fondsbranche



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1 Kommentar

  1. Meine Frage wäre eher, wie geht es weiter mit den (natürlich nicht manipulierten) Anleihemärkten ?

    Der Bufu steht bei sage und schreibe 175 Punkten. Natürlich ist sowas in „Corona-Zeiten“, „normal“… Wer ist überbewertet.. ? Welcher Markt ist nicht manipuliert .. ?

    78 Prozent sprechen davon, dass die Aktien überbewertet seien.

    Aktienmärkte – Risiken für die Blase ?!? Das würde doch bedeuten, die Anleihenmärkte wären „gerecht“ bewertet ? – o.k. kann man so sehen, aus Bärensicht. aber wenn der Dax fällt, muss der Bufu/die Anleihenmärkte doch in den Orbit steigen.. ?

    Fazit : Tja… Das hier ist Corona

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