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Aktienmärkte: Ist das der Start für ein zittriges Börsen-W?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte mit einer Euphorie in großer Dosis, über Tage und Wochen in den USA – und dann die unweigerliche Korrektur am gestrigen Tag, bei unserem Dax schon seit ein paar Tagen. Und wieder einmal war es nicht vorhersehbar, wann sie eintreten würde. Gewarnt wurde bereits seit Wochen, nach einem Kursanstieg von 30 oder 40 Prozent von den erfahrenen Investoren, interessiert hat es die jungen „Wilden“ in den USA nicht. Nach einem gigantischen Börsen-V mit dem schnellsten Abschwung und zugleich dem extremsten Aufschwung, der die Aktienmärkte schon fast wieder auf alte Hochs getrieben hatte, kam jetzt der heftige Abverkauf. Beginnt nun die sommerliche Korrekturphase mit einem W-förmigen Kursverlauf?

Aktienmärkte: Das Gute ist eingepreist, beginnt jetzt das Zittern und Zögern?

Es ist Konsens, dass die gewaltige Geldflut der Notenbanken und der Regierungen durch diverse Rettungspakete den außergewöhnlichen Börsen-Hype initiiert hat: Vom 23. März bis zum 8. Juni einen 45 Prozent-Anstieg beim S&P 500 und einen 57 Prozent-Sprung beim Dax. Vorerst ist die Sieben- beziehungsweise Acht-Prozentkorrektur bei diesen Leitindizes nur eine fällige Bereinigung der überschießenden Hausse.

Die Phase stärkerer Kursanstiege führt an den Börsen nach wie vor zu Exzessen, zu einem Einstieg derer, die schnell reich werden wollen. Die Hausse nährt die Hausse, so auch dieses Mal. Es wurde hier auf FMW schon oft dargelegt, welchen Anteil die Kleinanleger am Kursanstieg der Aktienmärkte hatten, geblendet von der Performance der FAANG-Aktien und immer mehr mit Hebel arbeitend. Die gigantische Anzahl an Neueröffnungen von Depots in den USA erinnert einmal mehr an die Hysterie zu Zeiten des Neuen Marktes in Deutschland, wo selbst Rentner bei mehreren Discountbrokern Kontos eröffneten, um an die sinnlos überteuerten Neuemissionen zu gelangen.

Jetzt müssen viele der Neulinge eben Lehrgeld bezahlen.

Ein bisschen erstaunlich erscheint es, dass ausgerechnet Jerome Powell mit seinen Bemerkungen über die langsame Wirtschaftserholung den Ausverkauf der Aktienmärkte einleiten würde. Ich hätte eher die Zeit nach dem großen Verfall oder das Drama bei Bekanntgabe der Q2-Zahlen präferiert – aber die Fahnenstange war wohl schon zu steil. In einer solchen Situation genügt der kleinste Anlass, die Kurse machen dann die Nachrichten und nicht umgekehrt.

Wie teuer ist nun unser Dax nach der 1000 Punkte-Korrektur?

Angesichts der Tatsache, dass man im zweiten Quartal mit 50 Prozent Gewinneinbrüchen bei den großen Konzernen rechnet, ist der Leitindex auch nach der Korrektur noch sehr hoch bewertet. Aber in einer Rezession sind Aktien immer extrem teuer und die Aktienmärkte blicken in die Zukunft, aktuell bereits ins Jahr 2021.

Die Prognosen über das kommende Wirtschaftswachstum durch einzelne Ökonomen halte ich – mit Verlaub – derzeit für nicht sehr aussagekräftig. Was hatte man denn noch im Februar, März oder April für Konjunkturerwartungen geäußert? Ein wahres Jo-Jo. Und jetzt wagt man sich sogar schon an Prognosen für 2021, manch einer schon für 2022. Bisher hat man die Entwicklung um Covid-19 mit seinen globalen Wechselwirkungen nicht einmal für vier Wochen voraussagen können. Wer dachte im April noch, dass man in Deutschland bereits im Juni fast überall den Lockdown zurückschrauben könnte, Reisewarnungen aufheben und deutsche Urlaubsregionen freigeben würde.

Aber was ist, wenn es eine zweite Welle an Infektionen geben sollte oder wenn die Menschen bei einem weiteren Rückgang der Fälle wider Erwarten bereits im Spätsommer zu alten Gewohnheiten zurückkehren sollten? Der Mensch ist ein „Gewohnheitstier“ und vergisst sehr rasch. Wie war es nach den Flugzeugkatastrophen beim 11. September? Sprach man da nicht davon, dass sich die Zivilluftfahrt auf Jahre nicht mehr erholen sollte, anhand der Gefahrensituation? Und wie lange hat es gedauert bis zu neuen Rekordzahlen?

Aber selbst wenn man große Gewinne beim „teuren“ Dax in den letzten Wochen einfahren konnte, ausgestiegen ist, stellt sich umgehend die Frage: Wohin mit dem Kapital?

Das „zwangskastrierte“ Zinsniveau

Das Grundproblem bleibt. Es gibt in Deutschland weit und breit keine Zinsen für Anlagekapital, nicht einmal mehr besonders bei Unternehmensanleihen, wenn man real rechnet und das Risiko von Junkbonds ausschließt. Zwar haben die Leitzinsen vermutlich ihr Tief gesehen, welches auch durch US-Notenbanchef Jerome Powell noch bis zum Jahr 2022 zementiert wurde (bei seiner letzten PK zur Notenbanksitzung), so gibt es für die Anleihekäufer derzeit sogar noch die Gefahr von anderer Seite. Es gibt nahezu keine Zinskupons mehr und fallende Renditen und damit steigende Kurse sind bei der Flut an Emissionen und neuen Schulden nicht zu erwarten – eher das Gegenteil könnte der Fall sein.

Selbst Immobilien erscheinen nach Corona nicht mehr so aussichtsreich. Hat das erfolgreiche Home Office nicht gravierende Auswirkungen auf Gewerbeimmobilien?

Damit sind wir wieder bei der Suche nach Alternativen für die Geldanlage.

Wenn es ganz schlimm wird, wie beim exponentiellen Anstieg der Coronazahlen im März, legt man sein Geld auf das Cashkonto. Um dann wieder in die Aktienmärkte zurückzukehren, wenn sich auch nur kleine Hoffnungszeichen am Horizont zeigen. Unsicherheit sollte jetzt erst einmal Einzug halten.

Das alles spricht für ein Börsen-W in den nächsten Wochen, mit wiederum unvorhersehbaren oberen und unteren Umkehrpunkten.

Covid-19, das unbekannte Element für die Aktienmärkte

Bei allen sinnvollen oder auch sinnlosen strategischen Überlegungen bleibt ein Faktor stets im Ungefähren, die Entwicklung zur Ausbreitung oder Eindämmung des Coronavirus. Dabei geht es nicht nur um die Erfolge Deutschlands oder auch Europas, denn was wäre denn die Folge, wenn aufgrund der Trumpschen Wahlvorhaben und dem wirtschaftsorientierten Denken in den USA die dortigen Aufhebungen des Lockdowns viel zu früh kommen und man das Wirtschaftsleben zwangsläufig wieder zurückfahren muss? Ein erneuter Schock in den Lieferketten, schließlich sollte man nicht vergessen, dass es sich bei den USA immer noch um die bedeutendste Wirtschaftsnation der Welt handelt.

Fazit

Das war schon ein heftiger Einbruch der Aktienmärkte am gestrigen Tag. Durch den Tageseinbruch hat sich der ganze Dax-Anstieg von 57 Prozent bis zum Wall Street-Börsenschluss schon fast auf 43 Prozent veringert, beim S&P 500 von 45 auf knapp 35 Prozent.

Unser Leitindex ist damit angesichts einer Rezession weiterhin teuer, aber bei Weiten nicht in so exzessivem Territorium, wie (Teil)Märkte in den USA. Durch den Kursrutsch der letzten Tage hat der Dax einen Teil des exorbitanten Anstiegs bereits abgebaut, an die 1000 Punkte. Liegt man damit nicht schon um 500 Punkte unter dem Aprilhoch des Jahres 2015? Sollte man dieses Gewinnniveau der Unternehmen nicht bis 2021 wieder erreichen können – nicht das Niveau von 2019? Nicht unwahrscheinlich.

Nur ist Deutschland als Exportnation von der Weltkonjunktur abhängig. Damit könnte jetzt eine zeitlang die Unsicherheit die Oberhand gewinnen über die deutsche Wirtschaftserholung, trotz der Rettungspakete.

Aber gleichzeitig kehrt nach einem Ausstieg aus dem Aktienmarkt die Frage zurück, spätestens, wenn es wieder nach oben gehen sollte: Was tun mit dem Anlagekapital?

Die Aktienmärkte stürzten gestern ab

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Peter Sallister

    13. Juni 2020 16:20 at 16:20

    Was tun mit dem Anlagekapital?
    Den bestmöglichen Zustand anstreben.
    Das kann auch mal bedeuten nichts oder nur marginal verlieren. Also Nichtstun.
    Wenn die einfache Alternative ist nur zu verlieren egal wie ich anlege.

    Wenn es in der Etoscha-Pfanne nur noch ein Wasserloch gibt, warum muß ich dahin wenn ich noch im Keller 100 Flaschen Mineralwasser vergraben habe? Und ich weiß daß sich in den Büschen um das Wasserloch die Löwen dichtgedrängt versteckt halten?

    Gibt es eine Pflicht Geld anzulegen? Besteht auf Nichtanlage irgend eine Strafbedrohung?

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Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

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Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

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Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

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