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Aktienmärkte: Startet TINA jetzt so richtig durch?

Das Akronym TINA („There is no alternative“) soll die Situation beschreiben, in der es keine ernstzunehmende Alternative zur Aktienanlage gibt

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Werden die Aktienmärkte immer alternativloser? Das Akronym TINA, verwendet für die Floskel „There is no alternative“ soll die Situation beschreiben, in der es keine ernstzunehmende Alternative zur Aktienanlage gibt, zumindest nicht in der Höhe, die für die großen Geldströme relevant ist. Dabei geht es in erster Linie um die Konkurrenz zwischen den Renten- und den Aktienmärkten, die historisch immer für ein Wechselspiel gesorgt haben, je nach Höhe der Rendite und des Stands des Konjunkturzyklus.

Ehrlich gesagt, behagen mir die nun folgenden Gedanken überhaupt nicht, denn sie beinhalten eigentlich keine gute Perspektive für die Kapitalmärkte, ja eher einen irgendwann kommenden Big Bang!

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Renten- und Aktienmärkte: Die Lage

Man kann es kaum glauben. Inzwischen rentieren Staatsanleihen im Wert von 14 Billionen Dollar im negativen Bereich, in Deutschland wird es bald keine Anleihe mehr geben, die noch Zinsen abwirft. Selbst für die 30-jährige deutsche Staatsanleihe gibt es nur noch +0,24 Prozent. Die letzte Region, in der es noch Zinsen über der Inflationsrate gab, die Vereinigten Staaten, erleben gerade den Fall ihrer so bedeutsamen 10-jährigen Treasury unter die 2-Prozentmarke.

Den Gipfel der Zinsmanipulation präsentiert gerade Italien, wo man für eine 2-jährige Anleihe dem Staat Geld in Form von Minuszinsen zahlen muss, einem Land mit einer Verschuldung von 132 Prozent zum BIP, das eigentlich nur von der EZB vor der Pleite gerettet wird. Jetzt soll es aber erst recht mit Zinssenkungen weitergehen, wenn man den Andeutungen in den USA und Europa Glauben schenken mag. Was ergeben sich daraus für Konsequenzen?

 

Was werden die großen Kapitalsammelstellen zwangsläufig tun?

Große Teile unseres Versorgungssystems sind darauf angelegt, dass am Kapitalmarkt Geld verdient wird, um die garantierten Versorgungsleistungen zu gewährleisten. Seien es Pensionsfonds oder Versicherungen jedweder Art, sie brauchen die Einnahmen am Kapitalmarkt und sind aufgrund ihrer Statuten zumeist an Anlagen an den Rentenmärkten gebunden. Dabei belaufen sich die Verwaltungskosten oft bereits auf einem Prozent der Marge, man braucht sich nur die Paläste mancher Versicherung anzusehen. Auch große Konzerne geraten mit ihren Betriebsrenten immer stärker in die Bredouille. Was also tun?

 

Die Japanifizierung der Welt und die Entwicklung der Aktienmärkte

Als Beispiel könnte Japan dienen, wo es bereits seit 20 Jahren keine Zinsen mehr gibt. Die Staatsverschuldung ist auf astronomische 234 Prozent gestiegen und die staatliche Postbank kauft reihenweise ETFs auf den japanischen Aktienindex. Da die Unternehmen weltweit im Schnitt Dividenden zahlen – Dividendenrendite Dax 3,3 Prozent, S&P 500 knapp 2 Prozent -, wäre dies die naheliegende Methode um an Einnahmen zu kommen.

Der größte Staatsfonds der Welt, der norwegische Staatliche Pensionsfonds, hatte bereits im letzten Jahr seine Aktienquote von 60 auf 70 Prozent erhöht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bei weiter sinkenden Zinsen, dass dies weltweit Schule machen wird.

Damit entstünde die aberwitzige Situation, dass die Aktienmärkte, die seit 2009 im Schnitt 300 Prozent zugelegt haben, nochmals Auftrieb bekommen. Den Notenbanken sei Dank – TINA is stronger than ever!

Ein Horrorszenario für alle, die mit fundamentaler Logik an den Märkten investiert sind.

 

Was unterscheidet diesen Konjunkturzyklus von früheren?

Im Gegensatz zu früheren Zyklen können die Kapitalsammelstellen nicht mehr auf den Rentenmarkt ausweichen, um eine Rezession zu überstehen. Bereits nach kurzer Zeit würden die Strafzinsen schmerzen. In den Jahren 2000 und 2007, also jeweils vor den letzten großen Einbrüchen, lagen die Leitzinsen bei über 6 beziehungsweise 5 Prozent. Jetzt sind es in den USA noch gerade mal 2,5 Prozent und in Europa 0 Prozent und die Zinsen sollen ja weiter fallen. Allen Aktiencrashs der letzten Jahrzehnte ging immer ein starker Anstieg der Zinsen beziehungsweise der Inflation voraus. Von beidem ist derzeit nichts zu sehen.

Nochmals ein Argument für TINA, auch wenn es unglaublich klingt.

Vielleicht ist auch dies bereits ein Grund, warum in den USA die Aktienmärkte partout nicht korrigieren wollen, trotz ständig sich verschlechternder Indikatoren, Gewinnwarnungen der Unternehmen und einer inversen Zinskurve, die nach bisheriger Lehre fast todsicher auf eine Rezession hinwies.

 

Zwei NASA-Astronauten an der Wall Street - Sinnbild für die aktuelle Lage an den Aktienmärkten

Zwei NASA-Astronauten an der Wall Street – Sinnbild für die aktuelle Lage an den Aktienmärkten?

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Beobachter

    4. Juli 2019 12:38 at 12:38

    Tina gilt aber nur wenn die Aktien weiter steigen. Bei stagnierenden oder fallenden Aktienkursen wären bei
    steigenden Anleihenkursen gute US- Anleihen schon eine Alternative.So hat Stanley Druckenmiller anfangs Juni sämtliche Aktien verkauft u.in US- Staatsanleihen investiert.
    Druckenmiller hat immerhin während 3 Jahrzehnten kein Minusjahr gemacht u.ist einer der erfolgreichsten Fondmanager. Von Bitcoin hält er gar Nichts.Heute managt er nur noch sein eigenes Geld, ist unabhängig u.darf seine Meinung sagen.Wenn alle anTina glauben, wird die Übertreibung noch schneller u. grösser,
    Die letzte Tina war der US – Häusermarkt wo man auch immer steigende Preise prognostizierte.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      4. Juli 2019 13:52 at 13:52

      @Beobachter. Es geht doch nicht darum, dass TINA eine gute Entwicklung ist. Der anschließende Fall wird nur noch umso größer. Druckenmiller hat sicherlich kein schlechtes Geschäft gemacht, wenn er Anfang Juni auf US-Anleihen gesetzt hat, denn die Zinsen sind seither gefallen, ergo die Kurse gestiegen. Auf der anderen Seite hat er den besten Aktien-Juni seit Jahrzehnten in den USA versäumt.
      Es ging mir doch eher um die Nöte der Vorsorgesysteme bei weiter fallenden, negativen Zinsen. Kann ein Lebensversicherer noch deutsche Staatsanleihen kaufen?
      Das Problem: JP Morgan erwartet, dass insgesamt 19 Notenbanken weltweit im zweiten Halbjahr in irgendeiner Weise die Zügel lockern werden, das könnte! das TINA-Problem befeuern.
      Viele Grüße

  2. Avatar

    Koch

    4. Juli 2019 15:38 at 15:38

    Ich stelle fest!Endlich wird die Menschheit im Paradies und Schlaraffenland leben.Nicht der Kommunismus,keine Diktatur,keine Flower-Power-Peace-Regierung und viele andersartige Zusammenlebensformen sondern der Kapitalismus ohne Zinsen,bzw.sogar Minuszinsen ist das allgemein Glücklichmachende!Seltsam nur,dass all unsere Vorgängergenerationen nicht den Grips hatten,das zu erkennen.Also auf, Brüder(nein nicht zur Sonne)zum nichtendenwollenden Dolce Vita auf Notenbankkosten!

  3. Avatar

    Altbär

    4. Juli 2019 16:30 at 16:30

    @ Koch, einverstanden mit dem Schlaraffenland, aber ohne Schlara, sondern nur noch „Affenland“.Man kauft mit Gratisgeld werthaltige Sachwerte u.ist für ewig saniert.
    Das Problem ist nur ,dass das Gratisgeld nur bekommt wer schon viel Geld hat. Von dieser Gratis- Umverteilung profitiert nur ein kleiner Teil der Anleger auf Kosten der Restbevölkerung.Namhafte DICKFISCHE warnen vor sozialen Unruhen wenn das Spiel so weiterläuft.
    Ich bin sicher ,dass der Mainstream mit den sozialen Medien irgendwann diese Fehlentwicklung stoppen
    wird.Die Entwicklung der Gelbwesten in FR u.der momentane Hype der Jungen in Sachen Klima bietet einen Vorgeschmack was auf die grenzenlose Umverteilungs- Elite zukommen könnte.

    • Avatar

      Koch

      4. Juli 2019 21:01 at 21:01

      Servus Altbär,Bruder im Geiste.Danke für die Zustimmung.Ich bin für die kommende deutsche Gelbwestenbewegung bestens vorbereitet.ich habe mir zu Fastnacht eine Gelbweste besorgt,sie hinten dick und beiderseits vorne etwas kleiner mit Wutbürger beflocken lassen.Die dazugehörige Basecap mit einem fetten Stinkefinger rundet das Ganze dann ab.Also,let the Show begin!

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Dax: Wie nachhaltig ist das Short Signal ?

Rüdiger Born

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Das neue Jahr hat gerade begonnen, da zeigt der DAX ein Short-Signal. Doch ist das wirklich nachhaltig? Zeichen für schwächelnde Käufer gibt es ja schon eine Weile, doch reicht das? Werfen wir einen Blick auf die Entwicklung beim DAX, dem Dow Jones, dem S&P500 und beim Nasdaq und schauen uns die entsprechenden Chancen einmal genauer an.

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Dax: Jahresausblick – Anleger sehen mehr Gefahren als Chancen

Stephan Heibel

Veröffentlicht

am

Der Dax ist 2021 bereits angesprungen, der Bitcoin hatte die 40.000 USD geknackt und Tesla konnte in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits um 30% zulegen!

Der Quadratmeter Bauland wird in meiner Nachbarschaft auf 2.200 Euro taxiert, ich war bis vor kurzem von 800-1.000 Euro ausgegangen. Ja, liebe Notenbanken, von Inflation keine Spur, oder? Ich habe gelesen, dass die EZB im Rahmen ihrer strategischen Neuausrichtung nach Möglichkeiten sucht, den Zins für langfristig laufende Anleihen zu beeinflussen, ohne über den Geldmarkt gehen zu müssen. Abenteuerlich.

Für uns Anleger sind das goldene Zeiten, wobei der Gradmesser der Inflation, das Gold, tatsächlich nicht anschlägt. Die Feinunze Gold verlor diese Woche 1,4%. Ich denke, die überschüssige Liquidität der Anleger wandert derzeit eher in den Bitcoin als ins Gold. Den Bitcoin können Sie problemlos über Landesgrenzen mitnehmen, beim Gold ist das nicht so einfach.

Durch Disruption zum Milliardär

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Mahatma Gandhi

1990-2000:

Es ist nicht leicht, Milliardär zu werden: Bill Gates lief sich in der Industrie die Hacken wund, niemand wollte Computer für den Privatanwender bauen. Das solle man den Profis überlassen, war die Antwort und IBM hatte eine ganze IT-Industrie erschaffen, die von den Personal Computern nichts wissen wollte. Der IBM Mainframe fristet heute ein Nischendasein, Bill Gates wurde mit seinem Betriebssystem für Personal Computer, dem Windows, zum reichsten Mann der Welt.

2000-2010:

Man muss in Büchern herumblättern, wenn man sich eine Kaufentscheidung bilden möchte, so das Dogma des Buchhandels vor 20 Jahren. Jeff Bezos bot die Bücher im Online-Versand an und hatte nicht nur alle Buchhändler der Welt, sondern später auch alle Einzelhändler der Welt gegen sich. Eine kleine Nische, die kaum Potential habe, urteilten viele damals. Amazon liefert heute so ziemlich alles, was das Herz an materiellen Wünschen hat. Jeff Bezos löste Bill Gates als reichsten Mann der Welt ab.

2010-2020:

Wenn Sie sich einmal die Ölindustrie und deren weltweite Logistiknetze anschauen, dann können Sie sich vorstellen, dass nicht nur die Autoindustrie gegen die Ablösung der Verbrennermotoren war: Als wichtiger Abnehmer der Ölindustrie liefen also gleich mehrere Branchen weltweit Sturm gegen das Elektroauto. Elon Musk peitschte sein Projekt durch, baute weltweit mangels Kooperationswillen in der Ölindustrie (denen gehören die meisten Tankstellen) ein eigenes Netz an Ladesäulen auf, die weltweit größten Batteriefabriken (Giga-Factories). Durch den Kurssprung in den Tesla-Aktien löste Elon Musk gestern Jeff Bezos als reichten Mann der Welt ab.

2020-2030:

Vielleicht steht der nächste Milliardär ja schon in den Startlöchern. Der Erfinder des Bitcoin ist nicht bekannt. Die mRNA-Technologie wird von mehreren Unternehmen genutzt, aber Moderna und BionTech scheinen die Nase vorn zu haben. Beyond Meat krumpelt die Nahrungsmittelindustrie um. Und Zoom Video und Twilio verändern die Art und Weise, in der wir untereinander kommunizieren. Spannend! Und es lohnt sich, am Ball zu bleiben.

Ich habe den Eindruck, dass die Coronakrise in einigen Bereichen Entwicklungen der kommenden Jahre vorweg genommen hat. So konnten die Aktien von BionTech, Zoom Video usw. im vergangenen Jahr exorbitant anspringen. Im Jahr 2021 wird sich zeigen, welche Entwicklungen tatsächlich beschleunigt wurden, und welche lediglich eine Sonderkonjunktur erfuhren.

Dax: Jahresausblick 2021

Bereits seit sechs Jahren führe ich die Jahresumfrage unter Lesern des Handelsblatts durch. Im Sinne der Sentiment-Theorie interpretiere ich die Mehrheitsmeinung dahingehend, dass es unwahrscheinlich ist, dass genau diese Erwartung eintritt. Vielmehr haben Untersuchungen gezeigt, dass an den Finanzmärkten in der Regel das Unerwartete passiert.

Das Ergebnis meiner Analyse der Jahresumfrage vor einem Jahr war die Erwartung, dass der DAX frühzeitig im Jahr 2020 ausverkauft würde, um dann bis in den November hinein stark anzusteigen. Den Jahresschlusskurs hatte ich sodann auf knapp unter das Jahreshoch taxiert. Optisch betrachtet habe ich damit ziemlich gut gelegen.

Wenn wir jedoch die Beschriftung der X-Achse zufügen, könnte ich nicht schlechter gelegen haben: Das Tief hatte ich auf über 12.000 festgelegt und als Jahreshoch hielt ich die 15.000 Punkte für möglich.

Nun könnte man sagen, die Corona-Pandemie hat ohnehin alles auf den Kopf gestellt. Doch gerade solche unvorhersehbaren Ereignisse sollen ja mit Hilfe technischer Instrumente, wie beispielsweise dieser Jahresumfrage, berücksichtigt werden. Dennoch würde ich sagen, dass wir den Verlauf recht gut prognostiziert haben, wenngleich die Intensität durch Corona nach unten verstärkt wurde. Heute werden wir untersuchen, ob der Lauf in Richtung 15.000 nur um ein Jahr verschoben wurde, oder ob sich nach Corona eine vollständig neue Situation ergibt.

Bei unserer Jahresumfrage vor einem Jahr wurde die Anlage in Immobilien als beste Investmentchance bezeichnet, gefolgt von Aktien und Edelmetallen. Industriemetalle (bspw. Kupfer) und Nahrungsmittel (bspw. Getreide) wurden als mäßig attraktiv betrachtet.

Tatsächlich haben gerade Industriemetalle (+26%) und Nahrungsmittel (+16%) im abgelaufenen Jahr eine gute Performance gezeigt. Der DAX konnte sich auf Jahressicht knapp ins Plus retten (+3,5%).

Immobilien muss man für das Jahr 2020 detailliert betrachten: Bauland zeigt mit +13% den stärksten Wertzuwachs, gefolgt von Wohnimmobilien mit +8%. Gewerbeimmobilien litten stark unter der Corona-Pandemie, wobei Büroimmobilien Einbußen erlitten, während Flächen für logistische Nutzung gefragt waren.

Wenngleich der Wertzuwachs bei Wohnimmobilien nicht mit Industriemetallen und Nahrungsmitteln mithalten konnte, so ändert sich das Bild wenn wir berücksichtigen, dass Immobilien in der Regel zu einem großen Teil finanziert werden. Die Wertentwicklung des Eigenkapitals ist, auch nach Abzug der derzeit niedrigen Zinsen, deutlich höher anzusetzen.

Hier die Jahresperformance:

· Kupfer +26%

· Getreide +16%

· Gold +12%

· Immobilien 8%

· DAX +3,5%

· Anleihen +0,5%

· Öl -25%

· Dow Jones +6%

· Nikkei +16%

· Shanghai A-Aktien +12%

In einem Punkt haben die Umfrageteilnehmer vor einem Jahr gut gelegen: Der Median der Umfrageerwartung von vor einem Jahr erwartete einen DAX-Jahresschluss 2020 bei 13.750 Punkten, was einem Plus von 3,8% entsprochen hätte. Mit dem tatsächlichen Jahresschlusskurs von 13.719 (+3,5%) wurde dieser Median ziemlich gut getroffen.

In den vergangenen 50 Jahren hat der DAX nur fünfmal mit einem so kleinen Plus (kleiner 5%) geschlossen.

Nun hat die Corona-Pandemie zu einem durchweg überraschenden und untypischen Börsenjahr geführt, sowohl im Ergebnis als auch im Verlauf. Ich wäre daher vorsichtig, unseren Umfrageteilnehmern vorschnell eine hohe Trefferquote zuzusprechen: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Gedämpfte Erwartungen für Aktien im Jahr 2021

Für das Jahr 2021 erwarten Anleger nicht viel vom Aktienmarkt: zum Jahresende dürfte sich der DAX in etwa erneut auf dem aktuellen Kursniveau bewegen, wenn unsere Umfrageteilnehmer Recht haben.

Wo steht der Dax Ende 2021?
Abbildung 1: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahresschlusskurs DAX

Die meisten gehen von einem Jahresschlusskurs im Bereich von 13.600 bis 13.900 aus, was im Mittel einem Jahresplus von mageren 0,2% entspräche. Wenn wir die durchschnittliche Erwartung unter Einbeziehung aller Antworten errechnen, ergibt sich sogar nur ein Wert von 13.726 Punkten, also +0,1%.

Interessant dabei ist, dass die Streuung der Erwartungen sehr gering ist: 60% aller Teilnehmer erwarten einen Jahresschlusskurs zwischen 13.500 und 14.400 Punkten. Werte außerhalb dieses Bereiches wurden nur vereinzelt ausgewählt. Einen Schlusskurs unter 13.000 befürchtet fast keiner mehr. Nach oben gibt es vereinzelte Stimmen, die sogar einen DAX bis 16.000 Punkte erwarten.

Wo wird der Höchststand beim Dax 2021 sein?
Abbildung 2: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahreshoch im DAX

Das Jahreshoch wird gemäß der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens über 13.950 Punkten liegen, im Mittel wird ein Jahreshoch bei 14.250 (+3,9%) Punkten erwartet. Berechnen wir den Durchschnitt aller Erwartungen, so erhalten wir einen Wert von 14.385 Punkten (+4,9%). Ein Jahreshoch über 14.850 Punkte (+8,2%) hält kaum jemand für möglich.

Wo wird das Tief beim Dax sein?
Abbildung 3: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahrestief im DAX

Auch beim Jahrestief sind die Erwartungen etwas pessimistischer: Unter 12.750 Punkte (-7,1%) sollte der DAX nach der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens nochmals rutschen. Im Mittel wird sogar ein zwischenzeitliches Abrutschen bis auf 12.150 Punkte (-11,4%) befürchtet. Das durchschnittlich erwartete Tief im Jahr 2021 liegt bei 11.910 Punkten (-13,2%). Immerhin fürchtet kaum jemand ein erneutes Abrutschen unter 11.250 Punkte (-18%).

Ich finde dieses Ergebnis merkwürdig: Im Jahr 2019 sprang der DAX um 25% an. Im Corona-Jahr 2020 betrug die Schwankungsbreite im DAX über 60%! Für das Jahr 2021 gehen Anleger jedoch nur von einer maximalen Schwankungsbreite von 24% aus, die meisten erwarten eine Schwankungsbreite von nur 17%. Es wäre schön, wenn’s so kommt.

Für den DAX erwarten die meisten Anleger das Jahreshoch im Mai. „Sell in May and go away…” heißt eine Börsenweisheit, die sich offensichtlich in den Köpfen der Anleger festgesetzt hat. Doch in den vergangenen Jahren galt diese Regel kaum.

Das Jahrestief wird im August erwartet, ebenfalls entsprechend der obigen Börsenregel: „… and always remember to come back in September”.

Bis zum Jahresschluss würde der DAX dann wieder in Richtung seiner Höchststände marschieren, wenn wir der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer glauben. Soweit wird hier eine durchaus typische Jahresentwicklung erwartet.

Untypisch ist jedoch die Befürchtung eines unmittelbar anstehenden Ausverkaufs zum Jahresbeginn: Verhältnismäßig viele Anleger befürchten, dass wir bereits im Februar das Jahrestief sehen können. Daraus können wir zwei Schlussfolgerungen ziehen:

Zum einen wird der Markt aktuell als überhitzt wahrgenommen, so dass kurzfristig keine weiteren Kurssteigerungen erwartet werden. Nach dem Jahresschlussspurt wird nun eine Konsolidierung bis hin zu einer Korrektur erwartet.

Zum anderen spiegelt die Erwartung der Kurstiefs bereits so früh im Jahr die optimistische Erwartung der Anleger wider, dass die Kurse im Jahr 2021 überwiegend steigen werden.

Diese Erwartung widerspricht offensichtlich der weiter oben formulierten Erwartung der geringen Sprunghöhe im DAX: Wenn der DAX schon in den kommenden Wochen sein Tief sieht und dann für den Rest des Jahres steigt, dann erscheint das Kursziel bis zum Jahresende bei durchschnittlich 13.726 Punkten (+0,1%) sehr konservativ. Einzige Erklärungsmöglichkeit wäre ein heftiger Ausverkauf in den kommenden Wochen, so dass der DAX von tiefem Niveau aus dann das ganze Jahr steigen kann, ohne über die 14.000 Punkte zu springen.

Das wäre eine Entwicklung, die der DAX-Entwicklung aus dem Pandemie-Jahr 2020 entspräche. Ich halte das für sehr unwahrscheinlich.

Umfragen zum Dax im Jahr 2021

 

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Finanznews

Aktienmärkte: Warum fallen sie denn? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

Veröffentlicht

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Ja warum fallen sie denn, die Aktienmärkte? Dass die so verwöhnte Wall Street (und auch der Dax) heute unter Druck kommt, hat mehrere Gründe: erstens Zweifel, ob Biden wirklich sein Stimulus-Programm verwirklichen kann. Dann, zweitens, wieder schwache US-Einzelhandelsumsätze – und schließlich die Nachricht, dass Pfizer deutlich weniger Impfstoff in den nächsten Wochen für die EU liefern wird. Im Grunde sind angesichts der absehbaren Verschärfungen der Lockdowns in Europa die Prognosen für ein starkes wirtschaftliches Jahr 2021 schon jetzt obsolet. Aber ein Rücksetzer der Aktienmärkte war ohnehin überfällig, zuletzt fehlte es deutlich an Dynamik auf der Oberseite. Vielleicht spielt auch die Unruhe vor der Amtsübernahme von Biden schon eine Rolle, man fürchtet erneute Ausschreitungen..

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