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Aktienmärkte: Technische Gegenreaktion verpufft – wie geht es weiter?

Das Coronavirus ist bereits in unserer Nähe und damit ein Hauptthema nicht nur für die Aktienmärkte, sondern auch für die Medien

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Erst gestern habe ich von der großen Bedeutung des 200-Tagesdurchschnitts für die Aktienmärkte und ihre Investoren gesprochen. Und tatsächlich haben fast alle Indizes diesen wichtigen und sehr beachteten Durchschnitt getestet, der DAX hatte ihn sogar deutlich unterschritten. Aber diese Auffangzone hatte vorerst gehalten, die Kurse waren von ihm abgeprallt. Der 200-Tage-Durchschnitt ist immer noch ein sehr beachteter Indikator, trotz Dutzender anderer Messgrößen. Wenn er signifikant unterschritten wird bei einem Index, droht in den meisten Fällen Ungemach. Man betrachte sich nur einen 10-Jahreschart beim Dax. Doch im Verlaufe des Tages ging es wieder nach unten, der Verkaufsdruck war überall zu verspüren. Es ist eine spanende Situation entstanden, viele große Aktien befinden sich bereits im Korrekturmodus.

Die Situation in China

Die Verwirrung ebbt nicht ab. Da meldet Volkswagen eine weitgehende Wiederaufnahme der chinesischen Produktion, Apple die Öffnung der Hälfte seiner Stores – und auf der anderen Seite berichtet Jörg Wuttke, Chef der EU-Handelskammer in China und seit 30 Jahren in diesem Land lebend, in einem Interview mit dem Handelsblatt von menschenleeren Straßen. Aber er befindet sich schon eine geraume Zeit in Deutschland und seit ein paar Tagen hat der Verkehr in China wieder zugenommen, wie Überwachungsbilder zeigen. Fängt China tatsächlich an, die Produktion substanziell wieder hochzufahren? Der Wirtschaftsfunktionär berichtete in die Zusammenhang von einer Besonderheit, die den Kampf gegen Covid-19 in seiner ganzen Absurdität verdeutlicht: Wenn er als Deutscher nach China einreist, wird er gleich zwei Wochen vorsorglich in Quarantäne genommen. Reist ein Chinese nach Deutschland mir dem Flugzeug, so hat dies keine Konsequenzen, falls er nicht Symptome einer Grippe aufweist – obwohl China eigentlich der Herd des Ganzen ist, mit vermutlich Tausenden weiterer unerkannter aber dennoch potenzieller Überträger.

Was die Entwicklung der „offiziellen“ Infektionen aus China anbelangt, so gibt es derzeit ein sehr ambivalentes Zahlenwerk.

Die Zahl der Infizierten ist zwar auf 82.184 Infizierte weltweit weiter gestiegen, aber noch deutlich steigt die Zahl derer, die als gesund eingestuft werden – aktuell (am Donnerstagmorgen) auf 32.901 Menschen. Wenn man den chinesischen Zahlen Glauben schenken würde, bedeutete dies, dass in China der Höhepunkt der Infektionskrise überstanden ist. Die Zahl der aktuell an Covid-19 Erkrankten wäre auf unter 50.000 gesunken, vor gut einer Woche lag dieser Wert noch bei über 60.000 und er ist täglich zurückgegangen.

Aktienmärke: Das Coronavirus auf dem Vormarsch

Anders die Situation weltweit. Südkorea und vor allem Italien haben die Wirtschaftswelt und vor allem die Aktienmärkte aufgerüttelt. Bereits in 48 Ländern sind Fälle von Covid-19 aufgetreten, die Frage nach einer Pandemie, also einer weltweiten Verbreitung, hat sich damit erledigt. Vor allem die stark wachsende Zahl der Erkrankungen in Südkorea (1595 Fälle, plus 334 zum Vortag) und in Italien mit 470 Infizierungen schockieren. Mit Argusaugen blickt man – auch an der Wall Street – nach Deutschland. Wird das Coronavirus mit Macht nach Norden springen und sich in der größten Volkswirtschaft Europas ausbreiten?

Der ökonomische Schaden wird von Tag zu Tag größer. Italien ist sicherlich bereits wieder in einer Rezession, für Deutschland erwartet man in Q1 bestenfalls nur noch ein stagnierendes Wachstum. Große Messen werden weltweit abgesagt, Hunderte Sportveranstaltungen verlegt, sogar das Multi-Milliarden-Projekt Olympische Sommerspiele in Japan ist akut gefährdet.

Die Notenbanken können zwar die Märkte mit zig Milliarden Dollar weiter fluten, Staaten mit Stimuli jedweder Art reagieren (auch Trump), aber das Börsengift Unsicherheit lässt sich damit nicht aus der Welt schaffen. Dabei achten Ökonomen und Millionen Anleger auf jede neue Meldung, auf jeden Einzelfall einer neuen Infektion und daraus entsteht aber eine weitere Problematik.

Das psychologische Element und die Aktienmärkte

Das Coronavirus ist bereits in unserer Nähe und damit ein Hauptthema nicht nur für die Aktienmärkte, sondern auch für die Medien. Es hagelt Sondersendungen über die weltweite Ausbreitung des Virus, über Prophylaxemaßnahmen, über Pressekonferenzen aus den betroffenen Regionen, kurzum es gibt eine mediale Dauerberieselung, die bestimmte Effekte in unserem Gehirn auslöst. Verfügbarkeitsheuristik nennt es der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahnemann, mit der unweigerlichen Folge, dass dem Ereignis eine elementare überdimensionale Bedeutung zugemessen wird.

Für Börsianer bedeutet dies in der Regel Zurückhaltung, was ja nicht das Schlechteste ist, aber in vielen Fällen auch Panik. Das Entstehen von Angst. Wie nach Flugzeugabstürzen, nach denen man sich nicht mehr traut in ein Flugzeug einzusteigen oder nach Terroranschlägen, nach denen man sich nicht mehr auf einen Weihnachtsmarkt wagt. Es liegt natürlich ein großes Maß an Unsicherheit (und Volatilität) in der Luft, denn keiner kann die Folgen vorhersehen, sollten Infektionsfälle in Großstädten wie München oder Berlin auftreten, mit Quarantänefolgen ganz anderer Dimension. Aber in der Folge einer ständigen Beschäftigung mit dem Thema wird das limbische System der Börsianer in Wallung gebracht – und der Finger sehr leicht auf den Verkaufs-Button.

Fazit

Erlebten wir gerade einen „Dead Cat Bounce“?

„Even a dead cat will bounce if it is dropped from high enough!” – ist die englische Umschreibung an der Börse für eine technische Gegenbewegung der Aktienmärkte, die aber nichts daran ändert, dass sich ein Abwärtstrend gebildet hat. Schon am heutigen Tag könnten wir Aufschluss darüber bekommen, ob die Aktienmärkte insgesamt in den Korrekturmodus eintauchen und die 200-Tagesdurchschnittslinien substanziell unterschritten werden. Dann könnten sich die Verkaufsschleusen noch einmal öffnen. Erste Indikationen deuten darauf hin.

Gestern beim Dax: 340 Punkte abwärts, dann 470 Punkte aufwärts und dann wieder 300 Punkte zurück, bis zum abendlichen Tagesschluss. Der Dax hat am Mittwoch den fünften Tag in Folge mit einem Minus geschlossen, die längste Serie seit Juli 2019. Die Nervosität ist überaus deutlich spürbar, die monatelang eingeschlafene Volatilität „is back“! Ein Vorgeschmack auf das Jahr 2020, welches am 3. November einen weiteren Unsicherheitsfaktor bereithält. Für viele Amerikaner und die Wall Street ist Bernie Sanders eine größere Bedrohung der Akrtienmärkte, als es das Coronavirus darstellt.

Die Aktienmärkte in schwierigem Fahrwasser

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    27. Februar 2020 09:31 at 09:31

    Den eigentlichen Schaden richtet nicht das Virus an, sondern der Mensch mit Überreaktion und Panik.

  2. Avatar

    depotrockerin

    27. Februar 2020 10:49 at 10:49

    kurzfristige Betrachtung:

    Korrektive Phase mit Behandlung des Oktober Gaps mittelfristiger Aufwärtstrend bleibt intakt.

    Daten Grafiken :

    https://www.ccmmarketmodel.com/short-takes/2020/2/25/stock-market-guideposts

    Langfristige übergeordnete Betrachtung des säkularen Aktienmarkt Trend:

    Der aktuelle säkulare positive Trend (säkularer Bullenmarkt) seit 2008 bleibt weiter stabil intakt und sollte erst mittelfristig (~5y) durch eine Dynamisierung der Inflation und damit einhergehenden geldpolitischen Maßnahmen (Anhebung Zinsniveau / Zinsstruktur) beendet werden.

    Bis dahin sollte der positive Rückenwind durch die geldpolitischen und fiskalen Stimulationen (evtl durch zusätzliche Maßnahmen in USA EU wie Aktienkäufe und Implementierung neuer geldpolitischer systemischer Komponenten wie Helicash oder digitaler staatlicher Währungen usw.) die Aktienmärkte weiter auf neue Hochs bringen.

    Es ist auch davon auszugehen, dass die Geld und fiskalpolitisch zur Verfügung gestellte Liquidität zunehmen über die geldpolitischen Transmissionsmechanismen sowie die fiskalpolitischen Funktionsmechanismen an den Transmissionskanälen vorbei in den verschiedenen relevanten wirtschaftlichen Ebenen verstärkt zur Wirkung kommen und zu einem positiven Wachstumsimpuls führt, durch welchen es zu positiven Effekten in den Gewinnentwicklungen der Unternehmen und somit zu einer Dynamisierung im Gewinnwachstum kommt. Das sollte zu einer weiteren Unterstützung der Entwicklungen in der Anlageklasse Aktien führen.

    Hier Daten und Grafiken:

    https://www.ccmmarketmodel.com/short-takes/2020/2/8/the-most-important-stock-market-and-investing-video-you-will-ever-watch

    https://www.ccmmarketmodel.com/short-takes/are-stocks-setting-up-for-a-1987-or-2000-like-plunge

    Betrachtet man ganzheitlich die Bewertungen an den Finanzmärkten, muss man feststellen, dass gerade nach der aktuellen Korrektur robuste Substanzaktien / Dividendenaktien großer global agierender Unternehmen mit hohen Eigenkapitalquoten, welche ihre Umsätze diversifiziert über viele Währungsräume generieren, im Verhältnis zu den in schwindeliger Höhe bewerteten Risk OFF Assets wie IG Bonds und GOLD, sehr moderat bewertet sind.

    Für mich ergibt sich daraus, dass unter der Risk to Reward Analyse, aktuell robuste Aktien als solides Investment alternativlos sind.

    Warum stellen robuste Substanz Aktien für mich eine robuste Sachwertanlage dar?

    ROBUSTE Aktien können im Kurs auch mal fallen, jedoch ist es unwahrscheinlich, dass sie AUSFALLEN (wie z.B Anleihen) und somit zu einem Totalverlust führen und sollten die Kurse fallen, handelt es sich lediglich um Buchverluste.

    Die robusten Unternehmen sprich die großen Player der Brachen, werden auch über die nächsten Jahrzehnte Gewinne erwirtschaften an denen ich als Aktionärin mitverdienen werde. Aktien robuster Unternehmen (Substanzwerte) das ist wissenschaftlich in zahlreichen Studien belegt, wirken inflationsindexiert. Die großen global agierenden Unternehmen sind in der Lage auf inflationäres Umfeld in den Geschäftsprozessen zu reagieren. Aufgrund des hohen Eigenkapitalanteils besteht darüber hinaus weniger Fremdkapitalabhängigkeit was zu einer Unabhängigkeit vom Zinsniveau führt.

    Weiter kommt hinzu, dass die robusten Aktien überwiegend aus den nicht zyklischen Sektoren wie Konsumgüter gewählt werden und somit keine konjunkturzyklische Abhängigkeit in den Umsätzen und der Gewinnentwicklung zu erwarten ist.

    Ich verstehe da immer die Angst vieler Investoren vor Buchverlusten nicht. Wer lange genug an den Aktienmärkten agiert und damit meine ich so 20-30 Jahre der hat die Erfahrung und weis die Vorteile eines soliden Aktieninvestments zu schätzen.

    Selbst wenn die Aktienkurse im schlechtesten fall bei robusten Aktien um 30-40% einbrechen, handelt es sich nur um temporäre Buchverluste, welche im Schnitt nach 5-10 Jahren wieder aufgeholt sind. Bei einem ausgewogenen Aktienportfolio mit robusten Aktien und 10-20% Gold/Minenaktien ist mit einem max DD von ~30% zu rechnen.

    Früher setzte ich neben Gold zur Absicherung und Diversifizierung noch auf lang laufende US Treasuries. Aber bei den aktuellen Bewertungen am Anleihenmarkt und dem bereits extrem niedrigem Zinsniveau fällt das aus.

    Die Anlageklasse Gold weniger aus Spekulationszwecken sondern mehr als absichernde Position.
    Meine Gedanken dazu:

    Gold hat die höhere Volatilität. Und genau die wollen wir ja haben, weil wir dann bei negativer Korrelation mit dem Aktienanteil einen geringeren Anteil an Gold benötigen, um die Volatilität des gesamten Depots entsprechend stark zu senken. US Treas 20y+ haben vermutlich dieselbe negative Korrelation, aber eine geringere Volatilität, also müsste der Aktienanteil neben den Treasuries kleiner sein als neben dem Gold, um die gleiche Depot-Volatilität zu schaffen.

    Aber die Renditedifferenz zwischen Aktien und Treasuries ist es, die dann Rendite kostet – mehr als bei dem geringer gewichteten Gold.

    Die Rendite der langlaufenden US Treasuries, war historisch gesehen, höher als die von Gold. Historisch ist das Zinsniveau in den USA seit dem Vietnamkrieg aber von 20% auf 0% gesunken.

    Wie soll sich das in der Zukunft wiederholen? Auch wenn ich davon ausgehe, dass wir in den USA noch weiter fallende Zinsen sehen werden, ist die historische Rendite von Anleihen langfristig nicht mehr erzielbar, weil sie zu einem großen Teil aus den Kursgewinnen während dieser jahrzehntelangen Zinssenkung bestand.

    Und sollte es zu einem Bärenmarkt kommen, der kommt definitiv, ist es nicht weiter relevant, denn in der Zwischenzeit sorgen die Dividenden für einen stabilen Cashflow, welcher entweder reinvestiert werden kann oder entnommen wird. Bei Investitionen in HY und Mittelstandbonds, also einer Anlageklasse welche erfahrungsgemäß in einem durch Rezession und Inflation gekennzeichneten Umfeld besonders belastet wird und mit überdurchschnittlich hohen Ausfällen zu rechnen ist, stellt für mich kein solides Investment in der späten Phase des Konjunkturzyklus dar.

    Sollte mittelfristig bedingt durch eine Rezession die Phase eines säkularen Bärenmarktes anbrechen, wird die HY und Mittelstandbond Fraktion sich mit besonderen Problemen konfrontiert sehen.

    Es wird auch in späteren Phasen wieder Sinn machen können, die Rahmenbedingungen neu zu bewerten und dann kann unter einer sorgfältigen Risko/ Rendite Bewertung auch wieder eine Investition in Nominale Werte Sinn ergeben, derzeit sehe ich diese Anlageklasse jedoch nicht als attraktiv an.

    LG Depotrockerin

  3. Avatar

    Depot- Verrocker

    27. Februar 2020 13:01 at 13:01

    @ Depotrockerin, sie geben sich unglaublich viel Mühe um die immerwährende Hausse weiterzuschreiben.Fundamentale Wirtschaftsdaten spielen für sie keine Rolle.Für ihr Wirtschaftsverständnis wäre anscheinend der totale Stillstand der Wirtschaft der beste Börsenpusher.
    Mit dieser Einstellung könnte ihr Depot ordentlich gerockt werden.Ich hoffe nur, dass sie nur ihr eigenes Geld ver- rocken.

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