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Aktuell: Pulverfass Italien, Problemkind Apple, Trump feiert globale Steuersenkung

Die EU-Kommission hatte heute Vormittag Italien die erwartete Ohrfeige verpasst. Den Haushaltsplan Italiens lehnte man ab, und will nun ein Defizitverfahren gegen Rom einleiten. So weit, so gut. Der Anleihemarkt hatte das schon erwartet, und so war die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen gestern bis auf 3,69% gestiegen.

Heute nun sank die Rendite auf aktuell 3,53%. Das ist eigentlich erstaunlich – aber vermutlich geht es hier um den Marktmechanismus „kauf das Gerücht, verkauf die Fakten“. Nur dass es hier umgekehrt ging. Die Anleger hatten erst Anleihen verkauft (Rendite rauf), und sind nun wieder ein wenig optimistischer (Anleihen kaufen, Rendite fällt). Dabei ist die Situation weiterhin ein echtes Pulverfass.

Laut „La Stampa“ habe Italiens Innenminister Matteo Salvini seine Kompromissbereitschaft gegenüber Brüssel signalisiert. Man könne bei den Ausgaben für das Bürgereinkommen und die Rente einiges überdenken. Das hilft erstmal der Rendite. Aber halt. Inzwischen hat Salvini diesem Medienbericht widersprochen. Über das Defizitziel von 2,4% werde man nicht diskutieren. Er sei lediglich offen für eine mögliche Diskussion über die geplanten Investitionen im neuen Haushalt.

Also: Warum bleibt die Rendite auch aktuell noch bei 3,53%? Sieht der Markt (noch) nicht, dass der Streit zwischen Rom und Brüssel jederzeit in die nächste Eskalationsstufe springen kann? Für Spekulanten wäre das eine Chance. Aber wie gesagt, es ist ein Pulverfass. Hier kann man als Trader unmöglich etwas planen, und muss halt eine pure Spekulation eingehen.

Apple

Der Gigant unter den Auftragsfertigern für Elektronik „Foxconn“ will laut Medienberichten im nächsten Jahr ca 2,5 Milliarden Euro einsparen. Nur der für die iPhone-Herstellung zuständige Geschäftsbereich solle ca 760 Millionen Euro einsparen. In den letzten Tagen hatten bereits mehrere Apple-Zulieferer ihre Erwartungen spürbar zurückgeschraubt. Das lässt mehr als jemals zuvor darauf schließen, dass Apple ein Absatzproblem bekommen dürfte. Sind die iPhones doch langsam zu teuer geworden? Die Apple-Aktie ist in den letzten Wochen sehr stark gefallen, von 233 Dollar Anfang Oktober auf gestern 177 Dollar. Heute geht es in der New Yorker Vorbörse mal 1% nach oben. Aber das muss noch keine Trendwende bedeuten.

Globale Steuersenkung

Donald Trump ist aktuell mehr als begeistert über eine „globale Steuersenkung“. So bezeichnet er die massiv gefallenen Ölpreise. Sie bescheren seinen Wählern natürlich sinkende Benzinpreise. Genau das hatte er ja mehrfach in den letzten Monaten von der OPEC gefordert. Die ist aber der falsche Adressat für Dankesbriefe, da die OPEC gerade verzweifelt versucht den Ölpreis hochzubekommen. Nein, Donald Trump sollte sich eher bei den heimischen Frackern bedanken, die pumpen wie wild. Trump dankt in seinem Tweet ausdrücklich Saudi-Arabien. Eine Hommage an seinen Buddy Kronprinz bin Salman? Auch tweetet Trump zum Schluss noch, dass der Ölpreis noch weiter fallen solle. Momentan verliert er gut 40 Cent. Nun wartet man gespannt auf die Öl-Lagerdaten, die um 16:30 Uhr veröffentlicht werden (wir berichten gleich darüber).

https://twitter.com/realDonaldTrump/status/1065225779825598465

Donald Trump
Donald Trump



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2 Kommentare

  1. Ich denke, der Markt geht davon aus, daß die EU Italien niemals fallen läßt und umgekehrt. Das Defizitverfahren gegen Italien ist ein zahnloser Tiger, der sich unendlich in die Länge ziehen wird, also praktisch nie wirksam wird. Am Anfang muß das Land eine unverzinsliche Geldeinlage(0,5% des BIP)leisten, die erst nach 2 Jahren in eine Strafzahlung umgewandelt wird. Sollte das wirklich kommen, macht man halt noch mehr Schulden, rausschmeißen kann die EU nicht. Auch wenn die EZB nächstes Jahr keine Anleihen mehr kauft, angesichts einer drohenden Staatspleite eines EU Landes kauft sie dann halt doch wieder. Der Krug kann noch lange zum Brunnen gehen, das weiß der Markt.

  2. Was Trump bei den Zinsen nicht gelungen ist, klappt anscheinend mit dem Ölpreis.Wegen der Mordgeschichte hat er die Saudis im Sack.Zuerst hat er mit den angedrohten Sanktionen den Ölpreis gepusht, dadurch wurde das Fracken wieder rentabel. Auf dem jetzigen Preisniveau werden die Fracker wieder unrentabel. Für die Ölpumper ist das Hüst u. Hot der Preise ein Desaster.Für das Land wären höhere Preise besser da die Fracker die Nachfrage im Inland befriedigen könnten u.die Importe wegfielen.
    Der Ölmarkt ist der unberechenbarsten ,weil relativ wenig grosse Anbieter die Preise machen können.
    Da können die Immo-Besitzer beruhigt sein, Trump wird sicher nie sagen die Immobilien seien zu teuer.
    Es ist gut, wenn man einen Präsidenten hat , der das Wohl des Landes an erste Stelle setzt.

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