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Europa

Arbeitsmarkt im Mai: Deutlich mehr Arbeitslose, neue Erstanträge auf Kurzarbeit

Claudio Kummerfeld

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Bundesagentur für Arbeit Beispielfoto

Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich im Mai wie erwartet schlecht entwickelt. Das zeigt die aktuelle Veröffentlichung der Mai-Daten durch die Bundesagentur für Arbeit. Die Coronakrise sorgt für eine steigende Arbeitslosigkeit, und auch für weitere neue Anmeldungen zur Kurzarbeit. Von April auf Mai ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland um 169.000 auf 2,81 Millionen gestiegen, was einer Quote von 6,1 Prozent entspricht, nach 5,8 Prozent im April und 5,1 Prozent im März. Die offizielle Arbeitslosigkeit lag im Mai diesen Jahres um 577.000 Arbeitslose höher als im Mai 2019. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit, von der Bundesagentur als „Unterbeschäftigung“ klassifiziert, liegt bei 3,57 Millionen Personen nach 3,28 Millionen im März. Die Quote stieg in zwei Monaten von 7,1 auf 7,7 Prozent.

Neue Erstanträge auf Kurzarbeit

Das Thema Kurzarbeit bleibt brisant, und wirkt auf den ersten Blick auch unübersichtlich. Nachdem es im März und April „im Vorhinein erst einmal“ Anträge auf Kurzarbeit für insgesamt 10,66 Beschäftigte gab, kamen laut Agentur im Mai 1,06 Millionen Personen hinzu. Lauf gestriger Veröffentlichung des ifo-Instituts waren bislang von den knapp über 10 Millionen beantragten Kurzarbeitern 7,3 Millionen Arbeiter tatsächlich in Kurzarbeit (mehr dazu hier). Hier auch die heutige Info der Bundesagentur für Arbeit zur Kurzarbeit, Zitat:

Vor Beginn der Kurzarbeit müssen Betriebe Anzeige über den voraussichtlichen Arbeitszeitausfall erstatten. Nach aktuellen Daten zu geprüften Anzeigen wurden vom 1. bis einschließlich 27. Mai für 1,06 Millionen Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt, nach zusammen 10,66 Millionen im März und April. Das heißt aber nicht, dass diese Menschen schlussendlich auch alle kurzarbeiten werden. Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis März zur Verfügung und umfassen damit zeitlich den ersten Monat der Verschärfung der Corona-Krise. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im März für 2,02 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit lag damit schon im März weit über den Werten zur Zeit der Großen Rezession 2008/2009.

Arbeitsmarkt stabilisiert sich auf diesem Niveau?

Wird sich der Arbeitsmarkt nach den „wenigen“ Entlassungen der letzten beiden Monate (in Relation zu anderen Ländern ist das wenig) auf diesem Niveau fangen? Oder werden aus den Millionen von in Kurzarbeit befindlichen Arbeitnehmern, die de facto Schein-Arbeitslose sind, in einigen Monaten noch reale Arbeitslose? Puhhhhhh, so eine Krise gab es ja noch nie in dieser technisierten modernen Gesellschaft. Schwer zu sagen. Hier die Headline-Aussage der Agentur:

Der Arbeitsmarkt ist wegen der Corona-Pandemie weiterhin stark unter Druck. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind auch im Mai gestiegen, allerdings nicht mehr so stark wie im April. Bei der Beschäftigung sind erste Spuren sichtbar. Die Kurzarbeit hat das Niveau der Krise von 2009 deutlich überschritten. Die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern ist weiterhin rückläufig, hat sich aber immerhin gefangen.

Die Bundesagentur für Arbeit ist nach eigener Meinung in der Lage die Auswirkung der Coronakrise auf den Arbeitsmarkt ziemlich genau ermitteln zu können. Dazu hier im Wortlaut:

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Arbeitslosigkeit werden von der Statistik der BA mit einer einfachen Methode ermittelt, die gleichartig für alle Regionen und Merkmale durchgeführt werden kann. Dabei wird unterstellt, dass sich die Arbeitslosigkeit ohne Corona im bisher üblichen Maße verändert hätte. Als bisher üblich wird die Entwicklung im April und Mai 2019 herangezogen. Für den Mai 2019 wird zudem berücksichtigt, dass die Arbeitslosigkeit sich damals aufgrund eines Sondereffekts infolge von Prüfaktivitäten zum Arbeitsvermittlungsstatus von Arbeitslosengeld II-Berechtigten um schätzungsweise 30.000 bis 40.000 erhöht hat. Als Korrekturwert für den Mai wird der Mittelwert von bundesweit 35.000 veranschlagt. Alternativ hätten auch saisonbereinigte Werte verwendet werden können, auf deren Grundlage man den bisher üblichen Effekt noch genauer hätte bestimmen können. Saisonbereinigte Werte stehen aber nicht für alle Regionen und Merkmalsausprägungen zur Verfügung, so dass je nach Fragestellung der Corona-Effekt unterschiedlich hätte berechnet werden müssen. Nach der einfachen Methode errechnet sich der Corona-Effekt der Arbeitslosigkeit für den Mai 2020 als Differenz der Vormonatsveränderung von +169.000 im Mai 2020 und der Vormonatsveränderung von +7.000 im Mai 2019. Inklusive des Korrekturfaktors von 35.000 aufgrund des o.g. Sondereffekts im Mai 2019 beläuft sich der Corona-Effekt damit für den Mai auf 197.000, nach 381.000 für den April. Der GesamtCorona-Effekt als Summe der Monate April und Mai beträgt 578.000.

Daten vom deutschen Arbeitsmarkt für Mai

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    thinkSelf

    3. Juni 2020 13:09 at 13:09

    Tatsächlich arbeitslos geworden ist ja noch kaum jemand. Bisher haben höchstens Leiharbeiter ihren Job verloren, die z.T. allerdings noch durch die Leiharbeitsfirmen über Kurzarbeitergeld gehalten werden.
    Selbst insolvente Firmen können ihre Beschäftigten über drei Monate mit Insovenzgeld über die Runden bringen.

    Die angekündigten Stellenabbauprogramme werden ebenfalls erst in einigen Monaten wirksam.
    Im Moment sind daher vor allem diejeinigen betroffen die neu in den Arbeitsmarkt eintreten wollen. Der Schub dafür kommt aber auch erst im Spätherbst.

    Auch in anderen Ländern der EU wird der Grosteil der Quasiarbeitslosen aktuell Staatsalimentiert.

    Interessant werden daher die Arbeitslosenzahlen gegen Ende des Jahres. Die Feststellung das immer noch erhebliche Neumeldungen von Kurzarbeit eingehen ist allerdings bedenklich.

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Schwache Dienstleister, starkes Gewerbe

„Dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für Oktober) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Wirtschaft:

Gesamtindex: 54,5 (Prognose war 53,2; Vormonat war 54,7)

Verarbeitendes Gewerbe: 58,0 (Prognose war 55,1; Vormonat war 56,4)

Dienstleistung: 48,9 (Prognose war 49,2; Vormonat war 50,6)

Damit bestätigt sich der Trend der letzten Zeit: Dienstleistung leidet, Gewerbe bleibt robust (noch?)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 47,3 schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war 48,0)

(Hinweis: das ifo Institut hat soeben mitgeteilt, dass die ifo Umfrage erst am Montag veröffentlicht wird, im Videoausblick hatte ich gesagt, dass die Zahlen heute um 10Uhr veröffentlicht werden).

Dazu kommentiert Phil Smith von Markit, das die Daten erhebt: „dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

„Die deutsche Wirtschaft hält sich angesichts der zweiten Corona-Infektionswelle erfreulicherweise ziemlich wacker, wie der Oktober-Flash zeigt.
Obwohl einige Dienstleistungsunternehmen unter den neuen Restriktionen und der zunehmenden Unsicherheit im Zusammenhang mit der ‘zweiten Welle’ leiden, hielten sich die Geschäftseinbußen hier insgesamt noch in Grenzen. Gleichzeitig hat die boomende Industrie der Konjunktur ordentlich Auftrieb verliehen. Folglich sieht es zunehmend nach einer Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten aus. Das verarbeitende Gewerbe ist bisher weniger stark von den neuen Restriktionen betroffen als der Servicesektor und hat zudem enorm vom wieder
florierenden Welthandel profitiert. Da sich immer mehr Industrieunternehmen dem Wachstumsniveau von vor der CoronavirusPandemie nähern oder es sogar schon erreicht haben, wird ein dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger. So sind die Erwartungen der Hersteller im Oktober auch erstmals seit siebenMonaten wieder leicht gesunken. Dennoch, Sorgenkind Nummer eins bleibt der Dienstleistungssektor.”

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone: Deflation im Westen – Inflation nur in Osteuropa

Redaktion

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Soeben wurden für die Eurozone für den Monat September die Verbraucherpreise veröffentlicht (2.Veröffentlichung). Sie gehen im Jahresvergleich um -0,3 Prozent zurück, nach -0,2 Prozent im August und +0,4 Prozent im Juli. Auffallend: Inflation gibt es nur im Osten, während der Westen eher unter Deflation leidet.
Zum Vormonat steigen die Verbraucherpeise um +0,2%, ebenso in der Kernrate (ohme Nahrung und Energie) um +0,2%.

Dazu schreibt Eurostat, das die Daten erhebt:

Die jährliche Inflationsrate im Euroraum lag im September 2020 bei -0,3%, gegenüber -0,2% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 0,8% betragen. Die jährliche Inflationsrate in der Europäischen Union lag im September 2020 bei 0,3%, gegenüber 0,4% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 1,2% betragen. .
Die niedrigsten jährlichen Raten wurden in Griechenland (-2,3%), Zypern (-1,9%) und Estland (-1,3%) gemessen.
Die höchsten jährlichen Raten wurden in Polen (3,8%), Ungarn (3,4%) und Tschechien (3,3%) gemessen.

Die Verbraucherpreise in den jeweiligen Ländern

 

Gegenüber August ging die jährliche Inflationsrate in dreizehn Mitgliedstaaten zurück, blieb in sieben unverändert und stieg in sieben an.
Im September kam der höchste Beitrag zur jährlichen Inflation im Euroraum von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak (+0,34 Prozentpunkte, Pp.), gefolgt von Dienstleistungen (+0,24 Pp.), Industriegütern ohne Energie (-0,08 Pp.) sowie Energie (-0,81 Pp.).

Die Verbraucherpreise in der EU und der Eurozone

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Europa

Aktuell: ZEW-Index schwach – neuer Realismus?

Markus Fugmann

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Jeden Monat wird der ZEW-Index vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erhoben. Der Index gilt daher als ein wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die gerade veröffentlichten Daten sind wie folgt ausgefallen:

Der ZEW-Index (Konjunkturerwartungen Oktober) ist mit +56,0 Punkten deutlich schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war +73,0; Vormonat war +71,5).

Die Einschätzung der aktuellen Lage liegt bei -59,5 (Prognose war -60,0; Vormonat war -66,2) – damit sehen wir erneut eine starke Divergenz zwischen Erwartung und der Einschätzung der aktuellen Lage, wobei die aktuelle Lage nun jedoch skeptischer gesehen wird.

Dazu das ZEW: Erwartungen gehen erheblich zurück, große Unsicherheit wegen steigender Corona-Zahlen, dazu Unsicherheit vor US-Wahl..

Der ZEW-Index ist nach dem ifo Index der wichtigste Indikator für die deutsche Wirtschaft

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