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ARD: Warum Lutz Marmor gerade jetzt seine GEZ-„Charme- und Transparenzoffensive“ startet…

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Warum ARD-Chef Lutz Marmor gerade jetzt seine GEZ-„Charme- und Transparenzoffensive“ startet? Themenwoche für ein etwas, das bei jungen Leuten In ist, eine Talkrunde über Gebührenverwendung, Veröffentlichung von Geldverteilungen – da muss wohl jemand dringen schönes Wetter schaffen bis zum Frühjahr 2016. Aber warum? Eine Spurensuche…

I want you for GEZ ARD 2
Foto: Montgomery Flagg / Gemeinfrei

Haben Sie schon mal was von der KEF gehört? Das ist die angeblich unabhängige „Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten“. Sie errechnet, wie viel ARD & ZDF als Gesamtbudget in Zukunft wohl brauchen werden und macht den versammelten Ministerpräsidenten der Bundesländer einen Vorschlag zur Festsetzung der künftigen GEZ-Gebühr. Laut KEF soll ihr nächster Bericht (Vorschlag für die Bundesländer) im Frühjahr 2016 erscheinen. Bis dahin müssen ARD und ZDF kräftig schön Wetter machen, denn idR folgen die Ministerpräsidenten der Bundesländer der KEF-Empfehlung. Der KEF-Vorsitzende Heinz Fischer-Heidlberger sagte im Juli Zitat:

„Als KEF wollen wir unserer Aufgabe bestmöglich gerecht werden. Die Vorgaben dabei sind für uns Recht und Gesetz in Form der Rundfunkstaatsverträge, der von den Ländern festgelegte Auftrag an die Anstalten und als wichtigster Maßstab Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit.“

Betonung mag man hier auf die beiden Wörter „Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit“ legen!

Nur einen Monat später verkündet ARD-Chef Lutz Marmor seine Anstalt benötige zur Finanzierung von Gehaltserhöhungen und für die „enormen“ Kosten der Digitalisierung die gesamte 1,16 Milliarden-Reserve, die durch die neue Gebührenordnung seit 2013 als Reserve angespart wurde und eher für die Entlastung der Gebührenzahler vorgesehen war. Und darüber hinaus benötige er nochmal eine Gebührenerhöhung, weil er noch 99 Mio extra oben drauf brauche. Mit dem sofort darauf folgenden medialen Gewitter, das auf ihn herabstürzte, hatte Marmor wohl nicht gerechnet. Zeitungen, Portale und Bürger begehrten in den letzten Wochen auf, sie „erdreisteten sich“ von ARD-Raffgier und noch Schlimmerem zu sprechen… und merkwürdigerweise (sicher nur ein zeitlicher Zufall) verkündet die ARD nur wenig später eine große Charme- und Transparenzoffensive, denn es könnte doch tatsächlich passieren, dass die Damen und Herren der KEF sich von der öffentlichen Revolte beeindrucken lassen und Herrn Marmor seine 1,16 Milliarden + 99 Millionen nicht zugestehen. Das darf natürlich nicht passieren, gegen so eine schlechte öffentliche Stimmung muss was gemacht werden.

Die große ARD-Transparenzoffensive

Am 19. Oktober um 21 Uhr LIVE (natürlich ein totaler zeitlicher Zufall) veranstaltet die ARD eine TV-Fragerunde genannt „ARD-Check“, zu der man schon vorab Fragen online einreichen kann. In einem lockeren Video sagt dort ARD-Chef Lutz Marmor z.B. „Was machen wir eigentlich mit ihrem Geld? Was können wir besser machen?“… Sie können dabei sein, stellen Sie uns ihre Fragen…

Hier aus der Original-Pressemeldung der ARD zu der Aktion:

„Was macht die ARD mit den Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag? Stimmt die Qualität der Programme in Hörfunk und Fernsehen, und wie steht es um die Glaubwürdigkeit der ARD? Diesen und anderen Fragen stellen sich der ARD-Vorsitzende und NDR Intendant Lutz Marmor sowie WDR-Intendant Tom Buhrow in einer 90 minütigen Sendung im Ersten. Rund 150 Zuschauerinnen und Zuschauer sind als Gäste dabei und können am 19. Oktober den Intendanten unmittelbar Fragen stellen. Sandra Maischberger wird den ARDcheck aus dem Hamburger Hafen moderieren.“

Da hat sich die ARD doch eine Frage schon selbst beantwortet: Verprassen! Denn was liest man da? Diese Talkrunde wird nicht kostensparend in einem NDR-Studio oder z.B. in den Räumen des „Studio Hamburg“ veranstaltet, das dem NDR gehört. Nein, man mietet dafür extra eine Location im Hamburger Hafen an. Den Veranstaltern der Aktion ist wohl schon gar nicht mehr bewusst, dass man Kosten sparen könnte, wenn man die Talkrunde in den eigenen Räumen veranstaltet. Warum auch, wenn es eh ein sattes Budget für alles gibt. Und zu allererst sollte die Frage geklärt werden, nach welchen Kriterien denn die 150 Zuschauer/innen im Studio ausgewählt wurden. Kommt es dann zu Fragen, wo Herr Marmor dann antworten kann „ich bin Ihnen dankbar, dass sie gerade diese Frage gestellt haben“… ?

Verwendung der GEZ-Gelder

Auch vor wenigen Tagen (wieder ein Zufall, bestimmt!) am 23. September veröffentlichte die ARD einen „Produzentenbericht„, zum ersten Mal. Ausdrücklich legte man in der Pressemitteilung darauf wert, dass satte 70% von Produktionskosten an externe Produzenten flossen. Damit möchte man wohl den Eindruck erwecken „schaut her, das Geld fließt ja auch an Private, es bleibt nicht nur bei der ARD, andere haben auch was davon“. Liest man den Originaltext unten, könnte man doch wirklich auf die Idee kommen die GEZ-Gelder würden massenhaft in die Privatwirtschaft zurückfließen. Doch 493,5 Mio Euro für externe Produzenten sind relativ wenig, wenn man bedenkt, dass die ARD derzeit ein Gesamtbudget von 6,3 Milliarden Euro hat.

„Der Gesamtwert aller Auftrags, Ko- und Mischproduktionen der ARD-Landesrundfunkanstalten und der Degeto lag im vergangenen Jahr bei 707,1 Millionen Euro. Von den ARD und Degeto-Vergaben ging der überwiegende Anteil, nämlich 493,5 Millionen Euro (das entspricht rund 70 Prozent), an unabhängige Produzenten. Diese Zahlen gehen aus dem ARD-Produzentenbericht 2014 hervor, den die ARD nach der Intendantensitzung in Stuttgart erstmals veröffentlicht hat. Die ARD-Gremien werden sich in den kommenden Wochen mit dem Bericht befassen. Der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor: „Der ARD-Produzentenbericht ist ein weiterer wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz.“

Das ist „IN“ bei jungen Leuten

Ja, dieses Zitat ist wirklich gefallen, gleich mehr dazu. In der 20 Uhr Tagesschau-Ausgabe vom Dienstag 29.09. zeigte sich ganz deutlich, wie krampfhaft die ARD jetzt ihr Image aufpolieren will. Minutenlang betrieb man da Eigenwerbung für die ARD-Themenwoche „Heimat“, die am Sonntag startet. ARD-Chef Lutz Marmor gönnte sich selbst einen Auftritt in der Tagesschau und schwärmte über die ARD-Themenwoche „Heimat“ und der 12 Stunden-Doku „Deutschland Dein Tag„, wo man laut Vorschau z.B. so hochspannende Sachen sehen kann wie einer Bahnschaffnerin dabei zuzugucken, wie sie Fahrkarten kontrolliert. Zitat Lutz Marmor:

„Dazu sagen wir: Wir machen mal was anderes, wir gehen mal vom üblichen Schema ab. Wir geben hier Deutschland viele Gesichter, die dokumentarisch dargestellt werden. Ich glaube dazu ist das Öffentlich Rechtliche Fernsehen auch da, abzubilden was ist – eine besondere Anstrengung“.

Silke Hillesheim, ARD-„Koordinatorin“ der Themenwoche „Heimat“, merkte direkt danach an Zitat:

„Wir wollen einen modernen Heimatbegriff diskutieren, einen positiven Wertewandel, die Heimat ist insbesondere IN bei jungen Leuten“.

Ja, das war ein Zitat, das haben wir uns nicht ausgedacht, schauen Sie selber, hier der Originallink zur Tagesschau vom 29.09. Möchte man Herrn Marmor und Frau Hillesheim böse Absichten unterstellen (das wollen wir natürlich nicht), könnte man meinen die ARD wolle sich plump und oberflächlich bei der jungen Zielgruppe einschleimen, auf die Schnelle nochmal Schönwetter machen, die Stimmung in der Öffentlichkeit aufpolieren. Aber NEIN, eine Doku zu produzieren über Heimat, weil das Thema jetzt IN ist bei jungen Leuten, ist ein tiefgründiger und ernsthafter Themenkomplex!

Keine Angst Herr Marmor

Warum macht er all das der Herr Marmor, und warum jetzt? Er will an den 1,16 Milliarden-Reservetopf und er will noch eine weitere Erhöhung – da möchte er in der Öffentlichkeit Schönwetter machen, dass alles total super läuft, dass man „hart an der Kante“ haushaltet, und dass man wirklich Inhalte auch für junge Leute bietet, dass man wirklich eine Daseinsberechtigung hat usw, denn die KEF bekommt den zunehmenden Groll der Gebührenzahler ja auch mit.

Aber einen Trost haben wir für Sie, lieber Herr Marmor (der liest mit, das wissen wir inzwischen): Die Ministerpräsidenten-Konferenz, die Ihr Budget beschließt, wird bestimmt jede Menge frisches Geld durchwinken. Um den „Volkswillen“ zu beruhigen, wird man sich in dieser Runde sicherlich darauf einigen, z.B. die von Ihnen geforderte 99 Mio-Gebührenerhöhung nicht umzusetzen und die von Ihnen geforderten kompletten Reservegelder von 1,16 Milliarden Euro nicht ganz auszuschütten, sondern z.B. nur 850 Mio Euro. Warum so eine krumme Summe? Wir vermuten, dass die herauskommt als Zahlung an die ARD, damit man den Bürgern suggerieren kann man habe bei KEF + Ministerpräsidentenrat „hart“ nachgerechnet und abgewogen, was die ARD wirklich mindestens braucht, und man habe ihr nur genau so viel zugebilligt, und keinen Cent mehr. Deswegen muss eine krumme Summe rauskommen. Damit werden Sie sicherlich auch morgen noch Daily Soaps, Skispringen, Galas und Glaspaläste finanzieren können – also ruhig Blut Herr Marmor – das Leben geht weiter!


4 Kommentare

4 Comments

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    Uwe Pompös

    2. Oktober 2015 12:04 at 12:04

    Und auch deshalb, kämpfen wir bei gez-boykott mit über 11 000 Mitgliedern gegen den Rundfunkbeitrag.

    Es ist schön das endlich die Presse, wie zb. Finanzmarktwelt über dieses
    perverse System berichtet.

  2. Avatar

    joah

    2. Oktober 2015 13:01 at 13:01

    Offenheit? „Aktenzeichen XY“ sendet Beitrag wegen Hautfarbe nicht – dann doch noch „kurzfristig“ umentschieden. Quelle:
    http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/zdf-zeigt-fahndungs-beitrag-ueber-schwarzen-verdaechtigen-doch-id11009016.html
    Falsche Offenheit ist keine. Zensurverein bleibt Zensurverein.

  3. Avatar

    Super Intendant

    3. Oktober 2015 17:54 at 17:54

    Auch die Anstalten des öffentlich rechtlichen Rundfunks ARD & ZDF sowie die Landesanstalten müssen viel mehr in der aktuellen Flüchtlingssituation leisten. Anstatt Millionengagen und Millionenbudgets für Einzelindividuen oder gedopten Sportmüll zu bezahlen, sollten weite Teile der Beiträge nun für Flüchtlinge eingesetzt werden. Das „Wir schaffen das“ muß vom ARD & ZDF aktiv vorgelebt werden. Nicht nur moderieren, sondern selbst aktiv Flüchtlingsarbeit leisten. Berichte über sinnlose Promis sind überflüssig, besser wäre es aktiv mehrere hundert Flüchtlinge in die Rundfunkarbeit zu integrieren.
    Jedes Betriebsgelände einer Sendeanstalt muss Bereiche für Flüchtlingsunterbringung ausweisen. Einige der überflüssigen Spartenkanäle sollten sofort umgebaut werden zu Flüchtlingssendern. Mehrsprachiges Programm von Migranten für Migranten kann hier eine echte Integrationshilfe werden. Staatskunde und Sprachunterricht kann hier zeitnah flächendeckend vermittelt werden. Hier kann der ÖRR endlich sinnvoll tätig werden.
    Leider habe ich das Gefühl, dass der ÖRR meint den Bürgern, dass „Ihr schafft das schon“ mit einem Prosecco in der Hand zuprostend von der „Tribüne“ aufdrücken will. Welcher Moderator leistet aktive Flüchtlingshilfe und stellt seine Immobilie zur Verfügung???

  4. Avatar

    Hinterfrager

    4. Oktober 2015 17:29 at 17:29

    Tja, den (Alpha-) Männchen bei Kreischberger ist selbstredend eine rein zweckmäßige Location unter keinen Umständen zuzumuten. Vielmehr sollte es eine sein, die der (vermeintlichen) Größe und Bedeutung des Hahnenkamms auf dem Kopf jener Gockel entspricht…

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Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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So sichern Sie Ihr Depot optimal ab – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Aktienmärkte eilen von einem Rekord zum nächsten. Das Virus wühlt zwar weiterhin, und tatsächlich eilt auch die Anzahl der Covid-Neuinfektionen weltweit von einem Rekord zum nächsten. Wir vertrauen allerdings auf die Kraft des Impfstoffes und sehen die Volkswirtschaften dieser Welt nächstens befreit.

Bei so viel Euphorie beschleicht allerdings den ein oder anderen Börsianer ein ungutes Gefühl. Sie haben also das Bedürfnis Ihr Depot, Ihre Buchgewinne einmal zumindest teilweise abzusichern. Im Folgenden erkläre ich Ihnen, welche drei goldenen Regeln Sie berücksichtigen müssen, damit die Absicherung auch wirklich greift.

Das Absichern oder Shorten eines Depots ist kein Hexenwerk. Allerdings sind wir als Börsianer natürlich eher geeicht auf steigende Kurse und Chancen. Mit anderen Worten: Shorten zählt bei den meisten von uns nicht zur ersten Begabung.

Das sind die drei goldenen Regeln:

– Fassen Sie immer punktuell und kurzfristig zu!
– Definieren Sie Ihren Depotschwerpunkt und vergessen Sie Einzelaktien!
– Legen Sie eine prozentuale Absicherungsquote fest!

Was sagen uns diese Regeln konkret?

Zu 1. Ein Short – ganz gleich ob als Optionsschein, Short-ETF oder Zertifikat – ist kein Pkw-Anschnallgurt, den wir fortwährend zur Anwendung bringen. Erfolgreiches Shorten verlangt eine kurzfristige Marktmeinung. Solche Instrumente kaufen wir immer punktuell und lediglich für wenige Wochen oder Monate. Andernfalls verzichten wir auf Geld und Rendite. Dabei sind weniger die laufenden Kosten eines Short-ETFs oder eines Optionsscheins das Problem. Sondern: Shorts – egal in welcher Form – bringen uns Verluste, wenn der Markt entgegen unserer Prognose doch steigt. Zudem fehlt uns das Kapital für den Short auf der Aktienseite. Zu Deutsch: Ein unsauber gesetzter Short wird schnell zum doppelten Renditekiller.

Zu 2. Das ist offensichtlich: Wenn von 20 Ihrer Depotpositionen 15 aus dem DAX stammen, sichern Sie nicht gegen den S&P 500 oder NASDAQ-Index ab, sondern natürlich gegen den DAX. Als kluger Börsianer kennen Sie den Schwerpunkt Ihres Depots und erwerben dazu passend einen Short. Ganz wichtig: Vergessen Sie…..

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