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Atemmasken: Objekte der Begierde nicht nur in Deutschland – das deutsche Lohnniveau

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Wie oft wurde schon darüber Klage geführt, dass ein reiches Land wie Deutschland nicht in der Lage sei, sein medizinisches Personal und auch seine Bevölkerung ausreichend mit Schutzausrüstung respektive mit Atemmasken zu versorgen. Aktuell werden überall Anstrengungen unternommen, um diesen Missstand zu beseitigen. Von Automobilunternehmen, die ihre Mitarbeiter damit versorgen wollen, über die Bürger selbst, die man staatlicherseits vorsichtig dazu aufgefordert hat, diese Atemmasken in Heimarbeit herzustellen, bis hin zu Textilfirmen, die ihre Produktionsketten umstellen. Hier zeigt sich aber gleich ein Nachteil eines Hochlohnlandes (im Vergleich zu den Emerging Markets), welches schon seit langer Zeit die Produktion von Alltagsgütern nach Ländern wie China oder Indien „outgesourct“ hat.

Atemmasken, für zwölf Euro in Großproduktion?

Eigentlich sollte die Herstellung von billigen Textilartikeln wei Atemmasken zumindest für den Hausgebrauch kein großes Problem darstellen. Diese Industrie hat aber bereits seit vielen Jahren deutsche Fabrikhallen verlassen und ist in viele Länder abgewandert. Außer der schwäbischen Textilfirma TRIGEMA mit ihrem medial sehr präsenten Firmenchef Wolfgang Grupp, der seit Jahrzehnten darauf bedacht ist, die Produkte seiner Firma ausschließlich in heimischen Gefilden herzustellen. „Made in Germany“ als Markenzeichen.

Da die 46 Trigema-Outlets seit ein paar Wochen geschlossen sind und damit der Umsatz an Sport und Freizeitbekleidung deutlich weggebrochen ist, hat sich der 78-Jährige entschlossen, seine 1200 Mitarbeiter die begehrten Atemschutzmasken nähen zu lassen. Erstaunlich ist hierbei der Preis für ein Produkt, welches sich aus Baumwolle, Polyester, Gummi und Draht zusammensetzen lässt: Es sind nicht weniger als 120 Euro für eine Zehnerpackung. Der Firmenchef verteidigt diesen Preis damit, dass für die Atemmasken fünf Arbeitsgänge dafür notwendig seien und er so viel verlangen müsse, um Löhne und Sonderausgaben zu decken. Die Auftragslage ist dennoch gut, es lägen eine Million Bestellungen vor und bisher seien 350.000 Stück ausgeliefert worden. Die Produktion beträgt derzeit 35.000 Stück pro Tag.

Verwunderlich ist die Preisgestaltung dennoch, vor allem wenn man auf einen Konkurrenten, den amerikanischen Mischkonzern 3M und seine Preisgestaltung blickt. Dort bietet man eine Atemmaske mit einem N95-Filter an, die sogar medizinischen Ansprüchen genügen soll und die nicht einmal einen Dollar kostet. Dennoch macht der Mangel diese Preisgestaltung möglich, auch wenn es deutsche Hersteller gibt, die diese Produkte zu einem Drittel des Preises anbieten. Selbst Schneider in ganz Deutschland arbeiten stundenweise an dem zig-millionenfach benötigten Utensil.

Damit kann TRIGEMA bis Mai mit dem Verkauf von Atemmasken eine Phase überbrücken, in der die Produktion von Sport- und Freizeitbekleidung für den Einzelhandel nicht allzu viel Sinn macht.

Fazit

Egal, wie man die Preisgestaltung bei einem Produkt wie Atemmasken aus einfachen Textilien bewertet. Es zeigt sich dabei eines: Sollte der Industriestandort Deutschland viele Produkte im Zuge einer De-Globalisierung in eine heimische Produktion überführen wollen, so wird es auf alle Fälle eines – teurer!

Atemmasken sind so begehrt wie noch nie - auch in Deutschland

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Peter

    17. April 2020 18:15 at 18:15

    In der es würde sehr teuer – deshalb wird es auch nicht soweit kommen. Die aktuelle Disskusion hat eine Wertigkeit bis max. Corona Ende..

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    leokatz1

    17. April 2020 18:56 at 18:56

    ..dabei gehts auch anders. Ich habe mir bei Herpa 20 Gesichtsmasken für den privaten Gebrauch bestellt. Die Firma will nichts daran verdienen, ist zum Selbstkostenpreis, damit die Bevölkerung die Möglichkeit hat, sich günstig Schutzmasken zu besorgen. Preis? Knapp 20 Euro, aber nicht pro Stück, für 20. https://www.herpa.de/masken

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    Henry Maske

    17. April 2020 19:39 at 19:39

    Systemrelevante Artikel könnte man künftig auch anders produzieren, ohne dass die „Leistungsträger der Gesellschaft“ 5000% am Allgemeinwohl absahnen. Gewisse Dinge wie Wasser, Abwasser, Energie, Internet, Verkehr, Gesundheitswesen darf man einfach nicht dem skrupellosen Kapitalismus überlassen. Wie sich in USA oder GB seit längerem zeigt.

    https://www.futurezone.de/digital-life/article211772917/Roboter-LOWRY-kann-17-erfahrene-Naeher-ersetzen.html
    https://automationspraxis.industrie.de/robotik/naehroboter-realisiert-hochwertige-naehte/

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      asisi1

      20. April 2020 09:17 at 09:17

      Wenn du das hier Kapitalismus nennst, lebst du sicherlich vom Geld der Allgemeinheit. Nur zwei kleine Beispiele für dich. 1. Zigaretten-Steuer auf eine Packung 80% und nichts für die KK
      2. Benzin, Steuer auf 1 ltr.80 Cent. Und bei diesen Beispielen hat der Staat nicht einen Finger krumm gemacht. Auch der ganze EU Subventions Irrsinn, wo hunderte Milliarden Euro verbraten werden, ist SOZIALISMUS pur und kein Kapitalismus!

      • Avatar

        Henry Maske

        20. April 2020 11:46 at 11:46

        @asisi1, bitte erst informieren, dann schreiben…
        Erstens einmal ist es grundsätzlich Schwachsinn, einem Produkt variablen Preises, welches mit prozentualen Mehrwertsteueranteilen belegt ist, eine feste Summe pro Mengeneinheit zuzuweisen. Da müssen Sie schon auch den zugrunde liegenden Preis angeben.

        Von 1,55 Euro für Benzin gehen rund 90,7 Cent an den Staat.
        Von 1,36 Euro für Diesel gehen rund 69,36 Cent an den Staat.
        Von 0,71 EUR für Autogas (1-Liter-Äquivalent zu Benzin) gehen rund 25 Cent an den Staat.

        Davon ist ein gewisser Betrag für die strategische Erdölbevorratung, der Rest sind Steuern.
        Und wann immer der Staat Steuern kassiert, macht er keinen Finger krumm. Das ist ja genau das Wesen von Steuern. Mit der Mehrwertsteuer oder der Lohnsteuer haben die Unternehmen die ganze Arbeit, machen Buchführung für den Staat und kümmern sich um den pünktlichen Geldeingang.

        Und übrigens nein, ich lebe nicht vom Geld der Allgemeinheit. Im Gegensatz zu dieser Abzockerfirma aus dem Schwabenland.

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    Daxrabbit

    17. April 2020 19:41 at 19:41

    WIESO ?
    Wenn man es so nachäfft wie’s in Asien läuft wird’s teurer – sicher.
    Aber ein Land wie Deutschland ist traditionell eher dem absoluten hightech verpflichtet.
    Wenn wir es schaffen beste Bondautomaten zu bauen, dann sollten wir auch in der Lage sein einen vollautomatischen Maskennäher zu entwickeln und zu fertigen.
    Stückzahl über Zeit rechnet sich das, und wenn der Automat in der Heimat steht bezahlt man über den Lohn eben eine gewisse Versicherung – denn ohne ist u.U. Mist wie man momentan sieht.

    Unter dem Totschlagargument „Lohnkosten“ stellt sich ohnehin die Frage warum es überhaupt noch Arbeitsplätze hier gibt …
    Man kann es auch mal rein mathematisch betrachten – Grenzwertbetrachtung.
    Alles am billigsten Ort zu fertigen lohnt nicht weil die anderen dann nichts beißen haben, geschweige denn Geld um etwas zu kaufen haben.
    Fazit der Weltmarkt würde unter diesen Umständen starkt schrumpfen.

    Akueller Bezug: Überoptimierte Systeme fallen einem früher oder später auf die Füße ;-)

    p.s. Wir schaffen’s zum Mars zu fliegen aber scheitern daran ein Auto zu bauen weil aus China wichtige Stecker nicht lieferbar sind ;) man man man

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    Wutbürger

    17. April 2020 21:35 at 21:35

    Diese Stofffetzen sind ein bedenkliches Beruhigungsmittel. Damit kann man zwar seinen Mitmenschen signalisieren, dass man sie ganz lieb hat und seine Viren für sich behalten will und sich selbst auch etwas beruhigen, aber *wirksamer* Schutz sieht anders aus. Vor allem Schutz für sich selbst. Alle Schleimhäute sind Eintrittspforten für Viren und müssen geschützt werden. Und dazu gehören auch die Augen. An der Vollmaske mit professionellen Filtern (ab N95 aufwärts) führt deshalb kein Weg vorbei, wenn man sich diese, was man jetzt als gesichert ansehen kann, Ungeheuerlichkeit aus einem Biolabor sicher vom Leib halten will. Alles andere ist nur gefährliche Scheinsicherheit.
    In China tragen sie den Stoff im Gesicht übrigens vor allem, um die allgegenwärtigen Überwachungskameras auszutricksen.

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      Eric

      18. April 2020 09:41 at 09:41

      Interessant was du alles als gesichert ansiehst.
      Da Covid-19 im Mittel ohne Gegenmaßnahmen nur eine Reproduktionsrate von ca. 3 hat reicht es diese um gute 2/3 zu senken um die Epidemie in Schach zu halten.
      Videologen schätzen den Anteil der Tröpfcheninformationen auf ca. 80 %. Das ist das worauf man sich zur Senkung der Reproduktion konzentrieren muss. Und Tröpfchen lassen sich effektiv durch die von dir sogenannten Stofffetzen abfangen.
      Wenn die jeder trägt, in der Annahme unbemerkt selbst Überträger sein zu können, dann organisieren wir durch geändertes Kulturverhalten eine Art externe Herdenimmunität, wenn wir das noch bestmöglich mit den geläufigen Abstandsregeln und Handhygiene kombinieren.

      Deine Herangehensweise mit 100% und absolut und alles andere sind „Stofffetzen“ ist sehr deutsch und genau diese ganz oder gar nicht einzelfallfixierte „und was ist eigentlich mit…“ klein-klein Streitigkeiten können wir uns in der aktuellen Situation nicht leisten. Wer eine medizinische Maske bekommen kann soll sie tragen, wer nicht irgendwas anderes. Wichtiger, als dass einige ihre medizinischen Masken tragen (und dazu dann auch Schutzbrillen und alles passend aufgesetzt und regelmäßig getauscht, sonst reine Scheinsicherheit) ist, dass nun alle einfache Masken tragen und Abstand halten und Hände waschen. Damit dämmen wir den Großteil der Transmissionen ein und das ist alles was wir brauchen und auch realistisch leisten können.

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      BrettonWood

      18. April 2020 19:53 at 19:53

      Ich möchte auch Krieggasmasken Pflicht, Vollkörperanzug im freien, da sind die Muslima mit Ihren Burkas und man muss das Gesicht erkennen plrözlich kein Thema mehr…diese Schurzmaskenpflicht wiederspricht doch dem Verhüllungsverbot 😂😂😂

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    BrettonWood

    18. April 2020 06:19 at 06:19

    Die Schweizer Armee muss 400 Mio Schutzmasken bis Ende Monat beschaffen! 400 Mio!?!? Das sind 50 pro Einwohner…bis Ende April….

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    Eric

    18. April 2020 09:33 at 09:33

    Kein Mensch denkt auch nur daran, Mode, Unterhaltungselektronik, usw. zu repatriieren. Es geht ausschließlich um in einer Krise unverzichtbare Elemente. Und wenn sich dafür eine europäische Selbstversorgung eingespielt hat sinken die Preise natürlich selbst in dieser Nische massiv. So haben Pharmahersteller wegen Einsparungen weniger Cent pro verkaufter Packung alles von Schmerzmittel bis Antibiotika in Billiglohnländer verschoben. Auf zig produzierte Einheiten machen die paar Cent natürlich eine spürbare Profitsteigerung für die Konzerne aus. Aber dem Endverbraucher ist es egal ob er 10 Cent mehr für sein Paracetamol zahlt oder die Krankenkasse 1€ mehr im Quartal für den Blutdruckdenker ausgeben muss.
    Das spielt auch für die Inflation keine Rolle.

    Für die Inflation gibt’s immer und das wird sich nie ändern die drei wichtigsten Faktoren Lohnentwicklung der Arbeitnehmer, Angebotsüberhang oder Angebotsmangel und Nachfrageüberhang und Nachfragemangel. Die unfassbare Liquiditätsmaßnahmen der Notenbanken sind in rein technischen, abstrakten Wirkungen der Volkswirtschaftsrechnung versickert und wurden neutralisiert, kamen nie bei Lohnsumme, Angebot oder Nachfrage an. Also waren sie folgerichtig für die Inflation irrelevant.
    Da eine alternde Gesellschaft einen unweigerlichen Drall zur Deflation hat (unweigerliche Sparquote) hat die EZB ja sogar immer Mühe gehabt nicht in die Deflation zu gleiten.

    Jetzt und in den nächsten Jahren gilt das umso mehr:
    Kurzarbeitergeld und andere Ausfälle bei Beschäftigten und Selbstständigen lassen die verfügbaren Einkommen abstürzen, ein Angebotsproblem gibt’s nicht (höchstens Überreaktionen wie Klopapierhamstern, organisatorische Probleme). Das wird massiv auf die Inflation drücken, auch ohne den externen Schock beim Ölpreis.
    Wartet mal ab wenn die Bekleidungsgeschäfte wieder öffnen dürfen mit welchen Panikrabatten die versuchen ihre Haut zu retten. So wird’s bei allen Branchen laufen die wieder anlaufen dürfen und versuchen um die gesunkenen Kaufkraft der verunsicherten Verbraucher zu buhlen.

    Gleichzeitig ist ab Verfügbarkeit einer Impfung oder durchschlagenden medikamentösen Therapie mit schneller Rückkehr zur Normalität zu rechnen. Wir hatten ja keinen Krieg, alle Produktionsanlagen sind noch da und können schneller die Angebote von vor der Krise auf den Markt werfen als die Einkommen der Haushalte und b2b Kunden sich erholen können. Wieder ein Angebotsüberhang.

    Es wird mühsam sich aus der unweigerlichen Spirale aus darauf folgende Rationalisierungsmaßnahmen in der Wirtschaft, bestenfalls stagnierende Einkommen und auch weltweit gesunkener Nachfrage wieder hoch zu arbeiten. Eine Lohn/Preisspirale und Nachfrageüberhang sind pure Märchen.

    Auch die Maßnahmen der Notenbanken reichen bestenfalls um die zu erwartenden tiefen Löcher in den Bilanzen am Finanzmarkt zu füllen. Wenn davon auch nur ein Cent übrig bleibt und in der Geldmenge real ankommt fress ich einen Besen.

    Was natürlich ankommen wird sind fiskalische Stimuli, aber die wirken geldpolitisch nicht inflationär, sondern können bestenfalls helfen den Schadens zu begrenzen und beim Neustart stützen.

    Es ist alles ein einziges Löcher stopfen, von zusätzlichen Impulsen sind wir weit entfernt. Über Inflation auch nur nachzudenken wäre in meinen Augen gröbste Unkenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge.

  8. Avatar

    Eric

    18. April 2020 09:44 at 09:44

    PS: viel Spaß beim Beömmeln über meinen Tippfehler „Videologen“.

  9. Avatar

    Jan

    19. April 2020 08:56 at 08:56

    Fazit: Herr Möller, das geht so nicht. Ihr Fazit ist nicht haltbar. Aussagen so wie diese erwarte ich nicht in FWM. Ein Anruf bei einer Firma mit jemanden der Kosten berechnet im relevanten Bereich, würde lernen das in Deutschland auch sinnvoll Atemmasken unter 1 Euro HK gemacht werden können.
    Das daran jetzt gut verdient wird, würde hier schon mal erklärt vor ein paar wochen.
    Diese alles oder nichts Diskussionen provozieren sichtlich mehr als das sie beitragen an besserem Verständniss der Lage.

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Staatsverschuldung auf Rekordhoch gestiegen – hier die Details

Claudio Kummerfeld

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Deutschland-Flagge

Es ist kein Wunder. Im Zuge der Coronakrise explodiert die deutsche Staatsverschuldung, wie in anderen Ländern auch. Heute hat das Statistische Bundesamt Details zum Stichtag 30. Juni 2020 veröffentlicht. Die Schulden der öffentlichen Hand (Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen einschließlich aller Extrahaushalte) gegenüber nicht-öffentlichen Einrichtungen lag Ende Juni bei 2,1089 Billionen Euro. Dies ist ein Rekordhoch bei der Staatsverschuldung nach dem vorigen Hoch bei 2,0683 Billionen Euro Ende 2012.

Staatsverschuldung wächst um 210 Milliarden Euro in sechs Monaten

Interessanter als der Langfristvergleich ist aber eher das aktuelle Bild. Wie sieht die Veränderung von Dezember 2019 zu Juni 2020 aus, also genau in der Zeit, wo die Staatsverschuldung durch die Coronakrise angefacht wurde? Es war ein Anstieg von 210,1 Milliarden Euro oder +11,1 Prozent! Die Statistiker sagen zu dem Anstieg Zitat: „Der Anstieg ist im Wesentlichen dadurch begründet, dass die öffentlichen Haushalte finanzielle Mittel für Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise aufnahmen„.

Interessant: Die Sozialversicherung konnte laut heutiger Veröffentlichung der Statistiker ihren Schuldenstand gegenüber dem Jahresende 2019 um rund 5 Millionen Euro (-8,8 %) auf 52 Millionen Euro reduzieren. Frage: Wie hat man das geschafft bei derart vielen neuen Arbeitslosen und folglich deutlich weniger Einnahmen? Die Staatsverschuldung auf den drei Ebenen Bund, Länder und Gemeinden wird von den Statistikern im Detail erläutert. Hier im Wortlaut:

Schulden des Bundes wachsen um 163 Milliarden Euro

Mit Ausnahme der Sozialversicherung waren am Ende des 1. Halbjahres 2020 alle Ebenen des Öffentlichen Gesamthaushalts stärker verschuldet als zum Jahresende 2019. Am stärksten stieg in diesem Zeitraum die Verschuldung des Bundes, und zwar um 13,7 % beziehungsweise 163,0 Milliarden Euro auf 1 351,5 Milliarden Euro.

Schulden der Länder steigen um 46,1 Milliarden Euro

Die Länder waren zum Ende des 1. Halbjahres 2020 mit 624,9 Milliarden Euro verschuldet, dies entspricht einem Anstieg um 8,0 % beziehungsweise 46,1 Milliarden Euro gegenüber dem Jahresende 2019. Die Verschuldung ist in allen Ländern gestiegen, prozentual stieg sie in Sachsen (+89,6 %), Bayern (+30,6 %) und Bremen (+20,4 %) am stärksten. Die Länder mit dem höchsten absoluten Zuwachs waren Nordrhein-Westfalen (+17,0 Milliarden Euro), Bremen (+6,1 Milliarden Euro) und Niedersachsen (+4,1 Milliarden Euro).

Auch bei den meisten Ländern stand die höhere Verschuldung größtenteils im Zusammenhang mit der Corona-Krise. In Bremen ist der Anstieg vor allem auf Schuldenaufnahmen für die Bereitstellung von Barsicherheiten für Derivat-Geschäfte zurückzuführen.

Schulden der Gemeinden und Gemeindeverbände nehmen um 1,1 Milliarden Euro zu

Der Schuldenstand der Gemeinden und Gemeindeverbände erhöhte sich im 1. Halbjahr 2020 gegenüber dem Jahresende 2019 um 0,8 % beziehungsweise 1,1 Milliarden Euro auf 132,4 Milliarden Euro. Hier war die Entwicklung unterschiedlich: Die Schulden stiegen vor allem in Gemeinden und Gemeindeverbänden in Schleswig-Holstein (+5,4 %), Hessen (+4,2 %) und Niedersachsen (+2,2 %). Dagegen sanken die Schulden insbesondere im Saarland (‑14,4 %), Sachsen (‑7,3 %) und Thüringen (-4,7 %).

Der Rückgang in den saarländischen Gemeinden und Gemeindeverbänden ist zum großen Teil dadurch begründet, dass im 1. Halbjahr 2020 das vom Land verwaltete „Sondervermögen Saarlandpakt“ 300,0 Millionen Euro der Kassenkredite der Gemeinden und Gemeindeverbände übernommen hat.

Lesen Sie beim Klick an dieser Stelle den gestrigen hochinteressanten Artikel von Wolfgang Müller mit dem Titel „Coronakrise: Wie viel Reserven hat der deutsche Staat noch?“

Grafik zeigt aktuelle Staatsverschuldung nach Bundesländern

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Spiegel-Kolumnist fordert „Kapitalismus-Reform jetzt“ – eine Gegenrede

Claudio Kummerfeld

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Geld ist das Symbol von Kapitalismus

Thomas Fricke ist als regelmäßiger Kolumnist auf Spiegel Online einem bundesweiten Publikum bekannt. Und wenn man seine vor drei Tagen veröffentlichte Kolumne mit dem Titel „Kapitalismus-Reform jetzt!“ genau durchliest, dann wird einem klar: Thomas Fricke ist kein knallharter Kommunist, Sozialist oder Gegner des marktwirtschaftlichen Modells. Genau so wenig, wie ich ein knallharter Marktliberaler bin. Zum Beispiel wäre ich gegen die Privatisierung von Wasserwerken. Öffentliche Daseinsvorsorge von wichtigen Kernaufgaben wie der Wasserversorgung haben in privater Hand nichts zu suchen. So möchte ich es nur mal an diesem Beispiel festmachen, dass der totale Wahn des freien Marktes nicht meine Sache ist. Dennoch fühle ich mich genötigt auf den Artikel von Thomas Fricke eine Gegenrede zu schreiben, weil ich mit vielen (nicht allen) seiner Aussagen so nicht einverstanden bin.

Gleich vorweg erstmal eine Zustimmung zu den Aussagen von Thomas Fricke. Manchmal werden marktwirtschaftliche Erfolgsgeschichten geschrieben, nachdem ein großer staatlicher Anschub geleistet wurde. So basiert (mein Beispiel) zum Beispiel der Erfolg des Silicon Valley zu guten Teilen auf den enormen Forschungsgeldern, welche die US-Regierung zum Start des Kalten Kriegs in die Bereiche Raketentechnik, Mikroelektronik etc steckte (mehr dazu hier und hier). Es nützt aber nichts einfach nur eine große Masse an Geld zu geben. Bei den Geldempfängern muss der Drang da sein zu forschen, etwas erschaffen zu wollen, voranzukommen, innovativ zu sein. Ist dies nicht der Fall, dann läuft es so, wie Daniel Stelter es gerade erst eindrucksvoll am Beispiel Berlin beschrieben hat (hier nachzulesen). Leicht vereinfacht ausgedrückt: Der mit Abstand größte Empfänger im deutschen Länderfinanzausgleich, die Stadt Berlin, saugt vor allem von Bayern und Baden-Württemberg immer mehr Geld ab. Je schlechter man wirtschaftet, desto mehr Finanzhilfen erhält man. Man braucht selbst nicht innovativ zu sein. Man kann sich in jeder Menge sozialistischer Experimente und Träumereien ergehen – kein Problem, denn zahlen tut jemand anders. Aber gut, ich schweife ab. Zurück zur Kolumne von Thomas Fricke.

Der böse Kapitalismus ist schuld?

Kommen wir nun zu einer These von Thomas Fricke, die gleich in der Headline-Aussage unter dem Titel der Kolumne zu finden ist, die da lautet „Märkte scheitern gerade in solchen Krisen“. Gemeint ist wohl die derzeitige Coronakrise. Dazu muss man sagen: Dass der Kapitalismus in so einer Zeit scheitert – das ist einfach eine unfaire Betrachtungsweise. Denn in einer Zeit, wo der Staat dem Markt verbietet tätig zu sein (Geschäfte müssen zwangsweise schließen, Flugzeuge dürfen nicht fliegen etc), wie soll der Teilnehmer am freien Markt da seinen Lebensunterhalt verdienen können? Der Kapitalismus war wochenlang zu großen Teilen abgeschaltet, und es war den Menschen (aus guten Gründen) nicht erlaubt an der allgemeinen Wertschöpfung teilzunehmen, die ihren Lebensunterhalt sichert. Deswegen git es derzeit diese Probleme! Das soll kein Vorwurf gegen die Regierung sein. Aber zu behaupten, dass die Märkte (also der Kapitalismus) gerade in diesen Zeiten scheitern, ist absurd. Hier Thomas Fricke auszugsweise im Zitat: „Wenn Regierungen wie Notenbanker in Corona-, Finanz- und anderen Großkrisen eingreifen, tun sie das, weil eben jene Marktkräfte nicht funktionieren, nach denen solche Krisen theoretisch entweder gar nicht vorkommen dürften – oder sich alles von selbst regulieren müsste. Tut es eben nicht.“

Die völlig falsche Sichtweise auf die Schere zwischen Arm und Reich

Auch ist ein wichtiger Themenblock von Thomas Fricke die immer weiter wachsende Ungleichheit bei den Vermögen. Der einfache Spruch lautet (ich formuliere mal frei heraus): Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Das ist ungerecht, und daran ist der böse Kapitalismus schuld. Richtig? Nein, eben nicht. So schreibt Thomas Fricke, dass wenn seit just den Neunzigerjahren Reich und Arm so drastisch auseinandergedriftet sind, dann nicht, weil zu viel interveniert wurde, sondern weil Marktkräfte zu immer stärkerer Konzentration von Vermögen beitragen – wer viel hat, bekommt auch umso leichter mehr davon“. Da macht es sich Thomas Fricke nun mal viel zu einfach, so möchte ich es sagen. Er übersieht völlig den Grund, warum denn Arm und Reich gerade in den letzten Jahren immer mehr auseinander gedriftet sind. Es gibt zwei betroffene große Asset-Blöcke, nämlich Aktien und Immobilien. Ihre Preise steigen seit Jahren immer weiter an, und mehren in der Tat den Reichtum der Reichen immer weiter, während die Armen davon nichts haben. Im Gegenteil, die Armen dürfen die Lasten ständig steigender Wohnungsmieten tragen, und haben immer weniger zum Leben übrig.

Was hat denn dazu geführt, dass Preise für Aktien und Immobilien trotz Finanzkrise und Coronakrise (vereinfacht gesagt) eigentlich nur steigen, steigen, und steigen? Die Notenbanken haben, um alle Krisen und Probleme aus der Welt zu schaffen, die Zinsen jahrelang immer weiter gesenkt, und letztlich abgeschafft. Damit haben die kleinen Leute, die nur das Sparbuch nutzen, Jahr für Jahr dank Inflation reale Wertverluste. Das große Geld strömt seit Jahren von zinslosen Anleihen in den Aktien- und Immobilienmarkt. Dazu kommt noch, dass die Notenbanken mit ihren Anleihekaufprogrammen in Billionenhöhe die großen institutionellen Anleger teilweise vom Anleihemarkt verdrängen. Auch diese Anleger stürmen in Aktien und Immobilien. Keine Zinsen mehr, also kauft man Aktien und Immobilien auf der Suche nach Rendite. Und dieser Trend läuft seit Jahren, und wurde zuletzt durch die Notenbank-Orgien im aktuellen Jahr 2020 nur noch weiter angefacht!

Würde der Kapitalismus unbeeinflusst durch die Notenbanken einen freien Marktzins bilden können, dann wäre der Zins wohl so hoch, dass die kleinen Sparer real einen jährlichen Zinsgewinn erzielen würden. Geldanlagen in Anleihen wären attraktiv, und große Institutionelle wären nicht in Aktien oder Immobilien geflohen. Und noch etwas. Bei einem viel höheren Zinsniveau (das derzeit planwirtschaftlich von Notenbanken verzerrt wird), wäre es für die großen Konzerne vor allem in den USA unattraktiv, in obszönem Ausmaß Kredite aufzunehmen, um damit eigene Aktien an der Börse zurückzukaufen. Diese Aktienrückkäufe sind seit Jahren auch ein Grund für die massiv steigenden Aktienkurse der großen Konzerne. In einem echten, freien, nicht von Notenbanken und Politik beeinflussten Markt wäre diese Vermögenspreisblase bei Aktien und Immobilien in dieser Form wohl nicht entstanden, und die Ungleichheit zwischen Arm und Reich wäre zwar da, aber nicht so schlimm wie heute. Thomas Fricke verdreht in seiner Kolumne diese Mechanismen völlig.

Besserer Staat, nicht mehr Staat

Relativ hilflos stehe ich der Aussage von Thomas Fricke gegenüber, dass Menschen in ehemaligen Industriehochburgen AfD, Trump und Brexit gewählt hätten, weil es dort an zu wenig Staatseinfluss gegeben hätte. Bei der Argumentation komme ich kaum noch mit. Das Phänomen Donald Trump hatte ich jüngst in einem eigenen Artikel besprochen mit dem Titel „Donald Trump ist nicht das Problem, sondern das Resultat eines Problems“. Die meisten „Medienprofis“ glauben doch tatsächlich, dass das Problem weg ist, wenn Trump und AfD weg sind. Dass die Leute vor allem Trump gewählt haben wegen dem großen jahrzehntelangen Versagen seiner Vorgänger (egal ob Demokrat oder Republikaner), möchte man am besten ganz ignorieren. Nicht noch mehr politische Bevormundung und Staatseingriff braucht es, sondern schlicht und einfach nur gute Politik!

Thomas Fricke sagt, dass erst wenn wir im Land wieder überall Glasfaser haben, würde es sich lohnen, in entlegenere Regionen zu investieren, was es bisher nicht tut. Da mag er recht haben. Aber: Wenn man um Deutschland rundherum schaut, laufen Netzabdeckung, Digitalisierung (vereinfacht gesagt) überall deutlich besser als bei uns – das wird nicht an zu wenig Staat in Deutschland liegen, sondern eher an schlechter beziehungsweise inkompetenter Politik in Deutschland!

Der böse Kapitalismus und die Finanzkrise

Thomas Fricke schreibt: „Wenn es 2008 zur größten Finanzkrise seit Jahrzehnten kam, dann ja nicht deshalb, weil Staaten zu viel eingegriffen haben, sondern weil sich Finanzmarktakteure in ein irres System aus gegenseitiger Verschuldung auf weitgehend freien Märkten verlaufen hatten – und weil dem zu wenig staatliche Grenzen gesetzt wurden. Eine Krise, die bis heute nachwirkt, etwa in Form von Nullzinsen.“ Das ist natürlich die aller leichteste aller Übungen, nämlich sinngemäß zu sagen: Leute, schaut auf die Finanzkrise 2008, die Marktwirtschaft hat hier ihre häßliche Fratze gezeigt. Aber so einfach ist es nun mal nicht. Drei große Akteure haben (das ist meine Meinung) zu gleichen Teilen zur Finanzkrise 2008 beigetragen. Als da wäre US-Regierung und US-Notenbank. Die unausgesprochene Staatsraison der Amerikaner lautete schon lange vor der Finanzkrise, dass jeder Amerikaner (weil man ja die größte, reichste und mächtigste Nation der Welt sei) das Recht habe in seinem eigenen Haus zu leben.

Deswegen schufen Regierung und Notenbank absichtlich ein Umfeld von immer weiter sinkenden Zinsen und Deregulierung am Hypothekenmarkt. Genau so aber waren die Konsumenten schuld, die oft (aber nicht immer) sehenden Auges in die Katastrophe schlitterten, weil sie Häuser kauften, die sich sich gar nicht leisten konnten. Und drittens waren es die Banken, die unbedingt Geld verdienen wollten durch hochverzinste Immobiliendarlehen. Egal wie, es mussten Kredite verkauft werden. Diese toxische Kombination schuf die Immobilienkrise in den USA, und nicht ein simples Scheitern des Kapitalismus. An der Finanzkrise haben ALLE Institutionen und Personengruppen in den USA „mitgewirkt“. Der Kapitalismus war Teil des Problems, aber nicht das alleinige Problem. Diese Krise zeigte, dass der Kapitalismus in der Tat einen gesetzlichen Rahmen benötigt, der auch überwacht werden muss. Aber der gesetzliche Rahmen sollte nicht zum Erstickungstod des Marktes führen.

Was uns bevorsteht

Meiner Meinung nach liegt das Problem nicht im Kapitalismus, und auch nicht in einem heraufziehenden Kommunismus. Sondern in einer Art schleichender Lawine, welche unzählige sozialistische Ideen über uns bringt, eine immer größere Staatswirtschaft, einen immer größeren Apparat der Sozialindustrie, mit immer mehr Steuern und Abgaben, Beschränkungen und Verordnungen. Wichtig ist nur, dass man gerade im Zuge der Coronakrise gerade diejenigen Kräfte ausbremsen sollte, die jetzt ihre große Chance sehen, auf die sie so lange gewartet haben. Endlich Abkehr vom Markt, endlich Verstaatlichungen, mehr Regulierung (siehe Mietpreisdeckel in Berlin uvm). Solche Auswüchse wie in Berlin dürften erst der Anfang sein, wenn im Zuge der Coronakrise der Ruf nach mehr Staatswirtschaft immer lauter wird.

Vor allem nach der nächsten Bundestagswahl dürfte in der Post-Corona-Zeit der Drang hin zu mehr Staatswirtschaft zunehmen. Was die dann neu formierte Regierungskoalition (raten sie mal welche das sein wird) vor hat, lässt sich natürlich schwer erahnen. Aber für jeden der denkt, ihn persönlich würde eine zunehmende Staatswirtschaft und zunehmende staatliche Restriktionen nicht betreffen, der schaue mal ins grün regierte Ländle. In Baden-Württemberg wurde nämlich beschlossen, dass das Landesnaturschutzgesetz geändert wird. Dabei geht es um die Gestaltung von Vorgärten auf Privatgrundstücken – Schottergärten auf Privatgrundstücken werden verboten. Tja, Sie als Hausbesitzer dürfen dann nicht mehr selbst bestimmen, ob sie Steine oder Rasen vor ihrem Haus auslegen. Das ist nur ein winziger, kleiner Vorgeschmack auf das, was uns bevorstehen dürfte.

Es ist zu befürchten, dass uns in Sachen Sozialindustrie und Umweltregulierung ein neuer gigantischer Bürokratieapparat bevorsteht, der jede Menge neue Vorschriften und Einschränkungen mit sich bringt. Dieser Apparat bedeutet viele schöne neues Jobs für die jeweilige Klientel. Und man wird viele dieser neuen Ämter, Jobs und Regulierungen mit der Headline versehen: „Der Kapitalismus konnte es eben nicht, deswegen muss es jetzt der Staat richten. Corona, Finanzkrise, Armut, Ungleichheit – der Kapitalismus hat hier gezeigt, dass der Staat hier viel stärker eingreifen muss, also machen wir das jetzt“. So wird das Motto wohl lauten.

Thomas Fricke wünscht sich unter anderem, dass (Zitat) „Politiker dazu beitragen, dass bei drohenden wirtschaftlichen Umbrüchen in den betreffenden Regionen viel früher neue Perspektiven geschaffen werden – und viel systematischer schon dafür gesorgt wird, neue Firmen anzulocken, die am besten zu den Leuten und Ressourcen vor Ort passen“. Dazu kann man als mahnendes Negativbeispiel die ostdeutschen Kohlereviere erwähnen, wo tausende Jobs verloren gehen. Wohl aus Angst, dass die AfD dort wegen solchen Job-Verlusten mehr Zulauf bekommt (meine persönliche Vermutung), hatte man schon letztes Jahr schnell eine Idee. Es mussten sofort Job-Versprechen her für die neuen Arbeitslosen. Und siehe da: Von Kohleabbau direkt hinüber in die Staatswirtschaft. So sollen von 8.000 Kumpel, die ihren Jobs verlieren, für 5.000 von ihnen neue Jobs bei Behörden geschaffen werden, genau in den Regionen wo die Jobs verloren gehen. Neue Staatsjobs schaffen, wofür genau? Mal sehen? Irgendwas fällt uns da schon ein? Wie produktiv werden diese neuen Behörden sein?

Klar ist nur: Die privaten Arbeitnehmer in Deutschland müssen diese zusätzlichen Behördenjobs dann zukünftig dauerhaft auch finanzieren, mit ihrem Steueraufkommen. Es gilt, so meine bescheidene Meinung, dem Drang nach immer mehr Staat, höheren Steuern und immer mehr Regulierung Einhalt zu gebieten. Nur fällt das dank Corona ziemlich schwer, weil es sich so wunderbar leicht aussprechen lässt, dass der böse Kapitalismus das Problem sei. Nicht mehr Staat und mehr Regulierung, sondern bessere Politik und intelligentere Regulierung, das sollte das Ziel sein! Die Aufforderung von Thomas Fricke zur Reform des Kapitalismus dürfte von all zu vielen Menschen als Unterstützung ihres Wunsches angesehen werden, den freien Markt zu bekämpfen und immer weiter abzuschaffen, anstatt ihn zu reformieren.

Übrigens: Wer mehr Staat will, mehr Schulden, mehr Staatswirtschaft, der scheint bei Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, genau an der richtigen Adresse zu sein (hier unser letzter Bericht zu seiner Person). Er ist bekannt als regierungsfreundlicher Kommentator in volkswirtschaftlichen Fragen. Siehe folgender aktueller Tweet:

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Allgemein

Weniger Konsum: So deutlich ändert sich das Verhalten bei Gering- und Normalverdienern

Claudio Kummerfeld

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Brieftasche wird zusammengepresst

Grundsätzlich ist es kein Geheimnis. Durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Zukunftsängste geht der Konsum bei vielen Menschen in der Coronakrise deutlich zurück. Und je weniger Konsum, desto schlechter geht es den Betrieben, die Konsumprodukte zur Verfügung stellen. Schaut man dieser Tage auf zahlreiche Aussagen von Politik und Ökonomen, dann läuft die Konjunkturerholung derzeit auf Hochtouren, und wir haben die Lücke zur Vor-Corona-Zeit fast schon wieder geschlossen. Aber wer sich die Innenstädte, Restaurants, Einzelhandel, Reisebüros, Fluggesellschaften uvm anschaut, kann an so eine glatte, wunderschöne Erholung nicht so recht glauben. Ganz abgesehen von dem Heer der Solo-Selbständigen, die quasi unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit in ein Desaster schlittern, und direkt bei Hartz4 landen, ohne Sonderhilfen.

Der Anbieter Creditreform (Deutschlands führender Anbieter von Wirtschaftsinformationen und Lösungen zum Forderungsmanagement) hat heute eine repräsentative Umfrage veröffentlicht, die sich vor allem dem Konsum der Gering- und Normalverdiener in der Coronakrise widmet. Ende August mussten demnach hochgerechnet rund 15,5 Millionen Haushalte in Deutschland auf einen Teil ihres Haushaltseinkommens verzichten. Auffällig sei, dass es besonders die Gering- und Normalverdiener betreffe, die ein dünneres Finanzpolster hätten als Gutverdiener. So fehlten laut der Umfrage rund drei Viertel der Befragten bis zu 30 Prozent ihres regulären Einkommens.

Verhalten beim Konsum geändert

So haben die Menschen lauf Creditreform ihr Verhalten beim Konsum bereits geändert. So gaben 55 Prozent der Befragten Ende August an, krisenbedingt weniger Geld für den Konsum und die Lebenshaltung auszugeben. Das entspricht rund 22,7 Millionen Haushalten. Fast jeder Dritte sei sich unsicher, ob das Geld in den kommenden zwölf Monaten reicht, um alle finanziellen Verpflichtungen wie Miete und Nebenkosten, Kredite oder Versicherungsbeiträge bezahlen zu können. Gut jeder Zehnte gab sogar an, die Ratenzahlungen für Konsum-, Immobilien- oder Kfz-Kredite gestundet zu haben.

In Notzeiten schauen die Menschen laut aktueller Aussage von Creditreform strenger auf ihr Geld und verzichten eher auf unnötigen Konsum. Die Menschen würden den Rotstift demnach zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Bei Medikamenten, der Altersvorsorge oder ihren Haustieren seien sie hingegen kaum zu Abstrichen bereit. Diese Ausgabenvorsicht helfe derzeit noch, die finanzielle Situation der Haushalte zu stabilisieren. Aber sollten die Menschen langfristig auf Teile ihres Einkommens verzichten müssen, rechne man mit einem starken Anstieg der überschuldeten Verbraucher. Besonders brisant würden die kommenden Wochen, da die von der Bundesregierung beschlossene Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen im Oktober wieder aufgehoben sei. Die Folge wären nicht nur steigende Insolvenzzahlen bei den Unternehmen, sondern auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, so Creditreform.

Grafik zeigt Gründe für sinkende Einkommen

Grafik zeigt wo Verbraucher beim Konsum sparen

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