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Atemmasken: Objekte der Begierde nicht nur in Deutschland – das deutsche Lohnniveau

Wolfgang Müller

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Wie oft wurde schon darüber Klage geführt, dass ein reiches Land wie Deutschland nicht in der Lage sei, sein medizinisches Personal und auch seine Bevölkerung ausreichend mit Schutzausrüstung respektive mit Atemmasken zu versorgen. Aktuell werden überall Anstrengungen unternommen, um diesen Missstand zu beseitigen. Von Automobilunternehmen, die ihre Mitarbeiter damit versorgen wollen, über die Bürger selbst, die man staatlicherseits vorsichtig dazu aufgefordert hat, diese Atemmasken in Heimarbeit herzustellen, bis hin zu Textilfirmen, die ihre Produktionsketten umstellen. Hier zeigt sich aber gleich ein Nachteil eines Hochlohnlandes (im Vergleich zu den Emerging Markets), welches schon seit langer Zeit die Produktion von Alltagsgütern nach Ländern wie China oder Indien „outgesourct“ hat.

Atemmasken, für zwölf Euro in Großproduktion?

Eigentlich sollte die Herstellung von billigen Textilartikeln wei Atemmasken zumindest für den Hausgebrauch kein großes Problem darstellen. Diese Industrie hat aber bereits seit vielen Jahren deutsche Fabrikhallen verlassen und ist in viele Länder abgewandert. Außer der schwäbischen Textilfirma TRIGEMA mit ihrem medial sehr präsenten Firmenchef Wolfgang Grupp, der seit Jahrzehnten darauf bedacht ist, die Produkte seiner Firma ausschließlich in heimischen Gefilden herzustellen. „Made in Germany“ als Markenzeichen.

Da die 46 Trigema-Outlets seit ein paar Wochen geschlossen sind und damit der Umsatz an Sport und Freizeitbekleidung deutlich weggebrochen ist, hat sich der 78-Jährige entschlossen, seine 1200 Mitarbeiter die begehrten Atemschutzmasken nähen zu lassen. Erstaunlich ist hierbei der Preis für ein Produkt, welches sich aus Baumwolle, Polyester, Gummi und Draht zusammensetzen lässt: Es sind nicht weniger als 120 Euro für eine Zehnerpackung. Der Firmenchef verteidigt diesen Preis damit, dass für die Atemmasken fünf Arbeitsgänge dafür notwendig seien und er so viel verlangen müsse, um Löhne und Sonderausgaben zu decken. Die Auftragslage ist dennoch gut, es lägen eine Million Bestellungen vor und bisher seien 350.000 Stück ausgeliefert worden. Die Produktion beträgt derzeit 35.000 Stück pro Tag.

Verwunderlich ist die Preisgestaltung dennoch, vor allem wenn man auf einen Konkurrenten, den amerikanischen Mischkonzern 3M und seine Preisgestaltung blickt. Dort bietet man eine Atemmaske mit einem N95-Filter an, die sogar medizinischen Ansprüchen genügen soll und die nicht einmal einen Dollar kostet. Dennoch macht der Mangel diese Preisgestaltung möglich, auch wenn es deutsche Hersteller gibt, die diese Produkte zu einem Drittel des Preises anbieten. Selbst Schneider in ganz Deutschland arbeiten stundenweise an dem zig-millionenfach benötigten Utensil.

Damit kann TRIGEMA bis Mai mit dem Verkauf von Atemmasken eine Phase überbrücken, in der die Produktion von Sport- und Freizeitbekleidung für den Einzelhandel nicht allzu viel Sinn macht.

Fazit

Egal, wie man die Preisgestaltung bei einem Produkt wie Atemmasken aus einfachen Textilien bewertet. Es zeigt sich dabei eines: Sollte der Industriestandort Deutschland viele Produkte im Zuge einer De-Globalisierung in eine heimische Produktion überführen wollen, so wird es auf alle Fälle eines – teurer!

Atemmasken sind so begehrt wie noch nie - auch in Deutschland

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Peter

    17. April 2020 18:15 at 18:15

    In der es würde sehr teuer – deshalb wird es auch nicht soweit kommen. Die aktuelle Disskusion hat eine Wertigkeit bis max. Corona Ende..

  2. Avatar

    leokatz1

    17. April 2020 18:56 at 18:56

    ..dabei gehts auch anders. Ich habe mir bei Herpa 20 Gesichtsmasken für den privaten Gebrauch bestellt. Die Firma will nichts daran verdienen, ist zum Selbstkostenpreis, damit die Bevölkerung die Möglichkeit hat, sich günstig Schutzmasken zu besorgen. Preis? Knapp 20 Euro, aber nicht pro Stück, für 20. https://www.herpa.de/masken

  3. Avatar

    Henry Maske

    17. April 2020 19:39 at 19:39

    Systemrelevante Artikel könnte man künftig auch anders produzieren, ohne dass die „Leistungsträger der Gesellschaft“ 5000% am Allgemeinwohl absahnen. Gewisse Dinge wie Wasser, Abwasser, Energie, Internet, Verkehr, Gesundheitswesen darf man einfach nicht dem skrupellosen Kapitalismus überlassen. Wie sich in USA oder GB seit längerem zeigt.

    https://www.futurezone.de/digital-life/article211772917/Roboter-LOWRY-kann-17-erfahrene-Naeher-ersetzen.html
    https://automationspraxis.industrie.de/robotik/naehroboter-realisiert-hochwertige-naehte/

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      asisi1

      20. April 2020 09:17 at 09:17

      Wenn du das hier Kapitalismus nennst, lebst du sicherlich vom Geld der Allgemeinheit. Nur zwei kleine Beispiele für dich. 1. Zigaretten-Steuer auf eine Packung 80% und nichts für die KK
      2. Benzin, Steuer auf 1 ltr.80 Cent. Und bei diesen Beispielen hat der Staat nicht einen Finger krumm gemacht. Auch der ganze EU Subventions Irrsinn, wo hunderte Milliarden Euro verbraten werden, ist SOZIALISMUS pur und kein Kapitalismus!

      • Avatar

        Henry Maske

        20. April 2020 11:46 at 11:46

        @asisi1, bitte erst informieren, dann schreiben…
        Erstens einmal ist es grundsätzlich Schwachsinn, einem Produkt variablen Preises, welches mit prozentualen Mehrwertsteueranteilen belegt ist, eine feste Summe pro Mengeneinheit zuzuweisen. Da müssen Sie schon auch den zugrunde liegenden Preis angeben.

        Von 1,55 Euro für Benzin gehen rund 90,7 Cent an den Staat.
        Von 1,36 Euro für Diesel gehen rund 69,36 Cent an den Staat.
        Von 0,71 EUR für Autogas (1-Liter-Äquivalent zu Benzin) gehen rund 25 Cent an den Staat.

        Davon ist ein gewisser Betrag für die strategische Erdölbevorratung, der Rest sind Steuern.
        Und wann immer der Staat Steuern kassiert, macht er keinen Finger krumm. Das ist ja genau das Wesen von Steuern. Mit der Mehrwertsteuer oder der Lohnsteuer haben die Unternehmen die ganze Arbeit, machen Buchführung für den Staat und kümmern sich um den pünktlichen Geldeingang.

        Und übrigens nein, ich lebe nicht vom Geld der Allgemeinheit. Im Gegensatz zu dieser Abzockerfirma aus dem Schwabenland.

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    Daxrabbit

    17. April 2020 19:41 at 19:41

    WIESO ?
    Wenn man es so nachäfft wie’s in Asien läuft wird’s teurer – sicher.
    Aber ein Land wie Deutschland ist traditionell eher dem absoluten hightech verpflichtet.
    Wenn wir es schaffen beste Bondautomaten zu bauen, dann sollten wir auch in der Lage sein einen vollautomatischen Maskennäher zu entwickeln und zu fertigen.
    Stückzahl über Zeit rechnet sich das, und wenn der Automat in der Heimat steht bezahlt man über den Lohn eben eine gewisse Versicherung – denn ohne ist u.U. Mist wie man momentan sieht.

    Unter dem Totschlagargument „Lohnkosten“ stellt sich ohnehin die Frage warum es überhaupt noch Arbeitsplätze hier gibt …
    Man kann es auch mal rein mathematisch betrachten – Grenzwertbetrachtung.
    Alles am billigsten Ort zu fertigen lohnt nicht weil die anderen dann nichts beißen haben, geschweige denn Geld um etwas zu kaufen haben.
    Fazit der Weltmarkt würde unter diesen Umständen starkt schrumpfen.

    Akueller Bezug: Überoptimierte Systeme fallen einem früher oder später auf die Füße ;-)

    p.s. Wir schaffen’s zum Mars zu fliegen aber scheitern daran ein Auto zu bauen weil aus China wichtige Stecker nicht lieferbar sind ;) man man man

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    Wutbürger

    17. April 2020 21:35 at 21:35

    Diese Stofffetzen sind ein bedenkliches Beruhigungsmittel. Damit kann man zwar seinen Mitmenschen signalisieren, dass man sie ganz lieb hat und seine Viren für sich behalten will und sich selbst auch etwas beruhigen, aber *wirksamer* Schutz sieht anders aus. Vor allem Schutz für sich selbst. Alle Schleimhäute sind Eintrittspforten für Viren und müssen geschützt werden. Und dazu gehören auch die Augen. An der Vollmaske mit professionellen Filtern (ab N95 aufwärts) führt deshalb kein Weg vorbei, wenn man sich diese, was man jetzt als gesichert ansehen kann, Ungeheuerlichkeit aus einem Biolabor sicher vom Leib halten will. Alles andere ist nur gefährliche Scheinsicherheit.
    In China tragen sie den Stoff im Gesicht übrigens vor allem, um die allgegenwärtigen Überwachungskameras auszutricksen.

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      Eric

      18. April 2020 09:41 at 09:41

      Interessant was du alles als gesichert ansiehst.
      Da Covid-19 im Mittel ohne Gegenmaßnahmen nur eine Reproduktionsrate von ca. 3 hat reicht es diese um gute 2/3 zu senken um die Epidemie in Schach zu halten.
      Videologen schätzen den Anteil der Tröpfcheninformationen auf ca. 80 %. Das ist das worauf man sich zur Senkung der Reproduktion konzentrieren muss. Und Tröpfchen lassen sich effektiv durch die von dir sogenannten Stofffetzen abfangen.
      Wenn die jeder trägt, in der Annahme unbemerkt selbst Überträger sein zu können, dann organisieren wir durch geändertes Kulturverhalten eine Art externe Herdenimmunität, wenn wir das noch bestmöglich mit den geläufigen Abstandsregeln und Handhygiene kombinieren.

      Deine Herangehensweise mit 100% und absolut und alles andere sind „Stofffetzen“ ist sehr deutsch und genau diese ganz oder gar nicht einzelfallfixierte „und was ist eigentlich mit…“ klein-klein Streitigkeiten können wir uns in der aktuellen Situation nicht leisten. Wer eine medizinische Maske bekommen kann soll sie tragen, wer nicht irgendwas anderes. Wichtiger, als dass einige ihre medizinischen Masken tragen (und dazu dann auch Schutzbrillen und alles passend aufgesetzt und regelmäßig getauscht, sonst reine Scheinsicherheit) ist, dass nun alle einfache Masken tragen und Abstand halten und Hände waschen. Damit dämmen wir den Großteil der Transmissionen ein und das ist alles was wir brauchen und auch realistisch leisten können.

    • Avatar

      BrettonWood

      18. April 2020 19:53 at 19:53

      Ich möchte auch Krieggasmasken Pflicht, Vollkörperanzug im freien, da sind die Muslima mit Ihren Burkas und man muss das Gesicht erkennen plrözlich kein Thema mehr…diese Schurzmaskenpflicht wiederspricht doch dem Verhüllungsverbot 😂😂😂

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    BrettonWood

    18. April 2020 06:19 at 06:19

    Die Schweizer Armee muss 400 Mio Schutzmasken bis Ende Monat beschaffen! 400 Mio!?!? Das sind 50 pro Einwohner…bis Ende April….

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    Eric

    18. April 2020 09:33 at 09:33

    Kein Mensch denkt auch nur daran, Mode, Unterhaltungselektronik, usw. zu repatriieren. Es geht ausschließlich um in einer Krise unverzichtbare Elemente. Und wenn sich dafür eine europäische Selbstversorgung eingespielt hat sinken die Preise natürlich selbst in dieser Nische massiv. So haben Pharmahersteller wegen Einsparungen weniger Cent pro verkaufter Packung alles von Schmerzmittel bis Antibiotika in Billiglohnländer verschoben. Auf zig produzierte Einheiten machen die paar Cent natürlich eine spürbare Profitsteigerung für die Konzerne aus. Aber dem Endverbraucher ist es egal ob er 10 Cent mehr für sein Paracetamol zahlt oder die Krankenkasse 1€ mehr im Quartal für den Blutdruckdenker ausgeben muss.
    Das spielt auch für die Inflation keine Rolle.

    Für die Inflation gibt’s immer und das wird sich nie ändern die drei wichtigsten Faktoren Lohnentwicklung der Arbeitnehmer, Angebotsüberhang oder Angebotsmangel und Nachfrageüberhang und Nachfragemangel. Die unfassbare Liquiditätsmaßnahmen der Notenbanken sind in rein technischen, abstrakten Wirkungen der Volkswirtschaftsrechnung versickert und wurden neutralisiert, kamen nie bei Lohnsumme, Angebot oder Nachfrage an. Also waren sie folgerichtig für die Inflation irrelevant.
    Da eine alternde Gesellschaft einen unweigerlichen Drall zur Deflation hat (unweigerliche Sparquote) hat die EZB ja sogar immer Mühe gehabt nicht in die Deflation zu gleiten.

    Jetzt und in den nächsten Jahren gilt das umso mehr:
    Kurzarbeitergeld und andere Ausfälle bei Beschäftigten und Selbstständigen lassen die verfügbaren Einkommen abstürzen, ein Angebotsproblem gibt’s nicht (höchstens Überreaktionen wie Klopapierhamstern, organisatorische Probleme). Das wird massiv auf die Inflation drücken, auch ohne den externen Schock beim Ölpreis.
    Wartet mal ab wenn die Bekleidungsgeschäfte wieder öffnen dürfen mit welchen Panikrabatten die versuchen ihre Haut zu retten. So wird’s bei allen Branchen laufen die wieder anlaufen dürfen und versuchen um die gesunkenen Kaufkraft der verunsicherten Verbraucher zu buhlen.

    Gleichzeitig ist ab Verfügbarkeit einer Impfung oder durchschlagenden medikamentösen Therapie mit schneller Rückkehr zur Normalität zu rechnen. Wir hatten ja keinen Krieg, alle Produktionsanlagen sind noch da und können schneller die Angebote von vor der Krise auf den Markt werfen als die Einkommen der Haushalte und b2b Kunden sich erholen können. Wieder ein Angebotsüberhang.

    Es wird mühsam sich aus der unweigerlichen Spirale aus darauf folgende Rationalisierungsmaßnahmen in der Wirtschaft, bestenfalls stagnierende Einkommen und auch weltweit gesunkener Nachfrage wieder hoch zu arbeiten. Eine Lohn/Preisspirale und Nachfrageüberhang sind pure Märchen.

    Auch die Maßnahmen der Notenbanken reichen bestenfalls um die zu erwartenden tiefen Löcher in den Bilanzen am Finanzmarkt zu füllen. Wenn davon auch nur ein Cent übrig bleibt und in der Geldmenge real ankommt fress ich einen Besen.

    Was natürlich ankommen wird sind fiskalische Stimuli, aber die wirken geldpolitisch nicht inflationär, sondern können bestenfalls helfen den Schadens zu begrenzen und beim Neustart stützen.

    Es ist alles ein einziges Löcher stopfen, von zusätzlichen Impulsen sind wir weit entfernt. Über Inflation auch nur nachzudenken wäre in meinen Augen gröbste Unkenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge.

  8. Avatar

    Eric

    18. April 2020 09:44 at 09:44

    PS: viel Spaß beim Beömmeln über meinen Tippfehler „Videologen“.

  9. Avatar

    Jan

    19. April 2020 08:56 at 08:56

    Fazit: Herr Möller, das geht so nicht. Ihr Fazit ist nicht haltbar. Aussagen so wie diese erwarte ich nicht in FWM. Ein Anruf bei einer Firma mit jemanden der Kosten berechnet im relevanten Bereich, würde lernen das in Deutschland auch sinnvoll Atemmasken unter 1 Euro HK gemacht werden können.
    Das daran jetzt gut verdient wird, würde hier schon mal erklärt vor ein paar wochen.
    Diese alles oder nichts Diskussionen provozieren sichtlich mehr als das sie beitragen an besserem Verständniss der Lage.

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

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US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

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Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

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