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Banken-Kollaps? Systemkrise? Oder nur Angstmacherei? Wir zitieren die BaFin

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Banken-Kollaps voraus? Bankentürme in Frankfurt

Bevor manche Leser sagen „nicht der schon wieder“… wir wollen vorab nur kurz auf das sieben Monate alte Video von Markus Krall hinweisen, welches wir am Ende dieses Artikels eingebaut haben. Er sagt seit einiger Zeit eine Systemkrise im Finanzsystem und in der Gesellschaft voraus, welche bei einem Banken-Kollaps ihren Ausgang nehmen soll. Ob man Markus Krall (hier in Diskussion mit Florian Homm) und seine Ansichten nun mag oder nicht. Fundiert und im Detail kann er seine Thesen erklären, dass die Banken dank Negativzinsen keine Margen mehr haben, und mit einem ständig sinkenden „tatsächlichen“ Eigenkapital zu kämpfen haben – was irgendwann zu einer Verknappung beim Kreditangebot an die Kunden führen soll. Laut Krall soll es Ende 2020 oder in den folgenden Quartalen in 2021 soweit sein. Kommt es so? Droht der Kollaps, mit den Banken aus Auslöser? Auf jeden Fall sollte man sich mal eine Stunde in Ruhe Zeit nehmen und sich Kralls Ausführungen anhören – egal ob man bereits eine vorgefertigte Meinung hat, dass dieses „Crash-Gerede“ nur Panikmache ist.

Banken-Kollaps? Wie sieht die BaFin die Lage?

Letzte Woche hatte die BaFin einen Redetext ihres Chefs Felix Hufeld veröffentlicht. Und dieser Text ist auch heute noch die Headline-Story auf der Hauptseite der BaFin mit dem Titel „Aktuelle Herausforderungen für die Aufsicht und Finanzbranche“. Daher darf man annehmen, dass dieser veröffentlichte Redetext von Herrn Hufeld wichtig ist? Offenbar ja! Und ohhh Wunder, natürlich sprach er nicht von einem bevorstehenden Banken-Kollaps in Deutschland. Aber man darf ja auch zwischen den Zeilen lesen. Und man darf seine Aussagen interpretieren. Die Lage ist durchaus angespannt. Die Banken sollen beziehungsweise müssen sich endlich nach alternativen Einkommensquellen umsehen, weil dank abgeschaffter Zinsen die seit Jahrzehnten gängigen Haupteinnahmequellen der Banken wegbrechen – und das noch für viele Jahre. Diese (aus dem Text sinngemäß zusammengefassten) Aussagen von Herrn Hufeld stützen doch eigentlich die Thesen von Markus Krall? Nun, es geht ja darum, ob es am Ende wirklich zu einen Banken-Kollaps kommt, oder ob er einfach ausbleibt – weil die Thesen von Krall an zu viele Variablen geknüpft sind, die alle eintreten müssten. Wir zitieren die Aussagen von Herrn Hufeld an dieser Stelle auszugsweise. Hier zum Beispiel:

Die notorische Ertragsschwäche deutscher Banken hat vor allem einen Grund: Rund 70 Prozent ihrer Erträge stammen nach wie vor aus dem Zinsgeschäft. Und das Zinsniveau ist nun schon seit Jahren niedrig – und wird es wohl auch noch eine Weile bleiben. Bei einigen Instituten ist die Ertragslage schon jetzt sehr schwach, und die Aussicht auf ein andauernd niedriges Zinsniveau macht einen weiteren Rückgang der Rentabilität sehr wahrscheinlich. Zwar haben viele Banken und Sparkassen schon intensiv daran gearbeitet, die fallenden Zinsen durch steigende Kreditvolumina und längere Laufzeiten zu kompensieren, und einige von ihnen denken sogar darüber nach, negative Zinsen an ihre Kunden weiterzugeben – zumindest an die vermögenden unter ihnen und die Firmenkunden.

Aus dieser Abhängigkeit (Zinserträge) kann sie sich nur lösen, wenn sie alternative Ertragsquellen erschließt. Werfen wir einen Blick in die USA. Die Banken dort erwirtschaften ihre Erträge zu 60 Prozent aus Gebühren. Schicken wir jetzt die deutschen Bankenvorstände dorthin zum Hospitieren? Natürlich nicht. In den USA herrschen andere Markt- und Finanzierungsbedingungen als bei uns. Was wir dort sehen, können wir nicht ohne weiteres auf unsere Verhältnisse übertragen. Aber es hilft nichts: Auch in Europa – und vor allem in Deutschland – müssen wir Wege aus der Zinsabhängigkeit finden. Es gibt keine einfachen Antworte. Keine deutsche Bank – und auch kein Bankenregulierer – wird einfach beschließen können, die gebührenfinanzierten Erträge über Nacht zu verdoppeln. Aber es können sehr wohl viele, auch kleine Stellhebel identifiziert werden, die Schritt für Schritt betätigt werden sollten. Angesichts eines seit langem niedrigen Zinsumfelds, das sich aller Voraussicht nach auch in den kommenden Jahren nicht fundamental ändern wird, ist eines jedenfalls sicher: Wer meint, er müsse nur eine Weile im Schutz einer Berghütte warten, bis das Gewitter vorbeigezogen ist, um alsbald die Wanderung bei strahlendem Sonnenschein fortzusetzen, der irrt gewaltig.

Seit Anfang 2014 werden Banken in Deutschland gesetzlich auf die „Festlegung einer auf die nachhaltige Entwicklung des Instituts gerichteten Geschäftsstrategie (…)“ verpflichtet. Das hat natürlich gute Gründe: Das dickste Eigenkapitalpolster wäre im Nu aufgezehrt, wenn die Geschäftsstrategie nicht aufgeht. Was machen wir also, wenn wir feststellen, dass eine Geschäftsstrategie nicht nachhaltig ist? Mit unseren formalen Instrumenten gehen wir sehr umsichtig um. Verstößt eine Bank gegen § 25a des Kreditwesengesetzes, dort sind die Anforderungen an das Risikomanagement angesiedelt, nutzen wir erst einmal unser bewährtes informelles Instrumentarium: Wir sprechen mit den Betroffenen. Als Aufsicht müssen wir aber auch darauf vorbereitet sein, dass einige Institute in starke Turbulenzen geraten könnten. Um in solche Fällen noch effektiver handeln zu können, haben wir kürzlich eine spezialisierte Abteilung aufgebaut und dort einige der Kolleginnen und Kollegen mit viel Krisen-Know-how zusammengezogen. Sie beobachten die dort zugewiesenen Institute ständig und suchen intensiv nach Lösungen. Deshalb noch einmal mein dringender Appell an die Manager: Kommen Sie raus aus der Berghütte und marschieren Sie mit voller Kraft los – auch wenn es schmerzt.

Auch diese Aussagen von Herrn Hufeld sind interessant. Zitat:

Ich habe bedauerlicherweise keinen Zauberstab und bin auch nicht die gute Fee, die sie alle erfüllen könnte. Die meisten ihrer Probleme müssen die Banken selbst lösen. In anderen europäischen Ländern bereiten vor allem notleidende Kredite Sorgen. Deutsche Institute haben zwar ihre Eigenkapitalquote auf breiter Basis gesteigert. Ihr zentrales Problem haben sie allerdings noch nicht gelöst: ihre Ertragsschwäche……. Und so haben wir die bemerkenswerte Situation, dass das Gros der deutschen Kreditwirtschaft zwar mit einigermaßen stabilen Ergebnissen aufwarten konnte, diese Erträge aber seit langem unzureichend sind. Die Kapitalkosten werden nahezu nirgends verdient. Mit einer baldigen Besserung ist nicht zu rechnen – im Gegenteil.

Geschlossen hat Herr Hufeld seine Rede mit folgenden Worten:

Meine Damen und Herren, egal, ob Zinsen, Konjunktur, digitale Konkurrenz oder Nachhaltigkeit – auch für Banken und Sparkassen gilt das, was Charles Darwin einst festgestellt hat: Nicht die größten und stärksten Spezies überleben, sondern die, die sich am besten anpassen können. Und schon sind wir wieder bei den nachhaltigen Geschäftsstrategien. Aber damit will ich Sie nicht länger quälen. Obwohl das Thema ja spannend ist…

Unterstützer der Thesen von Markus Krall würden jetzt sagen, dass die Andeutungen des BaFin-Chefs die Krall-Thesen untermauern. Gegner der Crash-Thesen würden dazu sagen, dass es zwar ein paar Probleme bei deutschen Banken gibt, aber dass sie eben nicht so schlimm sind, dass es einen Banken-Kollaps geben wird. Bilden Sie sich bitte Ihre eigene Meinung, möchten wir dazu anmerken! Das folgende Video anzuschauen zählt aber auf jeden Fall zu Ihren Hausaufgaben!

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    9. Januar 2020 18:00 at 18:00

    Wie sie selbst schreiben, zumindest kann Markus Krall im Gegensatz zu vielen anderen seine Thesen fundiert erklären und untermauern. Und da er über 20 Jahre als Riskomanager tätig war, dürfte er die Bankbilanzen vermutlich besser kennen als die eigenen Finanzvorstände der Banken.

    Die BaFin spricht nur das an, was sowieso ein jeder weiß der sich mit den Grundlagen des Bankgeschäfts auskennt. Die deutschen Banken im besonderen sind in hohem Maße abhängig von Zinserträgen was natürlich auch erklärt das Deutschland am lautesten schreit wenn es um Null und Negativzinsen geht. Und Tatsache ist auch das je länger diese Situation anhält, sich die Lage für das Finanzsystem immer weiter verschärfen wird. Keine Zinsen plus platt gedrückte Zinskurve funktioniert nicht dauerhaft.

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    Zimmermann

    9. Januar 2020 18:13 at 18:13

    Dann erhöht man halt die Gebühren. Der deutsche Michl zahlt die schon. Der von Herrn Krall vorausgesagte Kollaps wird nie kommen.

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      Columbo

      9. Januar 2020 19:02 at 19:02

      @Zimmermann

      Wunderschön, kompetent, wissenschaftlich untermauert, sprachlich elegant, selbstbewußt, intelligent, angstfrei und heldenhaft fassen Sie in einem Satz alles Wesentliche zusammen.

      „…Der von Herrn Krall vorausgesagte Kollaps wird nie kommen…“

      Ein genialer Satz, weder Sokrates noch Plato noch Leonardo da Vinci hätten eine derartig logische, tiefst fundierte Aussage tätigen können. Tausende von Büchern wurden von hochintelligenten, weisen Menschen geschrieben, doch keiner konnte die Schlichtheit, Logik und Wahrheit dieses Satzes erreichen. Nicht einmal im Alten und Neuen Testament kann man derartig Großes lesen.

      „…Der von Herrn Krall vorausgesagte Kollaps wird nie kommen…“

      @Zimmermann, einfach genial, ich bin zutiefst berührt.

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    Voll-Krall

    9. Januar 2020 19:09 at 19:09

    Man muss sehr gut ausgebildet oder mindestens eingebildet sein um M.Krall zu widersprechen.Passt gut zu Leuten, die die Börsen als Einbahnstrasse sehen !

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    Axel

    9. Januar 2020 22:29 at 22:29

    In der Tat gibt es bei Dr. Krall vliele Variablen…z.b., wer sagt denn,daß die Banken nicht hochverzinsliche Anleihen aus Schwellenländern en maß im Portfolio haben und dort ordentliche Gewinne einstreichen.
    Auch die orakelten Zombieunternehmen (3% pro Jahr) laßen sich nur vermuten. Die guten wirtschaftlichen Jahre können auch eine sehr viel niedrigere Rate an Pleitekandidaten haben. Übrigens können Unternehmen, die nichts mehr erwirtschaften, auch im Nullzinsumfeld nicht überleben und wären schon längst Pleite.

    Ansonsten hab ich eine kleine Geschäftsidee für die Banken: Der Edelmetallhandel!

    Früher konnte man noch in jeder Bank die ein oder andere Unze dieses oder jenes glänzenden Elementes käuflich erwerben…

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      Marcus

      10. Januar 2020 18:04 at 18:04

      Bei Weik und Friedrich, Dirk Müller und Max Otte spielt natürlich immer der Faktor mit hinein das die auch ihre Bücher und vor allem die aufgelegten Fonds an den Mann/Frau bringen wollen. Bezüglich Markus Krall könnte man natürlich argumentieren das er jetzt bei der Degussa tätig ist und nur Gold verkaufen will.

      Wie bereits oben erwähnt, bin ich der Ansicht das man noch eher das ernst nehmen kann was Markus Krall bezüglich der Folgen der Negativzinspolitik und der weg erodierenden Ertragsbasis der Banken sagt, zu mal er in dem Bereich auch eine langjährige Erfahrung vorweisen kann und er vermutlich wesentlich tiefere Einblicke gehabt haben dürfte als wir die da faktisch Laien sind.

      Manche werden mich sicher jetzt als einen „Krall Fanboy“ oder als „eingebildet“ bezeichnen auch wenn sie es nicht schreiben, aber ich würde denjenigen nahe legen sich mal wirklich intensiv mit dem auseinanderzusetzen was er sagt und welche Argumente er vorbringt. Videomaterial gibt es genug.

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    Heiko Schilling-Klumpen

    12. Januar 2020 18:37 at 18:37

    @Markus: Nein! Sie sind weder eingebildet noch ein ,,Krall Fanboy“. Sie sind realistisch und mutig genug, die ,,rote“ Pille der Erkenntnis geschluckt zu haben.

    Im Grunde können Sie allen Zweiflern doch ruhigen Gewissens sagen, dass die Zeit die Fakten liefern wird. Wenn Sie vorbereitet sein sollten – das wünsche ich Ihnen wirklich – dann haben Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten alles richtig gemacht. Und falls ihr Umfeld ihnen nicht glaubt … so what. Sie haben ihre Mitmenschen informiert, auf Experten hingewiesen. In drei Jahren können Sie erhobenen Hauptes sich bei allen Mitmenschen blicken lassen… u f die anderen fressen trocken Brot oder Kartoffelschalen.

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Geldvermögen der Deutschen +67 Milliarden Euro in 3 Monaten – Problem für Banken

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Das Geldvermögen der Deutschen wächst - Beispielfoto für 500 Euro-Scheine

Das Geldvermögen der deutschen Haushalte ist laut aktueller Veröffentlichung der Bundesbank zu Ende September 2019 um 67 Milliarden Euro auf 6,302 Billionen Euro angestiegen. Was für ein unglaublich großer Zuwachs, in nur drei Monaten so ein starker Anstieg! Wie schon in den letzten Jahren ist die Begründung klar. Die Beschäftigung ist hoch, und der Deutsche spart nun mal gerne viel. Je mehr Menschen in Arbeit sind, desto mehr kann gespart werden. Und trotz Industrie-Rezession bleibt die Lage am Arbeitsmarkt zumindest oberflächlich (siehe Kurzarbeit) weiter entspannt. Und man sieht immer das selbe Muster. Der Deutsche spart hauptsächlich in liquiden Sparanlagen, und eben nicht in Aktien. Damit wird die Lage für die Banken immer dramatischer. Sie müssen immer höhere Spareinlagen der Kunden verwalten, und damit immer höhere Strafzinsen an die Bundesbank/EZB abführen. Auch wenn sie teilweise entlastet werden bei Negativzins-Entrichtung an die EZB, so wächst das Problem des stetig wachsenden Einlagen-Überhangs immer weiter an. Zitat Bundesbank:

Wie in den vergangenen Quartalen erhöhten die privaten Haushalte insbesondere ihre Bestände an Bargeld und Einlagen sowie ihre Ansprüche gegenüber Versicherungen. Die Präferenz für liquide oder als risikoarm empfundene Anlageformen hielt damit weiter an. Auch Bewertungsgewinne trugen wieder zum Anstieg des Geldvermögens bei. Die Verbindlichkeiten privater Haushalte legten im dritten Quartal 2019 um 25 Mrd € und damit erneut relativ deutlich zu. Zusammen betrachtet stieg das Nettogeldvermögen um 41 Mrd € auf 4 441 Mrd €.

Zuwachs im Geldvermögen fließt weiter kräftig in Cash-Reserven

Bei einem Nettozuwachs im Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland von 58 Milliarden Euro im 3. Quartal flossen gerade mal 10 Milliarden Euro in Aktien und Fonds, und 26 Milliarden Euro in Bargeld und Sichteinlagen (Girokonto, Tagesgeldkonto etc). Also: Selbst bei Nullzinsen und einem nach Inflation ganz klarem Negativzins legt der deutsche Michel immer noch deutlich lieber sein Geld aufs Konto, als dass er das Risiko einer Aktieneinlage eingeht. Lieber ein sicherer geplanter Verlust im Geldvermögen, als ein Risiko auf Gewinne/Verluste am Aktienmarkt einzugehen. Hier weitere Detailaussagen der Bundesbank:

Im dritten Quartal 2019 betrug die Geldvermögensbildung der privaten Haushalte per saldo rund 58 Mrd € und lag damit ungefähr im Mittel der letzten drei Jahre. Getragen wurde der Anstieg insbesondere von einem Aufbau von Bargeld und Sichteinlagen in Höhe von 26 Mrd € sowie einem Zuwachs der Ansprüche gegenüber Versicherungen. Letzterer fiel mit 13 Mrd € etwas geringer aus als in den Vorquartalen. Der seit 2017 anhaltende Trend sinkender Zuwächse in diesem Instrument setzt sich somit fort. Ihre Anlagen in Sparbriefen und Spareinlagen reduzierten die Haushalte relativ kräftig um 4 Mrd €. Mit Blick auf die vergangenen Jahre ist ein derartiges Anlageverhalten jedoch nicht ungewöhnlich. Auf ein Nachlassen der bislang stark ausgeprägten Präferenz privater Haushalte für liquide und/oder risikoarme Anlageformen lässt sich daher nicht schließen. Das Kapitalmarktengagement der privaten Haushalte entwickelte sich weiterhin stabil: Wie schon in den beiden Vorquartalen betrugen die Nettoinvestitionen privater Haushalte in börsennotierte Aktien und Investmentfondsanteile im Berichtsquartal rund 10 Mrd €.

Verschuldung

Eine wichtige Kennziffer aus der heutigen Veröffentlichung des Bundesbank: Die Verschuldung der privaten Haushalte in Relation zum Bruttoinlandsprodukt liegt jetzt bei 54,6%. Vor zwanzig Jahren lag sie über 70%. Die Bundesbank im Wortlaut:

Der transaktionsbedingte Anstieg der Verschuldung der privaten Haushalte übertraf im dritten Quartal 2019 mit rund 25 Mrd € sogar noch den sehr kräftigen Zuwachs im zweiten Quartal. Der seit Mitte 2013 anhaltende Aufwärtstrend setzte sich damit weiter fort. Wichtigster Faktor für diese Zunahme war erneut, dass die Wohnungsbaukredite dynamisch ausgeweitet wurden.

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Brexit – warum Boris Johnson die „harte Tour“ haben will

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Brexit Symbolgrafik

Der britische Premierminister wird sein Wahlversprechen halten wollen, um den neu aufgestellten Tories und seiner konservativen Stammwählerschaft in Sachen Brexit gerecht zu werden. Außerdem winkt ein herausgehobener Platz in den Geschichtsbüchern.

Brexit – aus den Augen, aus dem Sinn

Der britische Premierminister Boris hat vor gut einem Monat bei den britischen Unterhauswahlen einen erdrutschartigen Wahlsieg errungen. Seine konservative Partei, die Tories, erreichten dadurch eine große parlamentarische Mehrheit von 80 Sitzen, die größte seit 1987. Vor allem die Frustration vieler Wähler, dass ihr Votum vom Juni 2016 die EU zu verlassen auch dreieinhalb Jahre später immer noch nicht umgesetzt wurde, trug zu diesem Wahlerfolg bei.

Zuvor konnte auch Boris Johnson trotz seiner Bemühungen seit der Übernahme des Amtes des Parteivorsitzenden von seiner glücklosen Vorgängerin, Theresa May, im Juli 2019 keinen Brexit-Vertrag durchs britische Unterhaus bringen. Nun hat er jedoch eine komfortable Mehrheit hinter sich und diese bereits dazu genutzt, per Gesetz eine bis Juli 2020 laufende Verlängerungsfrist der Verhandlungsdauer über einen Brexit-Vertrag mit der EU auszuschließen. Sodass die konkreten Austrittsmodalitäten und die Handelsvereinbarungen mit Europa bis spätestens Jahresultimo geklärt sein müssen.

Da derartige Verhandlungen aber sehr komplex und langwierig sind (im Durchschnitt dauern sie ca. 6 Jahre), droht Ende des Jahres erneut ein Brexit ohne Vertrag, also ein harter Brexit. Wer also glaubte, die Unsicherheit bei Unternehmen und Bürgern hätte sich erledigt, der ist gewaltig im Irrtum. Aktuell scheint das Thema niemanden mehr zu interessieren. Doch mit Fortschreiten dieses Jahres wird erneut die große Hektik in Brüssel ausbrechen – wie so oft zu spät und ohne Plan.

Brüssel hat sich gewaltig verzockt

Die Taktik der Bürokraten in Brüssel um den Brexit-Chefunterhändler und französischen Ex-Außenminister Michel Barnier ist bisher komplett gescheitert. Zunächst wollte man auf Zeit spielen und mit einer Backstop-Klausel und Ähnlichem die Regierung in London spalten und handlungsunfähig machen. So weit, so gut. Doch der dahinterstehende Plan, über Neuwahlen in Großbritannien ein zweites Referendum zu erzwingen, dass dann pro EU ausfällt, ist an dem unterschätzten Wahlkämpfer Boris Johnson gescheitert. Auch wurde in den Elfenbeintürmen Brüssels und den Hauptstädten auf dem Festland Europas die Stimmung in der Bevölkerung Großbritanniens unterschätzt.

Zudem wurde auch eine Besonderheit des britischen Wahlrechts unterschätzt. Bei den Wahlen zum Unterhaus gilt das sogenannte Mehrheitswahlrecht (first past the post). Dabei gewinnt der Kandidat eines Wahlbezirks, der die meisten Stimmen erhält. Bekommen also z. B. 9 Kandidaten des Bezirks jeweils 9 Prozent der Stimmen und ein Kandidat 19 Prozent, dann gewinnt Letzterer den gesamten Wahlkreis und einen Sitz im Unterhaus, obwohl 81 Prozent der Wähler gegen ihn votiert haben. Großbritannien besteht aus 650 solcher Wahlbezirke.

Durch geschickte Allianzen und die Deklassierung der Brexit-Partei von Nigel Farage gelang es Johnson, die für seine Zwecke maßgeschneiderten Wahlbezirke mehrheitlich für die Tories zu gewinnen, ohne das die Mehrheit der Stimmberechtigten seine Conservative and Unionist Party gewählt hat – es waren in Summe nur 43,6 Prozent. Trotzdem gewannen die Tories 365 der 650 Sitze im Unterhaus. Mit dieser komfortablen Mehrheit, die aus treuen Gefolgsleuten Johnsons und überzeugten Brexiteers besteht, kann er nun in Sachen Brexit durchregieren.

Ziel Johnsons ist es, maximalen Druck auf die Verhandlungspartner bei der EU aufzubauen und die Maximalforderungen Großbritanniens durchzudrücken. Doch auch mit einem harten Brexit hat Johnson kein Problem, was ihn verhandlungstaktisch überlegen macht. Gelingt ihm keine Einigung bis zum 31.12.2020, treten im schlimmsten Fall ab dem 1. Januar 2021 die Zoll-Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) in Kraft, die einen Großteil der grenzüberschreitenden Fertigung zwischen Europa und Großbritannien massiv beeinträchtigen würden (Thema Airbus oder BMW/ Mini).

Johnson handelt aus patriotischer Überzeugung

Viele Beobachter und Politologen sind überrascht, dass Johnson seinen harten Kurs in Sachen Brexit nach der Wahl fortsetzt, gilt er vielen doch als ausgewiesener Opportunist. Johnsons Schritt, einen Verlängerungsantrag für die Verhandlungsphase bei der EU gesetzlich zu verbieten, überraschte viele politische Beobachter, die überzeugt waren, dass er seine Position lockern könnte, weil er kein Ideologe sei, sondern ein aalglatter Politiker, der den Brexit während der Referendumskampagne und dem Wahlkampf nur im Interesse seiner eigenen Karriere befürwortete, um seinen Weg Richtung 10 Downing Street zu bahnen.

Doch Johnson möchte als Patriot in die Annalen der Politikgeschichte eingehen, der eisern und erfolgreich an seinem Versprechen festhielt, Großbritannien aus der EU zu führen, aus Gründen, die langfristig im Interesse seines Landes und der britischen Eliten sein könnten, wie ich in dem Artikel „Brexit – diese Wahrheit wird Ihnen verschwiegen“ bereits erläutert hatte. Die Skeptiker aus seiner alten Fraktion hat Johnson sorgsam aussortiert und so haben wir es nun mit dem europaskeptischsten Parlament zu tun, das jemals gewählt wurde, und Johnson ist ihr Wortführer. Außerdem ist er nun ausschließlich von Adjutanten umgeben, die harte Brexiteers sind, die keine Kompromisse mehr zulassen wollen.

Fazit

Boris Johnson ist mit dem Versprechen eines schnellen und kompromisslosen Brexits gewählt worden. Er ist nach den Parlamentswahlen im Dezember auf dem Zenit seiner Karriere angelangt und sitzt so fest im Sattel wie selten zuvor ein Premier in der Geschichte Großbritanniens. Dem Ziel, das Vereinigte Königreich unabhängiger von Europa zu machen und das Commonwealth of Nations zu stärken, ist die britische Elite damit nähergekommen. Die Geschichte wird zeigen, ob die Geschwindigkeit und die Konsequenz mit der Johnson den Brexit durchziehen möchte richtig war oder nicht. Scheitert die EU als Wirtschaftsunion und Währungsraum in den kommenden zehn Jahren, dann hat Großbritannien mit dem Brexit alles richtig gemacht.

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Schweiz auf US-Manipulations-Watchlist – darum verkommen die USA zur Lachnummer

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Flagge der Schweiz vor Bergpanorama

Am Dienstag setzten die USA die Schweiz auf die Watchlist für Staaten, die aus Sicht der USA ihre eigene Währung manipulieren, um im internationalen Handel Vorteile zu erlangen. Im gleichen Schritt wurde China von der Liste gestrichen, womit sich die USA abermals zur Lachnummer machen. Denn damit bewiesen sie zum wiederholten Male, dass solche Aktionen nur durchgeführt werden, um selbst Vorteile in zum Beispiel Handelsgesprächen zu erlangen.

China wird als Währungsmanipulator gestrichen, die Schweiz aufgenommen

Was hat es mit dieser Watchlist auf sich? Zweimal jährlich gibt das Finanzministerium den Report „Macroeconomic and Foreign Exchange Policies of Major Trading Partners of the United States“ heraus. Auf gut vier Dutzend Seiten schildert das Ministerium seine Sicht auf die eigene und die Weltwirtschaft. In einem eigenen Kapital werden einzelne Handelspartner genauer unter die Lupe genommen. Dieser Teil ist umfangreicher als der Teil, in dem über die eigene und die weltweite ökonomische Lage referiert wird. Und es ist auch der Teil, der als Währungsmanipulations-Watchlist angesehen wird.

Dass die USA ihre Handelspartner im Blick behalten und Währungsmanipulationen anprangern, ist nicht verwerflich. Im Gegenteil! Damit der Welthandel unter fairen Bedingungen stattfindet, sollte jede Form der Währungsmanipulation unterbleiben. Das Problem beim jüngsten Report ist jedoch, dass China explizit von der Watchlist gestrichen wird. Und das nicht, weil Chinas Währung auf einmal frei handelbar ist und unbeeiflußt von der chinesischen Zentralbank ein fairer Kurs in freiem Austausch gefunden wird. Nein, China wurde von der Liste gestrichen, weil der Renminbi seit Oktober um ganze 3,5% aufwerten durfte. OK, das ist etwas übertrieben. Als zusätzlicher Grund für die Streichung wurde das Phase-1-Handelsabkommen genannt, in dem sich China bereiterklärt, von Währungsmanipulationen abzusehen. Aufgrund eines noch nicht umgesetzten Versprechens wird also der vielleicht größte Währungsmanipulator der Welt vom Haken gelassen. Gleichzeitig setzten die USA die Schweiz auf die Liste.

Darum sind schwache Wechselkurse unfair gegenüber Handelspartnern

Bewohner von Ländern mit schwacher Währung wünschen sich in der Regel eine starke Währung. Gleichzeitig versuchen auffällig viele Staaten mit starker Währung, ihre eigene Währung zu schwächen. Dabei erhoffen sich diese Staaten Vorteile auf dem Weltmarkt. Lassen Sie mich Ihnen ein simples Beispiel geben. Wenn Sie als Deutscher ein Tesla Model 3 kaufen, muss Tesla dieses Fahrzeug nach Europa bringen. Sie bezahlen Tesla in Euro, Tesla transferiert das Geld in die USA und tauscht es dort in US-Dollar um. Das Model 3 Performance kostet in den USA netto 56.990 US-Dollar. Inklusive 10% Importzoll und 19% Umsatzsteuer entspricht das beim aktuellen Wechselkurs von 1,11 67.210 Euro. Da das Auto zu dem Preis in Deutschland unverkäuflich wäre, bietet es Tesla aber für 60.390 Euro an und verdient somit pro in Deutschland verkauftem Auto knappe 7.000 Euro weniger als in den USA.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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