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Banken-Kollaps? Systemkrise? Oder nur Angstmacherei? Wir zitieren die BaFin

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Banken-Kollaps voraus? Bankentürme in Frankfurt

Bevor manche Leser sagen „nicht der schon wieder“… wir wollen vorab nur kurz auf das sieben Monate alte Video von Markus Krall hinweisen, welches wir am Ende dieses Artikels eingebaut haben. Er sagt seit einiger Zeit eine Systemkrise im Finanzsystem und in der Gesellschaft voraus, welche bei einem Banken-Kollaps ihren Ausgang nehmen soll. Ob man Markus Krall (hier in Diskussion mit Florian Homm) und seine Ansichten nun mag oder nicht. Fundiert und im Detail kann er seine Thesen erklären, dass die Banken dank Negativzinsen keine Margen mehr haben, und mit einem ständig sinkenden „tatsächlichen“ Eigenkapital zu kämpfen haben – was irgendwann zu einer Verknappung beim Kreditangebot an die Kunden führen soll. Laut Krall soll es Ende 2020 oder in den folgenden Quartalen in 2021 soweit sein. Kommt es so? Droht der Kollaps, mit den Banken aus Auslöser? Auf jeden Fall sollte man sich mal eine Stunde in Ruhe Zeit nehmen und sich Kralls Ausführungen anhören – egal ob man bereits eine vorgefertigte Meinung hat, dass dieses „Crash-Gerede“ nur Panikmache ist.

Banken-Kollaps? Wie sieht die BaFin die Lage?

Letzte Woche hatte die BaFin einen Redetext ihres Chefs Felix Hufeld veröffentlicht. Und dieser Text ist auch heute noch die Headline-Story auf der Hauptseite der BaFin mit dem Titel „Aktuelle Herausforderungen für die Aufsicht und Finanzbranche“. Daher darf man annehmen, dass dieser veröffentlichte Redetext von Herrn Hufeld wichtig ist? Offenbar ja! Und ohhh Wunder, natürlich sprach er nicht von einem bevorstehenden Banken-Kollaps in Deutschland. Aber man darf ja auch zwischen den Zeilen lesen. Und man darf seine Aussagen interpretieren. Die Lage ist durchaus angespannt. Die Banken sollen beziehungsweise müssen sich endlich nach alternativen Einkommensquellen umsehen, weil dank abgeschaffter Zinsen die seit Jahrzehnten gängigen Haupteinnahmequellen der Banken wegbrechen – und das noch für viele Jahre. Diese (aus dem Text sinngemäß zusammengefassten) Aussagen von Herrn Hufeld stützen doch eigentlich die Thesen von Markus Krall? Nun, es geht ja darum, ob es am Ende wirklich zu einen Banken-Kollaps kommt, oder ob er einfach ausbleibt – weil die Thesen von Krall an zu viele Variablen geknüpft sind, die alle eintreten müssten. Wir zitieren die Aussagen von Herrn Hufeld an dieser Stelle auszugsweise. Hier zum Beispiel:

Die notorische Ertragsschwäche deutscher Banken hat vor allem einen Grund: Rund 70 Prozent ihrer Erträge stammen nach wie vor aus dem Zinsgeschäft. Und das Zinsniveau ist nun schon seit Jahren niedrig – und wird es wohl auch noch eine Weile bleiben. Bei einigen Instituten ist die Ertragslage schon jetzt sehr schwach, und die Aussicht auf ein andauernd niedriges Zinsniveau macht einen weiteren Rückgang der Rentabilität sehr wahrscheinlich. Zwar haben viele Banken und Sparkassen schon intensiv daran gearbeitet, die fallenden Zinsen durch steigende Kreditvolumina und längere Laufzeiten zu kompensieren, und einige von ihnen denken sogar darüber nach, negative Zinsen an ihre Kunden weiterzugeben – zumindest an die vermögenden unter ihnen und die Firmenkunden.

Aus dieser Abhängigkeit (Zinserträge) kann sie sich nur lösen, wenn sie alternative Ertragsquellen erschließt. Werfen wir einen Blick in die USA. Die Banken dort erwirtschaften ihre Erträge zu 60 Prozent aus Gebühren. Schicken wir jetzt die deutschen Bankenvorstände dorthin zum Hospitieren? Natürlich nicht. In den USA herrschen andere Markt- und Finanzierungsbedingungen als bei uns. Was wir dort sehen, können wir nicht ohne weiteres auf unsere Verhältnisse übertragen. Aber es hilft nichts: Auch in Europa – und vor allem in Deutschland – müssen wir Wege aus der Zinsabhängigkeit finden. Es gibt keine einfachen Antworte. Keine deutsche Bank – und auch kein Bankenregulierer – wird einfach beschließen können, die gebührenfinanzierten Erträge über Nacht zu verdoppeln. Aber es können sehr wohl viele, auch kleine Stellhebel identifiziert werden, die Schritt für Schritt betätigt werden sollten. Angesichts eines seit langem niedrigen Zinsumfelds, das sich aller Voraussicht nach auch in den kommenden Jahren nicht fundamental ändern wird, ist eines jedenfalls sicher: Wer meint, er müsse nur eine Weile im Schutz einer Berghütte warten, bis das Gewitter vorbeigezogen ist, um alsbald die Wanderung bei strahlendem Sonnenschein fortzusetzen, der irrt gewaltig.

Seit Anfang 2014 werden Banken in Deutschland gesetzlich auf die „Festlegung einer auf die nachhaltige Entwicklung des Instituts gerichteten Geschäftsstrategie (…)“ verpflichtet. Das hat natürlich gute Gründe: Das dickste Eigenkapitalpolster wäre im Nu aufgezehrt, wenn die Geschäftsstrategie nicht aufgeht. Was machen wir also, wenn wir feststellen, dass eine Geschäftsstrategie nicht nachhaltig ist? Mit unseren formalen Instrumenten gehen wir sehr umsichtig um. Verstößt eine Bank gegen § 25a des Kreditwesengesetzes, dort sind die Anforderungen an das Risikomanagement angesiedelt, nutzen wir erst einmal unser bewährtes informelles Instrumentarium: Wir sprechen mit den Betroffenen. Als Aufsicht müssen wir aber auch darauf vorbereitet sein, dass einige Institute in starke Turbulenzen geraten könnten. Um in solche Fällen noch effektiver handeln zu können, haben wir kürzlich eine spezialisierte Abteilung aufgebaut und dort einige der Kolleginnen und Kollegen mit viel Krisen-Know-how zusammengezogen. Sie beobachten die dort zugewiesenen Institute ständig und suchen intensiv nach Lösungen. Deshalb noch einmal mein dringender Appell an die Manager: Kommen Sie raus aus der Berghütte und marschieren Sie mit voller Kraft los – auch wenn es schmerzt.

Auch diese Aussagen von Herrn Hufeld sind interessant. Zitat:

Ich habe bedauerlicherweise keinen Zauberstab und bin auch nicht die gute Fee, die sie alle erfüllen könnte. Die meisten ihrer Probleme müssen die Banken selbst lösen. In anderen europäischen Ländern bereiten vor allem notleidende Kredite Sorgen. Deutsche Institute haben zwar ihre Eigenkapitalquote auf breiter Basis gesteigert. Ihr zentrales Problem haben sie allerdings noch nicht gelöst: ihre Ertragsschwäche……. Und so haben wir die bemerkenswerte Situation, dass das Gros der deutschen Kreditwirtschaft zwar mit einigermaßen stabilen Ergebnissen aufwarten konnte, diese Erträge aber seit langem unzureichend sind. Die Kapitalkosten werden nahezu nirgends verdient. Mit einer baldigen Besserung ist nicht zu rechnen – im Gegenteil.

Geschlossen hat Herr Hufeld seine Rede mit folgenden Worten:

Meine Damen und Herren, egal, ob Zinsen, Konjunktur, digitale Konkurrenz oder Nachhaltigkeit – auch für Banken und Sparkassen gilt das, was Charles Darwin einst festgestellt hat: Nicht die größten und stärksten Spezies überleben, sondern die, die sich am besten anpassen können. Und schon sind wir wieder bei den nachhaltigen Geschäftsstrategien. Aber damit will ich Sie nicht länger quälen. Obwohl das Thema ja spannend ist…

Unterstützer der Thesen von Markus Krall würden jetzt sagen, dass die Andeutungen des BaFin-Chefs die Krall-Thesen untermauern. Gegner der Crash-Thesen würden dazu sagen, dass es zwar ein paar Probleme bei deutschen Banken gibt, aber dass sie eben nicht so schlimm sind, dass es einen Banken-Kollaps geben wird. Bilden Sie sich bitte Ihre eigene Meinung, möchten wir dazu anmerken! Das folgende Video anzuschauen zählt aber auf jeden Fall zu Ihren Hausaufgaben!

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    9. Januar 2020 18:00 at 18:00

    Wie sie selbst schreiben, zumindest kann Markus Krall im Gegensatz zu vielen anderen seine Thesen fundiert erklären und untermauern. Und da er über 20 Jahre als Riskomanager tätig war, dürfte er die Bankbilanzen vermutlich besser kennen als die eigenen Finanzvorstände der Banken.

    Die BaFin spricht nur das an, was sowieso ein jeder weiß der sich mit den Grundlagen des Bankgeschäfts auskennt. Die deutschen Banken im besonderen sind in hohem Maße abhängig von Zinserträgen was natürlich auch erklärt das Deutschland am lautesten schreit wenn es um Null und Negativzinsen geht. Und Tatsache ist auch das je länger diese Situation anhält, sich die Lage für das Finanzsystem immer weiter verschärfen wird. Keine Zinsen plus platt gedrückte Zinskurve funktioniert nicht dauerhaft.

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    Zimmermann

    9. Januar 2020 18:13 at 18:13

    Dann erhöht man halt die Gebühren. Der deutsche Michl zahlt die schon. Der von Herrn Krall vorausgesagte Kollaps wird nie kommen.

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      Columbo

      9. Januar 2020 19:02 at 19:02

      @Zimmermann

      Wunderschön, kompetent, wissenschaftlich untermauert, sprachlich elegant, selbstbewußt, intelligent, angstfrei und heldenhaft fassen Sie in einem Satz alles Wesentliche zusammen.

      „…Der von Herrn Krall vorausgesagte Kollaps wird nie kommen…“

      Ein genialer Satz, weder Sokrates noch Plato noch Leonardo da Vinci hätten eine derartig logische, tiefst fundierte Aussage tätigen können. Tausende von Büchern wurden von hochintelligenten, weisen Menschen geschrieben, doch keiner konnte die Schlichtheit, Logik und Wahrheit dieses Satzes erreichen. Nicht einmal im Alten und Neuen Testament kann man derartig Großes lesen.

      „…Der von Herrn Krall vorausgesagte Kollaps wird nie kommen…“

      @Zimmermann, einfach genial, ich bin zutiefst berührt.

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    Voll-Krall

    9. Januar 2020 19:09 at 19:09

    Man muss sehr gut ausgebildet oder mindestens eingebildet sein um M.Krall zu widersprechen.Passt gut zu Leuten, die die Börsen als Einbahnstrasse sehen !

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    Axel

    9. Januar 2020 22:29 at 22:29

    In der Tat gibt es bei Dr. Krall vliele Variablen…z.b., wer sagt denn,daß die Banken nicht hochverzinsliche Anleihen aus Schwellenländern en maß im Portfolio haben und dort ordentliche Gewinne einstreichen.
    Auch die orakelten Zombieunternehmen (3% pro Jahr) laßen sich nur vermuten. Die guten wirtschaftlichen Jahre können auch eine sehr viel niedrigere Rate an Pleitekandidaten haben. Übrigens können Unternehmen, die nichts mehr erwirtschaften, auch im Nullzinsumfeld nicht überleben und wären schon längst Pleite.

    Ansonsten hab ich eine kleine Geschäftsidee für die Banken: Der Edelmetallhandel!

    Früher konnte man noch in jeder Bank die ein oder andere Unze dieses oder jenes glänzenden Elementes käuflich erwerben…

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      Marcus

      10. Januar 2020 18:04 at 18:04

      Bei Weik und Friedrich, Dirk Müller und Max Otte spielt natürlich immer der Faktor mit hinein das die auch ihre Bücher und vor allem die aufgelegten Fonds an den Mann/Frau bringen wollen. Bezüglich Markus Krall könnte man natürlich argumentieren das er jetzt bei der Degussa tätig ist und nur Gold verkaufen will.

      Wie bereits oben erwähnt, bin ich der Ansicht das man noch eher das ernst nehmen kann was Markus Krall bezüglich der Folgen der Negativzinspolitik und der weg erodierenden Ertragsbasis der Banken sagt, zu mal er in dem Bereich auch eine langjährige Erfahrung vorweisen kann und er vermutlich wesentlich tiefere Einblicke gehabt haben dürfte als wir die da faktisch Laien sind.

      Manche werden mich sicher jetzt als einen „Krall Fanboy“ oder als „eingebildet“ bezeichnen auch wenn sie es nicht schreiben, aber ich würde denjenigen nahe legen sich mal wirklich intensiv mit dem auseinanderzusetzen was er sagt und welche Argumente er vorbringt. Videomaterial gibt es genug.

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    Heiko Schilling-Klumpen

    12. Januar 2020 18:37 at 18:37

    @Markus: Nein! Sie sind weder eingebildet noch ein ,,Krall Fanboy“. Sie sind realistisch und mutig genug, die ,,rote“ Pille der Erkenntnis geschluckt zu haben.

    Im Grunde können Sie allen Zweiflern doch ruhigen Gewissens sagen, dass die Zeit die Fakten liefern wird. Wenn Sie vorbereitet sein sollten – das wünsche ich Ihnen wirklich – dann haben Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten alles richtig gemacht. Und falls ihr Umfeld ihnen nicht glaubt … so what. Sie haben ihre Mitmenschen informiert, auf Experten hingewiesen. In drei Jahren können Sie erhobenen Hauptes sich bei allen Mitmenschen blicken lassen… u f die anderen fressen trocken Brot oder Kartoffelschalen.

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Einblick in die Herzkammer der deutschen Industrie – die dramatische Lage

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Düstere Umfragedaten der Industrie aus Baden-Württemberg

Die Herzkammer der deutschen Industrie gewährt aktuell einen Einblick in die aktuell dramatische Lage, was Auftragseingänge, Kurzarbeit etc betrifft. „Südwestmetall“ ist der Dachverband der Metall- und Elektro-Industrie in Baden-Württemberg – der Leitbranche der baden-württembergischen Wirtschaft, wie es Südwestmetall selbst ausdrückt. Aktuell hat man eine Umfrage unter seinen Mitgliedern veröffentlicht. Man spricht von einem gravierenden Einbruch bei Aufträgen und Produktion, und auch von einem explosionsartigen Anstieg der Kurzarbeit in der Metallbranche. Noch gelinge es dem Gros der Unternehmen, durch Kurzarbeit und andere flexible Instrumente ihre Kernbelegschaften zu schützen. Je länger die aktuellen Einschränkungen aber aufrechterhalten werden, desto wahrscheinlicher würden auch Jobs verloren gehen, so der Verband. Nicht nur die aktuelle Lage ist dramatisch – vor allem auch die Aussichten der befragten Unternehmen für die nächsten Wochen sehen düster aus. Hier die wichtigsten Aussagen im Wortlaut:

Laut den Ergebnissen der Umfrage sind die Auftragseingänge zu Jahresbeginn (Januar bis März) um 14 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Die allermeisten Unternehmen (92 %) sehen ihre Produktion durch Corona-Auswirkungen eingeschränkt, 19 % verzeichnen starke, weitere 24 % sogar sehr starke Einschränkungen.

Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung liegt derzeit nur noch bei 60 %, dabei sind 9 % der Betriebe sogar komplett geschlossen. Als weitaus häufigster Grund für den Produktionseinbruch wird dabei „fehlende Nachfrage“ genannt (71 %), gefolgt von „fehlende Arbeitskräfte wegen Krankheit, Kinderbetreuung etc.“ (33 %) und „fehlende Teile/Material“ (29 %). Zahlreiche Betriebe (18 %) haben zudem ihre Produktion zurückgefahren und umorganisiert, um Ansteckungsgefahren zu verhindern. „Ausgehend von China sind unseren Unternehmen nach und nach die Märkte weggebrochen. Die Verkaufsstellen der Autobauer sind geschlossen, der Maschinenbau leidet unter der Zurückhaltung bei Investitionen“, sagte Dick.

In der Anfangsphase haben die Betriebe noch intensiv betriebliche und tarifliche Möglichkeiten ausgeschöpft, um dem abrupten Absatzeinbruch zu begegnen: Arbeitszeitkonten, Überstunden und Resturlaub wurden abgebaut, Instrumente wie die tariflichen Freistellungstage statt Auszahlung (T-ZUG) oder die Anordnung von Betriebsurlaub genutzt. 39 % der Betriebe haben zudem befristete Beschäftigungsverhältnisse beendet, 53 % die Zahl der Zeitarbeitnehmer reduziert.

Mittlerweile wird vor allem die inzwischen erleichterte Kurzarbeit genutzt, um den teilweise weitgehenden Produktionsstillstand auszugleichen. Zum Zeitpunkt der Umfrage (2.-7. April) waren schon in der Hälfte der Unternehmen Mitarbeiter in Kurzarbeit. Durchschnittlich waren dabei knapp Dreiviertel (72 %) der Beschäftigten in diesen Betrieben betroffen, die Arbeitszeit wurde im Schnitt um fast die Hälfte (47 %) reduziert. Allerdings plant derzeit auch mehr als die Hälfte dieser Betriebe (59 %) in den nächsten Wochen eine Ausweitung der Kurzarbeit. Hinzu kommt mehr als ein weiteres Drittel aller Betriebe (35 %), die in den nächsten Wochen mit Kurzarbeit beginnen will – so dass dann in Summe 85 % aller Betriebe dieses Instrument nutzen würden – sollte nicht eine Lockerung der Corona-Maßnahmen ein geringeres Ausmaß ermöglichen.

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Banken vor Debakel? Eine unsichtbare Lawine hat sich in Gang gesetzt!

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Banken in Frankfurt - für die Branche brechen harte Zeiten an

Die Banken profitieren ganz aktuell sogar ein klein wenig von der Coronakrise. Wie das geht? Nun, der Staat haftet ja über die KfW zu 90 Prozent, und sogar ganz frisch zu 100 Prozent für einige Kredite, welche die Banken an eine sehr große Zahl an Unternehmen und Kleinstunternehmer herausreichen. Risikolos Geld verleihen, und dafür auf den KfW-Zins noch ein klein wenig Marge drauf schlagen. So lässt sich jetzt der ein oder andere Euro risikolos verdienen für die Banken. Aber das ist wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Banken vor einer Lawine von Kreditausfällen

Da hat sich nun im Zuge der Coronakrise eine unsichtbare Lawine in Gang gesetzt. Sie rollt auf die Banken mit voller Wucht zu, aber sie ist noch nicht sichtbar! Die Lawine besteht aus Kreditausfällen. Der Bankenverband hatte schon gewarnt. Verluste müssen dann als Verluste aus dem Eigenkapital der Banken ausgeglichen werden. Somit wird das Eigenkapital der Banken in Deutschland, aber wohl noch mehr im europäische Ausland, erodieren! Es ist das Szenario des Markus Krall, das nun wohl Fahrt aufnimmt. Er predigte schon seit gut zwei Jahren, dass es eine gewaltige Masse an Zombieunternehmen in Deutschland gäbe – dies seien eigentlich kaputte Unternehmen, die nur noch deswegen überleben würden, weil sie für Kredite dank der Nullzinsen nun keine Finanzierungskosten mehr zahlen müssten. Und jetzt kommt die Coronakrise.

Jetzt, wo die Wirtschaft auf breiter Front durch KfW-Kredite gestützt werden muss, verweigern die Banken den Unternehmen, die schon vor der Coronakrise Probleme hatten, den Zugang zu KfW-Krediten. Denn nur Unternehmen, die vor der Krise gesund waren, sollen in den Genuss der KfW-Kredite kommen. Und so sehen wir aktuell, wie Unternehmen wie Vapiano, Maredo, Appelrath Cüpper etc in die Insolvenz rauschen. Unternehmen wie Esprit oder Galeria Kaufhof Karstadt haben ein Schutzschirmverfahren angemeldet – man schützt sich vor den Gläubigern, hat aber noch nicht offiziell Insolvenz angemeldet. Diese Lawine der kaputten Unternehmen, die in dieser Wirtschaftskrise keine neuen Finanzierungen erhalten, dürfte sich fortsetzen.

Kredite jenseits der KfW-Garantien

Dann dürfte man doch eigentlich sagen: Hey, es ist doch gut, wenn die Banken diesen kaputten Unternehmen keine neuen Kredite geben? Ja, aber was kommt danach, Monate und Jahre nach der Krise? Durch die Insolvenzen müssen die Banken alte Kredite dieser Zombies ganz oder teilweise als Verluste abschreiben. Dazu kommt, dass in diesem Zombieunternehmen ja auch viele Menschen gearbeitet haben. Und die haben Autos und Häuser auf Kredit finanziert. Auch hier dürften Immobilienfinanzierungen oder normale Konsumkredite für Privatkunden bei den Banken notleidend werden. Auch dürfte die Banken ein aktuell erlassenes Gesetz belasten, wonach Verbrauchern Kreditzahlungen für drei Monate gestundet werden können, wenn sie belegen, dass sie derzeit Einnahmeausfälle haben. Also könnten hunderttausende Kurzarbeiter oder neue Arbeitslose erstmal ihre Kreditzahlungen aussetzen. Rein optisch wird den Banken durch die Aufsicht damit geholfen, dass ein Schuldner nicht zwingend als ausgefallen einzustufen ist, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden. Das hilft zwar für die Optik, aber Kreditausfall bleibt Kreditausfall.

Dadurch, dass viele gewerblichen Mieter nun Mietzahlungen aussetzen, oder aufgrund ihrer finanziellen Probleme gar nicht mehr leisten können, geraten auch diejenigen Vermieter in Finanznöte, die ihre Immobilienprojekte standardmäßig voll auf Kredit erstellen. Auch sie können womöglich schon bald ihre Kreditraten an die Banken teilweise nicht mehr bedienen. Dies schwächt die Bücher der Banken! Positiv ist natürlich zu erwähnen, dass die Banken beim neuen KfW-Schnellkredit kein Ausfallrisiko tragen müssen. Aber drum herum, da rollt im Stillen auf die Banken eine riesige Welle von anstehenden Kreditausfällen zu, von Unternehmen und Privatpersonen.

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Tourismus: Die Reisebranche zeichnet ein depressives Bild

Die Reisebranche befindet sich wegen der Coronakrise im freien Fall: Wie schnell und wie stark sich der Tourismus wiederbeleben wird, ist momentan ungewiss

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Wegen massenhafter Stornierungen, ausbleibendem Neugeschäfts, Betriebsstillstände, Liquiditätsengpässen und drohenden Insolvenzen befindet sich die Reisebranche im freien Fall: Wie schnell und wie stark sich der Tourismus wiederbeleben wird, ist momentan ungewiss.

Der Tourismus leidet besonders heftig unter der Corona-Krise

Man konnte es schon ahnen, als die Zahlen zum Passagieraufkommen für den Monat März ins bodenlose stürzten. Um 90 Prozent brach der Linienverkehr mit Passagiermaschinen ein. Die nach Ryanair zweitgrößte Fluggesellschaft Europas, die Lufthansa-Group, rechnet nicht mit einer schnellen Erholung des Luftverkehrs und beendete gestern die Geschäftstätigkeit der Tochtergesellschaft Germanwings. Der Flugbetrieb wurde mit sofortiger Wirkung eingestellt. Die Fluggesellschaft aus Köln mit 30 Flugzeugen und rund 1.400 Beschäftigten fliegt seit Jahren nicht mehr unter eigenem Namen, sondern ausschließlich für Eurowings. Darüber hinaus sollen laut Lufthansa weitere Einsparungen vorgenommen werden und auch etliche Flugzeuge anderer Teilgesellschaften stillgelegt und die Verwaltung deutlich verkleinert werden.

Der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa-Group Carsten Spohr geht davon aus, dass es noch Monate dauern wird, bis die globalen Reisebeschränkungen vollständig aufgehoben werden, und noch Jahre, bis das Volumen des weltweiten Tourismus und die Nachfrage nach Flugreisen das Niveau von vor der Corona-Krise wieder erreichen. Das sind keine guten Nachrichten für die Reisebranche insgesamt.

Die Zahlen aus der Reisebranche sind schockierend

Die jüngst von der Industrie und Handelskammer im Rahmen einer Umfrage vom 24. bis zum 26. März in der Gastronomie sowie in der Reisebranche erhobenen Daten zeigen die ganze Dramatik im Tourismus: 82 Prozent der deutschen Reisewirtschaft ist aktuell komplett stillgelegt. 80 Prozent klagen über Auftragsstornierungen. 55 Prozent der Betriebe sind mit Liquiditätsengpässen konfrontiert und 38 Prozent sind trotz staatlicher Hilfsmaßnahmen akut von Insolvenz bedroht.

Noch dramatischer schlägt sich der Lockdown im Tourismus und die Quarantänemaßnahmen in den Zahlen des Gastgewerbes nieder: 91 Prozent des Gaststättengeschäfts findet momentan nicht mehr statt. Zwei Drittel aller Reservierungen wurden storniert. 59 Prozent der Branche leiden unter Liquiditätsengpässen und 40 Prozent sind bereits jetzt von Insolvenz bedroht.

Insgesamt rechnen 94 Prozent der Unternehmen aus der Reisebranche mit Umsatzrückgängen, null Prozent mit Umsatzsteigerungen. Sechs Prozent der Befragten können die Folgen noch nicht abschätzen. Im Gastgewerbe rechnen 90 Prozent der Betreiber mit Umsatzrückgängen und ebenfalls null Prozent mit Umsatzsteigerungen.

In der Konsequenz werden im Tourismus hierzulande massiv Arbeitsplätze abgebaut. Zwei Drittel der Befragten aus der Reisebranche gaben an, ihr Personal reduzieren zu müssen. Im Gastgewerbe sind es sogar 71 Prozent. Allein im Gastgewerbe waren laut Statista im Jahr 2019 im Schnitt 1,1 Mio. Menschen beschäftigt. Im Tourismus insgesamt sind es laut Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft über 3 Mio. Arbeitsplätze. Die Branche trägt mit über 100 Mrd. Euro zur Wertschöpfung unseres Landes bei, das sind ca. 4 Prozent des deutschen BIP.

Rückerstattung oder Gutschein und die Angst vor der zweiten Welle

Um die Unternehmen der Reisebranche zu schützen arbeitet die Bundesregierung an einem Gesetz, dass die Verbraucherrechte einschränken soll. Anstelle von Rückerstattungen in Bar bei fristgerechneten Stornierungen müssen Reisende dann Gutscheine der Reisebüros, Reiseveranstalter, Hotels oder Fluglinien akzeptieren. Die Gutscheine sollen für alle Buchungen gelten, die vor dem 8. März getätigt wurden. Wie die Gültigkeit der Gutscheine auch im Falle einer zwischenzeitlichen Insolvenz gewährleistet werden soll, ist noch nicht im Detail geklärt. Denkbar ist ein Hilfsfonds, der dann einspringt, wenn die Gutscheine wegen Zahlungsunfähigkeit des Reisedienstleisters ihren Wert verlieren. Für solch eine Gutschein-Lösung muss allerdings auch EU-Recht im Bereich des Verbraucherschutzes geändert werden.

Seit Bekanntgabe dieses Gesetzesvorhabens am 2. April sind die Stornoquoten nochmals angestiegen und Kunden von Reisebüros fordern die sofortige Rückzahlung der bereits geleisteten Anzahlungen in Bar. Diese Situation bringt vor allem kleine und mittelgroße Reisebüros, Reiseveranstalter, Hotels und Ferienflieger in akute Liquiditätsnot. Zumal die Anzahl der Neubuchungen im April weiter Richtung null absinkt.

Damit fällt ein großer Teil der Buchungen für die Hauptreisesaison für die Reisebranche weg. Ob der Tourismus sich dann im Herbst wieder vollständig erholt, wie es die Konjunkturforscher der großen Wirtschaftsinstitute erwarten, ist ebenfalls nicht sicher. Erfahrungsgemäß folgt statistisch fünf Monate nach der ersten Pandemiewelle eine zweite, weniger stark ausgeprägte Welle. Die jetzige Erfahrung mit Ausgangsbeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und Reiseverboten dürfte die Neigung der Kundschaft zur Buchung von Flügen und Hotelaufenthalten allerdings stark dämpfen.

Fazit und Ausblick für Tourismus und Reisebranche

Für die Gesamtwirtschaft rechnen die deutschen Konjunkturforscher in einer heute vorgestellten Gemeinschaftsprognose mit einem Einbruch der Wirtschaft unseres Landes in Höhe von lediglich 4,2 Prozent für das laufende Jahr. Vergleicht man diese optimistisch erscheinende Prognose mit dem Konjunktureinbruch im Zuge der Lehmann-Krise im Jahr 2009 in Höhe von -5,7 Prozent (gemäß Statista), dann wird es sehr wahrscheinlich wie in jedem Jahr noch reichlich Revisionen bei den Prognosen geben – vermutlich gen Süden.

Für den Tourismus und die Reisebranche könnte die Corona-Pandemie durchaus länger anhaltende Folgen haben. Zum einen wird es zu einer signifikanten Marktbereinigung kommen, die nach einer Preisdelle mittelfristig zu steigenden Preisen führen kann. Auf jeden Fall kommen auf die Unternehmen der Branche neue Bestimmungen zu, wie zum Beispiel noch höhere Hygieneauflagen, größere Abstände zwischen den Flug- und Speisegästen sowie aufwendige Desinfektionsmaßnahmen nach jedem Flug oder in Bussen, Bahnen und Mietwagen. Das wird zumindest vorübergehend die Marge belasten oder die Kosten für Reisende erhöhen.

Der Tourismus und die Reisebranche stehen vor schweren Zeiten

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