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Bankenverband appelliert an die EZB wegen Zinsen und Inflation

Claudio Kummerfeld

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Bankentürme in Frankfurt - Bankenverband appelliert an EZB

Der Bankenverband (Bundesverband deutscher Banken) appelliert aktuell an die Europäische Zentralbank, sich doch bitte konkreter Gedanken zu machen, vor allem über das Thema Negativzinsen. So lautet auch die Überschrift ihres Papiers „Negativzinsen treffen Banken und Kunden gleichermaßen“. Denn die Banken verlieren ihre Zinsmarge, und die Kunden mit Geldeinlagen haben bei Nullzinsen nach Abzug der Inflation einen realen Wertverlust. Gut, die Kreditkunden sind die Gewinner in diesem „Spiel“, aber lassen wir das jetzt mal bei Seite.

Man denke da gleich wieder an die (bösen?) Worte von Markus Krall. Nullzinsen entziehen denken Banken ihre Verdienstgrundlage (Zinsmarge futsch). Und oben drauf noch die Negativzinsen bei der EZB, welche die Banken für überschüssige Liquidität (mehr Kundeneinlagen als an Kunden ausgegebene Kredite) zahlen müssen? Das koste alleine die deutschen Banken jährlich 2 Milliarden Euro. Auch diesbezüglich appelliert der Bankenverband an die EZB, dass man die Banken von diesem Kostenfaktor befreien solle, wie es in Japan schon zu 90% gemacht werde. Zitat Bankenverband:

Dabei seien die unerwünschten Effekte von negativen Leitzinsen besonders einschneidend: „Die Nebenwirkungen der Negativzinsen stellen die Effizienz der Geldpolitik infrage. Sie treffen Banken und Kunden gleichermaßen. Wir sitzen hier in einem Boot mit unseren Kunden.“ Die Belastung durch Negativzinsen auf die Bankenbranche sollte laut Positionspapier über den Staffelzins entschlossener reduziert werden. In Japan werden gut 90 Prozent der Überschussliquidität vom Negativzins freigestellt. Im Euroraum sind es zurzeit weniger als 50 Prozent. Ossig: „Nach wie vor zahlen europäische Institute jährlich rund 5 Milliarden Euro Sondersteuer an die EZB, die deutschen Banken müssen davon fast 2 Milliarden Euro tragen. Wir appellieren daher an die EZB, die Sonderlasten, die durch den Negativzins für die Banken und deren Kunden entstehen, so umfassend wie möglich zu reduzieren.“

Auch hat der Bankenverband etwas zum relativ starren Inflationsziel der EZB zu sagen. Zitat:

„Die EZB hat ihr selbst gestecktes Preisziel schleichend zu einem Punktziel von 1,9 Prozent verengt. Auf Unterschreitungen dieses Zieles hat sie zu mechanistisch reagiert“, sagte Ossig. Die Geldpolitik sei jedoch kein wirtschaftspolitisches Präzisionswerkzeug. Ossig empfiehlt eine größere Flexibilität der EZB: „Der teilweise von der Notenbank selbst erzeugte Handlungsdruck könnte durch einen Korridor für die anzustrebende Preisentwicklung verringert werden.“ Ein Band zwischen ein und zwei Prozent erscheine sinnvoll.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Katja Wohmann

    13. Januar 2020 18:37 at 18:37

    Dass für die Banker der EZB kein Intelligenztest vor der Einstellung vorgeschrieben war wie es z.B. für eine Verkäuferin schon fast alltäglich ist, zeigt warum ihr Modell auf dem Papier in der Praxis bei Fachleuten auf kein wirkliches Verständnis gestossen ist.

    • Avatar

      Zimmer

      14. Januar 2020 08:13 at 08:13

      Absolut Ihrer Meinung !!

  2. Avatar

    Marko

    13. Januar 2020 19:12 at 19:12

    Also ‚herr Kummerfeld das überrschasst mich so a bisserl, jetzt ist NICHT die FED der allein entscheidende Faktor, das hier wurde realtiv „hart“ verteideigt ? Oder ?

    „Der Bankenverband (Bundesverband deutscher Banken) appelliert aktuell an die Europäische Zentralbank, sich doch bitte konkreter Gedanken zu machen, vor allem über das Thema Negativzinsen. So lautet auch die Überschrift ihres Papiers „Negativzinsen treffen Banken und Kunden gleichermaßen“

    Und das ist vieles, aber nicht gehässig gemeint, na klar bin ich ein „Mega-Bulle“ und muss hier Kritik einstecken, ist doch o.k.

    Ja aber, meine lieben (Bären-) Freunde, bitte seht das, was ich hier mache mit a bisserl Humour, ich wollte Euch niemals beleidigen.

    aber eines sollte Euch doch klar sein, bei einem EUr-Stand von 1,10 , der sollte, sollte , sollte schon mal überdenken, wer Lehman beenden kann oder könnte, jederzeit, wann er das will…

    euch bären sollte klar sein, dass sich hier ein ziemlicher Druck aufgebaut hat, durch den Brexit, durch die äußerst defensive Verhaltensweise der EZB. Das sind Fakten !

    aber gut liebe Bären..

    viel pass noch mit dem Aktienmarkt, den Negativzinsen, dem Bufu dem ‚Brexit usw..

  3. Avatar

    Marcus

    13. Januar 2020 20:40 at 20:40

    Wieder mal ein klassischer Jammer-Brief vom Bankenverband. Die Null und Negativzinspolitk wird immer gefährlicher und verschärft die Lage des deutschen Bankensystems drastisch, da die Zinserträge immer massiver erodieren. Auch eine Freistellung von Negativzinsen wird den Banken nichts nützen, weil sie das grundlegende Problem nicht beheben: Die Abschaffung der Fristentransformation und die Abhängigkeit vom Zinsgeschäft!

  4. Avatar

    Quintus

    14. Januar 2020 07:03 at 07:03

    Wer sich hierzu noch ein paar Informationen holen möchte:
    https://m.youtube.com/watch?v=KtGz4-W3twk&feature=youtu.be
    Dr.Markus Krall
    Dr. Norbert Häring
    Thomas Mayer
    sowie Max Otte
    an einem Tisch, in einer ausgedehnten, teilweise unerwartet konträren, Diskussion(2:47h)womit wir im Jahr 2020 sowohl wirtschaftlich als auch (daraus resultierend) politisch rechnen müssen.

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Arbeitsmarkt nach Corona: Mehr Staatswirtschaft, weniger Industrie

Redaktion

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Büro-Arbeitsplatz

Verschwörungstheorie? Oder nur eine Vermutung? Das „übliche“ neo-liberale Gelaber, welches den Staat verteufelt, und vor noch mehr Staat warnt? Nein, offizielle staatliche Aussagen vom heutigen Tage zeigen, dass am deutschen Arbeitsmarkt in die Staatswirtschaft deutliche Stellenzuwächse erleben wird, während produzierende Betriebe nicht nur jetzt, sondern auch in 2021 weiter Stellen abbauen wird.

Staatswirtschaft im Aufwind, Industrie im Rückzug?

De facto heißt das: Die Angestellten in der Privatwirtschaft müssen (insgesamt gesehen) durch Steuern und Abgaben immer mehr, mehr und noch mehr erwirtschaften und abführen, damit die immer größere Zahl der Arbeitsstellen im Rahmen der Staatswirtschaft auch bezahlt werden kann! Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihre Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt für die Jahre 2020 und 2021 veröffentlicht. Und genau aus diesen Aussagen geht folgendes hervor, auszugsweise im Wortlaut:

Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut der IAB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, im Jahr 2021 könnte sie wieder um 100.000 zurückgehen.

Im Produzierenden Gewerbe gab es insbesondere im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Stellenabbau, der auch 2021 anhalten wird. Im Jahresdurchschnitt 2020 fallen hier 160.000 und 2021 nochmal 60.000 Stellen weg.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (jeweils +190.000 in beiden Jahren).

Wird man im Detail die Neueinstellungen bei Staat und öffentlichen Betrieben (zusammen nennen wir das mal die „Staatswirtschaft“) durchgehen, dann wird man im Einzelfall sicher sagen: Ja, diese neue Stelle ist sinnvoll, und die auch, und die auch, und die da… ja dieser neue Job bei dieser Behörde ist auch notwendig. Zum Beispiel mehr Polizisten, mehr Lehrer, mehr Personal für die Gesundheitsämter, mehr Personal für den Zoll für die Kontrollen bei Schwarzarbeit und Einhaltung der Vorschriften bei Fleischbetrieben, mehr Sozialarbeiter etc. Und so könnte man die Liste sicher endlos fortsetzen.

Nur irgendwer muss all das ja auch bezahlen, zusätzlich zu der immens steigenden Staatsverschuldung, die irgendwann ja auch irgendwer mal bezahlen soll. Unterm Strich, da darf man sich sicher sein, wird es heißen: Wir müssen leider, leider die Steuern erhöhen. Geht eben nicht anders? Oder wird man anstatt die Steuern raufzuschrauben, eher auf indirekte Steuern und Sozialabgaben setzen? Was der Bürger nicht so offensichtlich sieht, tut auch nicht so sehr weh?

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Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

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Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

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Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

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Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2021 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

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