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Bayer-Aktie: Ist das ein großes Kaufsignal?

Claudio Kummerfeld

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am

Letzten Donnerstag stieg die Bayer-Aktie um satte 9%. Was war passiert? Fortschritte in Sachen Glyphosat-Klagen in den USA? Nein, überhaupt nicht. Der Hedgefonds des hoch angesehenen und gefürchteten Profi-Investors Paul Singer ist mit 1,1 Milliarden Euro bei Bayer eingestiegen. Und zack, die Bayer-Aktie machte am Donnerstag den besagten Kurssprung. So groß ist die Euphorie der Börsianer. Doch warum? Denn Singer hat ja inhaltlich für Bayer als Unternehmen überhaupt gar nichts bewirkt.

Bring Singer die große Wende für die Bayer-Aktie?

Entscheidender ist die Phantasie, was er vor hat, und dass er überhaupt mit an Bord ist. Er hätte wohl kaum die Bayer-Aktie gekauft, wenn er von weiter fallenden Kursen ausgehen würde. Da wäre das Hauptthema Glyphosat-Klagen in den USA. Es ist ein jahrelanges Desaster in Aussicht, welches Milliarden oder Multi-Milliarden-Kosten für Bayer nach sich ziehen kann. Ausgang völlig unklar. Umso optimistischer kann man die Anwesenheit von Paul Singer bewerten. Glaubt er offenbar, dass Bayer zum Beispiel mit Vergleichszahlungen die Klagen relativ schnell aus der Welt schaffen kann? Das wäre ein denkbares Szenario.

Oder glaubt Singer, dass man den Bayer-Konzern in einzelne Sparten filetieren und aufspalten kann, um so einen echten Mehrwert für die Aktionäre schaffen zu können? Das ist auch ein realistisches Szenario. Auf jeden Fall verursacht die bloße Anwesenheit von Singer als Aktionär den blanken Horror für jeden Konzernvorstand. Denn Singer ist vom selben Kaliber wie der Angstmacher Nummer 1 an der Wall Street Carl Icahn. Am Anfang, nachdem man sich ein Aktienpaket gesichert hat, stellt man als aggressiver Investor erst mal freundlich einige Bitten an den Vorstand des Unternehmens.


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Der solle doch bitte die Effizienz steigern, zum Beispiel Mitarbeiter entlassen, Kosten senken, Dividenden und Aktienrückkäufe ausweiten usw. Spurt der Vorstand nicht, folgen öffentliche Drohungen bis hin zum Aufstand bei Hauptversammlungen, wo man versucht in den Aufsichtsrat zu kommen. Oft knicken Vorstände rechtzeitig ein um so ein Horrorszenario gar nicht erst Realität werden zu lassen. Kommt es bei Bayer ähnlich? Wird man in vorauseilendem Gehorsam den Laden auf Rendite trimmen, mit Brachialgewalt? Wird es durch Singers Investment dazu kommen, dass Bayer nun in allen Bereichen voll auf Rendite geht? Gut denkbar.

Aufspaltung von Bayer?

Schließlich hat Singer mit seinem Hedgefonds Elliott nach dem Einstieg bei Bayer schon mal klar gemacht, wo die Reise hingehen könnte. Man sei nämlich der Ansicht, dass der derzeit geringe Kurs der Bayer-Aktie den signifikanten Wert der einzelnen Geschäftsbereiche von Bayer beziehungsweise die bestehende Möglichkeit zur Schaffung von Werten von mehr als 30 Milliarden Euro nicht widerspiegele. Im Klartext: Spurt der Vorstand nicht, könnte Singer zusammen mit anderen unzufriedenen Investoren eine Aufspaltung von Bayer vorantreiben. Und unzufriedene Aktionäre dürfte es bei Bayer reichlich geben!

Am Wichtigsten ist für Bayer kurz- und auch mittelfristig die Lösung der Klageflut in den USA. Man kann theoretisch als Anleger darauf hoffen, dass das Bayer-Management sich nun dazu getrieben fühlt mit einem Milliarden-Betrag Kläger abzufinden, bevor sich die Prozesse ewig hinziehen. Hauptsache schnell das Thema erledigen, dann Dividende und Rückkäufe raufsetzen, und Paul Singer möglichst schnell wieder los werden? Denkbar ist das durchaus. Es ist natürlich ein gewagtes Szenario. Aber wer als Privatanleger dieses Wagnis mit gehen möchte, kann beim Blick auf das große Chartbild immer noch günstig in die Aktie einsteigen. Die Bayer-Aktie notiert jetzt nämlich auf dem selben Niveau wie vor der Finanzkrise. Die Kursgewinne aus der jahrelangen Hausse hat die Aktie in den letzten zwei Jahren dank der Monsanto-Übernahme wieder verloren.

Die „Große Unbekannte“ bleibt aber weiterhin: Wie teuer wird die ganze Glyphosat-Kiste insgesamt für Bayer? Es bleibt ein großes Risiko. Man muss sich als Anleger schon entscheiden, woran man glaubt. Erfolg oder Desaster? Im folgenden Chart haben wir seit dem Jahr 2003 die Bayer-Aktie (orange) verglichen mit dem Dax (schwarz). Bis 2017 lief die Entwicklung ziemlich parallel. Dann ab 2017 ging Bayer den Bach runter, und koppelte sich vom Gesamtmarkt ab.

Bayer-Aktie im Langfrist-Vergleich mit dem Dax

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Shong09

    2. Juli 2019 18:41 at 18:41

    Soweit ich weiss, ist der Hedgefonds bei Bayer schon vor ca. einem Jahr eingestiegen, also bevor die Aktie nochmals ihren 20% Fall an einem Tag letzten Sommer vollzogen hat. Sie haben es eben erst jetzt offiziell bestätigt, dass sie investiert sind, aber in Finanzkreisen in London und Frankfurt haben es wohl „die Spatzen vom Dach gepfiffen“.
    Dies ändert meiner Meinung nach die Situation sehr stark, denn es kann auch sein, dass sie die Nachricht schon zum teilweisen Ausstieg nutzen, weil sie merken, dass sie sich ien Stückweit verkalkuliert haben

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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