Bitcoin

Bitcoin: Können Staaten trotz Geldmonopol eine Parallel-Währung erlauben?

Der Preisanstieg von Bitcoin und anderer Kryptowährungen ist das tägliche Thema in den Wirtschaftsnachrichten. Als Elon Musk mit 1,5 Milliarden Dollar eingestiegen ist, schien es kein Halten mehr zu geben. Vor allem die Meldung, künftig den Bitcoin auch als Zahlungsmittel für den Kauf von Elektroautos akzeptieren zu wollen, „elektrisiert“ die Anleger. Wie lange können Staaten noch zusehen beim Entstehen eines zweiten Geldsystems?

Elon Musk, Genie und Wahnsinn

Die Entwicklungen um Tesla sind zweifelsohne große technische Meisterleistungen und werden mittlerweile weltweit kopiert. Selbst in deutschen Chefetagen von Automobilfirmen hat großes Umdenken eingesetzt, zweistellige Milliardensummen werden in die neue Antriebstechnik investiert. Aber ging es dem Unternehmer Musk als ökologischen Vorreiter nicht um Einsparung von CO2, wofür er sogar ein Preisgeld von 100 Millionen Dollar ausgesetzt hat, für Technologien in CO2-Bindungstechnologien? Wieso dann sein Engagement in Bitcoin, der so ziemlich ineffizientesten Technik zur Geldaufbewahrung? Dieser Begriff stammt von nicht von mir, sondern von der Universität Cambridge und ihrem Center for alternative Finance.

Jetzt hat Tesla 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin investiert, etwa 8 Prozent der liquiden Mittel des Konzerns, um Gewinne zu maximieren. Da man gleichzeitig die Bezahlung mittels der Kryptowährung erlauben will, schoss der Kurs des Bitcoin bis 20 Prozent in die Höhe, auf 46.000 Dollar…….., die Angabe des Wertes ist Minutensache und damit wird das Problem kaufmännischer Rechnungen schon überdeutlich.

Aber damit hat Musk ein Umweltproblem verschärft, welches er eigentlich mit seinen E-Autos entschärfen will. Der Stromverbrauch für das Mining von Bitcoin liegt nach Angaben von BitcoinEnergyConsumption.com bei 80 Terrawattstunden pro Jahr, nach Berechnungen der Universität Cambrigde noch deutlich höher. Bereits die 80 Terrawattstunden entsprechen dem gesamten Energieverbrauch von Finnland oder Belgien. Das Argument der erneuerbaren Energien ist nur ein schwaches, denn laut der Uni Cambridge kommt nur gut ein Drittel des Energiemix in den Bitcoinfarmen weltweit aus diesen Energien.

Jetzt kommt die Crux. Die Firma Tesla hat in den vergangenen Jahren nach eigenen Berechnungen 3,7 Millionen Tonnen CO2 eingespart und jüngst 1,6 Milliarden Dollar an Emissionszertifikaten eingenommen.

Doch die Investition in Bitcoin ließ den Preis so stark steigen, dass durch den Anstieg des Energieverbrauchs des Bitcoin-Netzwerks alle Einsparungen der Vorjahre ausgelöscht werden könnten, so die Wissenschaftler. Energie, die vorwiegend aus China stammt, aus Wasserkraftwerken, aber zu einem großen Teil auch aus den billigen Kohlekraftwerken. Darüber ist eine Riesendiskussion im Gange, über den Einsatz besserer Technik u.v.m.

Aber wenn es stimmen sollte, was die Wissenschaftler der Universität Cambridge berechnet haben, wäre der explosive und eventuell noch bevorstehende Preisanstieg ein Wahnsinn aus ökologischer Sicht.

Laut Berechnungen der Universität Cambridge soll sich der Stromverbrauch im Bitcoin-Netzwerk seit Anfang November mehr als verdreifacht haben. Ein Mehrverbrauch von sechs Terawattstunden pro Monat. Oder in anderen Zahlen: Bei dem Anstieg von 27.000 Dollar für diese Periode bedeuten 1000 Dollar Kursgewinn etwa 700.000 Tonnen mehr CO2-Emissionen pro Jahr.

Wie passt das alles zu den flammenden Appellen von Elon Musk beim Pariser Klimaabkommen 2015 zu der Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit Energie?

Bitcoin: Der Staat und seine Monopole

Bekanntermaßen hat der Staat nicht nur das Gewaltmonopol, sondern auch das Steuer- und Geldmonopol.

Wie groß also kann das Volumen der Kryptowährungen steigen, bis er einschreiten muss? Wenn er nicht eine Parallelwirtschaft akzeptieren will, mit Finanzströmen auf die er keinen Zugriff hat, obwohl er mit der Besteuerung das Gemeinwesen aufrechterhalten muss. Ob Bundes- und Landesregierungen, Militär, Polizei, Justiz, Zoll, Verfassungsschutz, Feuerwehr, Katastrophenschutz, allgemeine Verwaltungen, Gesundheitswesen, Universitäten, Schulen, Kitas, das gesamte Sozialwesen, die Liste der Leistungsverwaltung ist lang und ohne funktionierendes Staatswesen würde ein Land kaum funktionieren. Man sieht es jetzt in der Pandemie, bei allen Mängeln, wie wollte man den Schaden einer Pandemie auch nur annähernd ohne die Zusammenarbeit verschiedenster Behörden in den Griff kriegen?

Dieses Funktionieren wird finanziert aus den Abgaben der Bürger und der Unternehmen. Deshalb kann der Fiskus keine Schattenwirtschaft tolerieren, in der größere Geldbeträge außerhalb des staatlichen Zugriffs bewegt werden. Natürlich gibt es so etwas seit ewigen Zeiten im Bereich der Kriminalität, aber welches Finanzvolumen kann der Staat im Bereich der Kryptowährungen so einfach tolerieren? Diese haben bereits den Billionen-Dollar-Bereich überschritten. Allein der Bitcoin bringt es auf über 800 Milliarden Dollar – wann erreicht das Finanzvolumen eine für den Staat nicht mehr tolerierbar Größe?

Sicherlich ist für den Staat das Thema Kryptowährung sehr interessant. Als Dollar- oder Eurocoin, das staatliche Geldmonopol wäre über die Notenbanken gewahrt, zusätzlich hätte man noch besseren Zugriff auf die Konten. Aber wie soll so etwas mit dem Bitcoin funktionieren? Ein großer Vorteil der Kryptowährung ist die Anonymität der Konten und der fehlende Zugriff des Staates. Gerade diese Idee müsste aufgehoben werden, wenn man den Bitcoin offiziell als Zahlungsmittel akzeptiert (ungeachtet der Ungeeignetheit des Bitcoin für viele Transaktionen in kurzer Zeit).

Dabei geht mir stets folgender Gedanke durch den Kopf: Wenn es stimmt, dass die großen Bestände von Bitcoins sich in den Händen von wenigen Prozenten „Walen“ befinden – wurde der Bitcoin nicht auch in der Schattenwirtschaft benutzt? Was wäre, wenn ein Drogen- oder Waffenhändler 2010 zu den damaligen Kursen ein größeres Geschäft getätigt hat und das Geld entsprechend bunkert? Damit ist bereits eine mittlere Summe um das 100.000-fache gestiegen. Was passiert mit den Riesensummen der Wale, die in den letzten Monaten noch einmal explodiert sind? Hat sich nicht die neue Finanzministerin Janet Yellen schon kritisch zu dem Problem der Schattenwirtschaft geäußert? Wer kennt nicht schon Firmen, die Erpressungsgelder über Bitcoins haben begleichen müssen. Bei jeder weiteren Kurssteigerung wachsen ältere Bitcoinbeträge ins Gigantische.

Was also werden die Staaten tun, insbesondere der chinesische, der sicherlich kein zweites Geldsystem akzeptieren wird? Den Hype um den Bitcoin weiter ignorieren und darauf hoffen, dass er sich nach Einführung eines staatlichen Coins selbst marginalisiert? Oder ihn als Zahlungsmittel akzeptieren und versuchen das Abgabesystem mit der Umverteilung der Vermögen fortzusetzen? Als Geldaufbewahrungsmittel ja, aber was würde es bedeuten, wenn der Staat keine Steuern mehr auf Erträge bekäme, auf Käufe und Verkäufe, weil diese anonym bleiben? Ginge überhaupt nicht, schon aus rechtlichen Gründen müsste das Abgabensystem so funktionieren wie bei FIAT-Money.

Fazit

Tesla und Bitcoin, die Highflyer der Investmentszene in den letzen Monaten mit ihren exponentiellen Preisanstiegen, sind jetzt auch in Interaktion getreten. Ob damit etwas Stabilität generiert wird, steht auf einem anderen Blatt. Tesla wird bei einer Akzeptanz der Kryptowährung in Abhängigkeit geraten von deren erratischen Kursschwankungen – und der Bitcoin kann nicht darauf hoffen, dass er ab einer gewissen Marktgröße auf sein Merkmal Anonymität bauen kann. Wie viele Millionen Staatsdiener sind weltweit im Einsatz, um zu gewährleisten, dass Steuern eingetrieben und Geldwäsche unterbunden wird? Wird man unkontrollierte Geschäfte mit immer teureren Kryptowährungen und anonymen Eigentümern in Billionenhöhe unreguliert zulassen?

Auf keinen Fall können die Staaten auf Dauer untätig bleiben, sollten die Kursziele bei Bitcoin wirklich erreicht werden, die von den großen Bitcoinfans ausgerufen werden. Vergessen wir nicht: Das Welt-BIP betrug vor der Corona-Krise gerade einmal 86 Billionen Dollar. Da kann man nicht einen zweiten Billionenmarkt tolerieren, der an den staatlichen Geldmonopolen vorbeiläuft!

Je größer Bitcoin wird, umso weniger können Staaten die Gefahr einer Parallelwährung dulden



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4 Kommentare

  1. Die Problematik beim Bitcoin mit der Untergrabung der Steuerpflicht sehe ich ehrlich gesagt nicht wirklich. Man muss folgendes Bedenken. Der Bitcoin mag zwar mehr oder weniger Anonym sein. Das beschränkt sich jedoch nur darauf, dass dieser immer im selben Buchungskreislauf verharrt. Sprich, man ihn nicht in eine gesetzliche Währung konvertiert. Wenn aber der Staat bei der Steuer nur das gesetzliche Zahlungsmittel akzeptiert, muss eine Privatperson und besonders ein Unternehmen die Steuern in der gesetzlichen Währung begleichen. Also muss ich, um den Bitcoin im gewöhnlichen Wirtschaftsverkehr nutzen zu können, diesen konvertieren. Und an dieser Schnittstelle endet die Anonymität.

    Und ein Verbot könnte auch indirekt durchgesetzt werden. Der Staat verbietet es diversen Banken bzw Kryptobörsen Bitcoins der Inhaber in ein gesetzliches Zahlungsmittel zu konvertieren. Und schon sind diese faktisch nutzlos für den Inhaber, außer vielleicht im Darknet. Aber so ein Vorgehen würde das Interesse am Bitcoin massiv schaden und ein Kapitalabfluss würde stattfinden. Also so vollkommen unmöglich ist das eben nicht. Und noch ein Problem entsteht durch den Bitcoin. Eine Massive Vermögensungleichverteilung findet statt. Investoren, die früh genug in den Markt gegangen sind, bekommen unverschämt hohe Vermögenszuwächse, quasi risiko- und leistungslos. Und finanziert wird das durch die vielen Kleinanleger die jetzt auf de Zug aufspringen.

  2. Ein bessere Beispiel für die völlige Entartung im Finanzbereich zu reinen Luftnummern gibt es nicht.

  3. Wieder jemand der schlicht nicht kapiert das Bitcoin keine Währung ist, sondern ein reines Spekulationsobjekt. Für mich sogar die reinste Form von Spekulation überhaupt. Heiße Luft, die noch nicht mal heiße Luft enthält. Daran ändert auch nichts das Leute damit „reich“ werden. Übrigens reich sind sie erst, wenn sie die Gewinne auch realisiert haben. Schließlich ist jede Spekulation nichts anderes als Vermögensumverteilung. Das Geld ist halt nicht weg, es hat nur jemand anderes.

    Mit Bitcoin kann man weder Steuern noch Abgaben bezahlen. Und auch sonst dürfte es äußerst schwierig werden, Güter damit zu kaufen. Ich bin auch mal gespannt ob es Kreditgeber gibt, die Bitcoins als Sicherheit für eine echten Kredit akzeptieren würden.

    Eine „digitale“ Staatswährung ist auch keine „Konkurrenz“ zum Bitcoin, sondern lediglich eine Rationalisierungsmaßnahme finanzieller Transaktionen. Sie ändert aber den Charakter des Geldes nicht. Allerdings hat sie technisch den enormen Vorteil alle Zahlungsvorgänge für den Staat vollkommen transparent und damit kontrollierbar zu machen. Sozusagen die monetäre Sklavenleine.

    Und immer wieder diesen Unfug mit dem „FIAT-Money“ auf einer seriösen Finanzpublikation zu lesen ist schon ärgerlich. Also ein ganz klein wenig Basiswissen kann man da schon erwarten.

    Kreditgeld, das die Geschäfts- und Zentralbanken herausgeben ist keineswegs „ungedeckt“. Ich empfehle einfach mal allen Lesern zu versuchen einen unbesicherten Kredit für eine Immobilie oder auch nur ein Autokredit zu bekommen.
    Unbesicherte Kredite gibt es nur in extrem limitierter Form und dann zu extrem hohen Zinsen. Die eigentliche Frage ist lediglich, wie viel die Besicherung tatsächlich wert ist.

    Jetzt wird bestimmt jemand fragen, wodurch den Staatsanleihen besichert sind, da ich normallerweise bei einer Staatspleite keinen Gerichtsvollzieher vorbeischicken kann, der z.B. mal 10 km Autobahn beschlagnahmt. Bei Staaten ist die Besicherung das Produkt aus Wirtschaftskraft und der Fähigkeit des jeweiligen Staates die entsprechenden Summen aus seiner Bevölkerung herauszupressen. Anders ausgedrückt: Staaten „verpfänden“ ihre Bürger.

    So lange das klappt ist eine Währung stabil. Erst wenn sich zeigt das diese Werthaltigkeit nicht mehr gegeben ist kommt eine Währung ins rutschen. Der Grund dafür ist dass dann alle Anfangen gegen die Währung zu spekulieren und die Zentralbank kann da nicht mehr gegenhalten. Das (und erst das) löst eine Hyperinflation, also einen Währungskollaps aus. Was nichts anderes bedeutet als das die Währung ihre Geldfunktion nicht mehr erfüllen kann.

    Das hat übrigens mit der Geldmenge überhaupt nichts zu tun. Die kann unbeschränkt steigen.

    Ein echtes Problem stellt dagegen der 0 Zins dar. Denn der nimmt die Steuerungswirkung aus dem Wirtschaftssystem und führt zu einer systematischen und permanenten Fehlallokation von Mitteln. Was realwirtschaftlich bedeutet, dass immer mehr Dinge produziert werden die keiner braucht, was automatisch zu einer sinkenden Produktivität und damit zu einer breiten Verarmung führt. Aber nicht unbedingt zu Arbeitslosigkeit. Die Leute „produzieren“ dann halt nur noch Dinge die einfach niemand braucht.

  4. @Martin
    “ Investoren, die früh genug in den Markt gegangen sind, bekommen unverschämt hohe Vermögenszuwächse, quasi risiko- und leistungslos. Und finanziert wird das durch die vielen Kleinanleger die jetzt auf de Zug aufspringen.“

    Vollkommen richtig. Aber das ist der Zweck JEDER Spekulation.

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