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Börse: Trumpfkarte und Gefahr für Trump

So dürfte das Motto der Börse bis zur US-Wahl nicht nur lauten: It’s the economy, stupid, sondern eher: It’s the stock market, stupid!

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Sie kam wie nach Ansage, diese Jahresendrally an der Börse – das Umfeld ließ den Großinvestoren fast keine andere Wahl: Ein handzahmer Donald Truump ohne Droh-Tweets, eine Notenbank, die täglich die Märkte flutet, ein überragendes Aktienjahr, bei dem die bonusabhängigen Geldverwalter den hohen Jahresultimo herbeisehnen und eine Statistik, die ihnen für den letzten Handelsmonat an der Börse in die Hände spielte. Denn wann hatte es schon, ohne externen Schock, ein Ausbleiben der Santa Claus Rally gegeben – nach einem so starken Börsenjahr?

Börse: Die stärksten Aktienmärkte 2019

Es sind nur noch wenige Handelsstunden vor dem endgültigen Schließen der Bücher, der Dax hat seine Schlussauktion schon heute um 14:00 Uhr, während an der Wall Street noch an Silvester gehandelt wird. Deshalb kann noch nicht endgültig bilanziert werden. Dennoch ist es mehr als deutlich ersichtlich, welche Wirkung billiges Geld an der Börse hatte. Hier ein kleiner Überblick mit der bisherigen Rangliste der Börsen kurz vor Jahresultimo:

ATHEX Composite Griechenland plus 53 Prozent
RTS Russland plus 38 Prozent
Bovespa – Brasilien plus 37 Prozent
CSI 300 China plus 34 Prozent
MIB 40 – Italien plus 31 Prozent
S&P 500 – USA plus 30 Prozent
CAC 40 – Frankreich plus 29,5 Prozent
Dax plus 26 Prozent (Kurs-Dax plus 22 Prozent)
Nikkei – Japan plus 19 Prozent

Diese Steigerungen entstanden zum großen Teil ohne ein zugrunde liegendes Wachstum, einfach aus der Erwartung, dass die starken Zinssenkungen 2020 zu einem Anziehen der Konjunktur führen werden.

Der unglaubliche Börsen-Hype in den USA

Wenngleich die USA mit ihren 30 Prozent Anstieg in der Börsenliga nicht ganz oben landen werden, so ergibt sich ein anderer Eindruck, wenn man die absoluten Zahlen betrachtet und die Hintergründe, wie das beste US-Aktienjahr seit 1997 zustande kam.

Den großen Vogel in diesem Jahr – in absoluten Zahlen gerechnet – schoss dabei zweifelsohne Apple ab. Die Aktie stieg seit Jahresbeginn über 80 Prozent im Wert auf eine Marktkapitalisierung von 1,27 Billionen Dollar, was 1,145 Billionen Euro entspricht. Apple wird damit fast so hoch bewertet wie alle 30 Dax-Aktien zusammen, die es gerade auf eine Marktkapitalisierung von 1,306 Billionen Euro schaffen.

Hier kann man bereits erahnen, welchen Sprung der Wert von Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway erreichen wird, die mit Apple den größten Anteil im Portfolio aufgebaut hat. Er hat 2016 mit dem Ankauf dieser Aktie begonnen und den Bestand sukzessive und zu wesentlich niedrigeren Kursen auf 254 Millionen Aktien (Ende Q3 2019) gesteigert. Diese Stückzahl wäre derzeit mit einem Wert von etwa 290 Dollar oder 260 Euro zu multiplizieren.

Die Performance ist dabei nicht auf steigende Gewinne seit zwei Jahren zurückzuführen – nein, diese stagnierten vielmehr, sondern auf das gigantische Aktienrückkaufprogramm von weit über 100 Milliarden Dollar (327 Milliarden Dollar seit 2009!). Wie ungesund die Konzentration für die US-Börsen schlussendlich ist, zeigt auch die Analyse des Anstiegs des Tech-Index Nasdaq 100. Fünf Aktien haben über 50 Prozent der Gewinne in diesem Index erzielt, zwei Aktien stehen bereits für 35 Prozent der Performance.

Donald Trumps Aktienmarktbilanz

US-Präsident Trump wird nicht müde, die Entwicklung der Aktienmärkte mit seiner Regierungsarbeit zu verknüpfen. Die Performance der Wall Street gibt ihm (derzeit) noch Recht. Diese Stärke wird aber zugleich zu seiner Achillesferse. Denn die schuldenfinanzierte und defiziterhöhende Steuerreform hat einen „Aktien-Hype“ erzeugt, der schon aus finanzmathematischen Erwägungen nicht beliebig fortführbar ist.

Seit Beginn seiner Amtszeit ist die Marktkapitalisierung der Wall Street um sagenhafte 8,6 Billionen Dollar gestiegen, dies entspricht fast dem siebenfachen Wert aller 30 Dax-Aktien.

Die Steuerreform 2017 hat einen einmaligen Gewinnschub der großen Unternehmen erzeugt, der nicht zu wiederholen ist. Im mit Abstand größten Aktienindex der Welt, dem S&P 500, haben im Jahr 2018  91 von 500 Unternehmen gar keine Steuern bezahlt, bei 379 lag der Steuersatz bei gerade mal 11 Prozent. Ein Gigant wie Amazon bekam vom Staat in jenem Jahr sogar noch Steuern aus der Staatskasse zurückbezahlt. Dadurch musste gerade zwangsläufig das Haushaltsdefizit um 66 Prozent nach oben explodieren.

Kurzum: Wenn jetzt das Wachstum in den USA nicht wieder anzieht, wird man die großen Vorschusslorbeeren an Trumps Benchmark auspreisen. Noch bekommen die Märkte gewaltige Unterstützung durch die Federal Reserve und deren Liquiditätszufuhr. Deren Repo-Markt-Interventionen plus den Käufen von kurzfristigen Staatsanleihen haben seit Ende Oktober bereits die Hälfte der über zwei Jahre andauernden Bilanzreduzierung rückgängig gemacht.

Der „Sugar Rush“ an den Aktienmärkten ist zugleich Donald Trumps große Trumpfkarte, aber auch sein Damoklesschwert. Er wird im Wahljahr mit einer unglaublich schweren Last zu tun haben: nicht die Bedrohung durch die Demokraten, sondern eher die Wall Street könnte ihm gefährlich werden.

Die US-Börsen haben auch am Dienstag geöffnet und im Verlauf der ersten Woche 2020 kommen viele Einkaufsmanagerindizes, aus China, Europa und den USA. Man erwartet ein Anziehen der Konjunktur im Verlauf des neuen Jahres, so dass es zum Schließen der Schere zwischen Aktienbewertung und Aktiengewinnen kommen soll. Viel Positives ist bereits eingepreist. Die Unternehmen müssen in Q1 2020 liefern, der Fed-Put hält nicht ewig und bei Gewinnenttäuschungen quittiert man an der Wall Street enttäuschte Erwartungen schon mal locker mit zweistelligen Kursverlusten.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

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12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    Marc

    30. Dezember 2019 11:42 at 11:42

    Die Kurssteigerung von Apple ist durch die gigantischen Aktienrückkäufe bedingt und nicht durch Gewinne. Die stagnieren. In meinen Augen eine ungesunde Entwicklung.

    • Avatar

      Marc

      30. Dezember 2019 11:49 at 11:49

      Sorry, dieser Kommentar war ein Lapsus.

  2. Avatar

    Torsten

    30. Dezember 2019 12:08 at 12:08

    Apple hat nicht nur Aktien mit den Gewinnen zurück gekauft sondern mehr als 100 Mrd Dollar neue Schulden aufgenommen.

    Wenn Unternehmenschefs 10 mal mehr Geld durch Aktienoptionen als durch das schon sehr hohe Gehalt bekommen interessiert nicht mehr die Zukunft des Unternehmens sondern die Aktienkursentwicklung.

    Wie der Apfel schmeckt ist egal, Hauptsache so groß wie ein Kürbis. :))

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      Lausi

      30. Dezember 2019 19:05 at 19:05

      Nicht zu vergessen, dass Eva schon mit einem sehr viel kleinerem Apfel aus dem Paradies geflogen ist :-) Wohl nicht von ungefähr haben die sich das Sündenfall-Symbol als Firmen-Logo ausgesucht. Nomen est omen?!

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    Torsten

    30. Dezember 2019 12:54 at 12:54

    zum letzten Post:
    Apple’s total liabilities for the quarter that ended in Sep. 2019 was $248,028 Mil.

    Kurz und langfristige Verbindlichkeiten zusammen, langfristige sind um die 100 Mrd USD.

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    Zimmermann

    30. Dezember 2019 15:00 at 15:00

    Also ich kann den dargestellten Pessimismus in dem Artikel nicht ganz nachvollziehen.

    Welche finanzmathematischen Erwägungen sollten das denn sein, die den Aktienhype unterbrechen sollten? Solange die FED und andere Notenbanken Geld in das System pumpen, und keine Inflation zu Tage tritt, geht´s weiter aufwärts.

    Wieso sollten gerade die Wallstreet Trump gefährlich werden. Die sägen doch selbts nicht den Ast ab, auf dem sie sitzen.

    Klar wird es Korrekturen geben, aber tendenziell geht es bis zu den US-Wahlen weiter aufwärts.

    Fraglich ist nur, was nach Trumps Wiederwahl passiert. Dann muss er den Markt nicht mehr stützen und kann in die Vollen gehen. Was immer er vor hat.

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      Wolfgang M.

      30. Dezember 2019 15:51 at 15:51

      @Zimmermann. Hallo. Finden Sie, dass der Artikel-Tenor sehr pessimistisch ist? Aus meinen Argumenten geht doch hervor, dass man alles versuchen wird, 2020 den Markt zu stützen. Ich habe vor allem auf gewisse Exzesse hingewiesen. Soll der 80 Prozent-Anstieg der teuersten Firma der Welt Apple (ausgenommen Aramco) so weitergehen, ohne entsprechende Gewinnsteigerungen? Der Chart nimmt doch bereits die Gestalt einer Exponentialfunktion an. Soll Tesla nach 93 Prozent plus in sechs Monaten so weiter steigen? Um dann mehr wert zu sein als Vw, die 10 Millionen Kfz im Jahr verkaufen? Das alles schreit doch nach Korrektur. Das war der tiefere Sinn des Artikels. Ansonsten ist der monetäre Faktor immer noch gewaltig.
      Grüße

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    Bullenjäger

    30. Dezember 2019 19:56 at 19:56

    @Zimmermann, sie werden langsam peinlich, wenn sie jeden nicht bullischen Bericht kritisieren. ( Oder machen sie die Stellvertretung von Betongoldi? ) Ich finde Wolfgang M. analysiert die Situation mit sehr viel
    Fachwissen u.beleuchtet alle Chancen u.Risken.
    Genau vor der Korrektur Ende 2018 hatten sie uns auch immer permabullisiert. Nachher hat man von Ihnen 2Monate Nichts mehr gehört. Es reicht ,wenn sie uns einmal pro Monat den Permabullen spielen u.nicht 3mal pro Woche.Übrigens Wallstreet ist nicht patriotisch, wenn die Ami-Aktien ausgereizt sind werden die DICKFISCHE auswandern u.in Märkte mit grösseren Chancen investieren.Ein ganz Dicker hat kürzlich entsprechende Aussagen gemacht.

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      Zimmermann

      30. Dezember 2019 22:24 at 22:24

      Realwirtschaftliche Daten und Fakten sind ohne Belang, solange die Notenabnaken Geld in das System pumpen. Das ist der Treiber der Aktienmärkte. Ob einem das gefällt oder nicht. Das hat nichts mit Permabullisieren zu tun. Sich dem Entgegenzustellen finde ich hingegen sinnfrei.

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        Columbo

        31. Dezember 2019 10:37 at 10:37

        @Zimmermann

        Es ist halt ein Unterschied, ob die Kurse durch realwirtschaftliche Fakten steigen oder durch Notenbankgeld.
        Zweiteres bedingt ein viel höheres Risiko, plötzlich nachhaltige Verluste zu erleiden.
        Einfach blauäugig in den Aktienmarkt rennen, weil die Notenbank Geld zur Verfügung stellt, ist gefährlich. Man muß da wohl andere Strategien fahren, als in „normalen“ Zeiten.

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    Torsten

    31. Dezember 2019 10:14 at 10:14

    Gestern sind 29 Aktien im DOW gefallen, 1 Aktie gestiegen – natürlich Apple – hier wurden noch schnell Aktienrückkäufe getätigt. Es ist immer gut nahe am ATH zu kaufen. Es wurden neue Kursziele von 350 Dollar ausgerufen, insofern ist Apple billig. :)

    Bei Gold und Euro scheint es auch Rückkaufprogramme zu geben. :))
    Weiter so!

  7. Avatar

    Torsten

    31. Dezember 2019 14:08 at 14:08

    Wenn man sich EUR/USD und GBP/USD ansieht scheinen große Summen aus Amerika nach Europa transferiert zu werden. Schieben die Amerikaner Geld nach Europa oder holt sich Europa Geld aus Amerika zurück.
    Die Lösung scheint mir die City of London zu kennen.

    Guten Rutsch an die Leser der FMW und an DOW und SP500! .)

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Aktien

Dax und die Risikoaversion – aktuelle Analystenmeinungen

Redaktion

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Risikoaversion und der Dax - wie geht es weiter?

Werden Dax, Dow und Co nach dem jüngsten Kursverlusten weiter fallen? Risikoaversion (auch Risk Off genannt) ist das Wort der Stunde, also die Flucht in den sicheren Hafen namens US-Dollar und hochwertige Anleihen, in Zeiten immer weiter steigender Corona-Ängste, welche die wirtschaftliche Erholung gefährden. Hier zunächst zwei aktuelle Video-Beiträge von Jochen Stanzl von CMC Markets:

Milan Cutkovic

Hier drucken wir die aktuelle Meinung von Milan Cutkovic ab, Marktanalyst bei Axitrader:

Die Börsen wurden zum Start in die neue Handelswoche von der Realität eingeholt. Dank des billigen Geldes der Notenbanken, drastischer Stützungsmaßnahmen der Regierungen weltweit sowie einer starken Nachfrage nach den Technologieaktien als Pandemie-Gewinner kannte der Aktienmarkt in den vergangenen Monaten nur den Weg nach oben. Die jüngsten Corona-Warnungen nach dramatisch steigenden Infektionszahlen sind nun eine kalte Dusche für die Investoren und die Erinnerung daran, dass wir uns weiterhin inmitten einer globalen Pandemie befinden.

Dass die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus im Herbst wieder steigen würde, wurde generell erwartet. An den Aktienmärkten bestand jedoch die Hoffnung, dass die Regierungen die Situation nun deutlich besser unter Kontrolle haben und weitere Lockdowns nicht nötig sein würden. In Großbritannien aber kalkuliert die Regierung aber bereits wieder mit einem solchen Szenario und bereitet weitere landesweite Restriktionen vor. Es besteht die Sorge, dass weitere Länder in Europa dem Beispiel folgen werden und die Wirtschaft erneut zum Stillstand kommt.

In den USA steht kein Durchbruch im Ringen um ein neues Corona-Hilfspaket in Sicht. Für die Anleger ist dies frustrierend, vor allem nach dem die Federal Reserve nicht weit genug ging. Ohne weitere Stimulus-Maßnahmen der Regierung könnte die Konjunkturerholung auf der anderen Seite des Atlantiks ins Stocken geraten.

Auch am Devisenmarkt ist in naher Zukunft mit erhöhter Volatilität zu rechnen. Neben der Pandemie dürften die US-Präsidentschaftswahl, die Brexit-Verhandlungen und geopolitische Spannungen die Wechselkurse wieder stärker bewegen. Aktuell sind aufgrund der Risikoaversion vor allem der US-Dollar und der japanische Yen gefragt.

Jasper Lawler

Jasper Lawler von LCG sagt aktuell (hier auszugsweise zitiert), dass er heute die Reaktion der Anleger auf den gestrigen großen Risiko-Off-Tag an allen Märkten, den so genannten „Battery Day“ von Tesla und die Aussage des Fed-Vorsitzenden Jay Powell beobachten werde. Der gestrige Tag sei ein klassischer Risiko-Off-Moment gewesen, an dem Aktien und Kryptowährungen einbrachen, während Staatsanleihen, der US-Dollar und der Yen zulegen konnten. Tech-Aktien würden sich seit einigen Wochen zurückziehen, aber gestern sei der Ausverkauf breiter gewesen, da die Industrieunternehmen im Dow schwer getroffen wurden. Der Silberpreis fiel am Montag an einem Punkt um 10%.

Einige Marktteilnehmer hätten auch argumentiert, dass das traurige Ableben der Richterin Ruth Bader Ginsburg und der Streit um ihre Nachfolge im Obersten Gerichtshof ein neues US-Konjunkturpaket noch unwahrscheinlicher gemacht habe. Wenn der Rückgang nur auf die Stimmung zurückzuführen ist, dann erhöhe dies die Chance auf einen Rückschlag am nächsten Tag – auch wenn einige wichtige technische Niveaus, darunter die 50 DMA im S&P 500 nachgegeben haben – dies begünstige weitere Abwärtsbewegungen.

Teslas Battery Day sei zum Teil ein PR-Gag, und zum Teil etwas Wesentliches für die Zukunft der Elektrofahrzeuge. Jede neue Generation von Tesla-Batterien sollte in der Lage sein, mehr Energie zu speichern und eine längere Lebensdauer zu haben – und damit die Reichweite und Kosten von Elektrofahrzeugen auf ein Niveau zu bringen, das von der breiten Masse akzeptiert werde.

Jasper Lawler weist auch darauf hin, dass Jerome Powell heute Nachmittag bei einer von drei Gelegenheiten in dieser Woche vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses über das CARES-Gesetz aussage – d.h. über das erste Konjunkturpaket. Für Großbritannien wird erwartet, dass Premierminister Boris Johnson gegen Mittag in einer Erklärung vor dem Unterhaus weitere Sperrmaßnahmen ankündigen wird.

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Indizes

Aktienmärkte: Abverkauf rund um den Globus – steckt mehr dahinter?

Dass der Technologieindex seine Talfahrt gebremst hat, während Value und die Nebenwerte richtig abstürzten, ist eigentlich ein schlechtes Zeichen für die Aktienmärkte

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Der gestrige Montag brachte schon einen richtigen Dämpfer für die Aktienmärkte in vielen Ländern – auch wenn viele Indizes zu Wochenbeginn noch nicht einmal in der Nähe des Korrekturmodus gestanden hatten. Klar, es passte alles: der vorherige auch durch Optionen gehypte Anstieg der Aktienmärkte in den USA, der große Verfall und die einprogrammierte Schwäche Ende des Monats September. Aber steckt vielleicht ein bisschen mehr dahinter? Eine kurze Spurensuche!

Aktienmärkte: Ende der Fünfmonatshausse oder normale Korrektur?

Bei solchen Kurseinbrüchen wie am gestrigen Tag ist man seitens der Analysten stets bemüht, rationale Gründe für einen ungewöhnlichen Tag zu präsentieren – man will den Kunden doch nahe bringen, dass man die Lage im Griff hat. Hat man natürlich nicht voraussehen können, einen zeitweiligen Einbruch des Dow Jones um 900 Punkte oder beim DAX um 600 Punkte. Was waren nun die vorgetragenen Gründe für den gestrigen Abverlkauf?

Anstieg der Coronafälle

Sicher ein Argument, wie aus den Zahlen hervorgeht, die Markus Fugmann gestern dargelegt hatte. Aber die kannte man schon am Freitag und in den USA war der Anstieg Ende Juli schon einmal deutlich höher.

Aber: Was interessant ist, dass genau die heiß gelaufenen Corona-Profiteure gestern schon wieder besser dastanden als der Gesamtmarkt. Rechnen die Börsianer mit Einschränkungen in der Wirtschaft, wo einmal mehr Hightech gefragt wäre?

Fehlende Einigung im Kongress zum fünften Konjunkturpaket

Ein Dauerthema ist das Warten augf den Stimulus – aber sollten die Konsumdaten nach unten zeigen oder gar die Arbeitslosenrate wieder steigen, würde Trump „Kröten schlucken“.

Tod der US-Richterin Ginsburg

Klare Belastung für die Aktienmärkte, wenn Trump seinen Willen durchsetzt – wegen der überragenden Bedeutung des Supreme Court, in dem die Richter auf Lebenszeit gewählt werden. Manchmal eine Periode von mehreren Präsidentschaftszyklen.

Handelsstreit USA – China

Die Unklarheiten über das Geschäft um Tiktok wird als einer der Gründe für die Marktturbulenzen gesehen, da Donald Trump einmal mehr mit seinen unbestätigten Details für Unsicherheit gesorgt hat. Aber das ist eher ein Randthema.

Bedeutsamer für die Schwäche der Aktienmärkte könnten die Signale für eine verlangsamte Konjunkturerholung sein, wie durch einige Verbraucherdaten ableitbar. Das war nicht eingepreist – und diese sich verschlechternde Situation könnten Anleger genutzt haben, um Gewinne mitzunehmen.

Sondersituation Dax

Der größte Einbruch beim DAX seit einem halben Jahr dürfte ein paar spezielle Gründe haben. Es konnte den Händlern nicht gepasst haben, dass die Börsenumsätze (außer beim Dreifachverfall) schon länger sehr mager waren, die Kurse sich kaum bewegt hatten. Dies hatte Spannung aufgebaut mit einem unweigerlichen Ausbruch – nach oben oder nach unten. Die Optionshändler hatten den Dax-Ständen von über 13.000 schon am Freitag nicht getraut und der VDaxNew war am Montag schon mit einem Sprung von 20 Prozent plus in den Tag gestartet. Dazu noch die Sondergeschichten um die Deutsche Bank, die Sorgen um die Lufthansa und die Touristikindustrie – und die Tatsache, dass sich unser Dax ganz einfach zur Mehrheit in ausländischen Händen befindet (USA 34 Prozent, Großbritannien 24 Prozent).

Es kam also einiges zusammen am gestrigen Tag, von dem das meiste unter dem Aspekt „die Kurse machen die Nachrichten“ zu subsumieren ist. Trotzdem:

Fazit

Der gestrige Tag hat zweifelsohne einige Planungen über den Haufen geworfen. Die meisten sehnten sich nach einer Korrektur von Fahnenstangengen-Charts wie bei Tesla, Apple oder erst beim Nasdaq. Eine gesunde Konsolidierung bei Dow und S&P 500 an der 50 Tage-Linie entlang und beim heiß gelaufenen Nasdaq ruhig etwas mehr in Richtung 15 Prozent. Dass aber der Technologieindex seine Talfahrt gebremst hat, während Value und die Nebenwerte richtig abstürzten, ist eigentlich ein schlechtes Zeichen für die Aktienmärkte. Damit könnte sich die Korrektur noch deutlicher ausweiten, beim Leitindex der Welt (S&P 500) bis zu seinem Aufwärtstrend bei 3100 Punkten.

Abhilfe könnte eine rasche Gegenbewegung schaffen, denn sonst gäbe es ein paar unangenehme Kollaterialschäden. Bei Millionen Kleinanlegern in den USA, die ihre schon sicher geglaubten Aktiengewinne verlören – teilweise mit Hilfe der ausgelaufenen 600 Dollar-Wochenschecks der Regierung. Auch allgemein können sich die USA keine größere Korrektur der Aktienmärkte in der jetzigen Situation des Landes erlauben. Bei einer fast 40 Billionen Dollar schweren Wall Street (S&P 500 über 29 Billionen Dollar in der Spitze) würde schon ein Anklopfen an den Bärenmarkt (-20 Prozent) ein größeres Verlust verursachen, wie die Fed in ihrer gesamten Bilanz (7,1 Bio) aufzuweisen hat.

Wird dieses Szenario die Trump-Administration und ihren Gehilfen (die US-Notenbank) nicht umgehend auf den Plan rufen? Schon die nächsten Tage werden spannend!

Was steckt hinter dem gestern globalen Abverkauf der Aktienmärkte?

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Finanznews

Aktienmärkte: Zwischen Abverkauf und short-squeeze! Videoausblick

Markus Fugmann

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Die Aktienmärkte gestern mit einem herben Abverkauf (vor allem der Dax!) – dann aber an der Wall Street im späten Handel zumindest noch eine Erholung, die den Schaden begrenzte. Auffallend ist, dass die US-Tech-Aktien sich noch am besten hielten, während klassische Branchen wie Reise und Banken stark unter Druck waren. Wie geht es für die Aktienmärkte nun weiter? Charttechnisch wie auch saisonal gibt es nun sehr viel Gegenwind, aber die Stimmung hat sich so schnell negativ gedreht, dass auch ein short-squeeze möglich ist. Zumindest kurzfristig dürfte gelten: in Rally eher verkaufen statt einen baldigen Wieder-Analuf auf neue Allzeithochs zu erwarten. Denn die Unsicherheit vor der US-Wahl ist immens..

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